Uncharted Lost Legacy Test: Zwei Ladies für ein Halleluja

von Stefan Hohenwarter 17.08.2017

In wenigen Tagen erscheint der Spin-off Uncharted Lost Legacy, in dem ihr mit den Chloe Frazer (Uncharted 2) und Nadine Ross (Uncharted 4) auf Schatzjagd geht – ob diese von Erfolg gekrönt wird, und einen Nathan Drake vergessen machen, erfahrt ihr in meinem Uncharted Lost Legacy Test.

Zwei Ladies für ein Halleluja

Mit Uncharted 4: A Thief’s End erlebten wir das letzte Abenteuer eines Diebes. Im Epilog durften wir Nathans Tochter spielen, die haufenweise Artefakte aus den Schatzjägerabenteuern ihres Vaters findet. Als langjähriger Fan der Serie weckte das natürlich viele Erinnerungen an beispielsweise Shambala oder El Dorado in mir. Für Lost Legacy entschloss sich Naughty Dog den Schatzjäger nicht aus dem Ruhestand zu holen, sondern mit Nadine Ross und Chloe Frazer zwei alte Bekannte auf die Suche nach einem sagenumwobenen indischen Artefakt – den Stoßzahn der Gottheit Ganesha – zu schicken. Ob das gut geht?

Nadine Ross ist wohl allen SpielerInnen von Uncharted 4 als schroffe und abgebrühte Söldnerin und Chloe als gute Freundin von Nathan Drake in Erinnerung geblieben. Im Spiel steuert ihr ausschließlich Chloe, während euch Nadine als Partnerin in jeder noch so schwierigen Situation zur Seite steht. Ich hatte anfangs Bedenken, ob diese Duo den lieb gewonnenen Sohn den Nachfahren von Sir Francis Drake ersetzen können. Diese Zweifel legten sich allerdings sehr schnell, denn die beiden besitzen genügend Tiefe und Profil, um bis zum Ende des Abenteuers interessant zu bleiben.

Uncharted Lost Legacy Test

Asav, der Antagonist

Leider, leider ist der Antagonist für mich zu farblos. Warum muss es so ein generischer 08/15-Bösewicht sein, der ohne Gründe Kriege provoziert, Schätze plündert und nur den eigenen Reichtum im Sinn hat? Er ist ein Rebellenanführer, der ehemals für die indische Regierung arbeitete. Eines Tages war er mit den Entscheidungen seiner Arbeitgeber nicht mehr einverstanden und so gründete er eine Widerstandsbewegung. Für mich persönlich ist diese Hintergrundgeschichte zu lieblos und generisch, weshalb Asav im Gegensatz zu einem Vas aus Far Cry 3 nicht lange in Erinnerung zu bleiben wird.

Singleplayer = “More of the same”?

Gameplay-technisch orientiert sich Uncharted: Lost Legacy sehr stark an Uncharted 4 – so habt ihr standardmäßig den Enterhaken mit, fahrt mit Jeeps querfeldein, klettert in bester Free-Climbing Manier herum, sammelt kleine Schätze, die überall versteckt sind, löst Indiana Jones-like Rätsel und legt euch mit unzähligen Feinden in Feuergefechten sowie Faustkämpfen an. Soweit klingt alles vertraut, doch es gibt auch ein paar feine Neuerungen. So kann Chloe Kisten mit einem Dietrich im Stile von Skyrim Kisten öffnen und fleißige SchatzjägerInnen können mit dem Rubin der Königin Schätze wie mit einem Metalldetektor suchen. Das war es dann aber mit den Neuerungen. Fairerweise muss man aber sagen, dass das Gameplay von Uncharted 4 schon auf einem sehr hohen Niveau war.

Überleben und Mehrspielergefechte

Für mich ist Uncharted ein reines Singleplayer-Spiel. Es gibt zwar Multiplayer-Möglichkeiten, doch sind diese für mich maximal Mittel zum Zweck. Besonders viel Tiefe oder Wert besitzen diese meiner Meinung nach nicht. Der Vollständigkeit halber möchte ich den Abschnitt, der für manche sicher einen Mehrwert bietet, anführen. So erwarten euch klassische kompetitive Mehrspieler-Modi wie auch der neue Survival Arena-Modus. Detail am Rande: Diese Modi (inkl. dem Survival-Arena-Modus) erhalten auch alle BesitzerInnen von Uncharted 4 kostenlos.

Uncharted Lost Legacy Test-Fazit

Uncharted Lost Legacy erfindet das Rad definitiv nicht neu. Die Singleplayer-Kampagne verlässt sich auf die Erfolgsfaktoren von Uncharted 4 und beschert euch ein rund 6-8 Stunden langes Abenteuer mit zwei neuen Protagonistinnen. Ich hatte es anfangs nicht gedacht, aber ich habe die Ladies nach kurzer Zeit ins Herz geschlossen, obwohl ich sie bei ihren bisherigen Auftritten als egal bzw. eher als unnötig empfunden hatte. Nach dem Abschluss der Singleplayer-Kampagne gehe ich sogar soweit, zu sagen, dass ich mich schon auf das nächste Abenteuer mit den Nadine und Chloe freue. Sie haben ihre Sache beim Debüt wirklich sehr gut gemacht. Der Schauplatz Indien mit seiner Mythologie trägt zur Atmosphäre bei und ich bin wirklich froh, dass dieses Mal endlich einmal nichts Übernatürliches vorkommt. Abzüge gibt es für mich nur für den halbherzigen Multiplayer-Modus und den generischen Antagonisten.

Torzdem: Wer die Uncharted-Reihe mag, macht mit dem Kauf von Lost Legacy, auch wenn das Abenteuer etwas kurz geraden ist, definitiv nichts falsch.

Wertung: 9.4 Pixel

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