MediEvil im Test: Mittelalterlich mediokeres Remake

von Max Hohenwarter 05.11.2019

MediEvil ist zurück von den Toten. Eines der besten Action Adventures der PSOne Ära erstrahlt auf der PS4 in neuem Glanz. Ob Sir Daniel Fortesque allerdings besser doch in seiner Krypta vermodert wäre, lest ihr in meinem MediEvil Review.

I used to be an adventurer…

…but then I took an arrow to the knee! Dieses zum Meme gewordene Zitat aus Skyrim wird unserem Helden, Sir Daniel Fortesque, vermutlich schmerzlich vertraut sein. Er war zwar einst strahlender Ritter, aber dennoch wurden eben diese beiden Karrieren gleichermaßen durch einen Pfeil beendet – im Falle Sir Daniel Fortesques war dieser gleich Teil des allerersten Geschosshagels in einer entscheidenden Schlacht gegen den schurkischen Zauberer Zarok.

Letztlich unterlag Zarok aber doch noch in eben dieser Schlacht. Hundert Jahre zogen seither ins Land und der Schleier der Zeit sorgte dafür, dass Sir Daniels verfrühtes Ableben vergessen wurde. Stattdessen fielen ihm posthum sogar noch ungerechtfertigterweise die Lorbeeren für seinen vermeintlichen Sieg gegen Zarok in den Schoß und er galt fortan als Held von Gallowmere.

Quelle: https://www.playstation.com/en-us/games/medievil-ps4/

Nun aber ist Zarok zurück und giert erneut danach, das ganze Land zu erobern. Dabei hilft ihm eine Armee Untoter und anderer Zombies, die er in einem finsteren Ritual erweckt. Kleiner Nebenefekt dieser Erweckungszeremonie war jedoch auch die Wiederauferstehung Sir Daniel Fortesques. Unser vermeintlicher Held ist es allerdings Leid, unverdienterweise mit allen Ehren bestattet worden zu sein. Die Verballhornungen der Wasserspeier in seiner Krypta will Sir Daniel nicht weiter über sich ergehen lassen müssen und so zieht er aus, Zarok diesmal höchstselbst das Handwerk zu legen.

Going MediEvil

MediEvil ist ein klassisches Action Adventure. Wir humpeln als Sir Dan über Stock, Stein und Bein, Friedhöfe, Irrgärten, Kürbisfelder und andere gruselige Schauplätze, hauen dabei Zaroks Diener zu Klump und stellen uns gelegentlich der ein oder anderen Geschicklichkeitsprobe. Am Ende mancher Levels wartet dann ein dicker Obermotz, bei denen ganz klassisch meistens spezielle und knifflige Spielmechaniken erforderlich sind, um ihn in die Knie zu zwingen.

Quelle: https://www.playstation.com/en-us/games/medievil-ps4/

Damit wir uns der Zombies und anderen Handlanger Zaroks erwehren können, schalten wir im Spielverlauf mehrere Hieb und Stichwaffen, sowie Schilde und auch Fernkampfwaffen wie Wurfdolche oder eine Armbrust frei. Das geschieht, indem wir in den schaurig schönen Levels eine bestimmte Anzahl Gegner abmurksen, wodurch sich ein Kelch füllt. Ist der voll, tragen wir ihn zur Halle der Helden, wo die Geister unserer ehemaligen MitstreiterInnen uns für den dargebrachten Kelch ein neues Schlag- oder Schießinstrument überlassen.

Quelle: https://www.playstation.com/en-us/games/medievil-ps4/

Tim Burton, bist dus?

Die Welt von MediEvil bietet mit ihren schaurig-schönen Schauplätzen echt einiges fürs Auge. Dem Look and Feel von damals wird mit zeitgemäßer Grafik und knalligen Effekten Rechnung getragen und es wirkt alles fast so, als stamme das Design von Nightmare Before Christmas Schöpfer Tim Burton höchstselbst. Auch der Humor, der sich besonders in den Gesprächen mit den zynisch-sarkastischen Wasserspeiern offenbart, hat nichts von seinem Charme von vor 21 Jahren eingebüßt

Quelle: https://www.playstation.com/en-us/games/medievil-ps4/

MediEVIL – was nervt?

Apropos 21 Jahre: das wohl größte Manko an MediEvil ist meiner Meinung nach eine Sache, die im 21. Jahrhundert in Videospielen eine Selbstverständlichkeit darstellen sollte – Speicherpunkte oder gar freies Speichern. Beide Features sucht man in MediEvil aber vergeblich: Stirbt Sir Dan den endgültigen Tod, bedeutet das, den ganzen Level neu beginnen zu müssen. Jetzt werden Dark Souls VeteranInnen vermutlich nur müde lächeln, aber für mich stellt diese Reminiszenz an die alten Tage ein richtiges Ärgernis dar.

Quelle: https://www.playstation.com/en-us/games/medievil-ps4/

Besonders schlimm wird dies, bedenkt man, dass MediEvil bisweilen eine katastrophale Kamerasteuerung bietet, die teils mit von Raum zu Raum wechselnden, fixierten Einstellungen- besonders in Dungeons – daherkommt. Dies gepaart mit der unpräzisen Bewegungsfähigkeit von Sir Daniel und dem schwammigen Kampfsystem, ergibt oftmals unverschuldetes Ableben. Betritt man beispielsweise mit nur einem Hauch verbliebener Lebensenergie einen neuen Raum und läuft unverhofft einem Zombie in die Arme oder überrollt einen aufgrund fummeliger Kamera und mangelhafter Kollisionsabfrage versehentlich bei einer Geschicklichkeitspassage ein Felsen und führt dies zum Game Over mitsamt vollem Do-Over, möchte man den EntwicklerInnen gerne auch mal an die Gurgel springen.

MediEvil? Eher Meh-diEvil!

Als die ersten Berichte über ein Remake zu MediEvil  an mein Ohr drangen, habe ich mich riesig gefreut. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich es damals mangels eigener PS One beim örtlichen Konsolenhändler immer nach der Schule anzockte. Schon hatte ich die Nostalgiebrille auf und freute mich auf ein Wiedersehen mit Sir Daniel Fortesque in zeitgemäßer Optik.

Nun hatte ich endlich die Möglichkeit, das Remake von MediEvil anzuzocken und bin ernüchtert.

MediEvil führt mir zwei Dinge vor Augen: Erstens, dass ich damals ein viel höheres Level an Frusttoleranz hatte und dass ich alt und bequem geworden bin. Ich bin schon kein Fan von Spielen wie Dark Souls, die mich mit jedem „Ihr seid gestorben“ verhöhnen und mir meine eigene Unfähigkeit vor Augen führen. Zugegebenermaßen sind die Souls-likes aber wenigsten in ihrer Härte fair, da die meistens sehr präzise Steuerung und das Lernen von Bewegungsmustern tatsächlich dabei helfen, dem Game Herr zu werden. Bei MediEvil ist das wie erwähnt anders und somit tut sich hier doch sehr viel Frust auf.

Ich würde MediEvil wirklich gerne gut bewerten, aber trotz des gelungenen Grafik-Polishings und dem nach wie vor guten Humor, trüben die flappsige Steuerung und die altbackene Kamera, sowie die fehlenden Speicherpunkte meinen Eindruck einfach zu sehr. Bedenkt man nun noch, dass diese Fehler sogar von einem der Entwickler als Retro-Features verkauft werden, komme ich mir fast ein bisschen verarscht vor. Frustresistente Nostalgiker für die früher alles besser war, können aber gerne zugreifen.

Wertung: 6.6 Pixel

für MediEvil im Test: Mittelalterlich mediokeres Remake von Max Hohenwarter

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