Kirby Air Riders Test (Nintendo Switch 2): Action-Racer mit Tiefgang
Mit Kirby Air Riders kehrt einer der eigenwilligsten Titel der Nintendo-Ära auf die neuste Hardwaregeneration zurück. So viel Inhalt!
Über Kirby Air Riders
Masahiro Sakurai – bekannt als Schöpfer von Kirby und Mastermind hinter Super Smash Bros. Ultimate – steht auch hinter dem Sequel Kirby Air Riders. Das Game ist ein Vorzeigebeispiel an Zugänglichkeit und gleichzeitig zahllosen Mechaniken. Das Resultat ist ein Rennspiel, das sich sträubt, sich als solches zu definieren, und stattdessen ein chaotisches, suchterregendes Abenteuer auf vier oder mehr Rädern bietet. Aber alles erst mal von Anfang an: Kirby Air Riders ist das Nachfolgespiel des 2003 erschienenen GameCube-Titels Kirby Air Ride und wurde erneut von Masahiro Sakurai geleitet – dem gleichen Kreativkopf, der Super Smash Bros. Ultimate schuf und damit zeigte, dass Nintendo-Spiele nicht einfach bloß zugänglich sein müssen, sondern dass die tiefsten, komplexesten und befriedigendsten Spielerfahrungen oft aus den einfachsten Konzepten entstehen. Das Spiel erschien am 20. November 2025 exklusiv für die Nintendo Switch 2 und ist erhältlich in zwei Versionen: Digital für 69,99 Euro und physisch ebenso in dieser Höhe.
Nintendo präsentiert das Spiel auf der offiziellen Website als vollgepacktes Action-Racer-Erlebnis, auf das die Entwickler besonders stolz sind: Die automatische Vorwärtsbewegung, die nur zwei Tasten benötigte Steuerung, die vielfältigen Spielmodi und die enorme Tiefe hinter dieser vereinfachten Präsentation sind dabei Kernpunkte, die ständig erwähnt werden. Anders als etwa bei Mario Kart World, das im gleichen Jahr erschien und klarerweise ebenfalls als Rennspiel kategorisiert wird, positioniert Sakurai sein Werk als „Vehicle Action Game“ – eine Klassifizierung, die beim genauen Hinsehen durchaus ihre Berechtigung hat, denn wer sich dieses Spiel näher ansieht, wird an jeder Ecke überrascht. Das Spiel basiert auf dem bewährten Erfolgs-Modell des GameCube-Klassikers, hat aber eine eigene moderne Identität entwickelt, die es deutlich vom Vorgänger unterscheidet. In aller Kürze könnt ihr euch das so vorstellen: Es ist ziemlich genau wie Super Smash Bros. Ultimate aufgebaut, nur halt als Rennspiel anstatt als Arena-Kampfspiel.
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Die ersten Minuten im Spiel
Das Menü (wer Super Smash Bros. Ultimate kennt, wird es sofort wiedererkennen) ist in schwarzem Text auf buntem Hintergrund designt und wirkt dabei so elegant wie zeitlos. Die Präsentation wirkt reif, selbstbewusst, die Musikbegleitung energetisch und motivierend. Noch bevor man sein erstes Rennen startet, erwartet einen eine Fahrschule, die Sakurai und sein Team bewusst eingebaut haben, um auch völlig Ungeübte an die Konzepte heranzuführen. Diese ist keine endlose Ansammlung von Textboxen, sondern besticht durch kleine, zielgerichtete Lektionen, die sich auf konkrete Manöver konzentrieren. Ihr lernt, wie ihr bremst, driftet, boostet oder wie man mit dem Wirbelangriff attackiert.
Besonders schlau ist die Integration von unauffälligen In-Game-Tipps während des Spielens selbst: Macht man etwas falsch, wird man dezent – aber doch direkt – vom Spiel korrigiert, ohne dabei frustriert zu werden. Der Anfängermodus funktioniert aber nicht nur über diese Lektionen. Der neue Story-Modus „Road Trip“ ist nach meinem intensiven Spielen der eigentliche Einstiegsweg, denn hier lernt man die Mechaniken in einem natürlichen Umfeld, während man gleichzeitig bereits unterhaltsam vorankommt. Das ist ein cleveres Designdenken, das alte Handbuch-Tutorials obsolet macht. All das hinterlässt beim Ankommen des Spiels einen sehr positiven und durchdachten Eindruck.
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Vielfältige Spielmechaniken
Das Game ist an sich simpel aufgebaut. So verzichtet Kirby Air Riders nämlich komplett auf einen klassischen Gaspedal-Button. Die Maschinen bewegen sich automatisch vorwärts, als würden sie permanent Gas geben. Das hört sich crazy an, ist aber absolut genialer gedacht. Mit dem einen Button (beim Standard Pro Controller die B-Taste) wird gebremst, gedriftet und der Boost aufgeladen. Hält man diese Taste länger, entsteht durch Reibung ein Boost-Meter, das sich füllt – mit perfektem Timing führt das zu explosiven Geschwindigkeitsschüben, die euch um engste Kurven bringen. Der linke Stick ist fürs Lenken zuständig, wobei selbst leichte Neigungen genügen, um das Fluggerät durch enge Passagen zu navigieren. Und dann gibt es da noch die zweite Taste (Standard: Y beim Pro Controller), die Spezial-Angriffe ausführt – diese unterscheiden sich je nach Charakter, dienen aber entweder zum Attackieren anderer Rivalen oder zu Geschwindigkeitsboosts. Für den Wirbelangriff – ein zentrales Angriffswerkzeug – bewegt man den linken Stick schnell von links nach rechts oder hin und her. Leicht zu lernen, aber schwer zu meistern!
Wie bei Sakurais Kampfspiel-Epos Super Smash Bros. Ultimate wirkt auch hier alles zugänglich, aber die echte Tiefe versteckt sich dahinter. In Super Smash Bros. Ultimate können Anfänger mit einfachen Buttons spielen und Spaß haben; die echten Profis aber kennen alle Details und Tricks, die das Spiel zu einer wirklich komplexen Angelegenheit machen. Ähnlich verhält es sich hier: Anfänger können mit einfacher Verwendung von zwei Tasten spielen und trotzdem einen Großteil des Spaßes haben. Aber wer wirklich gut werden will, muss verstehen, dass Drifting nicht bloß zur Navigation dient, präzises Timing beim Drifting ist existenzielle Strategie. Man muss wissen, welche Maschine auf welcher Strecke welche Vorteile bietet, muss die Abklingzeiten der Spezial-Angriffe intuitiv erfassen und muss seine Rivalen lesen, ihre Positionen vorhersehen und proaktiv angreifen. Nach der ersten Stunde fühlt sich das Spiel anfangs chaotisch an – zu schnell, zu wild, zu verwirrend. Nach fünf bis zehn Stunden aber öffnet sich das Spiel langsam, und die Feinheiten werden spürbar. Ein großer Unterschied zu einem Mario Kart World!
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Rider und Maschinen
Jeder Rider hat unterschiedliche Spezial-Angriffe (offensive oder defensive), und jede Maschine hat ein komplett eigenes Fahrgefühl – nicht bloß andere Stats wie in typischen Rennspielen. Der Warp-Stern ist ausgewogen und anfängerfreundlich. Der Flügel-Stern fliegt eleganter, ist am Boden aber träge. Der Turbo-Stern ist schnell, aber stur zu lenken. Die Wagenmaschine bekommt nach dem Bremsen keinen Boost, hat aber andere Vorzüge! Es gibt insgesamt 22 verschiedene Maschinen, jede mit eigenen Vor- und Nachteilen, jede mit eigenem Fahrgefühl. Das macht die Auswahl zwischen Rider-Maschinen-Kombinationen zur großen Taktiererei: Wenn die Strecke viel Flugabschnitte hat, wählt man eine wendige Flugmaschine. Wenn es aggressiv wird, nimmt man eine offensive Rider-Spezialkombo.
Das ist wie in Super Smash Bros. Ultimate, wo die Wahl eurer Spielfigur auch eure Spiel- und Verhaltensweise grundsätzlich definiert. Auch hier gilt: Kein Charakter ist „falsch“ im Vergleich zu anderen, aber einige passen besser zu bestimmten Match-Ups als andere. Eine besondere Erwähnung verdient die amiibo-Integration: Neue, zweiteilige amiibo-Figuren (Meta Knight & Schatten-Stern, König Dedede & Panzer-Stern, Chef Kawasaki & Hopp-Stern) erscheinen 2026 und sind magnetisch miteinander verbunden. Das bedeutet, man kann Rider und Maschinen austauschen und alle neuen Kombinationen erscheinen im Spiel. Es ist eins dieser Details, die zeigen, wie sehr Sakurai in die Liebe zum Detail geht – so wie bei Super Smash Bros. Ultimate, wo die amiibo-Integration auch mehr ist als nur Show.
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Vier Gameplay-Modi in Kirby Air Riders
Das Spiel teilt sich in insgesamt vier Hauptmodi auf, die alle unterschiedliche Aspekte der Spielmechanik nutzen. Der klassische Air Ride-Modus ist das, was man traditionell als Rennmodus bezeichnet: Auf einer von 18 Strecken (neun neue, neun alte vom Original) treten bis zu sechs Spieler lokal gegeneinander oder bis zu acht online an. Die Strecken sind liebevoll designed und bieten verschiedene Herausforderungen. Manche erfordern präzises Driften durch Serpentinen, andere belohnen luftige Manöver oder Boost-Kettenreaktionen. Abkürzungen verstecken sich überall, aber nur wer die Strecke wirklich durchschaut, findet und nutzt sie sicher. Der Top Ride-Modus dreht sich demgegenüber um Vogelperspektive-Rennen, bei denen alles noch schneller und chaotischer wirkt, dafür aber auch kurzweiliger ist – perfekt für schnelle Sessions. Hier können sogar vier Spieler lokal auf einer Konsole gegeneinander antreten. Der City Trial-Modus ist die absolute Highlight des Spiels und verdient seinen eigenen Absatz: Hier erkunden bis zu vier Spieler lokal oder online sogar bis zu 16 Spieler eine großflächige, frei befahrbare Stadt namens Skyah. Das Ziel ist simpel: Innerhalb eines Zeitlimits (Standard: fünf Minuten) sammelt ihr Power-Ups, Items und alternative Maschinen ein, um die aktuelle Maschine zu upgraden.
Aber es geht nicht nur um das Sammeln – zufällige Events treten auf: Riesige Boss-Gegner tauchen auf, die man gemeinsam zerstört. Alle Spieler bekommen temporär eine seltsame Spezial-Fähigkeit. Mini-Rennen und Derby-Wettkämpfe beginnen spontan. Nach fünf Minuten ist Showdown-Zeit: Alle Spieler wählen aus vier zufällig generierten Finaltests – ein Rennen, Derby, Flugwettbewerb oder Weitsprung – und treten darin an. Die Genialität liegt darin, dass der Glücksfaktor nun deutlich gesenkt ist: Wer auf Angriff und Defensive fokussiert hat, wählt Derby. Wer auf Flugfähigkeiten setzte, nimmt den Flugwettbewerb. Das gleicht taktische Fehler teilweise ab, fügt aber auch strategische Tiefe ein. Der Road Trip-Modus ist die erste echte Story-Kampagne des Franchises und funktioniert tatsächlich hervorragend als Einstieg. Eine Maschine ist beschädigt und verloren, Kirby findet sie und beschließt zu helfen. In Herausforderungen, die alle drei Hauptmodi durchmischen, arbeitet man sich durch eine Geschichte mit niedlichen Zwischensequenzen voran. Der Schwierigkeitsgrad ist moderat und steigt kontinuierlich, was den Modus zum perfekten Trainings-Laboratorium macht. Neben den vier Modi gibt es noch Typen wie Time Attack (Solo-Bestzeit-Jagd) oder Free Run (stressfreies Erkunden).
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Absoluter Inhalte-Overkill
Kirby Air Riders ist randvoll mit optionalem Content. Das Checklisten-System, bestens bekannt von Super Smash Bros. Ultimate, ist ebenfalls da: 750 verschiedene Mini-Ziele verteilt über alle Modi, jede mit Belohnungen wie neue Musik, Aufkleber, Maschinen oder sogar neue Funktionen. Für Completionists ist das ein wahrer Traum; wer bloß spielen will, kann die Checkliste vollkommen ignorieren. Das ist elegant gelöst – optionaler Content, der nicht zwingt, aber belohnt. Ein anderer Punkt: Die Menü-Optionen sind enorm detailreich, teilweise überwältigend. Man kann Tastenbelegung anpassen, UI-Größe verändern, Farbfilter für Farbenblinde aktivieren, sogar die genaue Platzierung von Info-Anzeigen während Rennen justieren. Das ist Accessibility auf höchstem Niveau, sehr beeindruckend für ein Action-Spiel.
Ein kritischer Punkt: Der Streckenumfang mit 18 Air-Ride-Strecken und entsprechenden Top-Ride-Varianten wirkt im Vergleich zu einem Mario Kart World überschaubar und wesentlich weniger variabel. Auch fehlt eine Online-Rangliste, die man gegen Freunde oder Global Leader-Boards vergleichen könnte; lokale Rekorde sind das Maximum. Und einige mögen das chaotische, teilweise unberechenbare Gameplay frustrierend finden, es ist kein poliertes, perfektes Rennspiel wie Mario Kart, sondern ein bewusst chaotisches Action-Game. Aber letzten Endes kann man Kirby Air Riders dennoch zugute halten, dass es wie bereits erwähnt einfach zu erlernen und nur schwer zu meistern ist. Wenn für euch nach einigen Spielstunden einmal „der Knopf aufgeht“, macht das Game noch weit mehr Spaß als zuvor!
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Kirby Air Riders: Die Technik
Die grafische Präsentation ist solide: Die Umgebungen sind bunt, fröhlich und liebevoll designed, die Charakter-Modelle erinnern an das moderne Kirby-Design und sehen charmant aus. Bis zu 4K-Auflösung bekommt ihr im TV-Modus und Full HD im Handheldmodus, die Bildrate ist standardmäßig 60 FPS ohne jegliche Ruckler. Ein paar Texturen könnten stellenweise detaillierter sein, aber die gesamte künstlerische Richtung stimmt. Die Grafik-Engine setzt auf hochpolierte Modelle und flüssige Animationen, ohne dabei übertrieben detailliert zu wirken. Es passt zum Kirby-Stil, der insgesamt eher niedlich als realistisch ist. Farbfilter und hohe Helligkeitswerte machen das Spiel sehr eindrucksvoll. Besonders der Soundtrack ist erwähnenswert: Die klassischen Kirby-Melodien wurden überarbeitet und klingen nun klarer, während neue Kompositionen energetisch motivieren und zur schnellen Action passen. Der Soundtrack umfasst über 40 remixte und neue Kirby-Tracks. Die Soundeffekte sind ikonisch und bekannt aus der Reihe – sehr authentisch.
Die Steuerung von Kirby Air Riders fühlt sich auf der Nintendo Switch 2 bemerkenswert direkt und präzise an, sowohl im Handheld- als auch im Docked-Modus. Der Joy-Con-Stick reagiert unmittelbar auf Eingaben, die zwei Tasten-Kontrolle fühlt sich natürlich an. Besonders beeindruckend ist, dass man mit dieser minimalistischen Kontrolle trotzdem exakte Manöver ausführen kann. Das Design minimiert auch die Frustration für Einsteiger: Wer eine Kurve nicht perfekt driftet, gerät nicht sofort außer Kontrolle, sondern kriegt eine sanfte Korrektur. Bei der Performance zeigt sich das Spiel stark: Im Singleplayer laufen die Rennen durchgehend mit 60 Bildern pro Sekunde flüssig, ich habe keinen Ruckler gesehen. Beim lokalen Splitscreen-Multiplayer mit zwei Spielern bleibt die Framerate ebenso konstant, was beeindruckend ist. Im Online-Modus läuft das Spiel auch mit bis zu 16 Spielern stabil, sofern euer Internet ausreichend stabil ist. Alles in allem funktioniert das Game genau so, wie es beworben wird, es sorgt für chaotische Action und Spannung bis zum Schluss!
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Steile Lernkurve, massiv viel zu tun
Kirby Air Riders ist das, was passiert, wenn ein Genie wie Masahiro Sakurai ein altes, experimentelles Konzept nimmt und es bewusst und respektvoll modernisiert. Ja, es ist kein klassisches Rennspiel. Wie ihr schon wisst, hat es eine steile Lernkurve. Und ja, es braucht Geduld, um reinzukommen. Aber genau das macht es auch so wertvoll: In einer Industrie, wo Spiele oft nach der ersten Stunde vollständig offenbaren, was sie zu bieten haben, versteckt dieser Titel seine beste Seite hinter einer bescheidenen Fassade. Die Spielmechanik ist genialer, als sie anfangs wirkt. Das Mehrspieler-Erlebnis – besonders im City Trial – ist süchtig machend und immer wieder anders. Der Story-Modus Road Trip ist ein genialer Einstiegspunkt. Und der Detailgrad bei der Accessibility sowie der optionalen Inhalte zeigt echte Liebe für alle Gamer.
Für wen ist das Spiel? Für Fans des Vorgängers definitiv. Für Super Smash Bros.-Fans, die Action-Tiefe lieben und es mögen, sich wo reinzuarbeiten, ebenso. Für Casual-Spieler, die einfach Party-Fun wollen? Teilweise, allerdings nur mit Vorsicht und viel Geduld beim Lernen. Für jemanden, der eine Institution wie Mario Kart World erwartet? Eher nicht. Aber für alle, die bereit sind, sich auf ein Spiel einzulassen, das anders denkt, das Risiken eingeht und das mutig ist, könnte man das Ganze so sehen: Nintendo traut sich noch, Neues zu wagen, und Masahiro Sakurai ist weiterhin der Meister darin, Spiele zu schaffen, die einfach aussehen, aber unter dem Deckmantel dann komplex sind. Wenn ihr zu einer Zielgruppe gehört, die sich davon richtig angesprochen fühlt, dann wird die Wertung unten für euch wesentlich höher ausfallen!