MtG Mord in Karlov Manor Review – Küchentisch Magic

von David Kolb-Zgaga 13.02.2024

MtG Mord in Karlov Manor ist da und wir werfen in unserem Review des Küchentisch Magic Formats einen genauen Blick auf Ravnicas Murder Mystery.

Whodunit?

Noch vor kurzem erschien das Set Ravnica Remastered und mit Mord in Karlov Manor bleiben wir auch genau dort. Es geht noch immer um die Gilden in Ravnica, aber diesmal geht es um eine Party auf Karlov Manor und eine aufgetauchte Leiche. Wenn ihr jetzt an Krimis, aber auch Cluedo denkt, dann liegt ihr goldrichtig. Wizards of the Coast wirft nicht nur viele Verdächtige ins Spiel, auch potenzielle Mordwaffen haben humorvolle Kartendesigns erhalten.


Die Geschichte beginnt in der Zeit nach der Invasion der Phyrexianer. ​ Ravnica, nun befreit von dieser Bedrohung, strebt danach, zur Normalität zurückzukehren. Und was wäre besser geeignet, um die Lebenskraft der Menschen zu zelebrieren, als ein großes Fest auf Gut Karlov? Die Gastgeberin der Veranstaltung war Teysa Karlov, Gildenführerin, legendäre Aristokratin und Spross der einflussreichen Familie Karlov.

Während der phyrexianischen Invasion rettete sie viele Leben, indem sie wichtige Informationen über die anrückenden Armeen lieferte. Wer könnte es ihr verübeln, eine wohlverdiente Party zu schmeißen? Dann aber taucht besagte Leiche auf und der renommierte Detektiv Alquist Proft verkündet, dass er dem Täter auf der Spur ist. Er lädt alle ein, die an den Ermittlungen teilgenommen haben, sich ihm anzuschließen und das Rätsel gemeinsam zu lösen. Doch wer von ihnen könnte der Schuldige sein?

Die rechte der beiden Karten zeigt auch gleich den neuen alternativen Artstyle der Karten, die mit Schreibmaschine festgehaltene Hinweise widerspiegeln. Wenn ihr euch für die gesamte Story und weitere Backgroundinformationen interessiert könnt ihr euch das offizielle knapp 18 minütige Video anschauen. Dort erfahrt ihr dann auch wer der eigentliche Mörder ist.

Neue und alte Mechaniken rund um die Detektivarbeit

Wie z.B. auch Ixalan oder Wilds of Eldrain ist auch Mord in Karlov Manor ein topdown designtes Set. D.h. zuerst wurde das Setting und die Geschichten des Sets entworfen und dann die Mechaniken passend dazu entworfen. Deshalb dreht sich diesmal alles um die Detektivarbeit und ich habe Cluedo ja bereits erwähnt, dass im englischen Clue heißt. Investigate bzw. der damit eingeführte Clue-Spielstein ist daher großer Bestandteil von Mord in Karlov Manor. Zu Deutsch heißt das Ganze dan übringes Nachforschungen anstellen und ihr bekommt einen Hinweis-Spielstein:


Ich muss gestehen, ich bin nicht der größte Fan von Token-Decks, seien es Speise-, Schatz– oder eben Hinweis-Tokens. Aber wenn schon, dann bitte Hinweise, denn Carddraw ist immer essenziell und kann in unterschiedlichsten Formaten sinnvoll eingesetzt werden. Klar, Flavor technisch passt das ohnehin sehr gut und ergibt mit den neuen (oder zumindest angepassten) Mechaniken einige schöne Boardstates – dazu gleich mehr. Zuerst aber dreht sich alles um die vier neuen Mechaniken Verkleidung/Tarnen, Fall, Verdächtigen und Beweissicherung (eine genaue Beschreibung inklusive Beispielen findet ihr unter dem jeweiligen Link bei uns auf der Seite). Auf den ersten Blick fand ich die Mechaniken nicht so spannend, weil nicht viel Neues geboten wird. Im Prinzip sind Morph (Verkleidung), Friedhof Verbannung (Beiweissicherung) und Bedrohung plus der Verlust der Blockfähigkeit (Verdächtigen) keine Revolution des Spiels und niemand wird hier vor Spannung von besagtem Küchentisch fallen. Immerhin ist Fall ganz cool und hat im Vergleich zur Sage gute Alleinstellungsmerkmale. Das war zumindest meine Meinung bis ich bei einem privaten Prerelease (hier findet ihr die Regeln zu Sealed) mitgemacht habe.

Als ich in einem der sechs Boosterpacks (es gibt jetzt Playbooster Packs, dazu ebenfalls später noch mehr) Delney, gewiefter Ausguck gezogen hatte, wusste ich schon, dass ich gerne etwas White Weenie Aggro-artiges spielen möchte.

Praktischerweise habe ich dann auch noch Aurelia, Gesetz des Himmels gezogen und da war klar, es wird ein Boros Aggro Deck mit vielen, kleinen Kreaturen, ein paar Bombs und coolen Synergien, wenn ich oft und mit vielen Kreaturen angreife.

Jetzt habe ich aber noch immer nicht begründet warum das Prerelease meine Meinung über die Mechaniken von Mord in Karlov Manor zum Positiven verändert hat. Das hat zwei Gründe und einer davon sind die Hinweis-Tokens. Beim Deckbau mit 40 Karten konzentriert man sich in vielen Fällen auf Synergien, Removal, Bombs etc. und Carddraw wird nur vereinzelt eingestreut. Das führt dann gerne zu Partien wo beide Spieler:Innen ihr Pulver verschossen haben, nur mehr topdecken und das glücklichere Händchen gewinnt. In der neuen Edition gibt es aber in verschiedensten Farben Hinweis-Tokens, die dabei auf beiden Seiten helfen das Spiel am Leben zu halten. Ja die Hinweise sind eher langsam einzustufen, aber das ist auch das Sealed Format mit den sechs Boosterpacks (mit dabei ist auch wieder die passende Prereleasebox inklusive Promokarten). Es passt einfach super zu diesem Modus und bringt meiner Meinung nach höherwertige Partien zum Vorschein.

Der andere Grund ist, dass die vier neuen Mechaniken zu coolen Boardstates führen, die super zur Geheimniskrämerei und dem Krimifokus passen. Stellt euch vor, euer Gegner hat nicht nur drei Hinweis-Tokens vor sich, sondern auch mehrere getarnte Kreaturen mit denen er immer wieder angreift. Potenziell sind die Dinger ja nur 2/2, aber was wenn sie verkleidet aufgedeckt werden und ich gerade einen 6/6 nicht blocke? Besonders grün kann hier ganz schön schnell das Spiel beenden, wenn man einmal unachtsam nicht blockt.

Garniert wird das ganze noch mit einem oder mehreren Fällen, die für einen schönen Bonus gelöst werden wollen. Im Prinzip sind die Fälle eine Mischung aus Sagen und Schlachten, wobei sie mir deutlich besser als letzgenannte gefallen, weil sie vielseitiger sind und nicht nur durch Combat Damage ausgelöst werden können.


Abgerundet wird das ganze Board noch mit verdächtigten Kreaturen, die zwar effektiver im Angriff sein können, aber dafür nicht mehr fähig sind zu Blocken. Hier stellt sich je nach Situation auch immer die Frage ob man die eigene oder die vom Gegner kontrollierte Kreatur verdächtigen möchte und je nachdem Vor- und Nachteile generiert. Alles in allem führt das zu richtig coolen, abwechslungsreichen Matches, die manchmal durch das Tarnen schon fast ein bisschen Yu-Gi-Oh!– , aber auf jeden Fall ganz viel Detektivarbeit versprühen.

Neue Booster-Packs

Es gibt aber noch einen dritten Grund warum mir das Prerelease Event mehr Spaß gemacht hat und das sind die neuen Playbooster, die hier auch gleich zum Einsatz kommen. Zur Erklärung: früher gab es Draft-, Set- und Sammler-Booster. Die Sammler-Booster bleiben bestehen, dies sind immer noch die mit Abstand teuersten Boosterpacks (ca. 22 Euro). Sie enthalten ausschließlich Foil-Karten und können auch sehr seltene, limitierte Collectors-Karten beinhalten. Um die soll es aber nicht gehen, denn die hat Wizard of the Coast nicht verändert. Viel mehr hat man Draft- und Set-Boosterpacks zusammengefasst und daraus die jetzigen Play-Booster (ca. 4,50 Euro) gemacht. Hier seht ihr die Wahrscheinlichkeiten und welche Karten ihr ziehen könnt:


Aber warum macht Wizards of the Coast so etwas? Alle wollten Set-Booster kaufen, die zwar ein bisschen teurer als die Draft-Packs waren, aber auch die insgesamt höherwertigen Karten enthielten. Problem war aber, dass durch die Slotverteilung kein ausgewogener Draft möglich war. Draft-Booster enthielten die schlechteren Karten, aber waren eben perfekt für Limited, also das Drafting geeignet. Das Problem daran war einerseits, dass Kund:Innen durch die beiden Versionen verwirrt waren und nicht wussten, welche sie kaufen sollten und Draft-Booster nach den Releasewochenenden als Ladenhüter im Geschäft liegen blieben. Mit dem Playbooster möchte man nun eben beides vereinen, hochwertige Karten und ein gutes Drafterlebnis. Das ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen und vereinfacht auch das Produkt. Ich finde ohnehin lobenswert, dass die meisten Einzelkarten nun deutlich erschwingbarer sind als noch vor 10 Jahren. Wer immer noch gerne teure Karten sammelt, kann dies auch tun und zwar in speziellem Foil, Artdesign usw (Sammler-Booster). Cool ist, dass aber spielmechanisch die “ganz normale” Karte natürlich genau das gleiche macht wie ihr teures Foil Pendant. Übrignes, wer sich für die ganz genauen Wahrscheinlichkeiten bei den einzelnen Booster-Packs interessiert und außerdem einen Kommentar von Head Designer Mark Rosewater lesen möchte, kann gerne hier reinschauen.

Commander Decks

Abschließend möchte ich das ganze mit meinem Lieblingsformat Commander ausklingen lassen, denn auch MtG Mord in Karlov Manor hat wieder vier fertige Precon-Decks spendiert bekommen (hier findet ihr die Decklisten).


Normalerweise gibt es pro Decks zehn komplett neue Karten, doch die gute Nachricht ist, dass Wizards diese Zahl nun auf zwölf erhöht hat. Es gibt dadurch auch insgesamt mehr neue Karten, was eine unerwartete, aber feine Überraschung ist. Ich muss gestehen, mein Lieblingsdeck ist das Boros (es zieht sich vom Prerelease bis hierher durch), denn ich finde Anstacheln (Goad) einfach eine super spaßige Mechanik. Ich lasse euch den gefeatureten Deck Reveal hier:

Ich habe das Revenant Recon Deck zum Test erhalten, das ebenfalls einen sehr guten Eindruck macht, aber einen kleinen Schönheitsfehler hat. Das Deck ist Dimir (blau/schwarz) und teils Combo, teils Reanimation. Der Commander ist Mirko, obsessiver Theoretiker.

Mit ihm müsst ihr vor allem Überwachen (Surveil) einsetzen, damit ihr dann stärkere Kreaturen vom Friedhof ins Spiel zurückbringen könnt. Mit über 20 Karten, die Überwachen können seid ihr hier wunderbar abgesichert und wisst dann natürlich auch immer genau, was ihr als nächstes zieht und werft passende Kreaturen gleich in den Friedhof, um sie später zu reanimieren. Preislich, als auch von ihrem Können sind diese drei die absoluten Reprint Banger:

Hinweis: Die Commander Karten gab es leider nicht in der deutschen Kartengallerie, weshalb ich auf die englischen Originale zurückgreife.

Mit Reanimieren kann man für nur ein Mana eine super starke Kreatur aus dem Friedhof holen, die gerade noch zuvor abgeworfen wurde. Mit Toxische Sintflut habt ihr einen kostengünstigen Boardwipe und verfügt ihr dann noch über das nötige Mana könnt ihr mit Erhebung des Dunkelreichs die Kreaturen aller Friedhöfe zum Leben erwecken. Spätestens damit habt ihr dann den Blinker Richtung Siegesstraße gesetzt.

It’s all about that Base

Angesprochener Schönheitsfehler liegt hingegen bei der Mana Base. Es geht aber nicht um die allgemeingültige Diskussion, warum es in Precons noch immer keine Shocklands, ja gar Fetchlands gibt. Nein, das Problem ist viel profaner, denn im Deck befinden sich zehn Länder die schwarz und elf die blaues Mana produzieren. Es gibt aber 24 Karten die schwarzes Mana benötigen und nur 19, die Blaues verlangen. Das lässt sich natürlich kostengünstig und einfach ausgleichen und am besten holt ihr euch gleich noch Unterstadt-Kanalisation dazu, um noch mehr Überwachen zu können.


Abseits davon spielt sich das Deck wirklich flexibel und hat mit seinem vollgepackten Removalkoffer auf sehr viele Gefahren eine Antwort. Meist ist hier ebenfalls noch der Überwachen Effekt mit eingebaut, um zusätzlich Mirko zu stärken, wie z.B. bei Gegenargument.

Der Gameplan ist zudem relativ leicht verständlich, denn oberstes Ziel ist es Mirko immer mächtiger zu machen. In Nuancen seid ihr aber sehr flexibel und viele Optionen sind durch das ständige Überwachen sehr gut anpassbar. Das Precon hat mir deshalb beim Spielen viel Spaß gemacht und hat richtig viel Potenzial. Auch hier noch der offizielle Deck Reveal:

MtG Mord in Karlov Manor Fazit

Nach anfänglichem Zögern über das Mördermystery Setting und vor allem die zuerst dröge wirkenden Mechaniken hat mich das Set doch noch bekommen. Es hat richtig viel Spaß gemacht mit einem 40 Kartendeck am Prerelease teilzunehmen und der schon erwähnte Carddraw in Kombination mit den detektivischen Mechaniken hat für lang anhaltende Spannung gesorgt. Die Playbooster vereinfachen das gesamte Konzept und bieten auch weiterhin eine sehr gute Drafterfahrung, bei höherwertigen Karten. Wizards of the Coast hat meiner Meinung nach damit viel richtig gemacht und sich gut für das Jahr 2024 positioniert.