Pokémon: Let’s Go im Test – Wenn 90’s Kids träumen

von David Kolb 25.11.2018

Pokémon: Let’s Go Pikachu und Pokémon: Let’s Go Evoli sind die ersten beiden Editionen, die dank Switch nicht nur mobil, sondern auch am TV laufen. Noch dazu stellen beide eine Art Remake der Blauen und Roten Edition und damit der ersten Generation an Pokémons dar. Am Papier liest sich das wie ein wahrgewordener Traum von Gamern meines Alters. Ob dieser Traum auch wahr wird, lest ihr in meinem Test.

Zeiten ändern sich

Schon seit Jahren wünschen sich Fans ein Pokémon auf einer „richtigen“ Konsole und nun wurden sie endlich erhört. Allerdings gibt es auch einige Veränderungen, denn Pokémon: Let’s Go Pikachu ist ein Mix aus alt und neu. Die Fangmechanik bzw. das Pokéballwerfen wurden aus dem Mobile-Hit Pokémon Go übernommen. Es gibt auch keine Zufallskämpfe mehr im hohen Gras. Die Pokémon bewegen sich sichtbar im Gras und ihr könnt einfach in sie hineinlaufen. Dann startet aber eben nicht wie gewohnt ein Kampf, sondern das Fangminispiel das schon aus dem Mobilegame bekannt ist und für die Switch adaptiert wurde. Per Joy-Con-Wurf oder sogar mit echtem Pokéballcontroller wird dann, per Wurfbewegung, der Ball auf das Pokémon geworfen werden. Am Bildschirm wird währenddessen ein Kreis angezeigt, der immer kleiner wird. Trefft ihr diesen (wenn er möglichst klein ist), dann steigt eure Chance, dass das Taschenmonster auch tatsächlich im Ball bleibt und ihr es erfolgreich fangt. Pokémontypisch kann eure Chance auf einen Fangerfolg auch mit besseren Pokébällen oder Beeren erhöht werden.

Alle zugleich

Die Pokémon Go-Mechanik an Stelle von Zufallskämpfen wirkt auf den ersten Blick nach einer kleinen Änderung, hat aber weitreichende Auswirkungen. Fangt ihr ein Pokémon, dann bekommt das ganze Team, bestehend aus bis zu sechs Pokémons, Erfahrungspunkte (EP). Dasselbe gilt auch für die Kämpfe: Nicht nur das gerade kämpfende Pokémon erhält EP, das gesamte Team levelt mit.

Früher war dies nur mit dem Item EP-Teiler möglich, nun ist das gesamte Spiel darauf ausgerichtet und ausbalanciert. Für mich persönlich ist das eine ganz wunderbare Neuerung, da es den mühsamen Grind deutlich zurückfährt und ich meine Pokémons nicht mehr einzeln aufleveln muss, damit diese sich endlich in ein stärkeres Pokémon entwickeln. So kam es während meines Spieldurchgangs vor, dass ich ein Schiggy, ein Bisasam und ein Glumanda mit hatte und alle drei sich beinahe zur gleichen Zeit weiterentwickelten. Drei wunderbare Momente, die meinem 8-jährigem Vergangenheits-David beinahe Freudentränen in die Augen treiben.

Respekt

Aber nicht nur das, denn die EP-Teilung schont und respektiert meine Lebenszeit und es gibt ohnehin so viel zu tun. So eile ich durch die Kanto-Region und fange unzählige Pokémons (auch viele mehrmals) und schicke alle überzähligen an Professor Eich. Zum Dank belohnt mich der Poké-Professor mit Bonbons. Das klingt zwar ein bisschen so als wäre der Eich ein Triebtäter, die Süßigkeiten sind allerdings für die Pokémons und nicht für kleine Kinder. Diese steigern die Statuswerte bzw. mit einem Sonderbonbon sogar das Level.

 

Zeiten ändern dich

Pokémon: Let’s Go Pikachu spielt wie die erste Generation in Kanto. Als ich die damalige Blaue Edition spielte, war ich ungefähr acht Jahre alt und der Hauptcharakter elf. Nun ist mein spielbarer Pokémon-Trainer (wahlweise nun auch Trainerin) nicht gealtert, ich hingegen leider deutlich. Die kindliche Anumtung und das Setting haben mich deshalb auch etwas abgeschreckt. Das Spiel schafft es aber mich mit seinem Charme einzuwickeln und schon nach einer Stunde renne ich wie verrückt durch den Vertania Wald, um dort alle möglichen Käfer-Pokémon zu schnappen.

Kinderleicht

Nachdem dann einige Zeit später die ersten drei ArenaleiterInnen vernichtend geschlagen wurden, erinnere ich mich auch wieder daran, dass Pokémon nicht gerade ein anspruchsvolles Spiel ist. Okay, gegen Ende hin zieht der Schwierigkeitsgrad etwas an, Fans von klassischen, japanischen Rollenspielen dürften trotzdem stark unterfordert sein. Es geht aber ohnehin mehr darum, alle Pokémons zu fangen und diese wenn möglich noch weiterzuentwickeln und zu verbessern. Wie früher hatte ich trotzdem viel Spaß daran, mein sechsköpfiges Team an Pokémons mit viel Sorgfalt auszuwählen und immer wieder zu verändern. Das liegt aber auch daran, weil Pokémon: Let’s Go Pikachu einen angenehmen Spielfluss bietet und die Veränderungen, diesen sogar noch verbessern.

Bequemer und schneller

Ich kann jederzeit on the fly Pokémons tauschen und muss nicht mehr in die Stadt zurück. Die früheren VMs müssen nun nicht mehr von einzelnen Pokémons erlernt werden, sondern Techniken wie Höhenritt oder Zerschneider werden alle von meinem Trainer erlernt. Das macht zwar wenig Sinn, aber das Spielerlebnis um vieles angenehmer. Durch die wegfallenden Zufallskämpfe verbrauchen meine Pokémons auch nicht ihre APs, wodurch ich ebenfalls weniger in die Städte zu den Pokémon-Center laufen muss. Dafür gibt es jetzt auch mehr Trainer und viele davon kann ich optional bekämpfen, weil ich sie auch umgehen kann. All das macht das Siel schneller und entfacht noch mehr meinen Sammelwahn. Das gleiche gilt auch für die Mega-Evolutionen, die einige Pokémons nun durchmachen können und sie noch stärker machen.

Soziale Komponente

Ende der 90er Jahre brauchte man noch ein Link-Kabel, um Pokémons zwischen zwei Gameboys hin und her zu tauschen. Heute geht das drahtlos, funktioniert aber im Prinzip gleich. Neu dazu kommt, dass man das Spiel mit Pokémon Go verknüpfen kann und die in der App gefangenen Pokémons auf die Switch transferieret. Eine der beiden Varianten (tauschen mit Freunden oder über Pokémon Go) benötigt ihr auch zwingend, um wirklich alle Pokémons fangen zu können. Wie schon im Original stellt euch das Spiel oft vor die Wahl, wo ihr nur eines von beiden Pokémons wählen könnt. Das ist zwar eigentlich ein nerviger Zwang, auf der anderen Seite macht das Tauschen und Kämpfen mit Freunden auch Spaß. Apropos soziale Komponente, ihr könnt das Spiel auch zu zweit im Koopmodus spielen. Der funktioniert ganz gut, ist aber eher Draufgabe, da man einfach einen zweiten Charakter zum rumlaufen dazu bekommt. Einfacher oder sogar schwerer, wird die Sache dann auch nicht.

Pokémon: Let’s Go Fazit

Bevor ich Pokémon: Let’s Go Pikachu spielen durfte war ich gespalten. Kann es das Spiel nach all den Jahren noch immer schaffen mich in seinen Bann zu ziehen oder zerstöre ich mir beim Wiederspielen eine glückliche Kindheitserinnerung, weil es spielerisch zu schwach ist. Nach vielen Stunden kann konstatieren, dass ich immer noch großer Pokémonfan bin. Die spielerische Anspruchslosigkeit stört mich zwar, aber der der Sammelwahn und die vielen Pokémons habe ich einfach ins Herz geschlossen. Ich warne hier aber vor, denn ich kann und will meine nostaligesche Brille nicht ablegen. Ich kann das Spiel nur aus meiner Sicht bewerten und das ist die eines ehemaligen, eingefleischten Fans, der sogar einst stolzer Besitzer eines kompletten (!) Pokémon-Stickeralbums war. Als Feel Good Spiel hat mir Pokémon: Let’s Go Pikachu einige Abende gehörig versüßt. Mein Traum wurde damit zwar nicht perfekt ausgefüllt, aber doch zu einem wesentlichen Teil in die Realität versetzt.

Wertung: 8.3 Pixel

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Aber eines wird sich nicht ändern: Die Mehrzahl von Pokémon bleibt Pokémon.

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