WoW: Battle for Azeroth (PC) im Test

von postbrawler 15.09.2018

Alle Jahre wieder leite ich meinen Test zur jüngsten WoW-Erweiterung damit ein, wie viele Jahre das Hauptspiel schon am Buckel hat, und wie es sich dennoch weiterhin wacker gegen moderne Toptitel zu behaupten vermag. Mit Battle for Azeroth, der siebten Erweiterung des erfolgreichen Blizzard MMOs, ist es diesmal etwas anders. WoW hat sich so etwas wie einen Sonderstatus in der sonst so schnelllebigen Spieleindustrie erkämpft. Es ist einfach eine Art entschleunigten Konstante zwischen immer neuen Trends wie Free-to-Play und Lootboxen geworden. Battle for Azeroth stellt dies erneut eindrucksvoll unter Beweis, indem es kaum etwas am etablierten Spielprinzip ändert, und Fans einfach nur mehr vom Altbewährten auftischt. Ob das eine gute Sache ist, oder ob WoW sich damit das eigene Grab schaufelt, lest ihr in meinem Test.

WoW: Battle for Azeroth Pre Patch 8.0

© Blizzard Entertainment

Handlung

In einem Aspekt braucht sich Battle for Azeroth keinesfalls vor modernen Rollenspielen zu verstecken, und zwar in der Art und Weise, wie es seine Handlung vorantreibt. Während man zur neuen Maximalstufe 120 levelt überflutet das Spiel einen regelrecht mit Cutscenes, gesprochenen Dialogen und spannend erzählten Quests. Zwar gilt es immer noch oft genug 5 Schweine zu töten oder 10 Häute zu sammeln, aber alles geschieht im Kontext der größten Rahmenhandlung, die WoW je zu bieten hatte. Und das Beste daran ist: Es gibt gleich zwei dieser Haupthandlungen, eine für die Allianz, und eine für die Horde. Erstmals seit Vanilla WoW gibt es auch wieder eigene Questgebiete für Horde und Allianz. Während sich die Streitkräfte von König Anduin auf dem Handelseiland Kul Tiras breit machen, verschlägt es die Horde der Bansheekönigin auf die Insel des Trollimperiums Zandalar.

Dort treffen unsere HeldInnen in je drei großen Gebieten auf Zandalari-Trolle, Nordmeer-PiratInnen sowie Hexen, Fuchs- und Schlangenwesen und allerlei anderes exotisches Gesocks. Beide Seiten haben es sich zur Aufgabe gesetzt Verbündete für den bevorstehenden Krieg zu rekrutieren. Und der Name ist Programm in Battle for Azeroth, das machten bereits die Prologmissionen zur Einäscherung Teldrassils und der Rückeroberung Lordaerons deutlich.

Gameplay

In Sachen Gameplay versucht Battle for Azeroth erst gar nicht, das Rad neu zu erfinden. Es bleibt bei der ohnehin beachtlichen Auswahl an Klassen- und Rassenkombinationen aus Legion. Talentbäume und Spezialisierungen verändert Blizzard lediglich in homöopathischen Dosen. Auch das grundsätzliche Meta-Gameplay ab der neuen Maximalstufe 120 erinnert stark an die letzte Erweiterung. Raidtaugliches Equipment erhaltet ihr von (heroischen) Dungeons, täglichen Questknotenpunkten und Rüstmeistern der zahlreichen neuen Ruffraktionen.

Neu ist hingegen, dass euer Amulett-Ausrüstungsplatz nun fix mit dem Herz von Azeroth belegt ist, einem Artefakt, dass sich ähnlich der Waffen in Legion aufleveln lässt. Dazu müsst ihr regelmäßig Azerit abbauen, eine Ressource die aus dem Herz der Welt Azeroth zutage befördert wurde, als Sargeras Schwert sich tief in die glühenden Sande Silithus bohrte. Azerit gibt es als Belohnung diverser Weltquests, auf Inselexpeditionen und von Ruffraktionen zu erwirtschaften.

Je nach Level eures Amulettes können Ausrüstungsgegenstände am Schulter-, Kopf- und Brustplatz eures Champions in je drei Stufen verbessert werden. Dabei stehen generelle, aber auch talentspezifische Verbesserungen zur Auswahl. Das Tragen verschiedener Rüstungsteile für unterschiedliche Rollen feiert also ein Comeback, wenn auch nicht ganz so streng wie früher. Leider fühl sich diese zusätzliche Möglichkeit der Individualisierung bei Weitem nicht so durchdacht und befriedigend an wie das alte Artefaktwaffensystem. Neue Rüstungen haben zwar ein höheres Itemlevel, setzen aber auch ein höheres Azeritlevel zur Verbesserung voraus. So kann es passieren, dass man ein komplett optimiertes Teil irgendwann durch eines austauschen muss, das noch gar nicht individualisiert werden kann – anstelle einer Verbesserung kommt das eher einem Rückschritt gleich.

Klassen und Rassen

Battle for Azeroth hat sich auch einiges überlegt wie man NeueinsteigerInnen und Twink-SpielerInnen bei Stange halten kann. Anstelle neuer Rassen wie in bisherigen Erweiterungen führt BfA verbündete Völker ein. Das sind grafisch aber auch spielerisch leicht abgewandelte Versionen bekannter WoW-Völker, die über Story-Quests rekrutiert werden können. Alsdann stehen diese Völker für die Erstellung neuer Charaktere, aber auch für kostenpflichtige Rassenwechsel zur Verfügung. Horde-SpielerInnen können aktuell die wilden Hochbergtauren aus der gleichnamigen Region in Legion, die Nachgeborenen, und die braunhäutigen Mag’har Orcs aus Draenor unter ihrem Banner vereinen. AllianspielerInnen freuen sich über den Neuzugang von Dunkeleisenzwerken, lichtgeschmiedeten Draenei und Leerenelfen. Als zusätzliche Rassen sind die Zandalaritrolle für die Horde, und Kul TiranerInnen für die Allianz geplant.

Ob es neben der Dunkelküste, Tirisfal und Silithus künftig auch noch weitere Gebiete der alten Welt geben wird, die einer Frischzellenkur unterzogen werden, wird sich weisen. Noch hat Blizzard keine genaueren Pläne für die alte Welt bekannt gegeben. Es wäre aber wohl verwunderlich, wenn die Schlacht um Azeroth nicht noch tiefere Furchen in der Weltkarte hinterlassen würde.

Endgame

WoW Battle for Azeroth

© Blizzard Entertainment

Habt ihr die Maximalstufe 120 erreicht, und euren neuen Kontinent ausgiebig erforscht, stehen euch in Battle for Azeroth einige weitere Endgame-Aktivitäten zur Verfügung. Beispielsweise die Kriegskampagne, die euch auf den Kontinent der anderen Fraktion entsendet um dort Brückenköpfe zu errichten und weitere Dailyquest-Areale freizuspielen. Diese Kampagne ist freilich nur ein schwacher Trost für den Wegfall der Ordenshallen, wo es immerhin für jede Klasse eine eigenständige Kampagne gab. Auf der anderen Seite schafft es die Kriegskampagne geschickt ein „Hinter feindlichen Linien“-Gefühl zu vermitteln, und den fraktionsexklusiven Kontent zumindest ansatzweise allen SpielerInnen zu öffnen.

Ein weiteres neues Feature stellen Inselexpeditionen dar. Vom Hafen der jeweiligen Hauptstadt aus segelnd starten wir in einer kleinen Gruppe auf generische Südseeinseln durch, um dort Azeritbrocken abzubauen und gegnerische Teams ebendaran zu hindern. Eine Art PVPVE-Geplänkel quasi, wobei der gegnerische Stoßtrupp auch computergesteuert in verschiedenen Schwierigkeitsstufen agieren kann. Derzeit sind Inselexpeditionen die verlässlichste Azeritquelle, leider sind sie langweilig, repetitiv und verkommen zur reinsten Grund-Routine.

Seit einer Woche hat auch die erste Kriegsfront ihre Pforten eröffnet, in der SpielerInnen ordentlich Azerit verdienen, und Zugang zu neuen Rüstmeistern, Weltbossen und Daily Quests erhalten können. Die Kriegsfronten sollen sich mit Basisbau, Truppenausbildung und Massenschlachten ein wenig wie die alten RTS-Titel der WarCraft-Reihe anfühlen. Die Fraktionen wechseln sich dabei als angreifende beziehungsweise verteidigende Opposition wöchentlich ab.

Ordentliches Equipment mit Itemlevel 355 lässt sich im ersten Raid abstauben, der ebenfalls vor kurzem seine Pforten geöffnet hat: Uldir ist eine Titaneneinrichtung, in der der alte Blutgott G’Huun sein Unwesen treibt. Uldir steht, wie alle anderen modernen Raids, in den Schwierigkeitsgraden Schlachtzugbrowser, Normal, Heroisch und Mythisch für 10 bis 25 SpielerInnen offen.

Zu guter Letzt wäre noch der nagelneue Kriegsmodus zu nennen, den man jederzeit in Orgrimmar oder Sturmwind aktivieren kann. Dieser PVP-Knopf ersetzt das bisherige PVP-Serversystem und erlaubt es euch frei zwischen einer Open-PVP- und einer sicheren PVE-Instanz zu wechseln. Im Kriegsmodus können euch feindliche SpielerInnen in der freien Welt jederzeit angreifen, was verständlicherweise nicht jedermanns Sache ist.

Grafik und Präsentation

Grafisch hat sich seit Legion nicht wirklich viel getan in WoW. Die beiden Kontinente sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet, und versprühen den unverkennbaren WoW-Flair, den Fans so lieben. Der Hordekontinent Zandalar wirkt mit seinen abrupten Übergängen zwischen Wüsten, Mooren und Dschungel etwas zusammengezimmert wie ein Themenpark. Inspiration bezogen die DesignerInnen dabei wohl deutlich aus Diablo III, wo es ganz ähnliche Szenarien gibt.

Der Allianzkontinent Kul Tiras hingegen erinnert mit seinem verbindenden Fjord und der Hauptstadt Boralus stark an die Erweiterung Wrath of the Lich King, und wirkt wie aus einem Guss. Schaurige Hexenwälder, verschneite Berggipfel und knochentrockene Wüsten verleihen den Questgebieten sehr viel Atmosphäre und laden zum Erkunden und Verweilen ein.

Auch die orchestrale Musikuntermalung fügt sich wieder glänzend ins Gesamterlebnis ein. Der Soundtrack hat gerade so viel Ohrwurm-Potenzial, dass er stundenlang im Gedächtnis bleibt, ohne je nervtötend zu werden.

Unser Testgerät (sponsored by HP)

HP Omen 15-ce002ng

  • Intel Core i7-7700HQ Prozessor der 7. Generation (2,8 GHz)
  • NVIDIA Geforce GTX-Grafik
  • 256 GB Solid-State-Laufwerk + 1TB Festplatte
  • 16384 MB DDR4 SDRAM
  • Windows 10
  • Full HD IPS-LED-Display mit 39,6cm-Diagonale
  • WLAN & Bluetooth
  • Bang & Olufsen-Speaker

Fazit zu WoW: Battle for Azeroth

Blizzard spielt mit Battle for Azeroth ein sehr sicheres Blatt. Etablierte Mechaniken von Legion werden übernommen, Neuerungen in homöopathischen Dosen eingeführt. Das mag eine kluge Entscheidung sein, denn Legion war beileibe keine schlechte Erweiterung. Dass BfA eine Art „Legion 1.5“ geworden ist, birgt auch gewisse Gefahren. SpielerInnen könnten schnell das Interesse daran verlieren noch eine Erweiterung lang immer dasselbe zu tun, wie schon die letzten zwei Jahre. Ich hoffe stark, dass der Aspekt „Krieg um Azeroth“ noch stärker in den Vordergrund tritt, und Blizzard den Mut hat die Grundfesten der alten Welt wirklich zu erschüttern. Der Handlungsauftakt verspricht zumindest eine packende, facetten- und wendunsgreiche Geschichte. Wenn Silvanas dann nicht bloß als neuer Garrosh herhalten muss, kann ich mir vorstellen, dass mein Spaß an Battle for Azeroth von längerer Dauer sein könnte. Wer World of WarCraft bisher gemieden hat, wird auch mit BfA kein driftiges Argument für den Neueinstieg finden. RückkehrerInnen dürften einen ziemlichen Kulturschock erleiden, ist WoW doch bei Weitem nicht mehr jenes Community-Juwel, dass es zu seiner Blütezeit war. VeteranInnen… ach was belehre ich euch überhaupt – habt Spaß mit Battle for Azeroth, so wie ihr es auch bisher getan habt!

 

Wertung: 7.8 Pixel

für WoW: Battle for Azeroth (PC) im Test von postbrawler