Spider-Man Miles Morales Review: Action-Nachschlag auf der PS4

von Mathias Rainer 19.11.2020

Spider Man Miles Morales erschien am 12. November neben der Playstation 5 auch noch für die PS4 und reihte sich dabei nahtlos in das hochklassige Gaming-Portfolio ein. Wer sich zum Release der neuen Konsolengeneration also noch keine Next-Gen-Hardware leisten konnte oder wollte, musste dennoch nicht traurig sein. Ganz im Gegenteil.

Soviel war aber eigentlich auch schon vor der Veröffentlichung klar, entwickelten die Insomniac Studios das Game doch als Spinoff zum höchst erfolgreichen Titel Marvel’s Spider Man, den meine Kollegen Stefan und Mandi sogar unter ihre Top 5 der PS4-Spiele gewählt haben. Die Frage war wohl eher, ob Spider Man Miles Morales – in dem wir den namensgebenden Schüler von Peter Parker Miles steuern – dem Franchise neue Facetten hinzufügen kann? Oder bleibt das Action-Adventure vielleicht sogar gänzlich hinter den Erwartungen und versalzt Publisher Sony somit den Konsolen-Launch gewaltig?

An dieser Stelle komme ich ins Spiel. Denn ich bin für euch mit Miles Morales in das Spinnenkostüm geschlüpft und habe Manhatten auf der Playstation 4 unsicher gemacht. Als waschechter Spider-Man-Spiele-Neuling gebe ich nun meine Einschätzung zum Game preis. Na dann los!

Aus großer Kraft folgt große Verantwortung

Der Satz ist wohl jedem Spidey-Sympathisanten ein Begriff und er trifft auch perfekt auf die Entwicklung dieses Spiels durch die Insomniac Games Studios zu. Wie geht an den Nachfolger eines so populären Titels wie dem Hauptspiel von 2018 heran? Schließlich muss man doch dem Franchise treu bleiben, und als Selling-Point für die neue Konsole muss das Game dann ja auch noch herhalten.

Meiner Meinung nach haben alle Beteiligten hier absolut alles richtig gemacht mit der Entscheidung Spider Man Miles Morales als Spinoff – und nicht als vollwertigen Titel der Hauptreihe – anzupreisen und in der Folge auch herauszubringen. So kann man das Game an einigen Stellschrauben doch weiterentwickeln, ohne dabei an einer grundlegenden Spielmechanik etwas ändern zu müssen. Statt Peter Parker spielen wir nun eben den 17 jährigen Schüler Miles, mit dem wir in Manhattan statt im Sommer diesmal in verschneiten Weihnachtsferien unterwegs sind. Statt dem klassischen Spidey-Spandex-Anzug stehen uns nun auch andere Outfits wie einer Venom-Variante zur Verfügung.

Das sieht Grafik-technisch alles top aus. Kann man doch an den Gewändern beim genaueren Hinsehen direkt die Faserung erkennen und auch New York macht in weihnachtlich-dekoriertem Flair einiges her. Natürlich wird dieser Eindruck auf der PS5 noch verstärkt. Das kann ich bestätigen, ohne die PS5-Version selbst gespielt zu haben. Und natürlich profitieren auch die Ladezeiten vor der zusätzlichen Power der neuen Konsolengeneration. Diese sind nämlich auf der PS5 hier quasi nicht vorhanden. Aber auch auf meiner Playstation 4-Slim durfte ich mich nicht beschweren.

So macht es ordentlich Spaß sich am seidenen Spinnenfaden durch Manhattan zu schwingen. Ich gebe zu als Marvel’s Spider Man-Neuling war das doch am Anfang sehr ungewohnt und es doch ein paar Stunden gedauert bis die Steuerung in Fleisch und Blut übergegangen ist. Gegen Ende meines Abenteuers aber war ich der Held von New York, der sich grazil zwischen den Häuserschluchten fortbewegt hat.

Fortbewegung ist auch gleich das nächste Stichwort. Ich kann berichten, dass diese – gerade für unseren quicklebendingen Spidey – so wichtige Gameplay-Mechanik nicht immer einwandfrei funktioniert hat: ich stehe mit Miles auf dem Dach eines Wolkenkratzers, an dessen Ränder sich Abstufungen befinden. Als ich mich auf diese zubewege, setzt unser Nachwuchs-Held nicht einfach einen Fuß auf die Kante – wie das bei so gut wie jedem anderen Spiel der Fall wäre – sondern läuft stur auf der Stelle. Ich kann mich auch nicht gänzlich frei an Häusermauern hinaufbewegen.

Sobald sich mir eine Feuerleiter waghalsig in den Weg stellt wird die Situation für Miles knifflig. Man kann nicht einfach kopfüber am Gerüst hochklettern wie etwa in The Legend of Zelda: Breath of the Wild Link das an Felswänden sehr wohl vermag. Das noch zu implementieren – dafür hat die Entwicklungszeit anscheinend nicht mehr ausgereicht. Aber hey, das ist insgesamt nur ein kleiner Wehrmutstropfen. Insgesamt kann ich sonst vom Gameplay nur Gutes berichten. Die Open World ist nicht so vollgestopft mit belanglosen Quests und Markern wie in anderen Spielen, sondern füllt sich erst mit Fortdauer der Handlung stetig. Es poppt nur immer gerade so viel neues auf, dass ich als Spieler motiviert bin, zwischen den Hauptquests mal wieder einem unbescholtenen Bürger den Tag zu retten.

Die Neben-Aktivitäten reichen von so kleinen aber feinen Nebenquests wie dem örtlichen Trafikanten seine Katze namens Spider-Man zurückzubringen, bis hin zum Einsammeln von Artefakten, die einem die Backstory der neuen Charaktere etwas näher bringt. Oh, einen Kritikpunkt hinsichtlich der Spielmechaniken habe ich dann aber doch noch.

Nämlich das Kampfsystem. Naja, nicht direkt eigentlich. Denn großteils macht das Hin-und-Herspringen zwischen richtigen Gegnerhorden ja Laune. Mal attackiert uns ein Scherge des New Yorker-Energiekonzerns Roxxon mit einer Bazooka und wir müssen dieser gekonnt mit unseren Superhelden-Skills ausweichen. Oder wir werden von einem Schildträger der Widerstands-Organisation Underground attackiert. Unsere einzige Chance diesen Schutz platt zu kriegen ist, durch den Einsatz unserer Miles Morales-exklusiven Venom-Kräfte, die wir im Fähigkeiten-Menü schon mächtig (aber angemessen überschaubar) aufgewertet haben.

Was ist dann jetzt mein Kritikpunkt fragt ihr euch? Nun, bei all der Freude die beim Herumhüpfen aufkommt, bleiben die Außeinandersetzungen lange Zeit keine wirkliche Herausforderung. Das ändert sich zwar zum Ende hin erfreulicherweise doch noch und hier erreicht das Game aus meiner Sicht auch seinen Peak, bis zu diesem Punkt hat man sich aber gegen mehr oder weniger stumpfe Wellen an Kontrahenten geprügelt. Richtig schwierig wird es nur, wenn einen das Spiel dabei selbst austrickst. Aber was meine ich damit?

Beispielsweise verfolgt mich ein Sniper-Schütze während einer Konfrontation mit seinem Ziel-Fernrohr. Die Schussbahn ist dank des roten Strahls, der auf mich gerichtet ist, leicht zu erkennen. Schau wie ich zu sein glaube, manövriere ich Miles um die Ecke eines Hauses, sodass der Strahl unterbrochen wird. Ich verharre dort um meine Wunden zu lecken. Trifft mich doch glatt die Sniper durch die Hausmauer hindurch! An der Stelle musste ich doch laut fluchen.

Aber auch hier wieder: das ist Meckern auf hohem Niveau und ist mir in meinen über 15 Stunden Spielzeit (ungefähr 10 davon habe ich für die Hauptstory benötigt) nur eine Handvoll Male passiert. Die paar Polishing-Probleme die das Spiel hat kann meinen generell guten Gesamteindruck nicht wirklich trüben. Auch, weil mich die letzten Stunden zu diesem Zeitpunkt dann noch mehr mitgenommen haben als ich das von einer doch recht flapsigen Mainquest erwartet hätte. Wie gesagt, das Ende ist der definitive Peak des Games!

Ich will Story-technisch auch gar nicht mehr verraten. Die Grundpremisse sollte jedem, der mit Superhelden-Geschichten auch nur ansatzweise vertraut ist – bekannt sein. Spidey muss in seiner Hood New York für Recht und Ordnung sorgen, was durch aufkeimende Untergrund-Organisationen und profitgierige Konzerne erschwert wird. Auch der spontane Urlaub von Peter Parker alias Spider-Man-Number 1 macht uns das Leben nicht unbedingt leichter. Miles nimmt die Sache also in die eigene Hand, wächst in seine Rolle hinein.

Gerade als alles so toll zu laufen schien kommt es zur großen Enthüllung, die man eigentlich schon 3 Kilometer weit vorhersehen kann. Umso mehr hat es mich dann aber überrascht, das Spider Man Miles Morales es in so kurzer Zeit geschafft hat, einen Eindruck zu hinterlassen. Anders kann man das nicht nennen, denn wie gesagt: das Ende hat mich doch mehr mitgenommen, als ich das selbst für möglich gehalten habe im Kontext dieses Spiels.

Ein weiterer Eintrag für die hochklassige Sony-Collection

Ich lass’ da jetz doch ein wenig den Sony-Fanboy raushängen – aber das ist ok. Fast alles was der japanische Publisher an exklusivem Gaming-Content herausgibt, fällt unter die Kategorie hochklassig. Spider Man Miles Morales bildet da keine Ausnahme. Das Spiel versüßt uns den Konsolen-Launch der PS5 – wenn wir es denn in maximaler technischer Leistung genießen wollen – oder liefert etablierten PS4-Besitzern famosen Nachschub. Egal auf welcher Hardware man es nun spielt, Spider-Man enttäuscht uns auch diesmal nicht.

Man könnte jetzt darüber anfangen zu lästern, dass Insomniac in diesem Spinoff ja eigentlich überhaupt nichts neu macht, die Steuerung ein wenig unpräzise ist oder der Preis für einen “Nicht-Wirklich”-Vollpreis-Titel viel zu hoch angesetzt ist. Die Punkte wiegen aber einfach nicht schwer, wenn ich bedenke, dass ich doch über die gesamte Spielzeit von über 15 Stunden Spaß hatte. Ob das an der echt stylischen Präsentation liegt, oder an den zum Ende hin doch anspruchsvollen Kämpfen? Die haben sicherlich auch ihren Anteil an meinem positiven Gesamturteil.

Wer sowieso noch nie etwas mit Superhelden am Hut hatte und zu spießig für flotte Sprüche aus dem Handgelenk ist, der wird wird auch mit Spider Man Miles Morales nichts anfangen können. Aber der große Teil – nämlich jener der mit dem Hauptspiel von 2018 bereits großen Spaß hatte – der wird auch von Peter Parkers Vertretung hellauf begeistert sein.

Wertung: 8.5 Pixel

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