Mortal Kombat 1 Review: It has begun!

von postbrawler 10.10.2023

It has begun! Nachdem die Mortal Kombat-Reihe mit Teil neun (2011) einen Neustart hinlegte, dessen Handlungsbogen im elften Teil (2019) gipfelte, startet der zwölfte und gleichsam erste Teil wieder ganz von vorne. Feuergott Liu Kang ging aus dem Mortal Kombat 11 Add-On Aftermath siegreich hervor, und avancierte zum Hüter der Zeit. Sogleich machte er sich an die Umwidmung selbiger, und gestaltete für Mortal Kombat 1 eine Zeitlinie nach seiner Vorstellung. Friedlich und weniger „Mortal“ sollte sie sein. Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man pfeift. Schließlich kann es in einem „Mortal Kombat“ weder Friede noch Freude und auch keinen Eierkuchen geben! Naja, Eierkuchen vielleicht schon.

Die Handlung

Wir schreiben das Jahr 1 nach Chronika. Ganz Earthrealm ist von Outworld besetzt. Ganz Earthrealm? Nein, denn ein kleiner Trupp unbeugsamer Champions hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten. So könnte auch der zwölfte Teil beginnen – tut er aber nicht. In Lui Kangs Universum leben die Reiche in friedlichem Einklang. Outworld wird von Königin Sindel und Ihren Töchtern regiert, Der fiese Shao ist weder Khan noch Sindels Geliebter, sondern ihr untergebener General. Und der hinterlistige Zauberer Shang Tsung? Der fristet sein Dasein als maskierter Scharlatan und vagabundierender Quacksalber.

Im Erdenreich wiederum genießen der nun sterbliche Raiden und Kung Lao ihr neues Leben in einem beschaulichen Bergdörfchen. Die ehemaligen Posterboy-Ninjas Skorpion und Subzero sind in dieser Zeitlinie keine Todfeinde, sondern Brüder und Großmeister im selben Ninja-Clan. Der exzentrische Schauspieler Johnny Cage ist immer noch Filmstar und Großmaul. Zusammen mit dem Yakuza Kenshi rekrutiert Liu Kang die ungleiche Truppe für ein Freundschaftsturnier gegen Outworld, bei dem natürlich niemand zu ernsthaftem Schaden kommen wird.

Soweit zur Ausgangssituation. Dass dabei alles aus dem Ruder gerät, und Lui Kangs Harmoniedrang auf eine harte Probe gestellt wird, versteht sich von selbst. Am Ende gibt es jedenfalls wieder eine zünftige Brise „Mortal“ im Kombat.

Gameplay

Auch wenn Mortal Kombat wieder viel Augenmerk auf den Story Modus legt, gibt es natürlich auch noch ein darunterliegendes Fighting-Game zu reviewen. Unter der Haube hat sich im Vergleich zum Vorgänger wieder einiges getan. Neu ist zum Beispiel das Kameo-System.

Statt wie in vorherigen Teilen die Kämpfer:innen mit Gegenständen und Loadouts zu variieren, können diesmal Begleit-Charaktere mit in den Kampf geschickt werden, die auf Knopfdruck Aktionen wie Würfe und Assists ausführen. Das Spezielle an diesen Kameos ist, dass es sich dabei um eine eigenständige Riege an Charakteren aus den ersten vier Mortal Kombat-Spielen handelt.

Kameo-Chaos

Kameo-Kano zum Beispiel trägt sein klassisches Kostüm aus Mortal Kombat 3, wirft mit Messern und wirbelt als Kano-Ball durch die Kampfarena. Kameo-Sonja hingegen schießt pinke Laser-Ringe aus Ihren Unterarmen und nimmt Gegner:innen stilecht in den Flickflack-Schwitzkasten. Die Kameos wecken nicht nur nostalgische Erinnerungen, die bieten auch eine breite Palette an Tools, um die Defizite des eigenen Charakters zu kompensieren, oder Potenziale zu verstärken.

Ebenfalls neu ist ein starker Fokus auf Kombos. Das gab es zwar schon in früheren Serienteilen, aber schon lange nicht mehr mit so viel Witz und Chaos gewürzt. Das Kombo-Potenzial einzelner Charaktere lässt sich durch Kameos sogar noch ausreizen. Im Internet kursieren bereits aberwitzige Videos, bei denen die Opfer sprichwörtlich keinen Boden mehr unter den Füßen sehen. Alles in Allem spielt sich Mortal Kombat 1 sehr schnell und dynamisch. Hilfestellungen für Neulinge wie in Street Fighter 6 sucht man aber vergeblich.

Kämpfer:innen

22 Haupt- und 20 Kameo-Kämpfer:innen bietet Mortal Kombat 1 vom Start weg. Vorbesteller:innen kommen darüber hinaus in den Genuss eines weiteren Kämpfers: Shang Tsung. Für das erste Kombat Pack sind 6 Weitere, darunter 3 Gast-Charaktere angekündigt. Das Ensemble besteht diesmal ausschließlich aus bekannten Gesichtern, von denen viele bereits seit Jahren auf ein Comeback warten. Insbesondere Veteranen aus der 3D-Ära von Mortal Kombat, also den Teilen 4-7, wird eine Bühne geboten.

Grafik

Mit Mortal Kombat 1 wagt Netherrealm Studios das Upgrade von Unreal Engine 3 auf 4 (nicht 5). Figuren, Texturen und Animationen sehen dementsprechend noch um eine Spur besser aus als in Mortal Kombat 11. Die Gesichter der Spielfiguren sind detailliert animiert, was besonders in Intros und den erbarmungslosen Röntgen-Moves zur Geltung kommt. Auch die Hintergründe der abwechslungsreich gestalteten Kampfarenen sind lebhaft und detailreich. Mortal Kombat 1 macht sich auch die Vorzüge moderner Konsolen und SSD-Laufwerke zunutze, und präsentiert seine Auswahlbildschirme als elegant aneinandergereihte Animationen statt offensichtlicher Ladebildschirme. Zwischensequenzen und Kampfintros sind zwar vorgerenderte Filme, aber der nahtlose Übergang zwischen Ingame-Grafik und Render-Sequenz wird mit jedem Serienteil subtiler. Liu Kangs Ära schlägt sich auch im Stil der Präsentation nieder. Ins genretypisch finstere und makabre Ambiente mischen sich farbenfrohe, lichtdurchflutete und lebensbejahende Paletten wie die Gärten Edenias, oder Johnnys Machobude. An Gewalt, Blut und Zerstückelung mangelt es dennoch auch in diesem Teil nicht. Fatalities sehen noch grausamer, Blutfontänen noch realistischer und Knochenbrüche noch schmerzhafter aus als bisher.

Spielmodi

Neben dem bereits eingangs erwähnten Story Modus und klassischer Arcade Modi wie Towers und Versus, biete Mortal Kombat 1 auch einen sogenannten Invasions-Modus. Dabei steuern wir eine Spielfigur aus der Vogelperspektive durch weitläufige Karten entlang eines vorgegebenen Pfadsystems. An Knotenpunkten warten Herausforderungen oder Belohnungen zum Einsammeln. Durch das Besiegen von Gegner:innen sammeln wir Erfahrungspunkte und steigen so im Level auf. Wie in einem Rollenspiel können wir dann bestimmte Eigenschaften unseres Charakters verbessern. Der Invasion-Modus ist als saisonaler Content geplant, der immer neue Gebiete und Herausforderungen liefern soll. Aktuell spielt sich dieser Modus aber extrem langweilig, da er kaum Abwechslung bietet, und zum reinen XP-Grind verkommt. Man merkt, dass Netherrealm Studios  den Modus noch in letzter Minute als Krypta-Ersatz ins Spiel reingedoktert hat.

Immerhin sind sich auch noch ein Trainings-Modus und diverse Tutorials ausgegangen, wenn auch nicht in der Qualität eines Street Fighter 6.

Fazit zu Mortal Kombat 1

Nachdem Warner Bros endlich das Schweigen brach, und erste Infos zum Spiel veröffentlichen ließ, musste alles plötzlich ganz schnell gehen. Jetzt, nicht mal ein halbes Jahr später, ist das fertige Produkt auch schon da, und man merkt ihm den Zeitdruck an, der auf den Schultern der Entwickler:innen lasten musste. Der Invasions-Modus kann eigentlich nur als schlechter Scherz verstanden werden. Auch Features wie Frame-Data-Anzeigen im Trainings-Modus wirken inkonsistent, unfertig, und wie als Reaktion auf das zum Launch sehr solide Street Fighter 6 rasch nachgeliefert.

In den ersten Tagen äußerte die Community Bedenken über einen Spieler1-Vorteil und diverse Balance-Probleme. Ja, sogar der Story Modus wirkt, als hätte der finale Akt unter Zeitnöten inhaltlich zusammengeschnitten werden müssen, was sich leider auf die Konsistenz der ansonsten frischen und spannenden Handlung auswirkt. All das sind Symptome für einen chaotischen Start, die hoffentlich mit Patches und Updates ausgebügelt werden. Denn in Puncto Spielmechanik macht Mortal Kombat 1 einen ganz soliden Eindruck.

Kämpfe machen Spaß und fühlen sich wuchtig an, die Kämpfer:innen-Auswahl ist vielfältig und divers, und das Kameo System lädt zum Experimentieren ein. Auch Liu Kang musste schließlich lernen, dass selbst die ambitionierteste Schöpfung Schwachstellen hat, und es der laufenden Korrektur bedarf, um das Universum im Gleichgewicht zu halten. Wenn auch Ed Boon diese Lektion beherzt, kann Mortal Kombat 1 noch ein fantastisches Kampfspiel werden.

Wertung: 7.5 Pixel

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