Concrete Genie Test (PS4): Zauberhafte Kunst

von Mandi 27.11.2019

In Concrete Genie dürft ihr euch so richtig austoben. Wenn ihr auf Neon steht, dann lest dieses Review!

Wie alles begann…

Der Protagonist des Spiels hört auf den Namen Ash und hat es nicht leicht im Leben. Seine Heimat, die Hafenstadt Denska, ist wegen einem Phänomen namens Finsternis-Schimmel in Dunkelheit verfallen. Nicht nur das, der Außenseiter wird von einer Gruppe gleichaltriger Kinder (den „Fieslingen“) stets gehänselt und gemobbt. Seine Leidenschaft, für die er von den Fieslingen ebenso belächelt wird, ist das Zeichnen. Mit viel Liebe und Gefühl kritzelt Ash in seinem Notizbuch herum und lässt so seiner Kreativität freien Lauf. Doch Concrete Genie beginnt damit, dass ihm die Gruppe sein Buch nimmt und zerstört – das hatte ihm gerade noch gefehlt.

In der ersten Spielstunde macht ihr euch auf den Weg nach Denska und findet einen schicksalhaften Pinsel. Nicht nur das, ihr freundet euch mit einem Leuchtturm-Geist namens Luna an, der euch wider Erwarten gar nichts antun möchte. Die Dschinns spielen eine große Rolle in Concrete Genie, da sie euch an allen Ecken und Enden weiterhelfen beziehungsweise auch mal einfach nur unterhalten. Schnell ist die Aufgabe, der Ash und ihr nachgehen müsst, klar: Bringt die Farbe zurück nach Denska, lasst das Licht der Stadt wieder hell erstrahlen und verbannt die Finsternis auf ewig! So, oder so ähnlich fühlt sich die Quest für den jungen Ash an – Trailer gefällig?

So wird Concrete Genie gespielt

Grundsätzlich erwartet euch hier ein Mix zwischen Erforschungsspiel, Plattformer und ein wenig Knobelei. Wann immer ihr den Fieslingen in die Arme lauft, könnt ihr flüchten (beispielsweise auf ein Dach) und dann einen Ruf in die andere Richtung loslassen. Das erinnert an Stealth-Spiele wie Metal Gear Solid und macht immer wieder Spaß, wenn die Truppe in die Irre geführt wird. In Denska gilt es, Lichter wieder zum Leuchten zu bringen. Das vollbringt ihr, indem ihr mit eurem Pinsel kunstvoll die Wände dahinter verziert. Zu diesem Zwecke bietet Concrete Genie eine Auswahl von Mustern an, die ihr mit Druck auf die R2-Taste an die Wand eurer Wahl bringt.

Selbstverständlich könnt ihr euer Repertoire an Mustern und anderen Dingen aufstocken, ihr müsst dafür nur die jeweiligen Einträge eures Notizbuches wieder in die Finger kriegen. Doch das Erhellen von Glühbirnen ist nur die eine Seite der Aufgabe, denn ihr müsst auch den Finsternis-Schimmel vertreiben. Dies schafft ihr nur, indem ihr Superfarbe einsetzt. Superfarbe wiederum erhaltet ihr ausschließlich von glücklichen Dschinns – wenn ihr sie herbeiruft und exakt das malt, was sie sich wünschen, strahlen sie vor Freude und laden eure Superfarbe-Anzeige im Handumdrehen auf! So puzzelt ihr euch durch Denska und schaltet weitere Gebiete frei.

Rätseln und malen und staunen

Ash ist tatsächlich ein Genie, was seinen Umgang mit dem Pinsel angeht. Leider ist er euch sonst keine große Hilfe, deswegen hat das Team von Pixelopus euch den Dschinn Klecks zur Seite gestellt. Er quiekt auf, wenn etwas Interessantes in der Nähe ist, und ihr dürft auch so immer wieder Dschinns herbeirufen. Da diese Wesen allerdings gemalt sind und daher sich nur in den Wänden fortbewegen (denkt etwa an die Porträts in den Harry Potter-Filmen), muss natürlich der Weg zu euch frei sein. Der bereits besprochene Finsternis-Schimmel ist dabei das größte Hindernis: Wenn so ein Zeug an den Wänden klebt, bekommen es die Dschinns mit der Angst zu tun.

Eure Geisterfreunde sind euch aber große Hilfen, wenn es um das Weiterkommen in Concrete Genie geht. Nur ein Beispiel: Rote Laken können schon mal Durchgänge oder sonstige interessante Dinge verdecken. Feuerdschinns fackeln rote Laken im Nu ab – wenn ihr also zuvor den Weg geebnet habt, ist es ein Leichtes, weiterzukommen. Ihr werdet also regelmäßig zwischen dem Spiel und der Karte hin und her wechseln, damit ihr wisst, was ihr noch zu tun habt. Ihr sammelt Seiten, erhellt Lichter, werdet finstere Ranken los und nebenbei macht ihr die Hafenstadt Denska wieder lebenswert.

Gutes und weniger Gutes

Der neuartige Ansatz von Concrete Genie ist sehr gut umgesetzt. Die Dschinns sind liebenswürdig und helfen euch nach Leibeskräften, und alleine der Gedanke, dass eine wenig farbenfrohe Umgebung wieder mit Farbe zum Leben erweckt werden kann, funktioniert seit Menschengedenken – zumindest war das bei flower, bei Micky Epic (Wii) und bei Okami HD so. Die Karte ist hilfreich, und das sensible Thema Mobbing wird hier sehr gut aufgegriffen, ohne die Stimmung zu vermiesen. Der Hauptheld Ash nutzt seinen Frust einfach und malt so farbenfroh und befreit los, dass er spielend damit fertig wird. Eine kraftvolle Message, die das PS4-Spiel hier versprüht!

Leider sendet das Game auch andere, gemischte Signale. Bei aller Farbenfreude und bei der ganzen Bewegungsfreiheit im Titel ist es nicht schönzureden, dass ihr in Concrete Genie nur ein Diener aller Herren seid. Ihr ebnet den namensgebenden Dschinnis in den Wänden den Weg, dann ruft ihr sie mit Geduld herbei, danach malt ihr genau das, was sie von euch wollen, und bekommt dafür Superfarbe, um mehr Wände von Finsternis zu befreien. Eine offene Welt dürft ihr hier nicht erwarten, trotz der anscheinenden Freiheit ist das Spielerlebnis ein sehr lineares. Abgesehen davon vermag der Titel schon zu gefallen, denn hier ist für jeden etwas inkludiert.

PSVR? Auch mit dabei!

Concrete Genie beinhaltet zwei verschiedene VR-Modi, die ihr nach Herzenslust ausprobieren dürft. Mit zwei Move-Controllern bewaffnet könnt ihr euch in den VR-Modus begeben, und die sind auch notwendig. Während der linke Move-Controller für das Steuern des Buches notwendig ist, dürft ihr mit dem rechten Move-Controller den Pinsel schwingen. Diese Art zu malen ist weitaus geschmeidiger und intuitiver als das Bewegen des DualShock-Controllers. Selbst, wenn die Bewegung an sich die gleiche bleibt, schon alleine, weil ihr einen Move-Controller anders in der Hand haltet, ist es eine ganz andere Erfahrung.

Der erste VR-Modus lässt euch den Dschinn namens Klecks verfolgen. Hier befindet ihr euch beim Leuchtturm, den ihr zu Beginn des Spiels schon kennenlernt. In diesem Modus geht es darum, eine mysteriöse Macht aufzuspüren und neue Einsatzmöglichkeiten für eure Farbe zu finden. Im zweiten VR-Modus namens Freies Malen dürft ihr euch so richtig austoben. Dabei stehen euch vier Schauplätze in der Stadt Denska zur Verfügung – ihr dürft sämtliche Farben und alle bereits gefundenen Pinsel verwenden. So macht ihr den tristen Ort zu einem wesentlich schöneren und die Landschaft wird nach eigenem Wunsch so gestaltet, wie ihr das möchtet.

Die Technik von Concrete Genie

Wenn man dieses Spiel optisch als Neon-Mix zwischen Infamous: First Light und Tearaway beschreibt, liegt man überraschend richtig. Die Leuchteffekte und Farbfilter sind teilweise spektakulär, und die wichtigen Texturen spielen in der höchsten Liga mit. Der Fotomodus, der in Concrete Genie sogar einen Wiederholungs-Button für eure Malereien bietet, macht in diesem Spiel so richtig Sinn und sorgt für Staunen. Das Malen ist so ausdrucksvoll, dass die Soundkulisse zwar in den Hintergrund gedrängt wird, doch auch dort ist die Qualität bemerkenswert hoch. Es macht so richtig Spaß, sich mal eine halbe Stunde in Denska aufzuhalten und zu zeichnen.

Bei der Steuerung passt alles, allerdings ohne zu glänzen. Das Malen mit dem DualShock-Controller ist nicht ganz so gelungen, vor allem wenn ihr eine gewisse Vorstellung habt, wie die Wand dann tatsächlich auszusehen hat. Dadurch, dass die Optik im Spiel so genial wirkt (gerade auf farbstarken OLED-TV-Geräten ist Concrete Genie eine Wucht!), könnte man hier geradezu eine Obsession entwickeln. Auch der stete Wechsel zwischen Karte und tatsächlichem Gameplay bremst den Spielfluss ein wenig zu sehr, genauso wie die Ladezeiten gefühlt eine Spur zu lange dauern. Wenn ihr aber die nötige Geduld und Gelassenheit mitbringt, gibt es nichts zu meckern.

Farbenfrohes Spektakel mit Schwächen

Der Titel beginnt zunächst sehr schwermütig, wenn ihr mitansehen müsst, wie Ash drangsaliert wird. Doch genau von diesem Tiefpunkt weg steigt Concrete Genie zu immensen Höhen auf: Der Hauptheld akzeptiert sein Anderssein, und der vermeintliche Schwachpunkt Kreativität bestimmt fortan das gesamte Spiel. Ein optisches Spektakel erwartet euch hier, doch leider kann das Gameplay dieser hohen Messlatte nicht ganz folgen. Viel Laufarbeit, repetitive Loops und das Gefühl, eigentlich nur Bittsteller von verschiedensten Kräften zu sein, tun dem PS4-Spiel gerade in längeren Spielsessions keinen großen Gefallen.

Doch der kreative Touch, die interessanten Ideen und das verspielte Drumherum (allein der Foto-Modus!) machen Concrete Genie zu so viel mehr. Man darf auch nicht vergessen, dass dieses Spiel kein Vollpreistitel ist – 30 Euro oder weniger zahlt ihr für diesen Ableger. Die großteils dunkle Aufmachung lässt vermuten, dass hier viel Action zu finden sein wird, dem ist allerdings nicht so. Wenn ihr einen künstlerisch wertvollen Titel sucht, der auch vor großen Themen wie Mobbing und Umweltschutz nicht zurückschreckt, könnt ihr mit Concrete Genie einen optischen Kracher euer Eigen nennen!

Wertung: 8.0 Pixel

für Concrete Genie Test (PS4): Zauberhafte Kunst von Mandi

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