Kingdom Hearts I-III Collection Test (PS5): Ein All-you-can-game-Buffet

von Fabienne Urthaler 05.10.2026

Die Kingdom Hearts I-III Collection bietet ganz viel Auswahl zum regulären Vollpreis. Lohnt sich der Kauf?

Über die Kingdom Hearts I-III Collection

Wer kennt es nicht? Man steht vor dem Buffet und weiss nicht, womit man anfangen soll. Von allem ein bisschen probieren und das, was richtig gut war, sich nochmals gönnen? So ähnlich habe ich mich gefühlt, als ich die Kingdom Hearts Collection I-III erhalten habe. Eine riesige, erdrückende Anzahl von Games, und dazu der innere Konflikt mit welchem Game ich anfangen soll!

Hierbei handelt es sich um ein allgemeines Review der gesamten Kollektion für Neulinge der Serie und ich werde nicht auf die einzelnen Games im Details eingehen. Wer sich für spezielle Teile der Serie interessiert, kann sich hier die einzelnen Berichte zu Gemüte führen:

Also Finger knacken lassen, den Controller vollladen (wichtig!) und ran an den guten Speck!

Tief eintauchen in eine fantastische Welt

Ich kann mich noch gut erinnern, als das erste Kingdom Hearts 2002 erschienen ist. Leider besaß ich nie eine PS2, konnte aber immer meinem besten Freund beim Spielen zusehen. Und was habe ich diese Mischung aus Disney und Final Fantasy und diesen phänomenalen Soundtrack geliebt! Es gab einige Momente beim Zocken, bei denen ich zähneknirschend eine Niederlage einstecken musste, als ich 11 Jahre später den HD Final Mix auf der PS3 gezockt habe. Und so ging es mir auch heute, 13 Jahre später, als ich die Collection I-III spielen durfte. Die Games sind fordernd und anspruchsvoll, die Bosse teils echt knackig. Es ist kein „Mal nebenbei“ oder mal „schnell zocken“, da sich gewisse Passagen durch viele Videosequenzen und bis zum nächsten Speicherpunkt echt in die Länge ziehen können. Square Enix fährt hier die Final Fantasy-Schiene und somit eine Story, die einen alles fühlen lässt, auf: Verliebtheit, Traurigkeit, Fröhlichkeit, dazu wunderschöne Videosequenzen, einen Soundtrack, der tief ins Ohr geht und ein spannendes, packendes Gameplay. Die Games brauchen Zeit und mit einem Fingerschnipsen sind ein oder zwei Stunden vergangen. Dabei hat man das Gefühl, dass man doch gar nicht so viel gemacht hat und auf einmal versteht man, wieso das weisse Kaninchen bei Alice im Wunderland immer „I’m late, I’m late, I’m late“ ruft und gehetzt davonhoppelt!

Großes Bundle für großen Spielspaß

Was ist alles genau in der Collection enthalten? Das schlüsseln wir hier auf:

  • Kingdom Hearts HD 1.5
  • Kingdom Hearts HD 2.5
  • Kingdom Hearts HD 2.8 Final Chapter Prologue
  • Kingdom Hearts III und den Re Mind DLC von Kingdom Hearts III

Welche Games das genau sind, liste ich euch nachfolgend auf:

  • Teil 1 Final Mix
  • Re: Chain of Memories
  • Teil 2 Final Mix
  • Birth by Sleep Final Mix
  • 358/2 Days
  • Re: Coded
  • Dream Drop Distances
  • Birth by Sleep – A fragmentary passage
  • χ Back Cover
  • Teil 3 und der DLC zu Teil 3 Re Mind

Hier sei zu erwähnen, dass 358/2, Re: Coded und χ Back Cover keine Games, sondern Filme sind, die Storylücken schließen. Übrigens ist Kingdom Hearts Melody of Memory nicht in der Kollektion enthalten!

Ein Stimmen-Déjà-vu der Extraklasse

Leider wurde auch bei der Collection auf die fabelhafte deutsche Synchronisation von den Teilen 1 und 2 verzichtet. Was schade ist, da man sich damals bei der deutschen Synchronisation grosse Mühe gegeben hat und viele Rollen mit ihren aus den Filmen bekannten Stimmen besetzt worden waren. Allerdings war die deutsche Synchronisation schon in allen nachfolgenden Final Mixes bereits nicht mehr enthalten und ist somit „PS2-exklusiv“. Natürlich braucht sich auch die englische Synchronisation nicht zu verstecken. Haley Joel Osment (bekannt aus The Sixth Sense) spricht seit dem ersten Teil und bis heute Sora. Genauso wie David Gallagher seither die Synchronstimme von Riku ist. Ausserdem wurden auch zahlreiche bekannte Schauspieler gecastet, wie Leonard Nimoy, Mark Hamill, Christopher Lloyd, James Woods oder Sean Astin.

Zusätzlich wurden sehr viele der Disneycharakteren mit ihren von den Filmen bekannten Synchronsprecher*innen besetzt. Was vor allem bei denjenigen die die Disneyfilme in Originalsprache ansehen, den einen oder anderen freudvollen Moment auslösen dürfte. Der für mich einschneidendste „Synchro-Moment“ war, als ich Christopher Lee in Kingdom Hearts II gehört und die Stimme sofort als Saruman von der Herr der Ringe erkannt habe. Vielleicht hat auch der eine oder andere Metal Gear Solid-Fan erkannt, dass sich Raiden und Axel den gleichen Synchronsprecher teilen? Auch die japanische Sprachausgabe ist teils auswählbar und brilliert mit bekannten Größen der japanischen Synchronwelt. So kennt man zum Beispiel Miyu Irino, der Sora spricht auch als Haku von Chihiros Reise ins Zauberland. Oder Mamoru Miyano in der Rolle von Riku, aber auch als Light Yagami in Death Note.

Was für ein Soundtrack

Bei Kingdom Hearts sticht besonders der fabelhafte Soundtrack hervor. Die Titellieder von Utada Hikaru untermalen die Videosequenzen, mit denen jedes Spiel startet, wunderbar. Und das emotionale Klavierstück „Dearly Beloved“ findet sich in jedem Kingdom Hearts-Teil im Menü wieder und gilt als unverkennbares Markenzeichen der Serie. Square Enix war es ausserdem nicht gestattet, die originalen Lieder von den Disneyfilmen für die Games zu benutzen. Yoko Shinomura hat hier aber ein kleines Wunder vollbracht, indem sie alle Lieder neu arrangiert hat, so dass jedes Lied perfekt in die jeweilige Welt passt und sofort an den jeweiligen Film erinnert. Ausserdem hat sie für jede Welt ein eigenes Erkundungsthema erstellt, welches nahtlos in eine Kampfversion des Liedes übergeht, sofern Gegner auftauchen. Auch das ikonische „Destati“ hat heutzutage einen Wiedererkennungswert an die Spieleserie wie ein Victory Fanfare von Final Fantasy oder die Main Theme von The Legend of Zelda.

Final Fantasy meets Disney?

Wer sich erhofft, hier eine ausgeglichene Mischung von Final Fantasy und Disney vorzufinden, wird an dieser Stelle leider enttäuscht: Der Fokus liegt klar auf Disney. Zwar hat Square Enix das Spiel gemacht, doch die hauseigenen Charaktere haben mehr Gastauftritte oder Cameos und tragen nicht wesentlich zu der Haupthandlung bei. Es ist ein Disney-Game, und wer mit Disney nichts anfangen kann, tut sich hier lieber einen Gefallen und lässt die Spielreihe aus. Wer aber begeisterter Disneyfan ist und bisher kein Kingdom Hearts gespielt hat, sollte diesen Umstand dringend ändern!

Die Evolution der Grafik

Bei der Kingdom Hearts-Reihe lässt sich wunderbar mitverfolgen, wie die Grafik mit der Zeit gewachsen und besser geworden ist. Natürlich haben alle Games die ursprünglich auf PSP, Gameboy Advance, Mobile Phone Nintendo DS und 3DS erschienen waren einen immensen Schritt für die Final Mixes vorwärts gemacht. Die PS2 Versionen wurden in schönes HD gebracht und die Games laufen flüssiger. Wer hofft, dass Teil 1 und 2 auf Hochglanz poliert worden sind, wie seinerzeit Metal Gear Solid 3 mit dem diesjährigen Remake namens Metal Gear Solid Delta: Snake Eater, wird an dieser Stelle enttäuscht: Hier ist man beim schön gerenderten HD geblieben, welches man prinzipiell seit der PS3 kennt. Natürlich wurde mit jeder darauffolgenden Konsole das Ganze etwas schöner gerändert und schmucker, am Ende bleibt es jedoch immer noch nur ein „HD-Filter“. Schade, Teil 1 und 2 in einer schönen Optik wie Metal Gear Solid Delta: Snake Eater erleben zu dürfen, hätte dem Ganzen noch das Kirsche obendrauf gesetzt.

Dafür fand ein grosser Sprung von den HD-Versionen auf Kingdom Hearts 0.2 Birth by Sleep – A fragmentary passage statt, welches seinerzeit vor fast 10 Jahren auf der PS4 veröffentlich worden ist. Die Bewegungen sind sehr flüssig und nicht mehr so sperrig, die Videosequenzen haben auch ein ganz neues Niveau erreicht, die Steuerung reagiert schneller und exakter und die Effekte beim Kämpfen sind ein wahrer Augenschmaus. Dies gilt auch für Teil 3, welcher 2019 ebenfalls auf der PS4 erschienen ist. Kingdom Hearts in einer solchen Optik zu erleben, vervielfacht die Freude am Zocken gleich um ein Vielfaches.

Lohnt sich die Collection I-III überhaupt?

Wer bereits für die PS4 Kingdom Hearts All-in-One gekauft hat, kann die Collection I-III getrost auslassen. Der einzige Unterschied ist, dass der DLC von Teil 3 bei All-In-One nicht enthalten ist. Natürlich läuft die neue Collection auf der PS5 etwas schöner, doch einen signifikanten Unterschied werden hier wohl nur absolute Kenner erkennen. Wer ein Nintendo-Kind ist und die Reihe größtenteils auslassen musste, weil man nie im Besitz einer PlayStation war, ist hier mit der Switch 2 Version der Collection I-III sehr gut bedient. Die Kingdom Hearts-Reihe ist ein wildes Sammelsurium aus einem Konsolenwald mit Playstation 2, Playstation 4, PSP, Gameboy Advance, Nintendo DS, 3DS und Smartphone. Und wer nicht im Besitz all dieser Konsolen war, hat sicher den einen oder anderen Teil damals verpasst. Glücklicherweise gibt es heute bereits viele Kollektionen. So kamen der Final Mix 1.5 und 2.5 2013/14 auf der PS3 raus, wurde für die PS4 nochmals neu aufgelegt, jetzt folgt die Kollektion für PS5 und schließlich und endlich auch für Nintendo Switch 2. So können auch Disney-Fans, die bisher womöglich nur Nintendo-Konsolen besessen haben, endlich in den Genuss dieser wunderbaren Spielreihe kommen. Die Collection I-III erscheint für PS5 und Switch 2, alle mit einer Xbox blicken hier leider in die Röhre. Allerdings müssen Xbox-Leute nicht auf Kingdom Hearts verzichten. Es gibt die gesamte Spielreihe online im Store zu kaufen.

Hier erwarten einem in jedem Game eine umfangreiche, tiefgründige, interessante Story mit spannenden Plot Twists, einem überragenden Soundtrack und über 100 Stunden Spielspaß. Und wann hat man das letzte Mal für knapp 80,- Euro insgesamt weitaus über 100 Stunden Gamezeit bekommen?

Einen kleinen Tipp für Sparefrohs habe ich allerdings noch: Wer eine PS5 hat und die Serie bisher verpasst hat: Kauft euch doch die All-In-One für PS4 und den DLC von Teil III im PSN Store nach. Je nach Angebot und Rabatten im PSN Store dürfte das unter dem Strich günstiger sein wie die Collection I-III für PS5.

Fazit: Grade recht vor dem kommenden Teil 4

Wer immer neidvoll auf die Kingdom Hearts-Reihe geschaut hat und sie leider nie spielen konnte, weil man ein Nintendo-Kind war/ist oder schlichtergreifend noch zu jung für die Spielreihe war, kann ich wärmstens ans Herz legen, sich die Collection I-III zu gönnen. Es erwarten einen viele Stunden Spielspaß, eine umfangreiche und tiefgreifende Geschichte und einen Soundtrack, der einen bis ins Herz berühren kann. Nintendo musste lange auf die Spielreihe verzichten und kann jetzt auch endlich mitmischen. Für mich ein Wermutstropfen war nach wie vor der Verzicht der damals phänomenal guten deutschen Synchronisation von Teil 1 und 2 und dass es keine Grafikauffrischung für Teil 1 und 2 gab, ähnlich Metal Gear Solid Delta: Snake Eater. Mit diesem Schmankerl hätte sich die Collection I-III nochmals deutlich von der All-in-One-Edition der PS4 abheben können.

Nichtsdestotrotz ist es eine fabelhafte Gamereihe und die Collection lädt ein, dass eine Auffrischung der Gamereihe doch keine schlechte Idee wäre? Schliesslich wurde Teil 4 für nächstes Jahr im 4. Quartal angekündigt. Square Enix bricht hier übrigens mit ihrem Exklusivitäts-Muster und bringt Teil 4 auf allen Konsolen. Nintendo Switch 2-Fans dürften sich hier besonders freuen, da diese eine native Version und keine Cloud-Version erhalten werden. Für Neueinsteiger auf der Nintendo Switch 2 ist die Collection I-III eine absolute Kaufempfehlung. Langjährige Fans mit einer PlayStation 5 können sich das Geld dagegen sparen.

Wertung: 8.5 Pixel

für Kingdom Hearts I-III Collection Test (PS5): Ein All-you-can-game-Buffet von
Benachrichtigungen
Benachrichtige mich zu:
guest
0 Kommentare
neuste
älteste