God of War: Sons of Sparta (Test): Die Jugend mit all ihrer göttlichen Tugend

von Johannes Hausmair 17.02.2026

God of War: Sons of Sparta war eine der größten Überraschungen der letzten PlayStation-Präsentation. Während das Team von Santa Monica Studio weiterhin an neuen Spielen und der geplanten Remake-Trilogie arbeitet und hier vor allem die narrative Federführung übernimmt, wurde das 2D-Abenteuer von von Mega Cat Studios entwickelt. Das Spiel wirft Licht auf Kratos’ Jugendjahre mit seinem Bruder Deimos und die Zeit in der spartanischen Ausbildung. Lektionen rund um Pflicht, Ehre und Glauben werden aufgegriffen… doch wie geht das Spiel selbst mit der Pflicht des Franchise um?

Als Spartaner geboren

Sons of Sparta begleitet den jungen Kratos während seiner frühen Jahre in der brutalen spartanischen Agoge (dem strengen Erziehungssystem im antiken Sparta), lange bevor er zur göttlichen Legende wird. Gemeinsam mit seinem impulsiven Bruder Deimos wird er durch gnadenlose Ausbildung, Loyalitätsproben und spartanische Werte zu einem Krieger geformt. Als ein Mitkadett spurlos verschwindet, brechen die Brüder auf und begegnen allerlei griechische Gefahren, die ihre Leeren auf die probe stellen.

Die Geschichte wird jedoch rückblickend erzählt: Der erwachsene Kratos berichtet seiner Tochter Kalliope von diesen prägenden Jahren – von Pflicht, Ehre, Brüderliebe. Und ganz ungewohnt, in Momenten, in denen er noch an die Güte der olympischen Götter glaubte, ihre Tempel aufsuchte und ihre Segnungen als heilige „Gaben“ annahm.

Wir erleben wie die Brüder sich entwickeln und auf der Schwelle zum mann werden , zum Krieger sein.
Deimos ist emotionaler, naiver und oft disziplinlos, während der junge Kratos bereits durch Ehrgeiz, Pflichtbewusstsein und eine fast fanatische Selbstkontrolle geprägt ist. Ihr Zusammenspiel zeigt ihre tiefe Verbundenheit, die später tragische Konsequenzen haben wird.

God of War Sons of Sparta Titel

Bevor alles Began

Die Erzählung ist chronologisch das früheste bekannte Kapitel in Kratos’ Lebensgeschichte und wird im Rahmen eines späteren Lebensabschnitts geschildert – als er noch Vater und Feldherr war, lange bevor der unbändigen Wut und den zahlreichen Problemen mit dem Olymp. Er erzählt seiner Tochter von seiner Vergangenheit, als warnende Erinnerung an den Preis blinden Gehorsam und Pflichtgefühls. Die Ereignisse erklären, wie stark Kratos’ Identität durch Sparta, seinen Bruder und seine frühe Loyalität gegenüber den Göttern geprägt wurde – ein Glaube, der später zerbricht, aber hier noch aufrichtig ist. Obwohl Kratos den Göttern nie direkt begegnet, verehrt er ihre Tempel, empfängt ihre Gaben und verinnerlicht ihre Ideale. So erklärt sich, dass dieser einstige, ehrfürchtige Respekt und Dank dazu führt, dass er eben jene Götter in seinem späteren Rachefeldzug nicht verfolgt.

Die Geschichte vertieft zudem die Tragik von Deimos’ Schicksal: Seine Ungestümheit, sein Wunsch, sich zu beweisen, und seine emotionale Bindung an Kratos führen ihn letztlich auf einen tragischen Weg, der in der bekannten griechischen Saga in Gefangenschaft, Leid und schließlich seinem Tod mündet. Kratos` späteres Leben ist geprägt von Schuld, Verlust und Wandel – vom spartanischen Soldaten & Vater über den rachsüchtigen Kriegsgott bis hin zum erneuten Vater sein.

Die Vorgeschichte bleibt aber leider eher unscheinbar. Es gibt zwar ein paar gelungene Momente – etwa den starken Beginn oder einzelne interessante Figuren wie den spartanischen Kameraden Eis, auch bekannt als Atreus, den langjährige Fans durchaus zu schätzen wissen. Jedeoch folgt man größtenteils den Spuren eines vermissten Kadetten, zu dem man keinen Bezug hat und erlebt ein paar Momente der jugendlichen Brüderdynamik. Doch wirklich neue oder tiefgehende Erkenntnisse über ihre Beziehung bleiben aus. Auch mehr emotionale Momente zwischen Kratos und seiner Tochter Kalliope hätten der Geschichte spürbar mehr Gewicht verliehen. Besonders erfreulich ist natürlich die Rückkehr der originalen Kratos-Stimme von TC Carson, doch sein Auftritt als erwachsener Kratos umfasst nur wenige Zeilen. Zwar ist die vollständige Vertonung ein klarer Pluspunkt, doch insgesamt sollte man weder erzählerisch noch spielerisch ein herausragendes Erlebnis erwarten.

Ein Speer für alle Fälle

Als 2D-Action-Plattformer mit Metroidvania-Struktur stehen sowohl Kampf als auch Erkundung im Mittelpunkt – doch beides überzeugt nur teilweise.

Das Kampfsystem bietet überraschenderweise einige Anpassungsmöglichkeiten und etwas Tiefe: Von der Speerspitze bis zum Schaft lassen sich Elementarschaden und Spezialangriffe variieren, die „Gaben des Olymps“ bringen zusätzliche Gadgets ins Spiel, und neue Fähigkeiten im Skill-Menü erweitern das Moveset ein wenig. Zudem gibt es neben dem normalen Angriff auch Geist-Attacken, diese lassen Heilung fallen und füllen die Betäubungsleiste bis man einen Finisher ausführen kann. Das Gameplay bleibt aber von der ersten Sekunde bis zur letzten sehr ähnlich, was extrem schade ist. Da es sich um ein Metroidvania handelt, könnte sich Beginn und Ende unterschiedlich anfühlen. Generell ist das Movement nicht so intuitiv und etwas hackelig, besonders bei manchen Fähigkeiten und göttlichen Gaben. Effektiver – und oft sogar effizienter – ist es, einfach Angriff und Sprung im Rhythmus zu hämmern, gelegentlich auszuweichen oder mit dem Schild zu parieren. Taktische Vielfalt ist möglich, aber selten wirklich notwendig.

Bei der Erkundung zeigen sich ähnliche Schwächen. Anspruchsvolle Rätsel oder fordernde Plattformpassagen findet man nur als Ausnahme, in neun Challenge-Räumen. Die größte Herausforderung besteht darin, unter Zeitdruck die korrekte Tastenkombination für die göttlichen Gadgets einzugeben. Der eigentliche Reiz liegt hier weniger in cleverem Leveldesign und mehr im Sammeln: neue Fähigkeiten ausprobieren, versteckte Bereiche entdecken und Archiveinträge, Upgrades sowie Items vollständig freischalten. Wer Freude daran hat, eine Spielwelt gründlich zu durchkämmen und systematisch alles einzusammeln, kann sich sehr freuen – denn Zeus sei Dank gibt´s reichlich Sammelkram.

God of War aus neuer Perspektive

Sons of Sparta überrascht gleich mit einem straken Einstig: Eine malerische Szene geht nahtlos in einen epischen Kampf über, untermalt von unglaublicher Musik und einer beeindruckenden Kulisse. Der hochwertige Pixel-Look ist sehr detailreich und liebevoll umgesetzt, besonders in Levels mit eindrucksvollen Hintergründen – Berge, Tempel, Natur, antike Statuen. Doch nicht alles im Spiel ist auf diesem Niveau, ein paar Level sind eher dunkel und etwas detailarm. Ein absolutes Highlight ist ein Szene mit Schweinen, das in puncto Atmosphäre und Gestaltung herausragt und zeigt, wie fantastisch und der Pixel-Look wirken kann, wenn er richtig eingesetzt wird.

Generell ist die Schnittmenge zwischen der God of War-Fanbase und der 2D-Pixel-Art-Community vermutlich eher klein. Ich glaube ein Artstyle à la Prince of Persia The Lost Crown hätte möglicherweise eine breitere Zielgruppe angesprochen. Jedoch haben die Entwickler diesen Stil bewusst gewählt: Sie wollten erkunden, wie ein hypothetisches „God of War Zero“ auf der PlayStation 1 ausgesehen hätte, und haben ihre Vision konsequent umgesetzt. Aus dieser Perspektive ist der Retro-Pixel-Look beeindruckend stimmig und transportiert die Retro-Odyssee auf eine ganz eigene, charmante Art. Leider bewirbt Sony eine PlayStation 5 und nicht etwa eine Retro Konsole – daran gemessen verstehe ich dass viele enttäuschte Fans andere Erwartungen haben, wenn sie mit Kratos epische und emotionale Momente verbinden, die in 2D-Pixel-Art einfach schwer umsetzbar sind.

God of War Sons of Sparta - bei der Hexe zu Gast

Der Dieb der Freude

Im Vergleich mit Hollow Knight kann God of War: Sons of Sparta in kaum einem Bereich mithalten. Trotz eines höheren Preises von 30 € bietet es weniger Inhalt, weniger Vielfalt und weniger Tiefe, mechanisch als auch narrativ. In einem Punkt hat es allerdings die Nase vorn – und zwar bei der Anzahl technischer Probleme. Doch bei aller Fairness, sollte man jedoch bedenken, dass Sony wahrscheinlich das Entwicklerteam von Mega Cat Studios unter erheblichem Zeitdruck gesteckt hat, sodass sie jetzt diesen Shadow Drop präsentieren konnten. Keine Frage, dass das Spiel nach ein paar Updates deutlich runder sein wird.

Das Franchise in der Kritik…

Dass die Meinungen aber recht gemischt ausfallen, überrascht kaum. Manche Stimmen (wie Schöpfer David Jaffe) kritisieren grundsätzlich, dass die God of War-Marke zunehmend für Projekte genutzt wird, die sich spielerisch und tonal stark vom ursprünglichen Kern der Reihe entfernen. Ebenso verbinden viele langjährige Fans mit dem Namen andere Erwartungen – rauere Wucht, größere epische Dimensionen oder schlicht ein anderes Spielgefühl. Diese Sicht ist nachvollziehbar, auch wenn Experimente innerhalb einer etablierten Reihe nicht zwangsläufig „schlecht“ sein müssen. Gleichzeitig lässt sich aber schwer leugnen, dass sich die Identität der Serie im Laufe der Zeit stark gewandelt hat. Selbst die nordische Saga – so lieb ich sie auch habe – hat sich weit von den frühen Wurzeln entfernt. Spektakuläre Momente, wie die finale Schlacht in Ragnarök, belieben hinter dem erhofften Blockbuster-Potenzial zurück. Ich bin gespannt ob die Remake-Trilogie ihren Wurzeln treu bleibt, und Wut, Sex und Grausamkeit genauso darstellt wie damals.

Gerade deshalb wirkt es umso trauriger, wenn ein Titel mit dem Gewicht der Marke God of War und der Unterstützung von PlayStation von einer Handvoll Indie-Entwickler vorgeführt wird. Dabei ist der Vergleich noch nett: Bei einem Vergleich‘ mit Silksong würde Sons of Sparta nochmal negativer abschneiden.

Übersichtliche Probleme

Gameplay-Probleme

  • Fliegende Gegner bleiben gelegentlich an Wänden hängen (Harpyien neigen zu epileptischen Anfällen am Bildschirmrand)
  • alle Gegner stehen manchmal regungslos da und können nicht attackiert werden
  • Einstellungsmenü friert ein wenn man zurück ins Hauptmenü wechselt
  • Speicherstände können verloren gehen
    • Fortschrittsverlust von mehreren Stunden obwohl das Spiel korrekt gespeichert und beendet wurde
    • Bei mir einmal zu Beginn 2 Stunden und am Ende 6 Stunden (Zeus sei Dank habe ich bis zu den Credits gespielt, aber für die mysteriöse Mosaiktür habe ich nochmal alles machen dürfen)

Karten- und Navigationsprobleme

  • Die Karte wird gelegentlich gar nicht angezeigt – also dann Tappt man wirklich im Dunkeln
  • Aufgenommene Erinnerungs-Fotos werden nicht korrekt registriert oder zeigen falsche Bilder an

Sprachausgabe & Text

  • Audiomischung ist unausgewogen und teilweise fehlerhaft
  • Gesprochene Dialoge stimmen gelegentlich nicht mit den Untertiteln überein
  • Untertitel erscheinen manchmal gar nicht
  • Stimmen fallen sporadisch komplett aus
  • Sätze brechen häufig mitten im letzten Wort abrupt ab
  • Übersetzungen sind unvollständig – einzelne Begriffe, Namen oder Beschreibungen sind auf Englisch
  • Dialoge lassen sich nicht überspringen oder vorspulen
    • nur problematisch wenn man 8 Stunden verlorene Zeit wiederholen darf

deutliche Schwächen

  • Movement nicht so intuitiv und teilweise hakelig
  • Die Karte hat einfach kein Design, visuell einfallslos (insbesondere wenn man andere Spiele des Genres kennt)
    • Außer der bunten Farben, fehlt die klare Wiedererkennbarkeit einzelner Bereiche & Orte…
    • Intuitive Orientierung oder „Blindnavigation“ durch Vertrautheit mit der Welt stellt sich kaum ein
  • Ladezeiten zwischen Arealen sind inkonsistent
    • Teilweise sehr schnell, teilweise deutlich länger (variiert von 1-7 Sekunden)
    • Besonders beim Backtracking oder schnellen Durchqueren von Gebieten spürbar störend

Das beste kommt zum Schluss

Auch das Positive soll hervorgehoben sein:

  • Tolle Pixel-Art & Level
    • besonders Natur, Tempel, Hafen, Sparta und deren Hintergrundkulissen
  • Monsterdesigns sind sehr gelungen
  • Der Soundtrack ist fantastisch (dank des Komponisten Bear McCreary, der auch schon die nordische Saga betreut hat)
  • Das Logbuch-Artwork im Mosaik-Stil ist ein echtes Highlight
    • Stilistisch sehr schön gestaltet
    • Verbinden Lore, Wissen und visuelle Präsentation auf kunstvolle Weise
    • Vermittelt tolle Hintergrundinformationen zur griechischen Welt
  • gute Vertonung & Rückkehr von original Kratos-Sprecher TC Carson
  • ein netter lokaler Coop-Modus wird am Ende der Story freigeschaltet

Nicht verhasst... sondern enttäuschend!

Dieses kleine Jugendkapitel ergänzt die God of War-Saga um ein ein paar nette Momente, aber die Erzählung ist durch die 2D-Pixel-Inszenierung extrem eingeschränkt. Dieser Artstile ist wunderschön – keine Frage – aber in Anbetracht der emotionalen Sequenzen aus den anderen God of War Spielen, hätte man eher einen Mittelweg nehmen sollen und keine komplett andere Richtung. Die Geschichte und das Kampfsystem wären vielleicht bedeutungsvoller durch einen 3D-Metroidvania Ansatz. Ein Erlebnis wie Darksiders 3 hätte möglicherweise zu einem passenderen, besser präsentierten Erlebnis geführt – natürlich wäre so ein Projekt aber auch gleich mal teuerer und technisch aufwendiger. Es wirkt so als wäre das God of War Potential nicht komplett ausgeschöpft und obendrauf kommen die vielen kleinen Problemchen, die das Spiel zwar nicht unspielbar, aber extrem lästig und ungenießbar machen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Sons of Sparta als kleines PlayStation-Studios Spiel vermarktet wird, ist das ganze eine Enttäuschung.

Wertung: 5 Pixel

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