Marvel’s Spider Man Test: Schwungvoll durch Manhattan

von David Kolb 14.09.2018

Marvel’s Spider Man ist mit Abstand das beste Spider Man Game überhaupt und doch wäre noch so viel mehr drin gewesen.

Spider Mans Leben ist ein ständiges Auf und Ab. Peter Parker ist in seinem Superheldenleben oftmals ein gefeierter Held und eine schillernde Persönlichkeit. Privat muss er darum kämpfen, dass er das Geld für seine Miete bezahlen kann und mit MJ läuft es momentan auch nicht gut. Dieses ständige rauf und runter lässt sich auch in Marvel’s Spider Man, mit seinem wunderschön designten Manhattan und seiner sehr vorhersehbaren Story wiederzufinden.

Der Marvel-Film zum Mitspielen

Gleich im Intro des Spiels zieht Spider Man in einer bombastisch inszenierten Mission Wilson Fisk alias The Kingpin aus dem Verkehr. Dabei wird Peter von Raketen beschossen, muss spinnenartig durch Lüftungsschächte krabbeln und liefert sich am Ende einen knackigen Fight mit Fisk und seinen Schergen. Dabei fallen vor allem zwei Dinge sofort auf: Das Kampfsystem erinnert frappierend an die Batman: Arkham-Reihe und von der ersten Sekunde an kommt ein herrlich freches Spidey-Feeling auf. Auf Knopfdruck werden Feinde mit Netzprojektilen an Wände geklebt und per Gummi-Klebeseil schwingt sich Spider Man zum nächsten Gegner, wo er einen heftigen Tritt landet. Die Kämpfe stehen einem Marvel Kinofilm in nichts nach und gerne wird das Geschehen in ironischer Art vom Spinnenmann kommentiert.

Ein bisschen zu oberflächlich

Da Fisk jetzt im Knast sitzt, entsteht aber ein Machtvakuum und Gangs und andere Bösewichte versuchen ihr Glück, die Herrschaft von New York an sich zu reißen. Kurze Zeit darauf wird ein neuer Schurke in die Story geworfen, den Fans von Spider Man mit Sicherheit kennen werden. Das ist auch cool, aber ich habe ein Problem mit der Art, wie mir Insomniac diese Ereignisse erzählt. Es gibt später auch Szenen mit MJ und Tante May und egal ob Freund oder Feind, diese kurzen Erzählepisoden bleiben meist oberflächlich. Quasi im Vorbeigehen werden Beziehungskonflikte aufgebaut, wieder eingerissen und neue bzw. alte Schurken aus dem Hut gezaubert. Immerhin darf man aber als Laborpartner von Otto Octavius miterleben, wie ein sehr intelligenter, herzlicher Mensch langsam durch äußere Bedingungen zerfällt und immer mehr zu Doctor Octopus wird. Das ist mit Abstand der interessanteste Charakter. Die anderen Weggefährten bleiben eher blass und sind oft Mittel zum Zweck.

Action pur!

Am aller besten ist die Story deshalb dann, wenn sie gar keine Geschichte erzählt, sondern pure Action inszeniert. Da gibt es immer wieder Blockbuster-Missionen, die packend und großartig inszeniert sind. Zum Beispiel gibt es da eine Szene, in der Spider Man einem feindlichen Helikopter einen Blechcontainer dranhängt. Dadurch kann der Hubschrauber zwar nicht mehr so hoch fliegen, die Aktion geht aber nach hinten los, da das Vehikel in eine fliegende Abrissbirne umgewandelt wurde. Seilschwingend beginnt dann eine ereignisreiche Verfolgungsjagd mit zerstörten Hochhäusern, einem umfallenden Kran und einem im Spinnennetz verfangenen Helikopter. Spider Man möchte schließlich keinen Kollateralschaden verursachen. In diesen Szenen wird deutlich, wie viel Arbeit in solche Blockbuster-Missionen gesteckt wurde. Man bekommt den Eindruck, das Call of Duty des Marvel-Universums (im positiven Sinne) wird gerade abgefeuert. Auf der anderen Seite gibt es aber auch trockene Fetch Quests.

Kleine Spinne

Immerhin beweist aber Entwickler Insomniac auch ein gutes Händchen bei der Darstellung von Spider Man, denn sie schaffen es gut das Heldendasein einzufangen. Auf der anderen Seite werden aber auch Peter Parkers Alltagsprobleme, wie das Bezahlen der Miete oder anderen eher trivialeren Angelegenheiten geschildert. Spider Man war oftmals kein überdimensionierter Weltenretter, sondern ist mehr ein Superheld im Kleinen und hat oft auch mit alltäglichen Situationen zu kämpfen. Deshalb gibt es auch Missionen, wo ihr Tante May im Obdachlosenheim F.E.A.S.T. helfen müsst oder Sehenswürdigkeiten in Manhattan fotografiert.

Außerdem hat Peter überall in der Stadt über 60 Rücksäcke an den unmöglichsten Orten versteckt, die euch immer ein wenig Hintergrundgeschichte erzählen oder die Marvel Filme oder Serien referenzieren. Außerdem gibt es auch überall in der Stadt Fisks Baustellen, wo noch immer krumme Dinger gedreht werden. All das und noch viel mehr wurde in einer Art und Weise auf die Karte geklatscht, dass sogar Ubisoft Kopfschmerzen davon bekommen würde. Ich stehe bei so etwas normalerweise schon mit Heugabel und Fackel in der ersten Reihe und möchte meinen Unmut über schlechtes Gamedesign kundtun – es gibt aber eine Sache, die dieses schwache System stark relativiert.

Das rasante Schwingen durch Manhattan

Auch nach 20 Stunden habe ich mich nicht daran satt gespielt und freue mich immer noch darauf stylisch und vor allem auch halsbrecherisch schnell durch Manhattan zu schwingen. Durch die vielen Wolkenkratzer ist es für Spider Man möglich, per Spinnenfaden Lianen mäßig durch den Großstadtdschungel zu sausen. Umso höher er schwingt, umso stärker katapultiert es ihn dann auch in die Lüfte und das wiederum lässt die Spinne tief fallen und neuen Schwung holen. Das klingt trivial, fühlt sich aber enorm gut an und bietet auch genügend Tiefgang, um darin immer besser zu werden. Dann erreicht das Spiel einen Flow, der mir so viel Spaß gemacht hat, dass ich auch einfache Botengänge gerne erledige, weil mir die Fortbewegung so viel Freude bereitet.

Beeindruckende Großstadt

Zur coolen Fortbewegung gesellt sich aber noch ein weiterer Faktor hinzu, nämlich ein wunderschönes, detailliertes Manhattan. Wenn sich im Abendrot die Sonne in der Glasfront eines Wolkenkratzers spiegelt, dann ergeben sich malerische Panoramen. Außerdem kann Sightseeing betrieben werden, denn der Central Park, das Empire State Building, der Times Square oder auch der Avengers Tower(!) können besucht und beklettert werden. Diese Sehenswürdigkeiten sind eben auch auf der Karte eingezeichnet und können per Kamera fotografiert werden. Dafür erhält Spidey dann einen sogenannten Landmark-Token. Analog dazu gibt es noch viele weitere Aktivitäten, die mal Kämpfe oder einfach nur Klettern voraussetzen oder im Forschungsbereich ein Halbleiter-Minispiel ähnlich zu Bioshock öffnen. Für jede dieser Aktivitäten erhält Spider Man unterschiedlichste Tokens, mit denen er neue Suits und Gadgets kaufen kann, wodurch das Kampfsystem personalisiert und erweitert werden kann.

Mein eigener Spider Man

Es macht daher auch Sinn diese vielen kleinen Botengänge abzuschließen und die verschiedenen Tokens zu sammeln, da Spider Man dadurch immer stärker wird. Mit Netzminen kann man Feinde in Fallen locken oder per Netzbombe einen großen Flächenschaden anrichten. Die Gadgets sind angenehm unterschiedlich und sogar upgradebar, wodurch ihr z.B. mehr Munition oder sie über größere Distanzen abfeuern könnt. Zusätzlich zu diesem System gibt es aber auch noch Level-Ups, denn mit genügend Erfahrungspunkten, die ihr in Kämpfen und durch abgeschlossene Missionen erhaltet, bekommt ihr Skill Punkte. Diese könnt ihr in drei verschiedene Skilltrees einsetzen, die euch im Kampf, die Fortbewegung oder das Kontern mit neuen Moves und Fähigkeiten verbessern. Auch wenn nicht alle Fertigkeiten wirklich sinnvoll sind, möchte ich das Levelsystem nicht missen, da ich auch dadurch eine weitere Möglichkeit erhalte, mir meinen ganz eigenen Spider Man zu bauen. Deshalb kann mein Peter Parker, wegen meiner Liebe zum Fortbewegungssystem in großen Höhen Tricks machen, die nicht nur cool oder witzig aussehen, sondern auch ein kleines bisschen Erfahrungspunkte bringen.

Marvel’s Spider Man Fazit

Wegen dieser vielen Kleinigkeiten, der Blockbuster Missionen, dem vielseitigen Kampfsystem und natürlich Manhattan, das ich per Seilschwung erobern kann, ist Marvel’s Spider Man das beste Spider Man Spiel bisher. Es ist aber auch weit davon entfernt perfekt zu sein, denn die einzelnen Gameplaymechaniken sind teilweise sehr simpel und es wäre noch deutlich besser gegangen. Das gilt auch für die Geschichte, die nur wirklich überzeugen kann, wenn sie gerade brachiale Action inszeniert. Ich kann aber über diese Schwächen hinwegsehen, da mir das Kerngameplay so viel Spaß macht und ich auch noch nach Stunden gerne im perfekten Flow durch die Stadt schwinge und Gangster in unnachahmlicher Spider Man Manier verkloppe. Aus diesem Grund gebe ich trotzdem eine klare Kaufempfehlung ab, da ich das Spielgefühl an sich großartig finde. Deshalb hoffe ich auch auf eine Fortsetzung, die dann auch genügend Feinschliff mitbringt.

Wertung: 8.4 Pixel

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