Streaming-Box Steam Link im Test: Gaming am TV

von Mandi 21.07.2017

Steam ist einer der größten Player am PC-Gaming-Markt. Mit Steam Link beweist Valve, dass Konsolen für die gemütliche Couch dem Unternehmen ein Dorn im Auge sein können. Steam Link lässt euch eure Spiele am Fernseher genießen – und ich habe die Streamingbox getestet. Lest mein Review! Hier geht es zur offiziellen Website des Produkts.

Mein Setup

Die Ausgangssituation in meinem Spielzimmer ist eigentlich der Traum eines jeden Gamingbegeisterten. Da gibt es ein Heimkino, eine PS4-Konsole, eine Wii U und einen iMac. Somit sind eigentlich fast alle Wünsche abgedeckt, wäre da nicht die Platzsituation. Ein Schreibtischsessel ist nun mal nicht so bequem wie eine Couch, gerade, wenn das Leben längere Gaming-Sessions erfordert. Daher war für mich klar: Steam Link wird mir ermöglichen, meine PC-Spiele auch auf dem Fernseher zu genießen. Doch wie sieht meine Hardware so eigentlich aus?

Der Prozessor ist ein Intel i5-6600-Chip, dem 16 GB Arbeitsspeicher zur Verfügung stehen. Als Grafikkarte ist eine AMD-Lösung (R9 380 mit 4 GB VRAM) verbaut. Da ich selber sehr gerne in kabellosen Umgebungen sitze, gibt es keine Netzwerkverkabelung. Ich vertraue auf ein WLAN im 5 GHz-Bereich (802.11ac) – das war für mich der spannendste Punkt, wie sich das Steam Link-Streaming mit einem kabellosen Netzwerk schlägt. Der Abstand zwischen Steam Link und dem Router beträgt knapp fünf Meter und wird durch nichts unterbrochen.

Das Steam Link funktioniert sowohl mit Windows, macOS als auch mit Linux. Ihr benötigt zumindest Windows Vista, macOS 10.10 Yosemite oder Ubuntu 12.04 und neuer. Steam Link verspricht Full HD-Auflösung (1920×1080) bei 60 Bildern pro Sekunde – ob das auch über WLAN gut geht? Das Gerät versteht den hauseigenen Steam Controller, aber funktioniert auch mit einem Xbox 360-Controller (so habe ich es getestet) und anderen Tastaturen und Mäusen. Im Prinzip sollte alles glatt gehen: Sehen wir es uns doch einmal an!

Auspacken und Installation

Die Schachtel selbst ist äußerst kompakt gehalten. Auf kleinstem Raum findet ihr das Steam Link selbst, ein HDMI 2.0-Kabel, ein Ethernetkabel sowie einen Netzstecker und drei verschiedene Adapter dafür. Auch eine Mini-Anleitung ist dabei, diese ist aber eigentlich nicht nötig. Der Vorgang ist eigentlich relativ simpel: Ihr verbindet das Steam Link via HDMI mit dem Fernseher und gleichzeitig mit dem Strom. Ihr braucht dann noch ein Eingabegerät (ich nutzte einfach den Xbox 360-Controller), und ab geht die Post!

Eure erste Einstellung ist wenig überraschend die Sprache. Nachdem ihr diese festgelegt habt, fragt euch Steam Link schon nach dem WLAN. (Habt ihr ein Ethernetkabel angeschlossen, könnt ihr euch diesen Schritt selbstmurmelnd sparen.) Hier wird von vielen Seiten empfohlen, dass ihr ein 5 GHz-WLAN verwendet, da im 2,4-GHz-Spektrum schon viele Geräte arbeiten. Mikrowellen, das WLAN der NachbarInnen und vieles mehr könnten hier für Interferenzen und somit ein schlechtes Erlebnis sorgen. Flugs die Kennung und das Passwort eingegeben, und es geht schon fast los.

Das Einzige, was ihr dann noch braucht, ist ein Computer im selben Netzwerk. Dieser muss wenig überraschend auch gleichzeitig eingeschalten sein und Steam muss aktiv sein. Ihr könnt auch über das Netzwerk ein Aufwach-Signal geben, falls sich euer PC im Ruhezustand befinden sollte. Habt ihr Steam Link und euren PC dann mittels PIN-Code (auch Handshake genannt) verbunden, steht dem Vergnügen nichts mehr im Wege. Wählt ihr euren Computer an, startet Steam im Big Picture-Modus und ihr dürft euch den Spielen (und Pile of Shames) eurer Bibliothek widmen!

Einstellungsflut für BastlerInnen

Doch zuvor gilt es für die Hartgesottenen, sich durch ein Einstellungsmenü zu kämpfen. Dies ist für EinsteigerInnen absolut nicht nötig, allerdings wollen Geeks wie ich sich bestenfalls ein einziges Mal mit dem Getümmel beschäftigen. Danach möchten wir aber das bestmögliche Erlebnis haben, das Steam Link zu bieten hat! Deswegen stoppte ich noch in den allgemeinen Einstellungen und ging alle Punkte durch. Im Audio-Bereich könnt ihr zwischen Stereosound, Quadrofonie und 5.1-Klang wählen. Bluetooth und Controller geben euch einen Überblick, was sich gerade mit eurem Steam Link verbunden hat.

Auch unter Anzeige und Sprache verstecken sich keine Überraschungen – hier könnt ihr die Auflösung und die Sprache einstellen. Der Punkt Maus könnte da schon interessanter werden, da euch Steam Link eine Gelegenheit bietet, die Empfindlichkeit eures Eingabegerätes zu verstellen. Im Menü Netzwerk könnt ihr eure Einstellungen verändern, was aber vermutlich nur dann Sinn macht, wenn ihr euch mit dem WLAN auseinandersetzt. Kabelgebunden dürfte hier gar kein Thema auftreten. Auch einen Ruhezustand nach x Minuten oder Stunden dürft ihr einstellen!

Die Kategorien System und VirtualHere benötigt ihr nur, wenn ihr Peripherie verwendet oder Steam Link auf die Werkseinstellungen zurücksetzen wollt. Im Menü Streaming wird die Sache jedoch heiß: Hier dürft ihr ein WLAN-Frequenzband definieren und erweiterte Einstellungen bezüglich des Streams vornehmen. Wollt ihr auch außerhalb Steam streamen, wollt ihr ein reaktionsfreudigeres Spiel und dafür ein wenig Grafikleistung opfern? Hier gibt es einige Einstellungen, bei denen ihr einfach ausprobieren müsst, was für euch bestmöglich funktioniert.

In der Praxis: Läuft wie am Schnürchen

Sowohl unter macOS 10.13 als auch unter Windows 10 kann ich mich absolut nicht beklagen. Nachdem ich mein WLAN konfiguriert (den Kanal von 100 auf 48 heruntergestellt) hatte, fanden sich Steam Link und mein Computer sofort. Beim ersten Testen bemerkte ich nicht, dass Steam im Hintergrund noch fleißig Downloads zog. Kleiner Tipp vorab: Wenn ihr eure Bandbreite für etwas Anderes braucht, dürft ihr euch nicht wundern, wieso der Steam Link nicht optimal funktioniert. Kaum pausierte ich die automatischen Updates, lief das Spielgeschehen flüssig am Fernsehbildschirm ab.

Ihr könnt euch im Bedarfsfall mit einer Bandbreitenbegrenzung herumschlagen, die einerseits eure Bildqualität senkt und andererseits die Latenzzeit verringert. Das heißt, dass weniger Verzögerung zwischen eurer Eingabe und der tatsächlichen Aktion herrscht! Ich selber habe derzeit diese Begrenzung aufgehoben, das bedeutet beste Qualität bei höchster Verzögerung. (Wirklich gemerkt habe ich sie aber bislang nicht – das liegt wohl daran, dass das Netzwerk stabil und gut genug ist.)

Das Einzige, was mit einem Xbox 360-Controller gewöhnungsbedürftig ist, ist das Steuern eures Desktops. Mittels der rechten Trigger-Taste führt ihr einen Klick aus, und mit den Sticks bewegt ihr die Maus. Natürlich könnt ihr auch zusätzlich Maus und Tastatur am Steam Link anschließen, denn genau dafür sind die drei USB 2.0-Anschlüsse da. Die 60 Bilder pro Sekunde habe ich eigentlich immer erreicht, wenn sie auch am Computer unter Normalnutzung erreicht werden konnten. Ein Witcher 3 oder Watch Dogs läuft bei mir halt nicht immer an der magischen 60 fps-Grenze. Leider ändert auch Steam Link daran nichts.

Fazit zum Steam Link: Tut, was es soll

Somit scheint schon alles gesagt. Steam selbst empfiehlt aufs Strengste ein kabelgebundenes Netzwerk, was ich nach meiner WLAN-Einrichtung auch verstehe. Nicht jeder liebt es, einem Problem auf die Schliche zu kommen, und einen WLAN-Kanal zu wechseln, fällt wohl niemandem im Traum ein. (Ich wusste nicht mal, dass es überhaupt verschiedene Kanäle gibt.) Habt ihr die Verbindung erst einmal hergestellt, geht diese nicht mehr verloren und auch aus dem Ruhezustand wacht das Steam Link sehr schnell wieder auf. Es ist bloß eine Sache von Sekunden, bevor ihr eure Games auf dem (hoffentlich) großen TV-Gerät genießen könnt!

Valve hat mit dem Steam Link ein interessantes Gerät geschaffen, das euch die Möglichkeit bietet, PC-Spiele in voller Pracht auch auf eurem Fernseher zu nutzen. Dass längst nicht alle SpielerInnen diese Option auch ziehen werden, ist klar. Habt ihr allerdings Lust darauf, euren Gaming-PC wie eine Konsole zu behandeln und Couch-Spiele mit FreundInnen zu bestreiten, solltet ihr euch Steam Link schon einmal ansehen. Der Normalpreis beträgt 54,99 Euro, doch in diversen Steam Sales wird auch diese Hardware empfindlich reduziert. Ich beispielsweise habe meinen Steam Link um 25 Euro erhalten – inklusive Versand.

Diesen Preis war ich jedenfalls bereit zu zahlen, und was soll ich sagen? Meine PS4 hat Steam Link bislang nicht ersetzt, doch es macht weitaus mehr Spaß, auf der Couch ein PC-Game zu zocken. Die Box selbst ist angenehm klein und fällt auch auf einem aufgeräumten TV-Tisch absolut nicht auf. Es gibt keine störenden Anzeigen, Leuchten oder sonst etwas, hier hat sich Valve selbst übertroffen. Alles in allem kann man sagen, dass Steam Link genau das Produkt ist, das Valve anpreist. Ihr könnt damit eure PC-Games in der gleichen Full HD-Qualität auf eurem Fernseher spielen. Wenn ihr das möchtet, holt euch das Gerät – und wenn ihr Fragen habt, ab damit in die Kommentare!

Wertung: 8.5 Pixel

für Streaming-Box Steam Link im Test: Gaming am TV von Mandi
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Daniel

Wie kann ich mein PC weiter benutzen, wenn inzwischen mein Sohn STEAM will spielen mit der Steam Link, ohne ihm zu stören in sein Spiel 😉

Marcell Rüdesheim

Hab mir nun den Link geholt, sage und schreibe 1,10 € + ein Spiel + Versand = knapp 19,- €.
Da konnte ich nicht nein sagen! Haben/brauchen Prinzip!

@McFly : Auch ein Geek muss/kann nicht alles wissen.

Robin

Habe mir gerade die schachtel geordert das Sie für unter 18 euronen zu haben ist

http://store.steampowered.com/bundle/5025/ICEY__Steam_Link_Bundle/

McFly

Sie bezeichnen sich als Geek, aber ihnen ist nicht bewusst dass man einen WLAN Kanal wechseln kann ? :O