Nothing CMF Clip Pro im Test: Kleiner Clip mit dem großen Dreh
Nothing bringt mit dem CMF Clip Pro eine Open Ear-Lösung für alle, die Komfort und die Umgebungsgeräusche schätzen. Lest unseren Test!
Über den CMF Clip Pro
Open-Ear-Kopfhörer sind längst mehr als eine Nischenidee für all jene, die keine In-Ears mögen. Sie versprechen Musik, Podcasts und Telefonate, ohne die Umgebung vollständig auszublenden. Der CMF Clip Pro (zur offiziellen Website) geht dabei einen besonders eigenständigen Weg: Er hängt nicht hinter dem Ohr, sondern wird wie ein kleiner Ohrschmuck an die Ohrmuschel geklemmt, was wir schon etwa von HUAWEI kennen.
Das Ergebnis ist ein Kopfhörer, der auffällt, ohne laut nach Aufmerksamkeit zu schreien. Er sitzt bequem, hält erstaunlich lange durch und bringt mit seinem Smart Dial ein Bedienkonzept mit, das man nach wenigen Tagen nur ungern wieder hergeben möchte. Klanglich bleibt der Clip Pro allerdings ein Kompromiss, und auch die offene Bauweise ist nicht für alle Alltagssituationen geeignet. Packen wir ihn mal aus:
Ein Ohrhörer mit Schmuckfaktor
Der CMF Clip Pro sieht nicht aus wie ein klassischer Bluetooth-Kopfhörer. Die kleine Hörkapsel sitzt vor dem Gehörgang, während eine flexible C-Bridge über beziehungsweise an der Ohrmuschel entlangführt. CMF spricht von einem Drei-Punkt-Clip-Design, das den Druck gleichmäßig verteilen soll. Funktioniert übrigens einwandfrei, denn so bequem wie diese Kopfhörer tragt ihr nur selten andere Gerätschaften! Das wirkt zunächst ungewohnt, ist aber gerade deshalb interessant. Der Clip Pro versucht nicht, einen In-Ear-Hörer zu imitieren, sondern baut seine eigene Produktkategorie weiter aus. In Dark Grey, Light Grey und Coral bleibt das Design angenehm zurückhaltend, wobei die ungewöhnliche Form natürlich trotzdem Blicke auf sich zieht.
Schließlich wirkt er ein bisschen wie ein Ohrring respektive Schmuckstück, wenn ihr ihn tragt. Der wichtigste Grund für einen Open-Ear-Kopfhörer ist der Tragekomfort. Keine Silikonaufsätze, kein Druck im Gehörgang und kein Gefühl, von der Außenwelt abgeschottet zu sein. Mit etwa 5,9 Gramm pro Ohrhörer fällt der CMF Clip Pro zudem sehr leicht aus. Im Alltag funktioniert das erstaunlich gut. Die flexible Brücke gibt beim Aufsetzen nach und kehrt anschließend in ihre Ausgangsform zurück. Dadurch sitzt der Kopfhörer stabil, ohne ständig gegen die Ohrmuschel zu drücken. Bei längeren Hörsessions von rund zwei Stunden blieb das Tragegefühl angenehm, und auch beim Sport verrutschten die Ohrhörer nicht, sie sind also für alle Tätigkeiten geeignet!
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Zur Nothing X-App
Bei den Nothing CMF Clip Pro seht ihr nach dem Koppeln zwei Akkustände: Links und Rechts müssen euch ausreichen, es gibt keinen Hinweis auf die Ladung des Case. Darunter befindet sich das Räumliche Audio (hier gibt es die Zustände „Aus“ oder „Behoben“, also ein), und dann gibt es zwei spannende Punkte. Der erste ist der Anti-Leakage-Modus, den ihr entweder nur bei Anrufen oder zu jeder Zeit aktivieren dürft, so hört niemand um euch herum etwas. Allerdings wirkt sich das schwer auf die Klangqualität aus, seid also gewarnt!
Der zweite Punkt ist Bass Enhance, den ihr entweder ausschalten oder in zwei Stufen aktivieren dürft. Im Equalizer gibt es fünf voreingestellte Modi (Pop, Rock, Stimme verbessern, Klassisch und mein Favorit Electronic) sowie die Möglichkeit, selbst einen Drei-Band-Equalizer zu konfigurieren. Einen Modus für niedrige Latenzzeit, doppelte Verbindung (danke, Bluetooth!), einen Modus für lange Akkulebensdauer, Finde meine Kopfhörer und das Umstellen der Bedienung (was passiert beim Drücken und Halten?) gibt es ebenfalls.
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Das Ladecase dreht auf
Der eigentliche Star des CMF Clip Pro steckt nicht am Ohr, sondern im Ladecase. Auf der Seite sitzt ein physischer Smart Dial, der sich drehen und drücken lässt. In der Nothing-X-App kann festgelegt werden, welche Funktionen damit gesteuert werden, etwa Lautstärke, Wiedergabe, Titelsprünge, Anrufe oder ein Sprachassistent. Standardmäßig passiert allerdings nichts, ihr müsst also zuerst die App aufsuchen und das konfigurieren. Das ist keine Revolution, aber eine ausgesprochen angenehme Alltagserfindung. Statt auf dem Smartphone herumzutippen oder an den Ohrhörern nach einer berührungsempfindlichen Stelle zu suchen, liegt ein echter Regler in der Hand. Die Rastpunkte vermitteln dabei ein befriedigendes haptisches Feedback. Gerade im Homeoffice oder im Gym ist es praktisch, das Case griffbereit zu haben und etwa die Lautstärke blind anpassen zu können.
Ganz reibungslos arbeitet das Konzept nicht. Die Reaktion auf Drehbewegungen kann leicht verzögert sein, und die Statustöne des Reglers lassen sich nicht vollständig deaktivieren. Wer das Case häufig benutzt, könnte sich an den akustischen Rückmeldungen deshalb irgendwann stärker stören als an ihnen erfreuen. Auch die Ohrhörer selbst besitzen physische Bedienelemente. Das ist eine gute Entscheidung, denn echte Tasten funktionieren beim Sport, im Winter oder mit feuchten Fingern meist zuverlässiger als Touchflächen. Ein Druck kann die Wiedergabe steuern, mehrere Druckvorgänge wechseln Titel oder nehmen Anrufe an. Die Belegung lässt sich über die Nothing X-App anpassen. Das gibt dem Clip Pro eine Flexibilität, die in dieser Preisklasse keineswegs selbstverständlich ist.
Offenes Ohr, offener Klang
Der CMF Clip Pro arbeitet mit einem 10,8-Millimeter-Dual-Magnet-Treiber. Die Hörkapsel liegt dabei nahe am Gehörgang, verschließt ihn aber nicht. Genau daraus entsteht der zentrale Reiz: Musik und Sprache bleiben hörbar, während ihr weiterhin mitbekommt, was im Raum oder auf der Straße passiert. Klanglich liefert der Clip Pro mehr, als man von einem günstigen Open-Ear-Modell erwarten würde. Stimmen stehen verständlich im Vordergrund, Gitarren und Synthesizer bleiben gut unterscheidbar, und auch der Bass ist nicht völlig verschwunden. Je nach eingestelltem Equalizer kann man dem Kopfhörer eine ausgewogene Wiedergabe zusprechen, und die Basswiedergabe fällt für diese Bauform recht ordentlich aus.
Denn offene Kopfhörer haben physikalisch bedingt Schwierigkeiten mit tiefen Frequenzen. Ohne dichten Abschluss fehlt der Druck, den ein geschlossener In-Ear oder Over-Ear unmittelbar am Ohr erzeugen kann. CMF versucht, dieses Problem mit Ultra Bass Technology beziehungsweise Bass Enhancement auszugleichen. Mir persönlich hat dabei die EQ-Einstellung Electronic am besten gefallen, aber es ist gut zu wissen, dass ihr Flexibilität habt, allerdings mit Einschränkungen. Der dreibändige EQ bietet zwar individuelle Anpassungen, doch extreme Einstellungen können andere Frequenzbereiche hörbar verdecken. Außerdem finde ich, dass der Raumklang den Klang teilweise dunkler und unausgewogener erscheinen lässt. Aber das ist alles Geschmackssache!
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Auffällig unauffällig
Klar, weil bauartbedingt: In ruhiger Umgebung spielt der Clip Pro angenehm und ausreichend laut. Im Büro, zu Hause oder beim Spaziergang bleibt das Klangbild gut verständlich. Sobald die Umgebung allerdings selbst laut wird, zeigt die offene Bauweise ihre Grenzen. Auf einer stark befahrenen Straße, im Fitnessstudio oder in öffentlichen Verkehrsmitteln kann der CMF Clip Pro untergehen. Das ist kein spezieller Fehler von CMF, sondern die unvermeidliche Konsequenz des Konzepts. Wer beim Radfahren oder im Büro aufmerksam bleiben möchte, bekommt genau das gewünschte Maß an Umweltwahrnehmung. Wer dagegen auch im Zug möglichst konzentriert Musik hören will, sollte weiterhin zu In-Ears mit Abdichtung oder ANC greifen.
Ein weiterer Nachteil offener Ohrhörer ist die Schallabstrahlung. Was man selbst hört, kann je nach Lautstärke auch für die Sitznachbarin oder den Kollegen hörbar sein. Der CMF Clip Pro besitzt deshalb ein Sound Seal System, das den nach außen dringenden Schall reduzieren soll. In der Praxis bewirkt diese Funktion tatsächlich etwas. Sie lässt sich über die App deaktivieren, nur bei Telefonaten aktivieren oder dauerhaft verwenden. Der Haken: Die Klangqualität bei abgespielten Medien verändert sich dabei (meiner Meinung nach unverhältnismäßig viel), und der Sound wirkt dadurch wesentlich dumpfer oder weniger offen. In stillen Räumen ist diese Funktion trotzdem nützlich, sofern man die Lautstärke nicht unnötig hochdreht.
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Was noch aufgefallen ist
Für Telefonate ist der Clip Pro brauchbar, aber nicht herausragend. Die Mikrofone reduzieren Umgebungsgeräusche ordentlich, wodurch eure Gegenüber nicht jede Nebengeräuschquelle mitbekommen. Gleichzeitig kann die eigene Stimme bei aktivierter Geräuschunterdrückung ebenfalls leicht gefiltert rüberkommen. Also: Wer regelmäßig in sehr lauter Umgebung telefoniert, findet bei teureren Modellen jedoch wahrscheinlich eine bessere Sprachübertragung. Bei der Akkulaufzeit zeigt sich der CMF Clip Pro von seiner starken Seite. CMF verspricht bis zu zehn Stunden Wiedergabe mit einer Ladung und insgesamt 32,5 Stunden zusammen mit dem Ladecase. Im Long-Battery-Modus sollen sogar 36 Stunden möglich sein, und zehn Minuten Schnellladen bringen bis zu vier Stunden Wiedergabe zurück.
Diese Angaben sind nicht völlig aus der Luft gegriffen. Wir kamen bei einer Stunde Wiedergabe mit mittlerer Lautstärke auf einen Verbrauch von etwa zehn Prozent. So sollte es diesem Modell eigentlich problemlos möglich sein, einen klassischen Tag mit Pausen problemlos zu überstehen. Die Laufzeit ist damit ein klarer Pluspunkt, gerade weil viele offene Ohrhörer bei ähnlicher Größe deutlich kürzer durchhalten. Das Case selbst wird über USB-C geladen, ein Ladekabel liegt allerdings nicht bei. Wer bereits mehrere USB-C-Kabel besitzt, wird das kaum vermissen. Trotzdem wirkt diese Einsparung bei einem ohnehin erschwinglichen Produkt möglicherweise etwas arbiträr und damit unnötig. Übrigens: Die IP54-Zertifizierung schützt die Ohrhörer vor Staub und Spritzwasser, während das Ladecase lediglich nach IPX2 geschützt ist.
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Der Dreh macht den Unterschied
Der CMF Clip Pro kostet 79,95 Euro (UVP), um mal alles richtig einzuordnen. Damit liegt er deutlich unter Premium-Clip-Ohrhörern von Bose, Shokz oder vergleichbaren Herstellern. Gerade Smart Dial, Multipoint, LDAC und die lange Akkulaufzeit machen das Paket preislich attraktiv. Der offene Begleiter ist kein Kopfhörer für alle, aber ein bemerkenswert gutes Debüt im Open-Ear-Segment. Er sitzt leicht und über lange Zeit bequem, hält zuverlässig durch und bietet mit dem Smart Dial eine Bedienidee, die im Alltag tatsächlich einen Unterschied macht. Der Klang ist für die Preisklasse gelungen, bleibt wegen der offenen Bauweise aber natürlicherweise hinter guten In-Ears zurück. Der Kopfhörer ist also als überzeugender Herausforderer zu bezeichnen, nicht zuletzt deshalb, weil es der erste Kopfhörer dieser Art von CMF ist.
Sein günstiger Preis relativiert viele Schwächen des Kopfhörers. Der Klang ist nicht audiophil, die Lautstärke in lauten Umgebungen begrenzt und die Gesprächsqualität nur solide. Dafür erhält man ein komfortables, ungewöhnliches und ausdauerndes Produkt, das sich klar von gewöhnlichen TWS-Kopfhörern abhebt. Wer beim Arbeiten, Spazierengehen oder Sport nicht von der Außenwelt abgeschnitten sein möchte, bekommt hier einen eigenständigen und preislich fairen Begleiter. Für Bahnfahrten, laute Fitnessstudios oder konzentriertes Musikhören sind leistungsfähigere, meist deutlich teurere Alternativen die bessere Wahl. Der CMF Clip Pro ist damit weniger der neue König der Clip-Kopfhörer als vielmehr ein sehr sympathischer Einstieg: nicht perfekt, aber clever, bequem und mit genug Charakter, um aus der Masse herauszustechen.