Maestro Test (Nintendo Switch 2): Dirigiert ein Orchester

von Mandi 20.09.2026

Maestro stellt euch auf ein Podium, damit ihr das virtuelle Orchester dirigieren könnt. Funktioniert das Rhythmusspiel à la Beat Saber auch gut?

Über Maestro

Hier findet ihr die offizielle Website, die euch mal einen ersten Vorgeschmack auf alles gibt. Das Grundprinzip von Maestro ist so einfach wie genial: Ein Joy-Con dient als Taktstock, mit dem ihr das Tempo vorgebt, während der andere Controller einzelne Sektionen des Orchesters Streicher, Blechbläser, Holzbläser sowie Percussion aktiviert und so die Dynamik formt. Anders als bei Guitar Hero oder Beat Saber, wo Noten auf uns zukommen und im richtigen Moment getroffen werden müssen, simuliert Maestro echte Dirigiergesten. Die Steuerung orientiert sich an realen Dirigiertechniken, was dem Spiel eine besondere Glaubwürdigkeit verleiht, die selbst allen mit Orchester-Vorerfahrung gut gefallen dürfte.

Die Musikauswahl gehört zu den größten Stärken von Maestro. Über 40 Tracks erwarten uns, darunter Film-Soundtracks, klassische Meisterwerke und Jazz-Standards wie Star Wars und Game of Thrones, Der Herr der Ringe und Harry Potter bis hin zu Attack on Titan. Klassik-Fans kommen mit Kompositionen von Beethoven, Mozart, Wagner, Vivaldi und Duke Ellington auf ihre Kosten. Die Demo, die seit Ende August verfügbar ist, enthält bereits Verdis Requiem in allen vier Schwierigkeitsgraden und gibt so einen soliden Vorgeschmack auf das volle Erlebnis. Derzeit sind im Nintendo eShop zwei Pakete zu kaufen: Attack on Titan um 2,99 Euro und ein All Aboard!-5er-Paket um 8,99 Euro. So kann man halt auch monetarisieren!

So legt ihr los

Ungeübte wie ich gehen vielleicht mit ein wenig Vorsicht an Maestro heran. Wie dirigiert man, und worauf gilt es aufzupassen? Schnell werdet ihr in die erste Probe geworfen, aber keine Sorge. Dafür ist aber die Einführung gut gelungen, um auch Neulinge optimal abzuholen. In fünf Lektionen erfahrt ihr, wie es um Takt, Dynamik, Einsätze und mehr steht und wie ihr eurem Orchester die entsprechenden Befehle erteilt. Maestro macht das recht gut, da ihr das nicht in einem futuristischen Niemandsland à la Beat Saber und Konsorten abhaltet, sondern wirklich vor einem Publikum. Wie darf man sich das vorstellen?

Das Spiel versetzt euch in eine sorgfältig gestaltete Pariser Künstlergesellschaft des 19. Jahrhunderts, wo Musik, Kultur und Gastronomie im Mittelpunkt stehen. Die visuelle Aufbereitung ist stilvoll und detailreich: Ein prunkvolles Opernhaus, ein begeistertes Publikum, das nach gelungenen Aufführungen mit Applaus, Fotos und Rosen reagiert, all das trägt zur Immersion bei. Besonders beeindruckend ist das Gefühl, tatsächlich auf einer Bühne zu stehen und vor vielen virtuellen Zuschauern zu dirigieren. Da kommt es schon mal vor, dass ihr nur eine kurze Session einplant und dann plötzlich „nur noch eine Runde“ spielt.

Vom Einsteiger bis zum Virtuosen

Die Joy-Con-2-Steuerung der Nintendo Switch 2 übersetzt eure physischen Bewegungen direkt in Dirigiergesten. Das funktioniert überraschend gut: Tempo halten, Einsatzzeichen geben, Crescendos leiten, all das wird in Echtzeit erkannt und umgesetzt. Allerdings zeigt sich, dass die Handtracking-Erkennung nicht immer perfekt ist. Gelegentlich werden Gesten nicht korrekt registriert, besonders bei schnellen Passagen. Das bedeutet, dass ihr euch auf den Schwierigkeitsgraden Leicht und Normal noch recht einfach tut, doch spätestens bei Schwer werdet ihr unweigerlich in die Drei- oder Vier-Sterne-Bewertung abrutschen.

Und „Expert“ ist sowieso eine Klasse für sich, da müsst ihr die einzelnen Stücke schon tatsächlich geübt haben. Wer sich nur auf sein Auge verlässt, wird in Maestro auf den höheren Schwierigkeitsgraden Probleme haben. Denn schon auf Schwer überlappen sich die zu gebenden Befehle, was zuvor noch eine Sache von „zuerst A, dann B“ war. Die Notwendigkeit, gleichzeitig das Tempo zu halten, verschiedene Sektionen zu aktivieren und dynamische Schwankungen zu steuern, fordert volle Konzentration. Wenn ihr einfach nur neue Titel freispielen wollt, könnt ihr das auf den niedrigen Schwierigkeitsgraden tun.

Aufgaben und Technisches

Maestro ist so ein Spiel, das genau eine Aufgabe hat: Ihr sollt dirigieren. Nach der geführten Einleitung, die vermuten lässt, dass es in der Tonart weitergeht, springt ihr dann nur noch zwischen drei Bildschirmen hin und her: Das Aufführen eines Stückes, das Einheimsen der Belohnungen und die Auswahl des nächsten Titels samt Schwierigkeitsgrad. Wer ganz wild ist, hantelt sich mit der ZR-Taste auf den Nintendo eShop und kauft sich entweder ein Attack on Titan-Lied oder gleich derer fünf in einem Set, das zwischen Fluch der Karibik und Wellerman angesiedelt ist. Neben mehr Titeln könnt ihr auch verschiedene Umgebungen freischalten, das passiert durchs Spielen. Abgesehen von der Jagd nach den Highscores war es das dann.

Wie es sich für ein ordentliches Rhythmusspiel gehört, liegt das Hauptaugenmerk natürlich ganz klar auf der Audio-Seite. Die Stücke zwischen Beethoven, Mozart, Wagner, Vivaldi und Star Wars, Game of Thrones, Der Herr der Ringe und Harry Potter sind natürlich jeweils genau die Tunes, die man ja kennt, das macht das Game sehr geschickt. Besonders cool: Wenn ihr die Einsätze vergeigt, wirkt sich das auch hörbar aus, genau so, wie man es von einem Orchester auch erwarten würde. Die Steuerung des Spiels ist zweckmäßig, verliert aber an Genauigkeit, wenn ihr schnell aufeinander folgende Befehle geben wollt. Grafisch ist Maestro auch in Ordnung, ihr seht die Eingaben genau auf dem Screen, und die Figuren sind blass.

Neben den 24 kosmetischen Collectibles gibt es die Titel freizuschalten, hier noch die vollständige Setliste der 38 inkludierten Stücke:

  • John Williams – Duel of the Fates (Star Wars Episode I)
  • Ramin Djawadi – Main Theme (Game of Thrones)
  • Howard Shore – The Bridge of Khazad-Dûm (The Lord of the Rings)
  • John Williams – Hedwig’s Theme (Harry Potter)
  • Dukas – The Sorcerer’s Apprentice (Fantasia)
  • Kohta Yamamoto – Ashes on The Fire ( Attack on Titan )
  • Grieg – In the Hall of the Mountain King
  • Berlioz – Symphonie Fantastique
  • De Falla – El Amor Brujo
  • Offenbach – Can-Can (Orpheus in the Underworld)
  • Shostakovich – Symphony No.10
  • Liszt – Totentanz
  • Bizet — Toreador Song (From “Carmen”)
  • Mozart — Dies Irae (From “Requiem”)
  • Beethoven — Ode To Joy (From “The 9th Symphony”)
  • Holst — Mars, Bringer Of War (From “The Planets”)
  • Brahms — Hungarian Dance N°5
  • Orff – Carmina Burana Part 1
  • Orff – Carmina Burana Part 2
  • Mozart – Figaro’s Wedding
  • Saint-Saëns – Danse Macabre
  • Wagner – Ride of the Valkyries
  • Dvořák – From The New World
  • Mussorgsky – Night on a Bald Mountain Part 1
  • Mussorgsky – Night on a Bald Mountain Part 2
  • Stravinsky – The Rite of Spring
  • Tchaikovsky – Swan Lake
  • Beethoven – Symphony No.5 Part 1
  • Beethoven – Symphony No.5 Part 2
  • Verdi – Messa da Requiem
  • Mendelssohn – The Hebrides Part 1
  • Mendelssohn – The Hebrides Part 2
  • Prokofiev – The Dance of the Knights
  • Prokofiev – Battle on the Ice
  • Vivaldi – Winter
  • Prima – Sing Sing Sing
  • Ellington – Caravan
  • Goodman – Whiplash

Leicht zu lernen, schwer zu meistern

Maestro ist eines der innovativsten Rhythmusspiele der letzten Jahre und schafft es, ein völlig neues Gameplay-Gefühl zu etablieren. Die Kombination aus authentischer Dirigiermechanik, beeindruckendem Soundtrack und ansprechender Präsentation überzeugt auf ganzer Linie. Ihr bekommt genau das, was auf der Verpackung steht: Es gilt, einen Titel nach dem anderen zu dirigieren, Abwechslung bringt ihr nur durch freizuschaltende Stücke oder durch das Wechseln des Schwierigkeitsgrades ins Spiel. Doch diesen Trick beherrscht das Game richtig gut, und wer mal etwas Anderes in der Richtung eines Beat Saber spielen will, kann das hier zweifelsohne tun.

Will man dem Game nun vorwerfen, dass es Extra-DLCs gibt? Auf Steam gibt es schon wesentlich mehr Bundles als für die Nintendo Switch 2, aber auch im Grundspiel ist eigentlich genug enthalten, um den Preis von 34,99 Euro zu rechtfertigen. Für Fans von Rhythmusspielen und klassischer Musik ist Maestro eigentlich ein Pflichtkauf, denn es beweist, dass Musikspiele nach wie vor funktionieren und einen Platz in unserer Gesellschaft haben. Es ist ein Spiel für alle, die Musik nicht nur hören, sondern aktiv gestalten wollen und entsprechend bereit sind, dafür den Taktstock zu schwingen.

Wertung: 8.5 Pixel

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