Okami HD (Switch) im Test: Hier ist der Wolf daheim

von Mandi 20.08.2018

Switch-BesitzerInnen aufgepasst: Der nächste Pflichttitel ist angekommen! Wenn ihr Okami HD noch nie gespielt habt, gebt ihm eine Chance – so gut ist es. Wollt ihr mehr erfahren, lest das Review! Zur offiziellen Website des Spiels geht’s hier.

Der beste Wolf-Simulator aller Zeiten?

Okami HD ist eine völlig überarbeitete Hommage an eines der besten und schönsten Spiele der PS2-Ära. Durch den eigenwilligen Sumi-e-Tinten-Zeichenstil sieht Okami HD wie ein lebendiges Tuschewerk aus. Das Spiel hat sich den Sprung auf aktuelle Hardware vollkommen verdient, und die Nintendo Switch-Version unterstreicht dies eindrucksvoll.

Die Welt von Okami HD ist eine klassische Version von der Vergangenheit Japans. In dieser fernöstlichen Welt kommt das ultimative Böse, nämlich der mehrköpfige Dämon Orochi, zum Vorschein. Gut, dass die Sonnengöttin Amaterasu rechtzeitig erwacht, um dies zu verhindern! Ihr übernehmt die Kontrolle der Göttin, die in Form einer Wölfin herumwandelt.

Um Frieden und Ruhe wieder herzustellen, muss Amaterasu 13 Pinseltechniken erlernen. Ihr könnt nämlich nicht nur mit eurer vierbeinigen Protagonistin rasch herumlaufen, sondern auch Göttliche Pinseltechniken einsetzen. Dieses Gameplay-Element pausiert eure Sicht und lässt euch direkt ins Geschehen Dinge zeichnen.

Nach wie vor einzigartig: In die Welt pinseln

In Okami HD erwarten euch viele Fähigkeiten, die ihr fast zu jeder Zeit einsetzen könnt. Da das gesamte Werk stets irgendwie auf eure Künste reagiert, macht das Okami HD um so schöner. Malt ihr etwa einen Kreis in den Himmel, lasst ihr die Sonne erstrahlen, und mit einer Sichel ruft ihr die Nacht herbei. Das ist aber noch nicht genug, denn das sind nur die Basics.

Eure Amaterasu darf mächtige Schnitte austeilen, tote Bäume wieder zum Leben erwecken oder sogar die Zeit verlangsamen. Das hilft euch wiederum dabei, zerstörte Gebäude und Sehenswürdigkeiten zu reparieren oder auf Seerosenblättern zu reisen. Sogar Bomben lassen sich rasch hinzeichnen, um weitere Orte zu öffnen.

Okami HD wartet mit teils einfachen und teils knackigen Rätseln auf. Jede neu erlernte Pinseltechnik eröffnet euch neue Möglichkeiten, um die Welt zu erforschen oder Schätzen nachzujagen. Auch in den eigenen Kampfbildschirmen, in die ihr dann und wann geworfen werdet, ist der Pinsel nützlich. Ob ihr den Touchscreen nutzt oder mittels Analog-Sticks zeichnet, ist euch überlassen.

Zwischen Dad Jokes und unwiderstehlichem Charme

Weiters kann das Game mit einem wundervollen Humor-Stil glänzen. Die herrlich überzeichneten Charaktere sind bestimmt nicht für alle SpielerInnen ansprechend, für mich jedoch ist es einfach klasse. Nichts geht über den drolligen Floh Issun, der immer wieder absolut schlechte Scherze ablässt. Eure stumme Heldin Amaterasu jault und heult teilweise auf, wenn ein Wortspiel so richtig daneben geht – genial!

Doch auch andere Charaktere wie Susano und Waka bleiben im Gedächtnis. Während ihr mit eurer Wolfsgestalt die Welt erkundet und dabei Wandsprünge vollführt, passiert rund um euch immer wieder etwas Neues. Den Schritten von Amaterasu folgen immer kleine Grasbüschel und Bäumchen, die einfach so sprießen, das sieht klasse aus!

Die Spielzeit von Okami HD ist enorm, ihr könnt locker zig Stunden in der alten japanischen Welt verbringen. Wenn ihr also zu den SpielerInnen gehört, die sich die Zeit nehmen, um an den Blumen zu riechen, seid ihr hier mehr als willkommen. Ihr solltet auf jeden Fall an die 40 Stunden einplanen, um die Story durchzuspielen.

Dorfbewohner, die mit Wölfen sprechen

Obwohl die Grafik eines der meistzitierten Dinge an Okami HD ist, so gibt es genau in dieser Abteilung eine kleine Schwäche. Das betrifft nämlich die Zeichendistanz im Game. Auffallend oft seht ihr in der Entfernung plötzlich Bäume und Pflanzen aufploppen. Dafür kann die Farbenvielfalt und Optik ansonsten vollends überzeugen.

Weiters ist das alte Problem von Third-Person-Perspektiven auch in Okami HD vorhanden. Die Kamera ist zwar zu 98 Prozent da, wo sie sein soll, aber gerade in engen Passagen greift ihr euch an den pelzigen Schädel. Dafür könnt ihr die Kamera auch zu jeder Zeit justieren, dieser Punkt fällt also für mich nicht stark ins Gewicht. Was ebenfalls ein wenig nervt, ist das Gebrabbel während der Dialoge (mit + überspringbar). Wenn ihr auf Simlisch steht, ist die Sprachausgabe aber sogar positiv!

Die Dialog-Last ist in Wahrheit der größte Schwachpunkt in Okami HD. Wenn ihr die Geschichte schon mal gespielt habt, empfiehlt es sich fast, die Dialoge zu überspringen. Doch spielt ihr das Game zum ersten Mal, können euch die teils minutenlangen Sequenzen schwer aus der Bahn werfen und ermüden.

Wie The Legend of Zelda, nur als Vierbeiner

Abgesehen von den kleinen Wermutströpfchen macht dieses Game so viel richtig. Jede neue Pinseltechnik lässt sich mit etwas Übung locker einsetzen, und gerade im Erforschungsdrang könnt ihr euch immer auf die Tusche verlassen. Darüber hinaus bemerkt ihr erst später im Spiel, welche Gameplay-Möglichkeiten Okami HD von Anfang an bietet.

Allerdings ist Okami HD manchmal ein Opfer seines eigenen Umfangs. Manche Plätze fühlen sich zwar liebevoll designed, aber letzten Endes doch leer an. Manchmal sind dann genau dort kleine Schätze versteckt, aber so richtig belohnt wird der Geist der Suchenden dann auch nicht. Dabei werdet ihr für euren Einsatz mit Aufwertungspunkten entlohnt, damit dürft ihr Amaterasu dann verstärken.

Ich gehe sogar so weit, dass das Game in seinem Gesamtbild nach wie vor ein Pflichttitel für alle SpielerInnen sein sollte. Die kreativen Ergüsse in Sachen Gameplay, Rätsel und Charaktervielfalt sind etwas, was ihr erlebt haben müsst. Es sei euch verziehen, wenn Okami HD bis jetzt nicht auf eurem Radar war. Doch anspielen sollte dieses Meisterwerk jeder!

Die Switch-Version ist die definitive Edition von Okami HD

Was gibt es da noch zu sagen? Okami HD für Nintendo Switch ist zweifellos die Version, die ihr für diesen Klassiker erstehen solltet. Der Tusche-Stil und die Animationen versprühen mehr Charme als so manch fotorealistisches Spiel der letzten Jahre. Dabei ist es euch überlassen, wie stark der Filter eingesetzt wird – eine Menü-Option hilft euch bei der Veränderung der Optik.

Die Steuerung wurde ideal umgesetzt, egal, ob ihr mit Touchscreen oder Stick zeichnet. Der Umfang ist enorm, und Spielzeiten an die 60 Stunden sind keine Seltenheit, wenn ihr nur ein wenig auf Erforschung steht. Eine Schnellreise ist vorhanden, die Kämpfe abwechslungsreich, und die Pinseltechniken fügen sich nahtlos in das Gameplay und Design ein. Da kommt kein anderes Spiel ran!

Wenn ihr mit den wenigen Schwachpunkten von Okami HD klarkommt, ist dieses Spiel ein Meisterwerk. Das Gebrabbel als Sprachausgabe, der sehr langatmige Einstieg und die teils bockige Kamera sind die Schwachstellen des Titels. Das Herz von AbenteurerInnen schlägt bei Okami HD höher, und Fans von Tusche-Zeichnungen erleben hier einen wahr gewordenen Traum. 20 Euro kostet der Spaß, lasst ihn euch nicht entgehen!

Wertung: 9.0 Pixel

für Okami HD (Switch) im Test: Hier ist der Wolf daheim von Mandi