Diablo: Immortal und die Rache der Fans

von Bernhard Emig 04.11.2018

Hat Blizzard diesen Hass verdient? Als auf der BlizzCon Eröffnungszeremonie als Highlight zum Schluss ein neuer Diablo-Titel vorgestellt wurde, blieb es gespenstisch ruhig im Auditorium. Bei Diablo: Immortal handelt es sich nämlich nicht etwa um den langersehnten PC-Nachfolger von Diablo III, sondern um ein Mobile Game. Im anschließenden Q&A mussten sich die Developer rund um Diablo-Urgestein Wyatt Cheng sogar Buh-Rufe und feindselige Fragen gefallen lassen. Dabei ist die Blizzard-Community doch für ihre Treue und Begeisterungsfähigkeit bekannt. Bei Titeln wie Overwatch freuen sich die Fans sogar über einen einzigen neuen Charakter wie die SchneekönigInnen. Was ist hier schief gegangen? Da spielen wohl mehrere Faktoren zusammen, die ich in diesem Artikel analysieren möchte.

© Blizzard Entertainment

Hassobjekt Mobile Game

Wie sehr uns Blizzard auch glauben machen will, dass ihre Community durch ein gemeinsames Hobby geeint sei, so sehr hat sich bei der Ankündigung von Diablo: Immortal gezeigt, wie tiefe Gräben sie eigentlich durchziehen. PC-SpielerInnen und Mobile-SpielerInnen bilden schon allein demografisch eine sehr geringe Schnittmenge. Dass Blizzard sich vor versammelter Fangemeinde dieses PC- und Konsolenspiels die Blöße gibt, ein Casual-Spiel für Smartphones anzukündigen, stößt vielen Serien-VeteranInnen sauer auf. Wie soll denn bitteschön auf einem 6 Zoll großen Touch-Screen das tiefe Skill-System eines aRPGs funktionieren? Das wird doch sicher wieder so ein mit Lootboxen und Microtransaktionen gespickter Pay2Win-Nepp. Als hätte das Auktionshaus in Diablo III nicht schon genug Kritik auf sich gezogen. Das Spiel sei doch nur ein Re-skin von Crusaders of Light einem anderen aRPG des für die Umsetzung verantwortlichen chinesischen Developers NetEase. Alles berechtigte Zweifel, aber trägt Blizzard nicht auch selbst schuld an der Misere?

Ungerechtfertigter Hype

Seit vier Jahren schnetzeln sich SpielerInnen von Diablo III nun schon durch die Welt von Reaper of Souls, der letzten und einzigen Erweiterung des Spiels. Seit eineinhalb Jahren auch in der Rolle des Necromancers, der die „große“ Überraschung der BlizzCon 2016 sein sollte. Seither harren SpielerInnen auf neue Inhalte, wie sie es von anderen Blizzard Titeln wie Overwatch, Hearthstone oder World of WarCraft gewöhnt sind – bis dato vergeblich. Bereits 2017 ließ Blizzard immer wieder mit Stellenausschreibungen, kleinen Hinweisen und versteckten Botschaften aufhorchen, die einen baldigen Nachfolger, also ein echtes Diablo IV, in Aussicht stellten. Richtig konkret wurde es dann im August, als Community Managerin Brandy Camel in einer Twitter-Botschaft verlautbarte, dass sich gleich mehrere Diablo-Titel in Umsetzung befänden, und dass man am Ende des Jahres mehr dazu veröffentlichen werde. Spätestens jetzt war der Diablo-Hype im vollen Gange.

So schön wär’s gewesen

© Blizzard Entertainment

Die Foren überschlugen sich in Euphorie, sodass sich Blizzard in einer weiteren Presseaussendung gezwungen sah, den Hype zu dämpfen, und die Hoffnung auf ein Diablo IV auf der BlizzCon 2018 zu zerstören. Doch auch das konnte der angeheizten Fantasie der Fans keinen Abbruch tun. Es war ja von „mehreren“ Projekten die Rede! Also gab es immer noch berechtigte Hoffnungen auf ein zweites Diablo III-Add-On, ein mögliches Remaster eines der ersten beiden Teile, oder zumindest Content-Updates in Form von DLCs für das stagnierende Diablo III.

Nichts dergleichen ist es geworden. Stattdessen beschränkte sich sie große Ankündigung auf ein Mobile-Game, deren Fans mal wohl überall besser hätte erreichen können, als auf der BlizzCon. Dabei ist Blizzard nicht der einzige Publisher, der bereits erfolgreich am Mobile-App Markt Fuß gefasst hat. Nintendo landete mit Pokémon GO, Super Mario Run und Firem Emblem Heroes veritable Smartphone-Hits, und auch Blizzard konnte mit Hearthstone bereits eine Millionen-Fangemeinde auf kleinen Bildschirmen für sich verbuchen.

Allerdings sind das alles Marken, die auf mobilen Geräten groß geworden sind. Zu allem Überdruss kommt Diablo: Immortal zu einem Zeitpunkt, wo sich Publisher wie EA mit lauen Mobile-Aufgüssen altehrwürdiger Marken den raschen In-App-Reibach erhoffen. Command & Conquer: Rivals und Star Wars: Galaxy of Heroes sind nur zwei Botschafter des negativen Rufs, den sich mobile Spiele erarbeitet haben.

Abwarten und Tee trinken

Auch wenn die letzten BlizzCons nicht unbedingt meinen Geschmacksnerv getroffen haben, bemitleide ich Blizzard in dieser Causa. Noch ist gar nicht absehbar, was für ein Spiel Diablo: Immortal werden wird. Es könnte ein neuer Smartphone-Hit wie Hearthstone werden, und ganz neue Zielgruppen für das Diablo-Franchise erschließen. Außerdem zieht Diablo: Immortal keine Ressourcen von einem möglichen Diablo IV ab, da daran ganz anderen Teams sicher auch bereits mit Hochdruck arbeiten. Man sollte diesen Titel eher als Überbrückung, und nicht als Ersatz für einen vollwertigen PC-Titel sehen. Wenn Blizzard ihren Prinzipien treu geblieben ist, werden neue Titel, die nicht den hohen Qualitätskriterien entsprechen eher eingestampft, als vorschnell auf den Markt geschmissen. Ich möchte Diablo: Immortal daher eine echte Chance geben, mein ambivalentes Verhältnis zu Mobile-Spielen zu verändern.

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Ven

Den „Hass“ habt ihr nur bedingt verstanden. Die Community ist nicht wegen dem Mobile Game stinksauer, sondern weil am aktuellen D3 nichts gemacht wird. Seit über einem Jahr passiert nichts und das Spiel wird links liegen gelassen. Hätten sie das Mobile Game als eine Art „Zusatz“ verkauft, wäre das plausibel gewesen. Ein D4 ist zwar eine schöne Vorstellung aber auch das war irgendwo sehr vielen Fans klar. Sehr viele Spieler haben D3 nun verlassen und ziehen Richtung Path of Exile, dabei hätte Blizzard einfach die aktuellen Seasons attraktiver gestalten müssen, evtl. ein neuer Char oder eben bisschen neuen Content und… Read more »

Mandi
Admin

Naja, beim Video, bei dem der Blizz-Typ ausgebuht wird, war die Frage eigentlich, ob es genau das Game Diablo Immortal auch für PC geben würde. Daraufhin antwortete er wahrheitsgetreu, dass es für Android und iOS erscheinen wird – deshalb die Buhrufe. Schon klar, dass die Fans was anderes erwartet haben, aber ich find‘s trotzdem kindisch. Als würden deswegen die anderen Projekte leiden, wenn sogar die Entwicklung bei einem ganz anderen Team liegt…

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