Smartphone Huawei P9 (Android) im Test

von Mandi 31.07.2016

In Zusammenarbeit mit Leica entstand das Huawei P9. Das Smartphone soll nicht weniger als die Handy-Fotografie neu erfinden. Wir haben den Neueinsteiger getestet, lest mehr in diesem Review!

Huawei P9 Titel

Erster Eindruck

Schon die Verpackung lässt Großes vermuten. In einer edlen Schachtel eingebettet erwartet euch das Huawei P9, und nach dem Auspacken nehmt ihr das Gerät zunächst in die Hand. Das Smartphone mit 5,2 Zoll Bildschirmdiagonale liegt äußerst gut in der Hand, kein Rutschen und keine Verarbeitungsschwächen sind zu bemerken.

Das Gewicht von 144 Gramm verteilt sich äußerst gut. Kein Übergewicht, keine Asymmetrie, das Gerät wirkt optisch genauso edel wie auch haptisch. Die Abmessungen können sich sehen lassen: 14,5 x 7,1 x 0,7 cm (H x B x T) sind ein Formfaktor, der seinesgleichen sucht. Das Huawei P9 sieht aber von allen Seiten gut aus, und zur offiziellen Website geht es hier.

Das Display sitzt nahtlos zwischen den Rändern, nur oben und unten bleibt ein Streifen frei. Im unteren Bereich des P9 seht ihr das Huawei-Logo, wohingegen euch oben ein Umgebungslichtsensor, die 8 Megapixel-Frontkamera und ein Lautsprecher anblicken. Dem Glas an der Front stärkt eine metallene Legierung den Rücken, der gesamte Body ist in diesem Material gehalten.

Auf der Rückseite findet ihr dann zwei Kameras (ja!), die Blitzmodule und eine leichte Vertiefung. Diese quadratische Einkerbung ist die Fingerabdruckeinheit des Huawei P9. Ein kluger Schachzug: Wenn ihr das Smartphone in die Hand nehmt, sind naturgemäß eure Finger auf der Rückseite des Gerätes. So macht das Entsperren richtig Spaß, und kleiner Spoiler: Es geht auch verdammt schnell.

Fotos: Vorbildlich, was sonst

Bevor auf die langweiligen technischen Gegebenheiten und Grundfunktionen eines Smartphone eingegangen wird, muss der Elefant aus dem Raum. Huawei prahlt mit der Kooperation mit Leica, einem bekannten Platzhirschen aus der Fotografie. Können die Leica Optics hier etwas Bahnbrechendes auf die Beine stellen?

Die Antwort ist ein ganz klares Jein. Die beiden 12 Megapixel-Sensoren ergeben nicht ein 24 Megapixel-Auflösung, sondern erschaffen ein feineres Bild in der gewohnten 12 MP-Auflösung. Dabei bedient sich das P9 einem klugen Trick, der dem HDR-Modus (High Dynamic Range) in der Fotografie nicht unähnlich ist.

Während bei HDR Fotos zwei Bilder mit unterschiedlichen Helligkeitspunkten vermischt werden, schießt das Huawei P9 ebenfalls zwei Fotos, aber mit zwei verschiedenen Sensoren. Der RGB-Sensor sorgt für die kräftigen Farben, wohingegen der Monochrom-Sensor sich viel mehr auf Details und Kanten konzentrieren kann. Der Mix der beiden Sensoren ergibt dann fast immer ein optimales Bild.

Es bleibt aber dabei: Ohne eine ruhige Hand und ein gutes Auge hilft auch die beste Kamera nicht viel. Das P9 ist mit dem heutigen Stichtag bestimmt der Kamera-Primus, jedoch stellt sich die Frage, ob NutzerInnen davon noch viel mitbekommen. 12 Megapixel-Bilder ergeben eine Auflösung von 4000×3000 im 4:3-Format, da können sogar 4K-Monitore einpacken.

Hier sind wir technisch definitiv wie bei den dots per inch bei einem Display an einem Punkt angelangt, wo eine Steigerung nicht mehr viel Sinn macht. Das Huawei P9 macht aber seine Sache sehr, sehr gut und eure Fotos scheinen so gut wie immer zu gelingen. Klar ist aber auch: Die Grenzen der Physik gelten auch für dieses Gerät. Shots im Dunkeln sind hier genauso eine Achillesferse.

Performance: Oberklasse, außer…

Der Huawei-Kandidat präsentiert sich auf dem Datenblatt als äußerst fähiges Gerät. Ein Achtkernprozessor werkt hinter den Kulissen, damit ihr immer ein flüssiges Benutzererlebnis habt. Dabei teilt sich dieser Kernverbund in zwei Teile: Ein Hochleistungs-Vierkernprozessor (A72) arbeitet mit 2,5 GHz, wohingegen ein Vierkernprozessor (A53) für stromsparende Aufgaben verwendet wird.

Mit der derzeit aktuellen Android-Software Marshmallow (6.0) ausgestattet tut sich das Huawei P9 sehr leicht, eine flüssige Oberfläche zu garantieren. Gemeinsam mit 3 GB Arbeitsspeicher könnt ihr euch auch drauf verlassen, dass die Apps im Hintergrund gespeichert werden. Doch hier zeigt das Huawei P9 erste Anzeichen, dass doch nicht alles Gold ist, was glänzt.

Der RAM-Speicher wird zwar mit 3 GB angegeben, allerdings sagt der Task-Manager direkt nach dem Einschalten, dass nur knapp 1,8 GB verfügbar sind. Reserviert sich das Gerät ganze 1,2 GB Arbeitsspeicher, ohne dass eine App läuft? Wow. Doch nicht nur dies, auch die Hitzeentwicklung ist beim P9 ein spannendes Thema. Schafft ihr es, das P9 durch Vielnutzung zu erhitzen, beginnt es teils zu ruckeln (Throttling heißt das Phänomen).

Huawei P9 Smartphone Review Test Aufstellung

Sonstiges, Nettes und Bemerkenswertes

Das soll aber die Leistung des Teams hinter dem Huawei P9 nicht schmälern. Ohne die intensive Testnutzung und ohne das genaue Auswerten der eingebauten Funktionen bemerkt ihr nämlich ganz andere Dinge. Die leichte Rundung an den Seiten des Displays erfreut eure Hände jedes Mal wieder, wenn ihr das P9 in die Hand nehmt.

Der Fingerabdruck-Sensor auf der Rückseite des Geräts ist erstaunlich. In der mehrwöchigen Testphase gab es kein einziges Mal, wo mich dieser im Stich ließ. Sogar mit feuchten Händen (etwas, bei dem der iPhone 6-Sensor w.o. gibt) entsperrte das P9 sofort den Lockscreen. Ein anderer Finger funktionierte aber nicht – ihr könnt also davon ausgehen, dass dieses Teil tut, was es soll.

Die Akkulaufzeit ist dank dem 3000 mAh starken Fassungsvermögen eine sehr hohe. Gemeinsam mit den cleveren Energiesparfunktionen holt ihr so eine ordentliche Zeitspanne heraus, bevor ihr wieder an die Steckdose müsst. Der EMUI-Skin ist übrigens ein sehr hübscher, so präsentieren sich euch diverseste Funktionen in einem ganz neuen Gewand. Besonders gefallen hat mir die Präsentation der Power-Taste: Standby, Neustart, Ausschalten und dergleichen werden euch übersichtlich angezeigt. Simpler geht’s kaum!

Tolle Technik, gute Umsetzung

Erwähnenswert sind auch die äußerst detaillierten Benachrichtigungen. Das P9 übertreibt es da fast schon und füllt eure Kopfzeile mit vielen Icons, da sind ein Schrittzähler, WLAN in der Nähe und GPS-Anfragen von Apps nur der Anfang. Hardcore-NutzerInnen freuen sich über die zusätzliche Transparenz, Smartphone-Neulinge können jedoch überfordert werden.

Ebenso wird die Fülle der vorinstallierten Apps ein Thema. Huawei ließ es sich nicht nehmen, von allen Standard-Apps eine eigene Variante anzulegen und gibt euch nun die Option, Google- oder Huawei-Apps zu verwenden. Da der Skin aber sehr übersichtlich ist, soll das mal keine große Sache sein. Darüber hinaus wird auch ein Update auf Android 7.0 Nougat versprochen. Das ist eine erfrischende Wendung im ewigen Android-Update-Dilemma, wo man als NutzerIn nie genau weiß, wann man softwaremäßig im Stich gelassen wird.

Auch die Sachen wie GPS und Bluetooth funktionieren hervorragend, bis auf eine Ausnahme. Bei einer Zugfahrt von Wien nach Oberösterreich bekam ich kein GPS-Signal – mit zwei anderen Smartphones und der selben SIM-Karte funktionierte es. Als die Bahn langsamer wurde oder ich zu Fuß herumlief, hatte ich auch mit dem Huawei P9 immer einen Standort. Ob dies nun an Android, dem Gerät oder anderen Umständen liegt, entzieht sich meiner Kenntnis.

Spiele, Apps und auch die generelle UI präsentieren sich als äußerst flüssig. Eingaben werden verzögerungsfrei angenommen, der Sound ist für die Abmessungen des Geräts mehr als okay und die eingangs angesprochenen Kameras machen sowohl Selfie-KönigInnen und VielfotografiererInnen richtig Spaß. Was soll man da noch sagen?

Huawei P9 Hero Test Review

Huawei P9: Ernstzunehmendes Smartphone

Die Größe von 5,2 Zoll ist heutzutage kein großes Thema mehr. Vor wenigen Jahren waren Smartphones jenseits der vier Zoll geradezu verpönt, und jetzt gehört das Huawei P9 fast schon zu den handlicheren Handsets, die es am Markt gibt. Das liegt an den hervorragend schlanken Abmessungen, sodass sich das Gerät perfekt in eure Hand schmiegt.

Die große Marketing-Kampagne mit den beiden Kameras ist auf solidem Fundament gebaut. Diese neue Art der Smartphone-Fotografie ist beileibe keine Notgeburt, um neue Handys an die KonsumentInnen zu bringen. Eigentlich gibt es derzeit kein Smartphone, das dem P9 im Triumvirat Schnelligkeit, Bildqualität und Nachbearbeitung (die App ist Sonderklasse) das Wasser reichen kann.

Nicht alles ist eitel Wonne, doch das gibt es sowieso bei keinem Gerät. Mir hat die gemeinsame Zeit mit dem Huawei P9 richtig Spaß gemacht, und langsam wird es richtig schwierig, die geistige Grenze zwischen den einzelnen High-End-Modellen bei Smartphones zu ziehen. Klar, ein Gerät ab 500 Euro wird immer ein kleines bisschen besser performen, ein bisschen mehr Leistung bringen, ein klein wenig Qualität mehr zeigen. Ja, das Huawei P9 in seiner Gesamtheit ist mehr Smartphone, als wir eigentlich brauchen. Diese Qualität und Hingabe ist jedenfalls lobenswert.

Wertung: 9 Pixel

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