LG OLED 55B7V Fernseher im Test – Glasklar und strahlend hell

von postbrawler 03.02.2018

Ich hatte in den letzten Wochen die Gelegenheit einen brandneuen OLED-TV von LG zu Testen – den 55 Zoll großen OLED 55B7V. Wie ich mit dem 4K und HDR-fähigen Pixel-Poser zurechtgekommen bin, und ob sich der Umstieg in die neue Dimension des Fernsehens lohnt, lest ihr in meinem Review.

OLED vs LCD

OLED-TVs zu konkurrenzfähigen Preisen sind da

OLED (Organic Light Emitting Diodes) ist eine Technologie, die bei Smartphones längst zum guten Ton gehört. Im Gegensatz zu herkömmlichen LCDs leuchten diese Dioden bei Stromzufuhr von selbst, und müssen nicht zusätzlich hintergrundbeleuchtet werden. Das Resultat sind großartige Kontraste, tiefste Schwarzwerte und lebendige Farben. Große Panels waren bis vor Kurzem unerschwinglich teuer, oder mit lästigen Problemen wie toten Pixeln und eingebrannten Bildern behaftet. Nun haben die weltgrößten OLED-Hersteller Samsung und LG der Technologie zur Massenmarktreife verholfen, und verkaufen OLED-TVs zu konkurrenzfähigen Preisen.

Mittelklasse-Modell

Beim 55B7V handelt es sich um das Mittelklasse-Modell der OLED-TVs zwischen den Full-HD Einsteigermodellen und der deutlich höherpreisigen Signature-Linie von LG. Und doch gibt es bereits in diesem Preissegment kaum etwas, das man als Konsument vermissen könnte. Viermal höhere Auflösung, Support für die gängigsten HDR-Formate und die lebendigen, poppigen Farben eines OLED-Panels lassen jeden Full HD-LCD TV daneben regelrecht steinzeitlich aussehen! Und auch einer meiner Hauptkritikpunkte der ersten Smart TV Generation scheint endlich überwunden zu sein: Schnelle und responsive Interface-Elemente und Apps, die rasch und ohne Verzögerung auf Eingaben der Fernbedienung reagieren!

Eckdaten

LG OLED 55B7V

Kaum mehr als eine dünnen Glasscheibe

Dafür, wie dünn das Panel des OLED-TVs ist, bringt der 55B7V ordentlich Gewicht auf die Waage. Schon beim Auspacken war ich verwundert, was da noch an zusätzlicher Masse an der dünnen Glasscheibe dranhängt. Mit stolzen 17,2 Kilogramm (18,6 wenn man den mitgelieferten Standfuß montiert) wiegt der Fernseher deutlich mehr als mein alter LCD-TV. Allerdings gilt zu bedenken, dass hinter der doch fast 5 Zentimeter tiefen Rückseitenverkleidung eine leistungsfähige Recheneinheit schlummert. Die ist auch nötig, um flüssige und messerscharfe Bilder in 4K auf den Schirm zu zaubern. Außerdem geizt LG auch nicht mit dem Soundmodul, das 40 Watt starken Dolby Atmos- Surroundsound von sich geben kann.

LG OLED 55B7V

Quelle: Eigenes Foto

Das Panel mit einer Diagonale von 55 Zoll (1 Meter 40) nimmt 1.229 Zentimeter Platz in der Breite, und 708 Zentimeter in der Höhe in Anspruch. Damit passt der TV leider gerade nicht mehr in den Ikea-Wandschrank, in dem derzeit noch mein 48 Zoll großer Privatfernseher hängt. Und dass, obwohl der LG-TV gänzlich ohne einen sichtbaren Rahmen auskommt. Lediglich eine dünne silberne Linie begrenzt das Dargebotene von seiner Umgebung. Sehr angenehm finde ich auch, dass LG diese Rahmenlosigkeit nicht durch frontseitige Logos oder dergleichen verschandelt. Man bekommt von vorne ausschließlich die volle Ladung Bildfläche präsentiert!

Anschlüsse

LG OLED 55B7V

Quelle: Eigenes Foto

Anschluss-seitig lässt der LG OLED 55B7V kaum Wünsche offen. Alle 4 HDMI-Anschlüsse (2 seitlich, 2 hinten) unterstützen den für HDR (High Dynamic Range) nötigen HDMI 2.0a- Standard. Dank ARC-Support lassen sich auch HiFi-Komponenten via HDMI-Kabel an den TV anschließen, und in bester Dolby Atmos-Qualität bespielen. Für eine PS4, einen AV-Reveiver, eine Nintendo Switch und einen Chromecast reichen die Anschlüsse gerade, damit ist aber auch schon das Ende der Peripherie-Fahnenstange erreicht. Auf ältere Anschlüsse wie Komponenteneingang oder gar einen Scart-Port verzichten moderne TVs mittlerweile vollständig.

LG OLED 55B7V

Quelle: Eigenes Foto

Wer seinen Fernseher nicht an eine separate Decoderbox hängt, sondern direkt mittels Antennen- oder Satellitenanschluss verkabelt, muss gebührenpflichtige Sender wie den ORF zuvor über eine separat erhältliche CI+ Karte entschlüsseln. Die entsprechenden Simpli-TV oder HD-Austria Karten können direkt über den vorhandenen PCMCIA-Slot eingelesen werden. Drei USB-Anschlüsse (1×3.0, 2×2.0), ein LAN-Port für RJ45-Netzwerkkabel und zwei Antenneneingänge für DVB-T2 und DVB-C komplettieren die IO-Palette. Für Audiophile steht zusätzlich ein Optischer Audio-Out-Port zur Verfügung. Wer es gerne Kabellos hat, wird sich über WiFi 802.11ac und integriertes Bluetooth freuen.

4K HDR Bildquellen

LG OLED 55B7V

Copyright: LG

4K, also viermal so viele Pixel wie bei Full-HD, und HDR (High Dynamic Range) sind ohne Zweifel die dominierenden Schlagworte beim Fernseherkauf 2018. Während 4K (3840 × 2160 Pixel) für deutlich schärfere Inhalte sorgt, liefert HDR zusätzliche Bildinformationen zur Leuchtkraft einer Szene. Es ist gar nicht so einfach, einen 4K HDR TV auf seine herausragendsten Eigenschaften hin zu testen. Denn hochauflösende und hochkontrastreiche Inhalte sind selbst 2018 beileibe noch keine Selbstverständlichkeit. Amazon Prime führt beispielsweise bereits großspurig eine stolze Sammlung an 4K und HDR-tauglichen Serien und Filmen. Beim genauerer Betrachtung entpuppt sich dann jedoch, dass damit ENTWEDER 4K ODER HDR gemeint ist, und selten beides. Auch die Begrifflichkeiten selbst gewähren offensichtlich noch viel Interpretationsspielraum.

Youtube seinerseits listet bereits einige 4K HDR-Inhalte, allerdings unterstützt die Youtube-App von LG noch nicht jeden HDR-Standard. Und mit klassischem Kabelfernsehen braucht man diesen TV gar nicht erst auf die Probe zu stellen, denn da ist das höchste der Gefühle oft immer noch 720p-Auflösung. Mit meinem neuen Gaming-PC von Techbold habe ich dann aber gottseidank noch eine würdige Bildquelle gefunden, und manche Spiele wie Destiny 2 können sogar bereits HDR10-fähige Bilder produzieren, ein entsprechendes HDMI 2.0a-Kabel vorausgesetzt.

Abseits dieser gebräuchlichsten Bewegtbild-Quellen finden sich im LG App Store für WebOS noch weitere Streaming-Angebote wie die ORF TVthek, Sky oder Google Play. Keiner davon bietet jedoch bereits passende Inhalte an, um die Möglichkeiten des Fernsehers wirklich auszureizen. Die gute Nachricht ist: Der OLED 55B7V unterstützt alle gängigen HDR Formate, von Dolby Vision über HDR10 bis HLG. Damit stehen den spärlich vorhandenen hochkontrastreichen Inhalten immerhin keinerlei formatbedingte Hürden im Weg.

Fernbedienung

Die mitgelieferte Fernbedienung des 55B7V bedarf einer gewissen Eingewöhnungszeit. Die von anderen Fernbedienungen bekannten Pfeiltasten befinden sich deutlich weiter unten als bei anderen Vertretern ihrer Art und beherbergen in ihrer Mitte anstelle eines Okay-Knopfes ein Scrollrad. Dort, wo der Finger den Okay-Knopf vermuten würde, befindet sich gemeinerweise eine Suchtaste, welche die sprachgestützte Suchfunktion des TVs aktiviert. Es ist mir nicht bloß einmal passiert, dass ich einen Menüpunkt anklicken wollte, und stattdessen von einem freundlich-energischen Piepston aufgefordert wurde, meine Anliegen zu artikulieren. Ein bisschen erinnert mich dieser aufdringlich platzierte Button schon an die Bixby-Taste des Samsung Galaxy Note 8. Navigiert wird auf diesem TV aber ohnehin nicht mehr mittels banaler Pfeiltasten, sondern elegant mit einem Pointer, der sich wie eine Wii-Remote durch Kipp- und Schwenkgesten über den Bildschirm manövrieren lässt. Das ist besonders dann sehr hilfreich, wenn man gezwungen ist Texteingaben über die Bildschirmtastatur zu tätigen.

Erfreulich finde ich auch, dass die Fernbedienung dedizierte Knöpfe für die verbreiteten Streamingdienste Netflix und Amazon Prime beheimatet. Ich bin zwar kein Netflix Abonnent, kam durch diesen Reminder aber endlich mal dazu, mich mit meinem Prime-Konto und den darin enthaltenen Serien zu beschäftigen. Die übrigen Tasten der Remote sind so altbekannt wie selbsterklärend, und bedürfen keiner tiefergehenden Analyse. Auch die Stromversorgung durch handelsübliche AA-Batterien ist erfreulich einfach durch den heimischen Batterievorrat stillbar.

WebOS

Das Open Source Betriebssystem Web-OS, das ursprünglich auf Organizern der Firma Palm zum Einsatz kam (Ja, so alt ist das schon) verrichtet auf Fernsehern der Firma LG nach wie vor pflichtbewusst seinen Dienst. Hier macht auch der OLED55B7V keine Ausnahme. Allerdings hat die auf 4K-Ausgabe getrimmte und bunt animierte Oberfläche kaum mehr was mit dem Altvater aller Bedienoberflächen gemein. WebOS bietet ein unaufdringliches und zweckmäßiges Interface, das leicht verständlich bedienbar ist. Nachdem ich mich zuvor mit einem sehr behäbigen Philipps-TV herumschlagen musste, ist die Reaktionsschnelligkeit des LG TVs eine echte Wohltat. Apps laden schnell, Inhalte reagieren prompt auf meine Eingaben und aussehen tut das Ganze auch noch ganz adrett. So kann man mit kleinen Sachen großen Kindern Freude machen.

Fazit zum LG OLED 55B7V

Die Zeit für den 4K HDR-Umstieg ist reif!

Ich habe mich dem 4K HDR-Hype lange verweigert. Ein TV Fehlkauf im Jahre 2011, als ich der Meinung war schnell auf den 3D-Zug aufspringen zu müssen, hat mich vorsichtig und argwöhnisch gemacht. Erstmal abwarten, wie sich das entwickelt, und bis die Early Adopters die gröbsten Kanten rundgelutscht haben. Nun, da ich vier Wochen lang mit dem OLED 55B7V verbracht habe kann ich guten Gewissens sagen: 4K und HDR sind gekommen, um zu bleiben. Meines Erachtens ist HDR sogar die größere Errungenschaft, denn der Unterschied zwischen 4K und Full-HD Bildern fällt bei 3 bis 4 Metern Abstand eigentlich kaum ins Gewicht. Von den gleißend hellen Taschenlampen in Alien Covenant geblendet zu werden gibt dem Horror eine ganz neue Dimension, die einen echten Quantensprung zu herkömmlichen 8-Bit Bildern darstellt.

Ob sich OLED-Panels gegen rasch wachsende Markteinsteiger wie QLED und Nano Cells durchsetzen werden bleibt abzuwarten. Wenn die Preise weiter fallen, und dem gefürchteten Einbrenn-Effekt Einhalt geboten wird, kommt so schnell nichts an die Opulenz und Strahlkraft eines solchen Panels heran. Um seine mittlerweile mehr als fairen 1.600 Euro Marktwert ist der LG 55B7V aber jedenfalls eine Überlegung wert, und macht den Einstieg ins neue TV-Zeitalter definitiv schmackhaft! Die alte Philipps-Gurke fliegt jedenfalls bald raus, oder fristet den Rest ihres jämmerlichen Daseins im Kinderzimmer, soviel steht für mich nach diesem TV-Erlebnis fest!

Wertung: 9.3 Pixel

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