The First Tree Test (Switch): Fuchs im Wald

von Mandi 16.04.2019

The First Tree entspringt aus der Feder von David Wehle. Das Game steckt euch in die Haut einer Füchsin, die einzelne Hinweise zusammensucht. Doch The First Tree scheint noch mehr zu bieten als ein simples Plattformer-Adventure – oder etwa doch nicht?

Die Geschichte von Joseph und Rachel

Alles beginnt mit einem Gespräch zwischen Joseph und Rachel. Das Paar spricht über einen Traum von Joseph, in dem eine Füchsin quicklebendig durch den Wald läuft. Während ihr die gut eingesprochenen Sequenzen hört, spielt ihr diesen Fuchs. Was eingangs an Bastion erinnert, verflüchtigt sich aber rasch – hier geht das Narrativ rasch in eine andere Richtung. Die Story entpuppt sich während der zwei Stunden Spielzeit als wenig oberflächlich, da sich beide SprecherInnen im Verlauf des Games öffnen und mehr plaudern.

Copyright: Nintendo

Ihr hingegen als Füchsin sprintet durch die Low-Poly-Umgebungen, ihr dürft ein wenig klettern und sogar Doppelsprünge vollführen. Der friedliche Walking Simulator bietet euch stets visuelle Hinweise zum nächsten Ziel. Es gibt keinen Fallschaden und keine Feinde in The First Tree, also seid ihr nur zum Erforschen hier. Verschiedene Abschnitte, die ein wenig an Jahreszeiten erinnern, bringen die Story voran. Das Adventure bietet Sammelwütigen sogar die Möglichkeit, 150 Glitzersterne zu sammeln, die ganz am Ende eine Bedeutung bekommen.

Die Technik hinter The First Tree

Die Optik des Spiels ist nett gelungen. Ein leichter Cel-Shading-Look hilft dabei, dass Farben gut herauskommen. Unterschiedliche Filter lassen die Umgebung mal strahlen und mal völlig in Finsternis getaucht erscheinen. Sogar ein wenig Flora hat es ins Spiel geschafft, und der Kameralinsen-Effekt, wenn ihr gegen die Sonne schaut, ist schön anzusehen. Die Animationen sind so wie die Spielphysik eher nicht ernstzunehmen und mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Die Kamera ist in Ordnung und patzt nur in Ausnahmefällen, bis ihr eingreift.

Copyright: Nintendo

Die musikalische Begleitung in The First Tree ist stets passend und leicht melancholisch geartet. Die Soundeffekte tun das ihre, so tapst eure Füchsin mal durch den Schnee, mal durch Gras, und die englischen Stimmen aus dem Off sind gut gelungen. Bei der Steuerung ist The First Tree ein wenig schwammig geraten, oft verhält sich die Füchsin weitaus weniger agil, als ihre Art das vermuten ließe. Nicht nur das, auch das Abschätzen eures Doppelsprungs ist manchmal sehr schwierig. Allerdings hält euch das nicht vom Spielen ab – es fällt nur ab und zu auf.

Vergleiche zu anderen Games

Um The First Tree richtig einzukategorisieren, bedarf es einiger anderen Spiele. Zuallererst könnte man sagen, dass es ein Indie-Mix aus Journey und flower ist – es gibt keine wirkliche Aufgabe, außer, dem Flow des Spiels zu folgen. Das Game dauert auch nicht allzu lange, wobei es sich gegen Ende des Titels deutlich zäher anfühlt als noch zu Beginn, zu wenig Abwechslung wird geboten. Die Musik scheint teilweise ein wenig an Detroit: Become Human zu erinnern, und zwar an die Melodien von Kara. Hier soll klar an die Emotion appelliert werden.

Generell darf ein Vergleich zu Okami HD nicht fehlen, denn auch dort springt und wuselt ein Vierbeiner durch die Gegend. Doch in The First Tree habt ihr keinen einzigen Kampf zu bestreiten, und die zwei Sammelrätsel im Spiel machen das Kraut auch nicht fett. Viel gibt es hier tatsächlich nicht zu tun, und abgesehen vom Ende, das euch plötzlich in eine ganz andere Perspektive hievt, ist hier nicht viel an unterschiedlichen Reizen zu erwarten. Es gibt einfach nicht viel zu tun in The First Tree, doch wenn ihr abschalten und die Umgebung genießen und erforschen wollt, seid ihr hier goldrichtig.

Fazit zum Spiel: Netter Mix zum Abschalten

The First Tree hat sich ein schwieriges Thema ausgesucht. Depression und der Umgang mit Verlust ist nie einfach zu porträtieren. Ähnlich wie Massira wandelt auch dieser Titel auf dem Drahtseil zwischen Stimmungskiller und Oberflächlichkeit. David Wehle hat es jedoch geschafft, ein Spiel zu erschaffen, das dank seiner Protagonistin einen Reiz bekommt. Das Game hat eine Spieldauer von etwa zwei Stunden, und die erste Stunde verfliegt wie im Nu. Durch das Leveldesign gegen Spielende zieht sich The First Tree aber unnötig, „in der Kürze liegt die Würze“ stimmt hier zu 100 Prozent.

Wollt ihr einmal als Fuchs unterwegs sein und ganz wie in Seasons after Fall gemütlich erforschen, seid ihr hier goldrichtig. Es gibt nicht viel zu tun, und die Geschichte wird euch stückchenweise präsentiert. Kommt ihr damit klar, ist The First Tree eine Empfehlung wert. Wollt ihr aber verschiedene Aufgaben erledigen, eine vielschichtige Story enthüllen oder anspruchsvolle Geschicklichkeitspassagen spielen, ist das nicht euer Titel. Alles in allem könnt ihr hier im Abverkauf bedenkenlos zugreifen, wenn ihr einen Abend entspannt verbringen wollt.

Wertung: 6.0 Pixel

für The First Tree Test (Switch): Fuchs im Wald von Mandi