Xenoblade Chronicles 3 Test: 2 Welten prallen aufeinander

von Mathias Rainer 22.08.2022

Am 29. Juli erschien mit Teil 3 der Xenoblade-Reihe eines der größten Rollenspiele des Jahres. In meinem Xenoblade Chronicles 3 Test liefere ich euch umfangreiche Einblicke aus dem Nintendo Switch-Exklusivtitel und teile mit euch meine Eindrücke aus über 80 Stunden Spielerfahrung.

Xenoblade Chronicles 3: Daten und Fakten

  • Datum der Erstveröffentlichung von Xenoblade Chronicles 3: 29.07.2022
  • Genre: japanisches Rollenspiel (JRPG)
  • Spielmodus: Einzelspieler
  • Plattformen: Nintendo Switch exklusiv
  • Altersfreigabe: PEGI 12
  • Entwickler: Monolithsoft
  • Textsprache: Deutsch, Englisch, weitere
  • Audio: Englisch, Japanisch
  • Preis: 59,99 Euro (Nintendo eShop)

Xenoblade Chronicles 3 Test – 2 Welten kollidieren

Ah ja! Es wurde Zeit! Fast 5 Jahre nach meinem Einstieg in die japanische Spielereihe mit Xenoblade Chronicles 2 (hier geht es zu unserem Test) durfte ich nun erneut in die eigenwillige Komposition des Entwickerstudios Monolith Software eintauchen. 2020 gab es für mich noch einen Ausflug in den ersten Teil von 2011, welcher zwar insgesamt noch ein passables Spiel war, bei mir persönlich aber weniger Euphorie auslöste. In Xenoblade Chronicles 3 werden nun die Welten der beiden Vorgänger miteinander verschmolzen. Schon allein deshalb war ich als Fan der Reihe gespannt, welche Wendungen sich die Autoren diesmal ausgedacht haben.

Fan der Xenoblade-Spiele zu sein – das heißt für mich nicht unbedingt, die bisherigen Titel unkritisch in den Himmel zu loben. Beide bisher von mir gezockten Games hatten so einige Macken. Das fängt bei der teilweise fragwürdigen Figurenzeichnung in Teil 2 an und hört beim Inbegriff der Fetchquests aus dem Erstlingswerk auf. Abseits der vielen Ecken und Kanten hat die Reihe aber auch so viel mehr zu bieten. Ein für Singleplayer-Rollenspiele fast schon einzigartiges Kampfsystem etwa, welches mich stark an MMORPGs à la World of Warcraft erinnert hat. Hinzu kam in den bisherigen Games auch immer ein fantastisches Welten-Design. So war man etwa auf beiden Vorgängern auf gigantischen Titanen unterwegs. Man stelle sich vor, man wäre eine Ameise auf dem eigenen Körper, welche sich jetzt von der Schulter entlang vor bis zu den Fingerspitzen questen muss. Der Schwenk der Kamera gen Himmel und der Anblick des massiven Kopfes einer kolossalen Kreatur – so etwas gibt es in keinen anderen Videospielen.

Des weiteren spielen die Games auch entgegen der eher kindlich wirkenden Optik immer mit ernsten, erwachsene Themen. So auch in diesem dritten Teil. Wo hin gehen wir nach dem Tod? Wie nutze ich die kurze mir gegebene Zeit auf der Welt? Worin liegt der Sinn dieses Lebens? Bereits der oben verlinkte Release-Trailer gibt einen kurzen Einblick darauf, was uns im Zuge der Handlung von Xenoblade Chronicles 3 erwartet. Wir schlüpfen in die Rolle junger Erwachsener, welchen jedoch insgesamt nur 10 Jahre an Lebenszeit zur Verfügung steht, ehe sie im Rahmen einer Zeremonie “heimkehren” – sie also rituell aus der Welt scheiden. Aber warum?

Warum?! Diese Frage stellen wir uns auch als Spieler. Welche Gesetze gelten in dieser Welt mit dem klingenden Namen Aionios, dass die Jugend nur so eine begrenzte Lebensspanne besitzt? Vorausgesetzt sie überleben es überhaupt bis zur erwähnten Heimkehr. Denn alles wofür diese Jugend herangezogen wird, sind endlose, immer neu entfachende Kämpfe zwischen 2 verfeindeten Fraktionen – den Keves und den Agnus. Zu Spielbeginn schlüpfen wir in die Rolle von Noah, Eunie und Lanz – ein Trupp aus Keves-Soldaten. Auf unserer ersten Mission treffen  wir auf einen feindlichen Trupp Agnier bestehend aus den restlichen Protagonisten Mio, Taion und Sena. Als es bei dieser Konfrontation zu einem tödlichen Zwischenfall kommt, müssen sich die Charaktere wohl oder über zusammentun um zu überleben.

Im Rahmen des Höhepunktes des ersten Aktes tritt zum ersten Mal ein alter Mann auf den Plan – so etwas haben unsere jungen Charaktere nie zuvor gesehen. Wie auch? Auf Aionios sollte es doch nur junge Erwachsene geben, oder? Die Inszenierung ist hier zu Beginn bereits gut gemacht, wirft nicht nur für die Protagonisten im Spiel sondern auch für uns am Kontroller einige Fragen auf. Diese Fragen sind es auch, die einen in den ersten Stunden von Xenoblade Chronicles 3 an der Stange halten. Das reine Gameplay (dazu komme ich noch im Detail im nächsten Abschnitt) ist hier zwar gut strukturiert aufgebaut, sodass man behutsam in die vielen System eingeführt wird.

Für einen Kenner der Reihe birgt der Abschnitt spielerisch jedoch nicht viel erhellendes. Wir begleiten unsere 6 Helden fortan, diese ihre Fragen zu beantworten. Dabei stellen wir relativ schnell fest, dass sich hinter der Ordnung und den Gesetzen der Welt eine große Verschwörung verbirgt. Wer das Game selbst noch komplett ohne Vorkenntnisse zocken will, der überspringt den folgenden Spoiler-Abschnitt wohl besser. Es folgen massive Spoiler zu den Stories aus allen 3 Xenoblade-Teilen.

Beginn Spoiler-Abschnitt

Ok, ihr wart gewarnt. Bereits innerhalb der ersten paar Stunden durchstreifen wir mit unserer Party die verschiedenen Gebiete von Aionios. Während wir die einzelnen Gebiete quasi linear durchlaufen (keine Sorge, ihr kommt jederzeit per Schnellreise wieder in die vorherigen zusammenhängenden Gebiete zurück), gestalten sich die einzelnen Areale als sehr weitläufig, mit vielen verwinkelten Pfaden, Höhlen, Schluchten und und und. Bei der Erkundung dieser ersten Abschnitte stach der Name “Uraya-Gebirge” heraus. Diesen Titanen kannte ich noch aus Xenoblade Chronicles 2, war ich doch dort mehrere Stunden in seinem Inneren unterwegs. Was sucht dieser große Wal nun in der Welt von Aionios? Besteht etwa der gesamte Kontinent aus dem Konglomerat der Titen aus dem zweiten Game? Nicht umsonst gibt es ja am Ende von Teil 2 die Szene, wo sich alle “Landmassen” aufeinander zubewegen. Und wie spielt das Schwert des Bionis aus Teil 1 – welches unser erstes großes Quest-Ziel in Xenoblade Chronicles 3 ist – da mit hinein?

Wer die beiden Vorgänger gespielt hat, dem wird natürlich anhand des Designs der beiden Fraktionen sehr bald auffallen, dass diese an die Charaktere aus den Xenoblade 1 und 2 angelehnt sind. Mio etwa besitzt die Kätzchen-Ohren der Protagonistin aus Teil 2. Genauso haben alle Agnier diesen Kernkristall auf der Brust – analog zu den Figuren aus Teil 2. Auf der anderen Seite sind Noah, Eunie oder Lanz optisch und vom Gebahren an die Heldne aus Xenoblade Chronicles 1 angelehnt. Heilschützin Eunie besitzt sogar die für die Rasse der Hoch-Entia typischen Flügelohren – ebenso eine Referenz zum Vorgänger. Aber wie können diese ganzen Charaktere aus den beiden Spielen überhaupt miteinander auf der selben Erde wandeln?

Am Ende von Xenoblade Chronicles 2 stellt sich doch heraus, dass mit dem Experiment von Klaus unser Universum kollabiert ist und sich in 2 neue Universen aufgespalten hat. Eines davon – unsere Erde – wurde zur Spielwelt Alrest aus Teil 2. Die Geschichte von Xenoblade 1 spielt in der gänzlich neu geschaffenen Welt von Bionios und Mechonis – aber eben in einem komplett getrennten Universum. Folgendes stellt sich erst recht spät in der Handlung von Teil 3 heraus: obwohl die beiden Welten voneinander getrennt sind, bewegten sie sich “ob der gemeinsamen Vergangenheit und Verbundenheit” aufeinander zu. Das Ergebnis ist die Verschmelzung der Universen. Ein Status der, wie sich herausstellt vom Oberbösewicht mit Namen Z, künstlich zusammengehalten wird. Aus verschiedenen Gründen, aber vorrangig wegen der fehlenden Selbsbestimmtheit in der Welt, liegt es nun an unseren Helden, Z zu besiegen und das “Ewige Jetzt” zu zerschlagen. Auf das die Universen sich wieder lösen können und ihre Bewohner ihr eigenes Schicksal in die Hand nehmen können.

Ende Spoiler-Abschnitt

Xenoblade Chronicles 3 Test: das Gameplay

Von Fetchquests und Bestell-Karten

Es sind diese großen Fragen “wie hängen die Welten aus den Vorgängern miteinander zusammen?” und “was hat es mit der Ordnung und den Gesetzen von Aionios auf sich?”, welche als Treibstoff für die gesamte erste Hälfte des Spiels fungieren. Ich möchte Antworten auf meine Fragen, durchstreife deshalb Aionios auf der Suche nach Antworten in Form von aussagekräftigen neuen Orten oder dem nächsten Schritt in der Story. Schon in den ersten Spielstunden wird klar, dass die klassichen Nebenaufgaben – genauso wie in den vorherigen Teilen – einfach nur 0815-Fetchquests sind. “Sammle 10 von diesem Gemüse”, “rede an Ort X mit Person Y und dann wieder mit Person Z”, “gehe hin und erlege bitte mal 5 von Monster soundso”. Da habe ich praktisch in keinem einizgen JRPG jemals Bock darauf gehabt und deshalb konzentriere ich mich auch in Xenoblade Chronicles 3 auf die Erkundung sowie das Vorantreiben der Handlung.

Welch ein Glück habe ich jedoch, dass sich Monolith Software etwa im Vergleich zum Erstling von 2011 ihr Gameplay im Detail angeschaut hat, was sie hierbei im Detail verbessern können. In Teil 1 bin ich mit Fortdauer der Handlung irgendwann einem Showstopper-Boss gegenübergestanden. Also einem Boss, welcher um ihn zu besiegen, ein gewisses Level meiner Charaktere erfordert. Das hat jedoch damals vorausgesetzt, dass ich neben der Story des Spiels noch einige der unsäglichen Sidequests abarbeiten musste. In Xenoblade 3 gibt es diese Bosse zwar immer noch, sie fallen jedoch beim organischen zocken des Games überhaupt nicht auf.

Das liegt daran, dass es nun mit Teil 3 viele Möglichkeiten gibt, während der eigentlichen Story-Progression viele Bonus-Erfahrungspunkte zu erhalten. Natürlich passiert das auch wieder durch die Nebenmissionen und wenn man schon einmal am Wegesrand einen NPC mit einem Questmarker über dem Kopf sieht, dann besteht natürlich kein Grund, warum man diese XP nicht einfach im Vorbeigehen miteinsackt. Aber auch darüber hinaus haben sich die Entwickler von Monolithsoft einige Dinge überlegt, die die Spielerfahrung um einiges erträglicher machen. An sogenannten Rastpunkten kann man jetzt laufend seine in der Zwischenzeit erhaltenen Punkte eintauschen um sich hochzuleveln. 1, 2 Stufen mehr machen in der Welt von Aionois dann doch oft den Unterschied aus.

Nachdem man neue Kolonien auf der Reise gefunden hat, kann man für die Bewohner dieser auch auf die angesprochenen Item-Sammel-Touren gehen. Oder eben auch nicht. Weil es in Xenoblade Chronices 3 so eine Art Karten-Bestell-System gibt. Sammelt ihr auf eurer Reise ganz organisch benötigte Items auf und erfüllt somit nebenbei einen Auftrag, so könnt ihr über das Menü an Ort und Stelle die Belohnung aus etwa Erfahung dafür einstreichen. In anderen Games müsst ihr hierfür mühselig zur an den Ort des Questgebers reisen, bevor ihr entlohnt werdet.

Ebenfalls am Wegesrand kann man immer sich immer wieder in die gerade stattfindende Konfrontation zweier Parteien einmischen. Das reicht vom Gefecht zwischen den verfeindeten Keves- und Agnus-Soldaten bis hin zu den Monster Hunter-artigen Fights zwischen einem riesigen Gorilla und einem Dinosaurier. Schlägt man sich auf eine Seite und gewinnt den Kampf, so wird man am Ende mit einer Belohnung bezahlt. Je nach Seite ändert sich auch das Geschenk, man kann sich hier also den eigenen Wünschen ein wenig taktisch entfalten. Mit Gold kann man sich etwa neue Ausrüstungsgegenstände kaufen. Obwohl es im Spiel selbst für ein JRPG und auch im Vergleich zu den Vorgängern wenig Möglichkeiten des Customizing gibt (ihr könnt lediglich die Skins eurer Charaktere anpassen), verbessern diese in der Regel die Werte eurer Streiter.

Auf der anderen Seite könnt ihr beim Sieg in Gefechten wertvolle Nopon-Münzen erlangen. Diese könnt ihr etwas zum leveln eurer Charakterklassen nutzen, oder um wertvolle Juwelen herzustellen, welche ebenfalls eure Werte drastisch erhöhen. Etwa durch das Entdecken von Containern in der Spielwelt erhaltet ihr zudem SP (Skillpunkte). Diese können verwendet werden, um für eure sogenannten Ouroboros – also die fusionierte Form zweier eurer Party-Member – zusätzliche Angriffe, Werte-Boni etc. freizuschalten. Das solltet ihr auch laufend tun, denn Ouroboros sind das letzte Ass im Ärmel in einem fast schon aussichtslosen Kampf. Zu guter Letzt gibt es noch das oben kurz erwähten, nun anders als in den Vorgängern hinzugekommene Konzept der wechselnden Klassen. In meinem ersten Durchlauf waren diese tatsächlich der entscheidende Faktor zwischen Sieg oder Niederlage.

Klassen-System und Helden-Missonen

Prinzipiell gibt es im Spiel MMORPG-typisch 3 grundlegende Klassen: den Angreifer, den Heiler sowie den Tank. Jeder eurer 6 Charaktere, zwischen denen ihr im Kampf per Tastendruck fließend wechseln könnt, verfügt über eine dieser Klassen. Für jede der 3 Basis-Kategorien gibt es noch eine ganze Reihe weiterer unterschiedlicher Spezialisten-Klassen. Mio und Lanz etwa gehören beide dem Typ der Verteidiger an, welche Die Aggro des Gegners auf sich ziehen und so die anderen Charaktere vor Schaden bewahren sollen. Während Lanz als klassischer Tank viel Schaden einfach einsteckt und/oder abblockt weicht Mio einigen Angriffen einfach aus und vermeidet es so getroffen zu werden. Gleich verhält es sich bei der Klasse der Heiler: Eunie starte als Heil-Schützin und ihre Aufgabe ist es durch gezielte oder Flächenheilung unsere anderen Party-Mitglieder vor dem Knockout zu bewahren. Taion gehört zwar auch der Klasse der Heiler an, sein Spezialgebiet ist jedoch eher, Noah und Co. mit Buffs zu versorgen.

Im Laufe des Spiels stehen unserer Gruppe dann eine Vielzahl unterschiedlicher Sub-Klassen zur Verfügung. Das reicht von einem Angreifer, welcher im Vergleich zwar weniger Schaden an einem Gegner macht, aber dafür viel Fläche und somit Ziele gleichzeitig abdecken kann, bis hin zur Klasse des Soulhackers. Dieser – ganz JRPG-typisch – merkt sich die Spezialangriffe besiegter Bosse und kann diese im Anschluss ebenfalls nutzen. Neue Charakterklassen werden über sogenannte Heldenmissionen freigeschaltet. Diese sind zwar im Grunde auch oft nichts anderes als klassische Hol-und-Bring-Missionen, erhalten aber durch die namensgebenden Helden einen zusätzlichen Touch. Aus diesen Heldenmissionen ergaben sich dann oft kleine aber feine Geschichten im Laufe des Spiels, welche auch Abseits der am Ende der Mission erhaltenen neuen Klasse doch oft zusätzlich belohnten.

Da gab es etwa die Geschichte der beiden rivalisierenden Heerführer der beiden Fraktionen aus Keves und Agnus – Ethel und Cammuravi. Während beide im Gefecht scheinbar fielen tauchen diese gegen Ende der Handlung “wiedergeboren” erneut auf (kein wirklicher Spoiler, das war soooo vorhersehbar). Während Cammuravi in seinen Zustand vor seinem Tod wiedererweckt wird, wurde Ethel zu ihrem Zeitpunkt ihrer “Geburt” als junges Mädel zurückversetzt. Der eigentlich vereindete General von Agnus kümmert sich aber fortan um die schutz-bedürftige Ethel. Eine kleine Geschichte, welche auch nur wenig Platz einnimmt, die Beziehung der Charaktere untereinander aber näherbringt. Und als Draufgabe hat man für sein Gruppe noch eine fantastische neue Helding hinzugewonnen – zusätzlich zu den 6 standarmäßigen Charakteren kann man seiner Gang nämlich optional immer noch einen freigeschaltenen Helden hinzufügen.

Der neue Held in Kombination mit der hinzugewonennen Klasse erweitern das Repertoire eurer Party ungemein. Das Ausprobieren der verschiedenen Klassen-Kombinationen hat mir große Freude bereitet. Zu sehen, wenn eine Taktik aufgeht und welche auf der anderen Seite doch nicht funktionert, hat meinen Experimentier-Drang immer wieder neu angefacht. So sind die Fights gegen die Story-Bosse oder auch die starken einzigartigen Gegner im Grunde auf dem normalen Schwierigkeitsgrad zumeist kein Problem. In meinen 80 Stunden bin ich nur etwa eine Handvoll Male von einem Gegner im Kampf besiegt worden, und war das der Fall, so hat das reine Umskillen der Charakterklassen in der Regel das Problem auch gelöst. Anmerkung noch an dieser Stelle zu den Bossfights: einziges Manko war für mich über die gesamte Spieldauer, die Langwierigkeit der Kämpfe. Wenn man nach gefühlt einer Stunde Kampf dann am Ende doch kurz vor dem Sieg von einer All-out-Attack im Kollektiv umgehauen wird, dann ist das schon irgendwie ein frustiger Moment.

Handheld-Modus, MMORPG-Kampfsystem und sonstige Punkte

Xenoblade Chronicles 3 ist ein wahnsinnig umfangreiches, tiefgehendes Game. Selbst nach über 80 Spielstunden gibt es noch so vieles zu entdecken und freizuschalten. Viele Teile der gigantischen Map sind noch unerforscht und ich habe noch nicht alle Charakterklassen freigeschaltet. Auch mit dem Erweiterungspass wird da noch einiges dazu kommen, auch wenn dieser zum Start mit Release des Spiels bisher noch eine Enttäuscht betreffend der Inhalte geboten hat. Es gibt im Spiel so viele Systeme, welche alle ineinandergreifen. Diese alle hier im Test aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Dennoch will ich noch ein paar Punkte loswerden, welche mir vor dem Fazit persönlich noch wichtig sind.

Bereits vor dem Release des Spiels habe ich mir erhofft, dass auch der Soundtrack zu Teil 3 wieder alle Register ziehen wird. Und was soll ich sagen: ich wurde nicht enttäuscht. Der Score wechselt Anlass-bezogen von melancholisch zu episch, unterstreicht jedoch das grundlegende Thema der Szene immer perfekt. Es gibt nicht viele Spielereihen welche über mehrere Teile durchgehend so einen fantastischen Soundtrack aufrechterhalten können. In dieser Hinsicht spielt Xenoblade Chronicles bei den ganz großen Franchises mit.

Lasst euch hinsichtlich des Kampfsystems der Xenoblade-Reihe nicht abschrecken. Auf den ersten Blick wirken die Kämpfe in Xenoblade Chronicles und nun auch in Teil 3 wieder wahnsinnig unübersichtlich. Der Schein trügt jedoch meiner Meinung nach extrem. Prinzipiell könnt ihr die ganzen aufpoppenden Zahlen am Bildschirm getrost ignorieren und euch auf die korrekte Ausführung eurer Moves konzentrieren. Ihr startet den Kampf am Anfang des Games noch mit den Auto-Angriffen, füllt die Leiste eurer Spezial-Moves und sobald diese gefüllt ist, könnt ihr den Skill ausführen. Die Leiste füllt sich je nach Charakter unterschiedlich – so zum Beispiel bei den Agniern auf Zeit. Ist eine Fähigkeit eines anderen Party-Mitglieds ebenfalls freigeschaltet könnt ihr eine stärkere Fusions-Attacke ausführen.

Je nachdem an welcher Stelle ihr euch im Kampf mit eurem Helden befindet, wirkt sich das positiv auf eure Fähigkeiten aus. Noahs starker Angriff ist etwa besonders effektiv, wenn ihr diesen Skill im Rücken des Gegners ausführt und ihn so von hinten attackiert. Das Spiel macht meiner Meinung nach einen guten Job darin, euch und gerade Neueinsteigern langsam an die Systeme heranzubringen. Somit seit ihr an keiner Stelle im Game überfordert, habt noch genug Platz für das Experimentieren und kommt auf ein paar spezielle Kniffe innerhalb der System auch noch selbst drauf.

Xenoblade Chronicles 3 ist ja bekanntlich ein Nintendo Switch-Exklusivtitel und als solcher ist das Game natürlich auch im Handheld-Modus spielbar. Diese Möglichkeit habe ich bei meiner Standard-Switch ebenfalls wahrgenommen. War der Modus noch beim unmittelbaren Vorgänger nicht ideal umgesetzt, bringt die Nutzung des Spiels außerhalb der Docking-Station keinerlei Nachteile mehr mit sich und läuft einfach flüssig weiter.

Auch wenn die meiste Zeit des Spiels natürlich für Kämpfe und Erkundung drauf geht: die Xenoblade-Reihe war und ist für mich auch immer eine emotionale Angelegenheit. Wenn man dutzende Stunden mit diesen liebenswerten, Charakteren verbringt, dann wachsen diese einem eben ans Herz. Oder auch nicht: ein wesentlicher Anteil, warum mir Xenoblade Chronicles 1 nicht ganz so gut gefallen hat, wie vielleicht vielen anderen Fans dieser Spiele ist der Fakt, dass bei mir die Figuren nicht so gut funktioniert haben. Bei all oben positiv erwähnten Punkten steht und fällt Teil 3 ebenfalls mit diesem Punkt. Glücklicherweise kann ich sagen, dass mich Noah, Lanz, Mio und all die anderen wieder mehr berührt haben. All die emotionalen Momente – gerade gegen Ende der Handlung – wirken da dann natürlich etwas stärker. Dennoch hält sich Xenoblade Chronicles 3 mit dem Pathos doch überraschend zurück.

Während gegen Ende der Vorgänger noch einmal auf sämtlichen Ebenen alle Register gezogen werden, wirkt Teil 3 jetzt im Vergleich doch sehr gestreamlightet. Soll heißen: kaum erfolgte der große Reveal in den finalen Stunden, steht auch schon die große Konfrontation mit dem Endboss bevor. Den haut man dann um und fertig. Es gibt zwar einige Teaser-Szenen im Spiel wo dieser kurz gezeigt wird. Der Charakter bleibt aber aufgrund der geringen Screentime dennoch wahnsinnig blass. Da war ich am Ende doch ein wenig enttäuscht, dass man bei Monolith Soft nicht nochmal in der großen Plottwist-Kiste gekramt hat um der dargebotenen Weltuntergangs-Stimmung gerecht zu werden.

Xenoblade Chronicles 3 Test

Quelle: www.nintendo.at – das Kampfsystem wirkt auf den ersten Blick überladen

Xenoblade Chronicles 3 Test Fazit - der bisher rundeste Serienteil

Gameplay-technisch ist Xenoblade Chronicles 3 das mit Abstand beste Spiel der Reihe. Auch wenn es auf den ersten Blick komplett überladen wirkt, besticht das Kampfsystem mit ein paar für die Serie typischen Eigenheiten. Diese wurden aus den Vorgängern zwar übernommen aber überlegt weiterentwickelt. Zum Beispiel steuert ihr nun im Kampf alle eure Party-Mitglieder gleichzeitig, was die teilweise anspruchsvollen Gefechte noch dynamischer macht. Eine taktische Komponente kommt durch den später im Spiel möglichen Wechsel der Charakterklassen noch hinzu. Auch nach mehreren dutzend Stunden bietet Entwickler Monolith Software somit noch genug Möglichkeiten, um den optimierungssüchtigen JRPG-Zocker bei Laune zu halten.

Und genau für diese Zielgruppe ist auch der dritte Teil der Chroniken erdacht. Gesellschaftkritik wechselt sich hier in Zwischensequenzen mit pathetischen Reden um die Zukunt der Menschheit ab. Klischeehafte Superbösewichte fühlen im Moment ihres Ablebens doch noch ein Gefühl der Reue, untermalt von einem auch diesemal wahnsinnig stimmigen Score. Darauf muss man stehen, wenn man sich auf Xenoblade Chronicles 3 einlässt und damit eine gute Zeit haben will. Wer sich aber annähernd für das Genre interessiert, für den wäre dieser neueste Teil auch ein idealer Einstieg in die Reihe. Dieser kann nämlich auch ohne jegliches Vorwissen genossen werden – auch wenn einem dann so manches Zuckerl im Spiel verschlossen bleibt.

Auch in punkto Erkundung und Aktivitäten abseits der zahlreichen Kämpfe macht Monolith einen Schritt nach vorne. Zwar bleibt das Spiel über die Handlung hinweg grindlastig, das Leveln fühlt sich aber anders als noch in den Vorgängern weniger lästig an. Vom Entwicklerteam wurden zahlreiche Möglichkeiten installiert, leicht an viele Erfahrungspunkte zu kommen. Seien es Nebenquests, welche einem ob der schieren Anzahl einfach so auf dem Weg zum nächsten Story-Punkt über den Weg laufen. Oder ob der ebenfalls am Straßenrand aufscheinenden kleineren Scharmützen zweier Fraktionen untereinander.

Eines ist somit eindeutig: Xenoblade Chronicles 3 ist der mit weitem Abstand rundeste Serienteil bisher. Knallharte Fans der Reihe – zu denen ich mich ebenfalls zähle – werden sich aber dennoch nicht auf den Schlips getreten fühlen. Monolith Software beweißt mit diesem Teil, dass eine nieschige, klischeebehaftete, aber auch wahnsinnig persönliche JRPG-Reihe mit vielen Ecken und Kanten zu einem glatt geschliefenen Schmuckstück verarbeitet werden kann.

Wertung: 8.4 Pixel

für Xenoblade Chronicles 3 Test: 2 Welten prallen aufeinander von Mathias Rainer
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