The Legend of Zelda – Ocarina of Time Remake: Eine Hommage an das Spitzohr mit seiner Zauberflöte
Als Super-Fan komme ich nicht umhin, einen Vorab-Bericht über The Legend of Zelda – Ocarina of Time und dessen Remake verfassen.
Anno dazumal mit Aktenvernichter und Röhrenfernseher
Es gibt so gewisse Erlebnisse in der Kindheit und Jugend, die einen lächeln lassen, wenn einem die Erinnerung daran mal wieder durch den Kopf flitzt. So geht es mir rund um die Zeit in den Jahren 1998 und 1999, als The Legend of Zelda – Ocarina of Time auf dem Nintendo 64 erschienen ist.
Foto von Fabienne Urthaler
Mein großer Bruder und ich haben uns aus unserem Taschengeld Game-Magazine gekauft und schon früh gelesen, daß ein bahnbrechendes Spiel für den Nintendo 64 kommen wird: The Legend of Zelda – Ocarina of Time. Entsprechend haben wir dann angefangen, Geld zu sparen. Für mich hieß das stundenlanges über zehn Jahre alte, archivierte Geschäftsrechnungen durch einen Aktenvernichter zu jagen, die Papierschnipsel in Müllsäcke zu füllen und am Schluss mit dem Besen den Boden zu kehren. Damals gab es noch keinen Euro, umgerechnet habe ich aber ungefähr 3 Euro die Stunde erhalten. Übrigens: Inflationsbereinigt entspräche der damalige Preis von Ocarina of Time heute ca. 160 Euro. Irgendwann hatten mein Bruder und ich gemeinsam genug Geld gespart, um uns das Game leisten zu können. Und was soll ich sagen? Unsere stundenlange Knüppelei hatte sich gelohnt. Wir waren überwältigt von unserem allerersten Zelda-Game und die Nintendo 64-Konsole ist so warm geworden, weil wir stundenlang gezockt haben! Und du meine Güte, habe ich mich vor den Zombies, Deckengrabschern und Hirnsaugern gegruselt! Und der Schattentempel hat mich so geängstigt, daß mein Bruder ihn immer spielen musste!
Alle in diesem Bericht verwendeten Bilder unterliegen natürlich dem © Nintendo, selbst geschossene Bilder sind entsprechend gekennzeichnet.
Foto von Fabienne Urthaler
Mit Ocarina of Time verbinde ich unzählige Stunden, die ich als pubertierender Teenager mit meinem Bruder verbracht habe, während wir gemeinsam dieses Game wieder und wieder durchgespielt haben. Ohne Internet, ohne Lösungshilfen, einfach ohne alles! Dazu kam noch stundenlanges Angeln und einfach mit Epona durch die Ebenen zu reiten. Außerdem habe ich Sparen gelernt und daß man sein Taschengeld aufbessern kann, indem man sich für (unliebsame) Arbeiten bezahlen läßt. Damit war es aber nicht getan. Ich habe jeden Schnipsel über Ocarina of Time aus den Game-Magazinen herausgeschnitten und selbstverständlich alles schön in einem Ordner abgeheftet. Ich habe Poster aus den Heften getrennt und aufgehängt. Wusstet ihr zum Beispiel, daß es damals einen Comic gab, der zeigte, wie es dazu kam, daß Link in den Kokiri-Wald gekommen ist, und in welchem sogar seine Eltern abgebildet waren? Ich habe das Heft für euch herausgesucht et voilà, Baby-Link mit seinen Eltern:
Foto von Fabienne Urthaler
Dieses Game hat bei mir eine tiefsitzende Leidenschaft für die The Legend of Zelda-Spielreihe ausgelöst, wie es bisher keine andere Game-Reihe vermochte. Selbst einige Jahre nach der Veröffentlichung des Spiels bin ich, wenn ich in einer größeren Stadt war, in jeden Comicbuchladen reingegangen und habe mich durch die CD-Auswahl gewühlt, um die eine oder andere Soundtrack-CD von The Legend of Zelda zu finden und zu kaufen. So ergibt es sich, daß ich bis heute noch einen kleinen Stapel an Original Soundtrack CDs mein Eigen nennen darf. Vor allem die Hyrule Symphony war ein Soundtrack, der praktisch immer in meinem Discman lag und den ich hoch und runter gehört habe. Und heute, als Erwachsene, gefällt mir dieser Soundtrack immer noch genauso gut, wie vor über 25 Jahren, als ich ihn das erste Mal gehört habe. Und so begleitet mich The Legend of Zelda seit 28 Jahren und war immer präsent in meinem Leben.
Foto von Fabienne Urthaler
256-Mbit geballte Fantasy-Action
Aber wieso war Ocarina of Time so ein bahnbrechendes Spiel und was hat dazu geführt, daß es bis heute einen ungeschlagenen Metascore von 99/100 hat?
1998 steckte die Gaming-Welt im schwierigen Übergang von der 2D-Pixelgrafik in die 3D-Welt. Viele scheiterten an einer unübersichtlichen Kameraführung und der Steuerung im Raum. Bei Ocarina of Time gab es fünf bahnbrechende Innovationen:
- Das Z-Targeting, ein Fokus-System, womit man Gegner fixieren und das Problem mit dem Vorbeischlagen am Gegner lösen konnte.
- Eine kontextsensitive Steuerung, bei der sich der A-Knopf situativ angepasst hat. Wenn man zum Beispiel vor einer Kiste stand, wechselte der A-Knopf auf die Aktion «Hinauf», vor Ranken «Klettern» oder vor Türen «Öffnen».
- Die Hyrule-Ebene war eine lebendige Steppe, mit einem nahtlosen Tag-Nacht-Wechsel, bei welchem sich das Verhalten der Bewohner und Monster änderte und das Reiten mit Epona stellte ein bis dato noch nie dagewesenes Freiheitsgefühl dar.
- Ocarina of Time erzählt eine cineastische Coming-of-Age-Geschichte über das Erwachsenwerden, den Verlust der Kindheit und den Lauf der Zeit, unterlegt mit einem epischen Soundtrack, bei dem man mit der Okarina selbst mitspielen musste.
- Das Spiel nutzte die damals neue dritte Dimension (Höhe und Tiefe) meisterhaft aus. Die Dungeons waren wie ein riesiges, in sich verzahntes 3D-Puzzle und setzten neue Maßstäbe für das Leveldesign in 3D.
Foto von Fabienne Urthaler
Dies spiegelte sich auch in den Verkaufszahlen wider. In den ersten zwei Monaten nach dem Release im November 1998 gingen 2,5 Millionen Module über die Ladentheke, was innerhalb kürzester Zeit mehr Umsatz generierte als die größten Hollywood-Blockbuster des Jahres. Insgesamt wurden 7.6 Millionen Nintendo 64-Module verkauft. Rechnet man die späteren Portierungen und Remakes dazu (GameCube, Virtual Console der Wii/Wii U, Nintendo 3DS und Nintendo Switch) kommt man sogar auf eine Verkaufszahl von über 14 Millionen.
Und wer damals diesen revolutionären Schritt, der der Gaming-Welt direkt miterlebt hat, hat Ocarina of Time in guter Erinnerung. Daß die Fans von damals nun das Remake spielen wollen und so manche Eltern auch ihren Nachwuchs dazu animieren, spiegelt sich in den hohen Vorbestellzahlen wider. Dabei hängt Ocarina of Time sogar das seit Dezember 2023 sehnlichst erwartete GTA 6 zumindest bei Amazon in den Vorbestellzahlen ab. Ob das am Nostalgiefaktor liegt, weil GTA 6 ohne klassische Disc (nur als Code in der Box) erscheint, oder vielleicht an einer Kombination aus beidem, lässt sich nur erahnen.
Fakt ist, daß sogar Nintendo selbst nicht mit so einem gewaltigen Hype gerechnet hat, seine Fans um Verständnis bei Lieferengpässen bittet und bereits versprochen hat, daß die Switch 2 im Zelda-Design einen verdienten Restock bekommt.
@ Nintendo
Tränen der Freude
Und dann erfahre ich dieses Jahr von dem Leak bei Nintendo, dass ein „altes Zelda“ ein Remake bekommt. Natürlich habe ich die aufgehübschte Version auf dem Nintendo 3DS auch gespielt, aber es war halt nicht das Gleiche wie am (Röhren)-Fernseher. Natürlich war da die Hoffnung groß, dass es Ocarina of Time ist. Schließlich hat Twilight Princess schon ein HD-Remake bekommen, Wind Waker und Skyward Sword ebenso. Also lag es für mich nahe, daß es sich dabei um Ocarina of Time oder Majora’s Mask handeln müsste. Als im Juni der kurze Ausschnitt von dem schlafenden, jungen Link gezeigt wurde, ist ein emotionaler Wirbelsturm durch mich hindurchgefegt und danach habe ich sofort das Game bestellt, dabei besitze ich noch gar keine Nintendo Switch 2! Und ich war mir absolut sicher, daß eine Nintendo Switch 2 Zelda-Edition rauskommen wird und habe bewusst mit dem Bestellen einer Switch 2 gewartet.
Foto von Fabienne Urthaler
Und was habe ich erwartet bei der Nintendo Direct im September? Die Nintendo 3DS Ocarina of Time-Version in schönem HD, ähnlich Skyward Sword HD. Die Vorstellung, daß es vielleicht so werden könnte, hat mich bereits überglücklich gemacht. Und dann? Was kommt für ein Ankündigungsvideo?
Mit offenem Mund saß ich da und habe absolut geplättet das Video angestarrt! Damit hätte ich niemals gerechnet! Ein Schauer nach dem anderen ist mir über den Rücken gejagt! Wunderschöne Grafik, riesige Spielwelt, herrlich detaillierte Kleidung und dann der absolute Oberknaller: SPRACHAUSGABE! Und wäre das nicht genug, schlägt mir die Stimme von Tobias Brecklinghaus als Ganondorf entgegen, mein absoluter Lieblingssynchronsprecher! Und als am Ende der junge Link das Masterschwert aus dem Steinsockel in der Zitadelle der Zeit zieht, konnte ich nicht mehr! Diese Szenen, diese Soundeffekte, dieses Game, ich habe mich wieder, wie ein kleines Teenie-Mädchen gefühlt, das neben ihrem geliebten großen Bruder sitzt und gemeinsam mit ihm stundenlang zockt. So viele Gefühle sind über mich hereingebrochen und mir sind einfach die Tränen gekommen!
Sofort habe ich mich unter die Tausenden Fans eingereiht und eine Nintendo Switch 2 im Zelda-Design mit Controller und Case bestellt. Nach der Bestellbestätigung hatte ich ein ganz lustiges Gefühl in mir: Ich hatte das Bedürfnis, meine Mutter zu bitten, mir wieder den Taschengeld-Aufbesserungs-Job am Aktenvernichter zu vermitteln!
Und nun sitze ich hier – auf glühenden Kohlen – und zähle die Wochen, bis ich endlich wieder Ocarina of Time zocken kann. Nein, das ist gelogen: Eigentlich zähle ich seit Mitte Oktober schon die Tage, bis ich wieder auf der Okarina rumflöten kann.
@ Nintendo
Die pure Vorfreude: Die Details zum Ocarina of Time Remake im Überblick
Wie sich ein Kind auf Weihnachten freut, freue ich mich auf dieses Game und gefühlt werden täglich neue spannende Details bekannt, die ich euch hier mal in der Übersicht zusammengefasst habe:
- Link wird springen können
- Eine ständige Rollerei durch die Hyrule-Ebene wird nicht mehr nötig sein, da Link sprinten kann
- Ein Liederbuch erleichtert das Abspielen der Okarina-Melodien
- Vasen werden nicht mehr durch „zur-Türe-raus-und-wieder-rein“ respawnen, sondern benötigen eine Weile
- Auf der Hyrule-Karte sind die Eishöhle und die Gerudo-Wüste viel größer dargestellt und man vermutet, daß diese beiden Orte zu richtigen Dungeons ausgeweitet worden sind
- Alles wurde weitläufiger gestaltet
- Das Game wird 27 GB groß sein (Wenn man sich überlegt, Ocarina of Time auf dem Nintendo 64 war gerade mal 32 MB groß. Süß, oder?)
- Von Navi hören wir statt «Hey Listen!» im Deutschen ein «Hör zu!»
- Tobias Brecklinghaus, bekannt als Synchronsprecher von Kratos (God of War) oder Barret Wallace (Final Fantasy 7 Remake-Reihe) leiht Ganondorf seine Stimme
- Rolf Berg wird Darunia sprechen (Wer erinnert sich noch an Tao Bai Bai aus Dragon Ball?)
- Julia Bautz ist die Synchronsprecherin von Prinzessin Ruto
- Das Spiel läuft mit 60 Bildern pro Sekunde (FPS)
- Der von Koji Kondo komponierte Soundtrack wurde komplett neu überarbeitet
- Die Melodien der Okarina können via integriertem Mikrofon der Switch 2 direkt ins Game hineingesummt werden
- Der Geldbeutel umfasst von Anfang an eine Kapazität von 200 Rubinen (früher 99)
- Man wird neu fünf Flaschen tragen können (früher vier)
- Es gibt ein Quest-Logbuch namens «Threads of Time»
- Die Minispiele wurden anspruchsvoller gestaltet
- Neue Nebenquests wurden hinzugefügt
- In einem Monstersaal kann man Statuen von besiegten Gegnern sammeln und erneut gegen sie antreten
- 2027 werden zwei neue amiibo erhältlich sein (Junger Link und junge Zelda)
Und wäre das nicht genug, geht The Legend of Zelda in Concert auf Welttournee. Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland gehören auch zu dem exklusiven Kreis an Ländern, in welchen Konzerte gegeben werden. Österreich und die Schweiz sind leider nicht gelistet. Wer ein Konzert besuchen möchte, muss die News aktiv verfolgen, sobald die Daten und Städte angekündigt worden sind und der offizielle Ticketverkauf losgeht, werden die Karten sicherlich innerhalb kürzester Zeit ausverkauft sein. Ich selbst konnte bei dem 30-jährigen Zelda-Jubiläum das Konzert in Zürich besuchen. Und was soll ich sagen? Ich habe beim Konzert geheult vor Glück!
@ Nintendo
Weihnachten ist dieses Jahr am 5. November
Mit jedem Tag steigert sich die Vorfreude mehr und mehr und ich fühle mich wie ein Kind, welches sehnsüchtig auf die Veröffentlichung eines Games wartet und es kaum mehr erträgt, warten zu müssen!
Dann bekommt man wieder ein Schmankerl von Nintendo vorgesetzt in Form eines japanischen Werbespots, in dem einige Kampfszenen mit dem erwachsenen Link gezeigt werden, unterlegt mit dem „Boss Battle“-Lied vom Ocarina of Time-Soundtrack. Und da sind sie wieder: Die unzähligen, kribbelnden Schauer, die meinen Rücken runterjagen! Und schon steigt die Vorfreude erneut, dabei dachte ich, daß sie bereits das Maximum hätte? Mitnichten!
Ich sehe mir diese Videos an und denke mir: Verdammt, es wird so episch werden! Und ich werde definitiv heulen, wenn ich dieses Game starte! Vor Glück, Nostalgie und Freude!
Und die Fragen türmen sich! Wie groß wird das Game sein? Wird die Eishöhle und Gerudo Wüste größer sein? Wird Julia Casper Zeldas deutsche Synchronsprecherin sein? Werde ich aus Gewohnheit panisch die Lautstärke runterdrücken, wenn die große Fee aus der Quelle springt? Werde ich mich daran gewöhnen können, daß Link jetzt springen kann? Und oh Gott, wie werden die Zombies, Deckengrabscher und Hirnsauger aussehen? Und werde ich meinen Bruder anrufen müssen, damit er den Schattentempel für mich spielt???