Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning Re-Review (PS4): Großes Epos, zweiter Versuch

von Mandi 07.09.2020

Mit Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning startet THQ Nordic ein Déjà-vu auf die RollenspielerInnen unter uns. Lest im Review, was euch im Fantasyspektakel erwartet – und hier geht es zur offiziellen Website des Spiels!

Der Titel handelt von einer typischen Fantasy-Mär, in der ihr eure eigene Spielfigur erstellen dürft. Neben dem Aussehen könnt ihr auch verschiedene Optionen wählen, die in der Story mal mehr und mal weniger Auswirkungen zeigen. Das erinnert ein wenig an den Modus rund um Mass Effect, und dieser Vergleich ist sehr positiv gemeint! Ursprünglich erschien der Titel im Jahre 2012 und hat nicht nur mich, sondern eine riesige Fan-Gemeinde vom Start weg überrascht. Im Vorfeld wurde das Spiel schon ordentlich gehyped, und man hatte auch allen Grund dazu.

Denn das Team hinter dem Game besteht aus dem kreativen Kopf R.A. Salvatore, Todd McFarlane (Spawn) und Ken Rolston (The Elder Scrolls IV: Oblivion). Leider wurde der Launch trotz guter Kritiken anfänglich verhunzt, und man musste auch gegen ein ganz anderes Kaliber antreten. Bethesda‘s RPG-Kracher The Elder Scrolls V: Skyrim erschien nämlich ebenfalls im selben Zeitraum und hat diese Nische ganz allein für sich besetzen können. Der finanzielle Erfolg stellte sich dann leider nicht im gewünschten Maße ein, und 38 Studios ging pleite. Als Fan sage ich: Hoffentlich schlägt der Titel jetzt ein! Doch worum geht es überhaupt im Game? Hier ein Trailer für euch:

Die Story von Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning

Das Universum von Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning stammt aus der Feder des Bestseller-Autoren R.A. Salvatore, ein Name, der jedem Fantasyfan ein Begriff sein sollte. Die Entwickler des Originals, 38 Studios, konnten sich an einer unglaublich detailliert ausgearbeiteten Geschichte bedienen, in die sie das Rollenspiel einbetteten. So soll im Osten ein neuer Gott geboren werden, und die unsterblichen Feien ziehen in den Krieg gegen die jungen sterblichen Völker. Natürlich herrscht bei dieser Kräfteverteilung ein ziemliches Ungleichgewicht, und der Krieg dauerte bislang zehn ganze Jahre an. 

Doch dann geschieht etwas, was den Verlauf des Krieges auf den Kopf stellt. Denn die sterblichen Völker sind es gewöhnt zu sehen, wie ihre Gegner dem Tod immer und immer wieder von der Schippe springen. Mit dem ungewöhnlichen Start von Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning rechnet man aber dann auch nicht: In den ersten Spielminuten seht ihr mit an, wie über eure Spielfigur gesprochen wird. Sie ist in der Schlacht gefallen und wird nun ihrem Schicksal auf einem Leichenberg überlassen. Ohne großen Zeitsprung beginnt das Game tatsächlich mit eurem Tod!

So dreht sich das Schicksal

So fängt eure Reise an, und ihr müsst den Forscher Fomorous Hugues finden. Dann erfahrt ihr, dass ihr dank dem Seelenquell wiedergeboren wurdet, und das ist interessant. Im Amalur-Universum hat jede Figur ein Schicksal, das an ihre Geburt gekoppelt ist. Es gibt auch kein Entrinnen davor, aber ihr stellt die absolute Ausnahme dar, da eure Figur bereits gestorben ist. So hat der oder die ProtagonistIn im zweiten Leben kein spezifisches Schicksal mehr. Die Bewohner von Amalur reagieren unterschiedlich auf diese Situation, manche haben Angst, andere wiederum sind neugierig. 

Dies stellt den Wendepunkt in der Geschichte des Krieges von Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning dar. Daher seid ihr so wichtig für die Forschung und euer Land, und ihr müsst euch zu der nächsten Ortschaft durchschlagen. So beginnt das Spiel, und Schritt für Schritt entdeckt ihr mehr Geheimnisse. Die offene Welt unterstützt euch beim Erkunden, und in Wahrheit könnt ihr zu fast jeder Zeit tun und lassen, was ihr wollt. Dementsprechend gestaltet sich auch so manch anderer Mechanismus im Game!

Eure Entscheidungen formen das Spiel

Freiheit habt ihr nämlich mehr als genug: Anders als sonst in Rollenspielen üblich gibt es keine vorgefertigten Klassen. Ihr müsst euch nicht in den ersten fünf Spielminuten für eine Rolle als Schurke, Magier oder Krieger entscheiden, sondern dürft euch langsam und Schritt für Schritt entwickeln. Dazu werden Erfahrungspunkte in drei Bäume investiert: Macht, Zauberkraft und Raffinesse. Diese Fähigkeiten schalten dann besondere Techniken frei, die ihr im Kampf in Form von Kombos einsetzen dürft. Aber nicht nur das erwartet euch, denn Fähigkeiten können auch eure Überredungskunst oder eure Schmiedefertigkeit beeinflussen.

Dann gibt es auch noch die vorhin angesprochenen Schicksale in Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning, die Einfluss auf eure Figur haben. Damit nicht genug, auch eure Ausrüstung gibt euch gewisse Boni, die euren jeweiligen Stil unterstützen können. Ihr müsst euch nicht auf eine der drei Domänen Zaubern, Zuschlagen oder Tricksen konzentrieren, sondern könnt alles fließend miteinander kombinieren und vermischen. Gewisse Kräfte lassen sich dann auch noch ausrüsten und einsetzen, und ihr seht schon: Ihr könnt sein, was auch immer ihr sein wollt!

Aus dem Seelenquell geplaudert

Die Geschichte rund um den fiesen Gadflow nimmt anfangs einen Platz auf den hinteren Rängen ein. Ihr werdet langsam an die Materie herangeführt, und früh wird  klar, dass Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning ein Spiel ist, mit dem ihr auch leicht über 100 Stunden verbringen könnt. Ganz behutsam lernt ihr die einzelnen Rassen wie etwa Gnome, die Ljosalfar (Elfen), die Almain (Menschen), die Dokkalfar (Dunkelelfen) und die Varani (Wikinger) kennen. Das Worldbuilding im Spiel funktioniert jedenfalls hervorragend, und es macht Freude, jeden einzelnen der fünf Landstriche eingehend zu erforschen.

Generell ist es auffällig, dass sich Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning mit allem viel Zeit lässt. Seien es belanglose Konversationen, das Entwickeln der Geschichte und eines Spannungsbogens, alles deutet auf immens viel Umfang hin! Wenn ihr so wie ich das Original auf PC, PS3 oder Xbox 360 gespielt habt, wisst ihr, dass die Welt und der Spielumfang bereits riesig sind. Damit nicht genug, die Entwickler hinter dem Game haben für 2021 noch einen brandneuen DLC angekündigt – wenn das kein Grund zur Freude ist?

Gut gerüstet ist halb gewonnen

Jede Kleinigkeit im Game hat so ihre Auswirkung. Seien es Entscheidungen in Gesprächen, eure Besuche bei Schicksalswebern oder die Wahl eurer Ausrüstung, alles verändert geringfügig euer Erlebnis im Spiel. Während schwere Ausrüstung etwa die besten Verteidigungswerte liefert, könnt ihr mit leichter Rüstung den größten Volltrefferschaden anrichten. Wahlweise dürft ihr aber auch eure magischen Fertigkeiten verstärken, das ist völlig euch überlassen. Da ihr zwei Waffen parallel ausrüsten dürft, ist jede Kombination möglich.

In Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning müsst ihr eure Figur am Leben erhalten. Damit das nicht allzu einfach ist, lauern an jeder Ecke immer wieder Situationen, in denen ihr kämpfen müsst. Ihr habt links oben drei Leisten, die euer aktuelles Leben, euer Mana und euer Schicksal anzeigen. Während die Lebenspunkte und die Manapunkte für eure Zauberkraft sich von selbst erklären, könnt ihr die Schicksalskraft auch im  Kampf nutzen. Ist die Leiste gefüllt, dürft ihr mächtige Spezialangriffe vom Stapel lassen – ihr seid eures eigenen Glückes Schmied!

Anpassungen im Vergleich zum Original

Falls es euch interessiert, was das Re-Remaster an neuem Content und Veränderungen so mit sich bringt, gibt es an dieser Stelle eine kurze Zusammenfassung. Es gibt einen neuen, sehr schwierigen Schwierigkeitsgrad in Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning. Weiters haben die EntwicklerInnen sich um einen großen Kritikpunkt des Originals gekümmert, was das Levelsystem betrifft. Schließlich war es im Original problemlos möglich, den Maximallevel noch vor dem Ende zu erreichen, was die Herausforderung im späten Spiel ziemlich klein gehalten hat. Nicht nur das, die Add-ons zum Spiel waren dann genauso leicht, weil an den Levelgrenzen nichts mehr verändert wurde.

Nun ist es aber so, dass gewisse Levelmechanismen wie etwa die Schwierigkeitsberechnung einer Zone oder die Kalkulation des Minimal- und Maximal-Levels einer Zone von Grund auf verändert wurden. PC-SpielerInnen (das Spiel kommt auf Steam) dürfen diese Änderungen durch Mods auch anpassen, zumindest hat das Team hinter Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning das möglich gemacht. Genauso sollt ihr nun eher Gegenstände und Ausrüstung finden, die zu eurem Charakter und dessen Skillset passen. Die gemeine Inventarbeschränkung sorgt nämlich dafür, dass ihr euren Beutel regelmäßig ausmisten müsst, und im Jahr 2020 sollt ihr zumindest wahrscheinlicher passendere Ausrüstung finden. Danke, liebes Entwicklerteam!

Was sonst so auffällt

Das Menü von Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning ist ein großer Bestandteil des Games. Sehr oft befindet ihr euch darin, um stärkere oder andere Ausrüstung anzulegen und zum Plunder zu bewegen. Leider flutscht das Erlebnis auch acht Jahre nach dem erstmaligen Erscheinen des Titels noch immer nicht ganz so. Zwar geht es nun dank stärkerer Hardware wesentlich schneller, aber der vielteilige Prozess bleibt unverändert komplex. Man gewöhnt sich dran, ebenso wie an den Umstand, dass man fast überall speichern darf. Das fällt positiv auf, so wie die sichtbare Chance auf Erfolg, wenn ihr in Gesprächen eure Überredungskunst einsetzt.

Ein Minuspunkt ist wiederum das Inventarlimit, das euch viel zum Umgang mit dem unhandlichen Menü zwingt. Als Ausgleich dafür geben euch die actionreichen Schicksalsbrecher-Finisher in Quick Time Events die Möglichkeit, Extra-Erfahrung zu sammeln. Durch das Drücken der korrekten Tasten dürft ihr nämlich bis zu 100 % Bonus-XP sammeln und einen besonders filmreifen letzten Hieb führen. Das sorgt für einen coolen cineastischen Einschlag und nützt sich auch nach mehreren Spielstunden nur geringfügig ab. 

Weitere Erforschungen

In Amalur gibt es für viele Dinge Erfahrungspunkte. Die vorhin angesprochenen Schicksalsbrecher geben Boni, aber auch das Entdecken neuer Orte oder das Aktivieren neuer Wissenssteine bringt euch dem nächsten Stufenaufstieg immer näher. Damit euch nichts entgeht, könnt ihr mit dem Sinnesschärfe-Talent eure Minimap verbessern, die genauso wie die Map (mit dem Touchpad aufrufbar) äußerst sinnvoll ist – nicht nur zum Zurechtfinden, sondern auch zum Schnellreisen!

Die Ladezeiten präsentieren sich als etwas unstet, mal ladet ihr 20 Sekunden lang, mal bedeutend weniger. Cool finde ich auch, dass interaktive Dinge in Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning schon von Weitem glitzern und somit sichtbar sind. Ihr könnt weiters von Herzenslust schmieden, Edelsteine schleifen und verbessern oder auch an eurer Kampfkraft arbeiten. Ihr habt die absolute Freiheit darüber, wie euer Erlebnis im Spiel aussehen wird. Ob das nun einschüchternd oder befreiend wirkt, ist euch und eurer Einstellung überlassen!

Die Technik von Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning

Im Vergleich zur damaligen PS3-Version ist dieses Re-Remaster natürlich haushoch überlegen. Seien es die schönen Texturen, der Sprung auf die höhere Auflösung oder auch die bombenfest stabilen, flüssigen 60 Bilder pro Sekunde: Ohne Zweifel ist Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning die bestmögliche Version dieses Titels. Das  bedeutet aber nicht, dass alle Entscheidungen aus dem Jahre 2012 so toll gealtert sind. Viele Landstriche etwa wirken nur groß, aber sind in Wahrheit eher leer. Ihr kommt eher wegen der Story, nicht wegen der Flora und Fauna. 

Was den Klang angeht, so ist genug Qualität vorhanden, um in einem ordentlichen Heimkino für Furore zu sorgen. Viele bekannte Stimmen arbeiteten am Titel mit, und sowohl die Hintergrundmusiken als auch die Soundeffekte im Kampf passen auch heuer noch sehr gut ins Repertoire. Die Steuerung ist flüssig und der Kampf macht Spaß, dafür sorgen die tollen Animationen und die klasse Umsetzung des Kampfsystems. Die Tasten des PS4-Controllers werden voll ausgereizt und die Belegung der Tasten macht auch Sinn. Wenn doch nur das Menü nicht so feingliedrig wäre!

 

Re-Reinfall oder Re-Restlos begeistert?

Als ich Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning nun Jahre später erneut gespielt habe, bekam ich das gleiche Gefühl wie damals. Es macht einfach Spaß, die Welt von Amalur zu erkunden und euren Charakter stetig stärker werden zu lassen. Ein großer Bonuspunkt geht jeweils an die völlig freie Charakterentwicklung sowie dem guten Dialogsystem. Leider ist durch die Vielzahl an Gesprächen der Spielfluss oft unterbrochen und wirkt dann deshalb sehr langatmig, aber diesen Flow müsst ihr einfach mitmachen – es lohnt sich!

Einzelne Auffälligkeiten wie das Menü oder die teils leer wirkende Welt machen ersichtlich, dass es sich hier „nur“ um ein Re-Remaster handelt. Der flüssige Kampf, die toll geschriebene Geschichte und die gut ineinander greifenden Komplementärsysteme machen Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning zu einer runden Sache. Dabei hilft es natürlich, dass das Game optisch ganz schön aussieht, da gibt es nichts zu meckern. Wenn ihr die Zeit und Lust habt, in Amalur einzutauchen und euch zig Stunden in einer großen Welt zu vergnügen, solltet ihr hier zugreifen. Nicht vergessen: Ein brandneuer DLC folgt 2021!

Wertung: 8.5 Pixel

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Anonym

Bin total scharf drauf das Spiel nochmals zu erleben:)