Hyrule Warriors (Wii U) im Test

von postbrawler 17.09.2014

Link, der strahlende Held aus The Legend of Zelda, hat schon etliche Male das Königreich Hyrule aus den Klauen der Finsternis befreit. Dabei ging der spitzohrige Kappenträger bisher stets mit Logik, Kombinationsgabe und verschiedenen Gadgets gegen die fiesen Monster vor. Die Betonung liegt auf bisher, denn erstmals gibt Nintendo sein gewinnträchtiges Franchise für ein Projekt des japanischen Entwicklers Koei Tecmo frei, der sich vor allem im asiatischen Raum einen Ruf mit der Hack-&-Slash-Serie Dynasty Warriors gemacht hat. Herausgekommen ist ein temporeiches Actiongame mit viel Zelda-Fanservice, aber wenig klassischem Zelda-Gameplay.

Die Namengebende Prinzessin trägt viel zur dünnen handlung bei, und kann im späteren Spielverlauf auch selbst gespielt werden

Die Namen gebende Prinzessin trägt viel zur dünnen Handlung bei und kann im späteren Spielverlauf auch selbst gespielt werden.

Stichwort Gameplay

Ebendieses orientiert sich stark an der Vorlage der Warriors-Serie, in der man als bewaffneter Haudrauf auf begrenzten Schlachtfeldern gegen Heerscharen von GegnerInnen zu Felde zieht und versucht, Basen unter die Kontrolle seiner Fraktion zu bringen, aus der fortan befreundete NPCs strömen. Freilich geht es in Hyrule Warriors etwas jugendfreundlicher zu als im historischen Original, das die Zeit der drei Reiche Chinas behandelt. Anstelle eines Feldherrn führt man Link (der diesmal tatsächlich auf seinen eigenen Namen hört) oder wahlweise einen anderen Charakter aus dem Zelda-Universum in die Schlacht gegen Imps und bekannte Schlangenmonster. Dafür stehen im späteren Spielverlauf verschiedene Waffen zur Wahl, mit denen schnelle Schlagfolgen zu Kombos aneinandergereiht werden. Während einer Partie kann man seine Hauptwaffe nicht tauschen, aber mit einer Reihe bekannter Zusatzwaffen wie Bomben oder Bumerangs wechseln. Diese verleihen dem Kampfsystem aber kaum zusätzliche Tiefe, da man die meiste Zeit die viel effektiveren Kombos zur Lichtung der feindlichen Reihen nutzt. Durch diesen Umstand und den Mangel an sonstigen Spezialfähigkeiten wie beispielsweise in Diablo 3 verkommt das Gameplay rasch zum repetitiven Gegrinde. Nintendo hat es auf dem europäischen Markt normalerweise leicht, seine Fans zu verzücken, doch Hyrule Warriors ist in seiner Spielweise für meinen Geschmack deutlich zu „asiatisch“.

Der Held unzähliger Kindheitserinnerungen wir in Hyrule Warriors erstmals beim eigenen Namen genannt

Der Held unzähliger Kindheitserinnerungen wir in Hyrule Warriors erstmals beim eigenen Namen genannt.

Story

Gut – das Gameplay mag Geschmackssache sein, doch The Legend of Zelda hat traditionsgemäß mehr zu bieten, zum Beispiel eine packende und durchdachte Handlung. Koei Tecmo sind aber leider nicht dafür bekannt, ihre Spielformel in ein opulentes Story-Gewand zu hüllen. Immerhin ließ Nintendo genug Budget springen, um animierte Zwischensequenzen und viele bekannte Charaktere wie Impa oder Midna zu integrieren, doch die Handlung schafft es trotzdem nicht, das Spiel über den Verlauf der Kampagne zu tragen und mich wirklich mitzureißen. Das mag auch daran liegen, dass ein Handlungsstrang gewählt wurde, der bereits aus einem anderen Zelda-Spiel bekannt sein dürfte und somit den Höhepunkt vorausnimmt. Auch wäre es im Zeitalter optischer Speichermedien nicht zu viel verlangt, ein Story-basiertes Game mit vertonten Dialogen aufzuwerten – dann könnte man sich auch das nervige Manga-Gekichere ersparen, das die Spielfiguren zur Untermalung ihrer geschriebenen Texte gelegentlich absondern. Auch das richtet sich vor allem an eine asiatische Klientel.

Charaktere unterschiedlicher Zelda-Universen, wie Midna, die Twilight-Princess spielen eine Rolle in Hyrule Warriors

Charaktere unterschiedlicher Zelda-Universen, wie Midna, die Twilight-Princess, spielen eine Rolle in Hyrule Warriors.

Technik

Ja, die Wii U ist keine Next-Gen-Konsole und ja, wir haben mittlerweile deutlich schönere Spiele gesehen. Hyrule Warriors zeigt sauber gezeichnete und animierte Versionen meiner Lieblings-Zelda-Charaktere, wofür ich dem Spiel auch danken möchte. Hier kann man schon ein wenig erahnen, wie ein Wii-U-Zelda – ein ECHTES, meine ich – einmal aussehen könnte. Das kann man leider nicht über die Arenen sagen, die an Tristesse und Einfallslosigkeit kaum zu überbieten sind. Egal, ob man sich durch einen verwunschenen Wald, eine Lava-Welt oder die Ebenen vor Schloss Hyrule schnetzelt, alles sieht irgendwie gleich langweilig und lieblos aus. Auch die Gegnerhorden glänzen nicht unbedingt durch Vielfalt und grafische Finesse, lediglich viele sind es, die uns die Engine vor den Latz knallt. Zu allem Übel läuft das Spiel auch noch mit 30 FpS – ein Graus für ein temporeiches Actionspiel und sicher nicht das Beste, was man aus der Wii U herausholen könnte. Als wäre das alles noch nicht genug, ignoriert Hyrule Warriors auch noch die Anwesenheit des Gamepads und zeigt – völlig unverständlich – eine Reihe nichtssagender Charakterstatistiken, statt zum Beispiel die Map, was wesentlich praktischer und intuitiver wäre. Der Sound des Spiels orientiert sich an geläufigen Zelda-Themen, vermischt diese aber mit stressigen Techno- und Hardrock-Rhythmen, was zwar zu Hack-&-Slash passt, aber leider überhaupt nicht zu Zelda. In Sachen Präsentation heißt es für Hyrule Warriors also „Nicht genügend – setzen“.

Die Generalin der Prinzessin kämpft mit schwerer Klinge gegen Monsterhorden, und für die Frauenquote in Hyrule Warriors

Die Generalin der Prinzessin kämpft mit schwerer Klinge gegen Monsterhorden und für die Frauenquote in Hyrule Warriors.

Fazit

Ich habe mich auf ein erstes, wenngleich nicht „echtes“ Zelda für die Wii U gefreut, und bekam ein eher durchschnittliches Dynasty Warriors mit Link in der Hauptrolle. Das hat für ein Zelda-Spiel erschreckend wenig Spaß gemacht und konnte mich auch sonst nicht so mitreißen, wie das schon die Acht-Bit-Ableger der Serie mit ihrem Charme und ihrer Liebe zum Detail vermochten. Alles in allem kann ich Hyrule Warriors getrost beiseitelegen und schnell wieder vergessen, um mich weiterhin auf das erste Zelda für die Wii U zu freuen – und das würde ich auch allen raten, die das Spiel wegen Zelda spielen wollen – und nicht wegen Dynasty Warriors.

Wertung: 5.5 Pixel

für Hyrule Warriors (Wii U) im Test