Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint im Review

von Michael Neidhart 04.10.2019

Mit Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint schlüpft ihr wieder in die Rolle der Ghosts und müsst bei diesem Auftrag den friedlichen Forschungsarchipel Aurora von einer Bande revolutionärer Soldaten befreien. Ob Solo oder in der Coop-Variante, die taktischen Aufträge erfordern viel Geschick und Klugheit von euch.

Idylle im Südparzifik

Weiße, von Palmen gesäumte Strände, mächtige Berge und zahlreiche Dörfer und Hightech-Wohnsiedlungen, das ist Aurora. Der Archipel in der Südsee bietet seinen Bewohnern alles erdenklich mögliche. Hier wir die Welt von morgen, die Welt 2.0 kreiert. Was wie ein Werbespot klingt, ist tatsächlich einer. Mit ähnlichen Worten beginnt ein Video des Gründers der ganzen Sache, Jace Skell. Seine Skell Tech Corporation forscht auf Aurora und entwickelt vor allem Dronen und AI.

Die Welt von morgen

Um die Sicherheit auf dem Archipel zu gewährleisten, heuerte Skell die Sentinals an, eine Einheit, die auf dem ganzen Archipel patrouilliert. Der Rest der Einheimischen verteilt sich auf die Homesteaders, die ersten Siedler hier und die Outcasts, ehemalige Skell Tech Mitarbeiter, welche gegen die Firma revoltieren. Alle Zutaten für eine spannende Story sind also vorhanden.

Kontaktabbruch

Die CIA fand heraus, dass irgendetwas kräftig schief läuft auf Aurora. Alle Kommunikation ist unterbrochen, niemals ein gutes Zeichen. Also müsst ihr mit eurem Team von Ghosts mal nach dem Rechten sehen. Wie zu erwarten war, geht die Landung mächtig schief und ihr müsst euch zunächst einmal orientieren. Dieser erste Teil fühlt sich zwar nicht neu an, wie viele Filme oder Actionspiele beginnen ihre Story mit einem Absturz, im ganzen Insel-Setting macht es aber durchaus Sinn. Nachdem euch das Spiel direkt zum Unterschlupf der Homesteaders gelotst hat, seid ihr im Spiel angekommen.

Erewhon, so heißt die Höhle, die Unterschlupf bietet, dient als HUB für all eure Missionen, seien es Side-Quests, RAIDs, PVP-Kämpfe oder einfach nur die Hauptgeschichte. Auch wenn ihr die Kampagne von Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint Solo durchspielen könnt, macht die ganze Sache im Coop natürlich wesentlich mehr Spaß. So ein gemeinsamer Helikopter-Flug in den Sonnenuntergang schweißt das Team zusammen. Das die Atmosphäre, welche mit dem Intro generiert wird, wenige Überlebene Ghosts, durch diesen Mehrspieler-HUB ein wenig zerstört wird, ist klar, ist aber auch der Konzeption des Spiels geschuldet.

Fahren oder Fliegen?

Generell bietet Breakpoint allerlei Varianten, mit seinem Team zu einem Einsatz zu kommen. Aurora ist ein ziemlich großer Archipel und die verschiedenen Einsätze beginnen nicht gleich um die Ecke. Wollt ihr zum Beispiel die Fraktionsmissionen der Outcasts in Angriff nehmen, müsst ihr zunächst ganz in den Süden, auf die Windy Islands, um dort mit deren Anführerin zu quatschen. Neben erwähnten Helikoptern bietet der Fuhrpark dazu noch Motorräder, unterschiedliche Jeeps und auch die Fahrzeuge der Locals dürfen ohne Reue ausgeborgt werden.

Im Kern ist Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint der selbe, gut ausgetüftelte Taktik-Shooter, wie ihn die Serie schon öfters ausgespuckt hat. Bereich observieren, Taktik überlegen, Equipment checken und gemeinsam losschlagen. All das gehört auch in Breakpoint zum täglichen Geschäft. Dennoch schaffte es Ubisoft dem Franchise einen neuen Schliff zu geben. Das Team fügte zum gut funktionierenden Prinzip neue und sinnvolle Features hinzu. Neu nicht im Sinne von Innovation, keines der Features ist neu in der Gaming-Welt. Aber neu für die Serie.

Ghost Recon Breakpoint – Neuerungen

Das Klassensystem wurde überarbeitet und dank neuer Gadgets fühlt man sich auch als Solo-Spieler nicht ganz so hilflos. Mit dem Shared Progression System ist außerdem gewährleistet, dass euer Ghost über alle Varianten hinweg gleich bleibt, dass heißt, Waffen, Gadgets und Fähigkeiten verbessern funktioniert sowohl via PVE als auch PVP.

Ein schönes und von der Community vielfach gewünschtes Thema ist das Tragen von Körpern. Immerhin geht es bei Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint nicht um brachiales „Wir schießen alle über den Haufen“ sondern um kluges und taktisches Vorgehen. Obwohl das eine das andere nicht unbedingt ausschließt. Um herauszufinden, was auf Aurora los ist, gehört es zu einer der ersten Aufgaben, mit Jace Skell, dem Skell Tech Boss, zu sprechen. Dumm nur, dass ihn niemand gesehen hat. Um der Sache auf den Grund zu gehen, infiltriert ihr sein Anwesen, welches natürlich gut bewacht ist.

Bist du John Wick oder James Bond?

Am untersten der vier Schwierigkeitsgrade genügt auch der Berserker-Modus, also ein Durchmarsch a la John Wick. Mehr Spaß macht es aber natürlich, als Team vorzugehen. Also mit der Drohne Aufklärungsarbeit leisten, Gegner markieren und mögliche Eingänge finden. Den Scharfschützer etwas abseits positionieren und von mehreren Seiten ins Gebäude eindringen. Aber egal wie gut ihr den Einsatz plant, eine vergessene Leiche am Balkon später fluchen drei Leute ins Headset und zurück zu Plan B.

Ausruhen und Ausrüsten

So ein Leben als Ghost ist ganz schön anstrengend, weshalb es immer wieder Verschnaufpausen braucht. Dazu gibt es über ganz Aurora verteilt Biwaks. Hier können neue Gadgets gecraftet werden, die Klasse eures Charakters verändert oder temporäre Boosts angewendet werden. Genaueres Zielen für 20 Minuten oder weniger Ermüden für 15, nur um euch ein Beispiel zu geben. Praktisch ist auch, dass hier Fahrzeuge geparkt bzw. bestellt werden können. Finden lassen sich diese Biwaks recht einfach. Entweder mit Aufklärungsflügen der Drohne oder durch die Informationen, die überall auf Aurora verteilt sind.

Über diese Infos stolpert ihr meist zufällig oder weil eure Drohne sie gespottet hat. Es lohnt sich also, immer wieder mal abseits der Pfade unterwegs zu sein. Das erste Biwak fand ich beim Umgehen einer Straßensperre. Um einem Kampf auszuweichen, mir war gerade nicht danach, schlich ich durchs Unterholz und stieß dabei auf eine kleine Höhle. Darin fanden sich die Koordinaten für das Biwak und ein bisschen Munition. Oft könnt ihr euch bei gefundenen Informationen zwischen verschiedenen Dingen entscheiden. Dann steht zum Beispiel sowohl die Lage eines Biwaks, als auch eine Blaupause für eine neue Waffe zur Auswahl. Ihr müsst euch entscheiden, was in diesem Moment wichtiger ist.

Lange Märsche erschöpfen

Über die Insel zu Streifen ermüdet aber selbst einen gut trainierten Ghost und so braucht es nach Sprints immer ein bisschen Erholung. Das neue Gesundheitssystem von Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint wirkt sich auch entscheidend auf Kämpfe aus. Wer verletzt ist, kann sich nicht mehr so schnell bewegen und der Gesundheitsbalken lädt sich auch erst dann wieder voll auf, wenn ihr die Verletzungen heilt. Das dauert einen kurzen Moment und wird am besten in Deckung erledigt. In einer schönen Animation legt sich euer Ghost dann Bandagen an, die im weiteren Spielverlauf sichtbar sind.

Das der Charakter ermüdet finde ich prinzipiell gut, nervig wird es, wenn beim Runterrutschen eines Berges alle Energie aufgebraucht wird. Ein Ghost sollte zumindest für kurze Steilhänge fit genug sein. Was Ubisoft hier auch unbedingt verbessern muss ist das System der Trinkflasche. Trink ihr einen Schluck daraus, seid ihr gleich wieder fit. Leider dauert das Trinken samt Animation fast gleich lange, wie die normale Erholung ohne zu trinken. Da muss noch nachgebessert werden.

Welcher Typ bist du?

Vier Klassen stehen in Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint zum Launch zur Auswahl: Assault, Field Medic, Panther und Sharpshooter. Wie aus unzähligen anderen Spielen bekannt, verfügt jede davon über besondere Features und Gadgets, die eurem Spielstil entsprechen sollen. Praktisch ist, dass euer Ghost mehrere parallel haben kann, was ihn sozusagen zu einem Allrounder macht. Das ist für Solo-SpielerInnen natürlich sehr praktisch. Als Team macht es mehr Sinn, verschiedene spezialisierte Mitglieder zu haben und diese dann auch nach ihren Fähigkeiten einzusetzen.

Assault, Field Medic, Panther oder doch Sharpshooter?

Mit zunehmendem Spielverlauf und der Zeit, die ihr investiert, wird der Ghost immer besser und stärker. Neue Skills werden mit sogenannten Skill Points erkauft und ergeben, ganz nach bester Rollenspielmanier, bessere Fertigkeiten und Boni. Das Menü dazu wirkt auf den ersten Blick ein wenig konfus, da es nicht wirklich eine vorgefertigte Linie gibt. Habt ihr aber erst einmal ein, zwei Skills hinzugefügt, wird alles leichter und zudem ist es recht offen. Ihr habt relativ freie Hand, um euren Ghost zu gestalten. Dass manche der Skills eigentlich unnütz sind, scheint sogar Ubisoft klar zu sein. Um einen nächsthöheren Skilltree freizuschalten, müssen lediglich zwei von vier Skills aktiviert werden.

Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint – Umfang

Aurora lädt ein zum Verweilen. Der Archipel ist tatsächlich schön gestaltet und Langeweile kommt nur selten auf. Schon zu Beginn steht euch beim Hauptquartier der Homesteaders, der Höhle Erewhon, ein kleiner Hubschrauber zur Verfügung. Aller Aufklärung seitens der Sentinals zum Trotz passiert bei einem Überflug über die Insel eigentlich nichts. Erst das Landen bringt oft die Gefahr eines gegnerischen Angriffs. Um auf der riesigen Karte den richtigen Weg zu finden bietet Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint kleine Hilfen an. Im Geführten Modus lotst euch das Spiel zu den Quest-Punkten, die ihr eurem Portfolio angeheftet habt. Das können maximal drei zur selben Zeit sein.

Die Entdecker unter euch können auf diesen Modus verzichten und lediglich anhand der Anhaltspunkte das jeweilige Gebiet durchkämmen, um die Mission so abzuschließen. Zum Launch stehen bereits 28 Hauptstory-Missionen, 30 Aurora Missionen und 12 Fraktionsmissionen an. Ein Infofenster zeigt, ob ihr stark genug seid, eine Mission zu schaffen oder ob es noch ein bisschen mehr Erfahrung braucht. Wer keine SpielpartnerInnen am Start hat, kann sich dank der LOBBY einfach welche suchen und dabei auch angeben, welchen Spielstil er oder sie bevorzugt. Einfach durch Aurora streifen, die Story vorantreiben oder Lager der Wolves, einer weiteren feindlich gesinnten Spezialeinheit, ausheben, alles ist möglich und erlaubt. Das Missionsdesign selbst ist eigentlich gut gelungen. Wie es sich für Spezialeinheiten gehört, geht es hauptsächlich ums infiltrieren von Gebieten oder Gebäuden. Eine schlauere KI würde aber für mehr Spannung und Action sorgen.

Rundum-sorglos-paket?

Es gäbe noch soviel, dass ich euch über Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint erzählen könnte. Manche der Features kennen geneigte RollenspielerInnen aber ohnehin aus anderen Games. Waffen verbessern, Medizin oder Sprengstoff basteln, all das geht auch hier. Leider wirkt es teilweise so, als wäre es nicht wirklich Teil der Welt. Ich hatte oft das Gefühl, wahrscheinlich aufgrund der schwachen KI, ohne Gadgets und spezielle Waffen genausogut zurecht zu kommen. Einzig die Drohne hat es mir tatsächlich angetan.

Das es natürlich auch die obligatorischen Microtransactions gibt stört mich zu Beginn jetzt einmal noch nicht so sehr. Ich hatte nicht den Eindruck, zumindest im PVE, dass ich etwas kaufen müsste, um voranzukommen. Wenn Ubisoft, wie angekündigt, noch weiter am Spiel arbeitet und es vielleicht schafft, die KI aufzuwerten kann Breakpoint lange motivieren. Für Neueinsteiger oder Heimkehrer ins Genre ist auf jeden Fall viel vorhanden.

Wertung: 7 Pixel

für Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint im Review von Michael Neidhart

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