Dice Legacy Test (Switch): Slay the Spire trifft Die Siedler mit Würfeln

von Mandi 12.09.2021

In Dice Legacy würfelt ihr euch durch die Lande. Wie gut dieses Mash-up aus verschiedenen Ansätzen funktioniert, lest ihr hier!

Über Dice Legacy

Im Grunde erwartet euch in Dice Legacy ein Ansatz wie in Die Siedler. Ihr startet mit einer von sechs Herrscherfiguren, die mit ganz unterschiedlichen Startbedingungen und Volkseinheiten beginnt. Startet ihr das Spiel zum ersten Mal, könnt ihr nur einen König verwenden – die anderen Figuren gilt es freizuspielen! Ihr beginnt in einer Welt, die euch nicht gerade freundlich gesonnen ist. Da gibt es einen Jahreszeitenrhythmus, der Winter bringt verheerende Nachteile mit sich, und jährlich ändern sich die Rahmenbedingungen ein wenig. Doch alles der Reihe nach.

Habt ihr euer Spiel gestartet, gilt es, euer Volk vor äußeren Einflüssen zu schützen. Zudem solltet ihr eure erste Ansiedlung vergrößern und aufwerten, um für die Winter gerüstet zu sein. Wer sich etwa auf das Ansammeln von Rohstoffen wie Eisen und Holz konzentriert, kann sich im nächsten Moment schon damit herumschlagen, dass die Nahrung knapp wird. Dabei passiert eure Runde Dice Legacy nicht in einem Vakuum, es gibt auch andere Siedlungen und konkurrierende Nichtspielercharaktere. Wie ihr darauf reagiert, bestimmt auch wesentlich, wie euer Schicksal weitergeht.

Der Clou an Dice Legacy

So weit nichts Neues, stimmt’s? Wie es der Name schon sagt, bestimmen in Dice Legacy die Würfel euer Glück. Genauer gesagt sind die Würfel im Spiel eure Dorfbewohner, und hier kommt ein Schuss Slay the Spire in den Mix. Denn jeder Würfel kann nur eine gewisse Anzahl von Würfen überleben, wenn ihr diese übersteigt, ist er Geschichte. Zudem, wenn es zum Kampf kommt, kann es auch passieren, dass sich Würfel (also eure Einwohner) verletzen. Natürlich lässt sich in einer Taverne oder anderen Gebäuden ein wenig Abhilfe schaffen, aber ihr müsst diese Mechaniken im Auge behalten.

Damit nicht genug, jeder Würfel hat eine andere Zusammensetzung. Während ein Bauernwürfel etwa Seiten zum Bauen, zum Rohstoff-Abbau, zum generellen Arbeiten und zum Erforschen hat, kann ein Soldatenwürfel Angriffe abwehren und selbst attackieren, Überfälle durchführen und mehr. Bürgerwürfel hingegen sind eher für Forschungen gemacht – ihr versteht, worauf Dice Legacy hinauswill. Das Spiel ist übrigens in Echtzeit gehalten, ihr könnt so wie in Die Sims die Zeit schneller laufen lassen, verlangsamen oder gar anhalten. Super dafür geeignet, wenn ihr nachdenken müsst!

So spielt sich Dice Legacy

Ihr beginnt damit, euer Deck an Würfeln zu würfeln. Jeder von ihnen hat eine Zahl (ihr Leben gewissermaßen), und nach dem Würfeln sinkt diese um einen Punkt. Sie zeigen dann jeweils eine Seite (wie Abbau, Arbeit und Erforschung). Auf der Karte könnt ihr dann die Würfel verteilen – in einem Bergwerk etwa benötigt ihr ein Symbol zum Abbau, eine Ruine könnte ein Erforschungssymbol benötigen, und für den Bau eines Gebäudes benötigt ihr zwei Bau-Symbole. Ihr verteilt nach Herzenslust, und sofort beginnen die Würfel mit ihrer Arbeit. Nach ein paar Sekunden (zwischen zehn und 60) kehren sie ins Deck zurück.

Doch wer es eilig hat, kann auch erneut würfeln, während die Arbeit von euren Bewohnern verrichtet wird. Es benötigt also auch ein bisschen Glück, um die vorhin angesprochenen zwei Bau-Symbole zu erwürfeln. Denn ohne passende Würfel könnt ihr sie nicht darauf setzen, und das bedeutet, dass der Bau nicht voranschreiten kann. Ob ihr nun immer wieder wartet, bis alle eure Würfel ins Deck zurückgekehrt sind und alle gemeinsam würfelt, oder ob ihr die Lebenspunkte mancher Würfel schneller verbraucht als bei anderen, liegt ganz bei euch und eurer Strategie. Alles hat seine Vor- und Nachteile.

Da passiert was – ständig

Wenn ihr die ersten 30 Minuten in Dice Legacy überstanden habt, ist schon einiges vom sehr vielgliedrig angelegten Tutorial abgehandelt worden. Jeder Würfel hat seine eigenen Vorzüge, sogar eine Zufriedenheit pro Würfelgruppe gibt es. Weizenflächen lassen sich beackern und ernten, aber das funktioniert nur im Sommersemester – im Winter müsst ihr mit der Nahrung auskommen, die ihr im Sommer erwirtschaftet habt. Erweitert ihr die Grenzen eurer Siedlung, kann und wird es vorkommen, dass ihr auf andere Lagerstätten trefft. Nicht alle sind euch freundlich gesonnen, und dann kommt es zum Kampf.

Wenn also eine feindliche Figur mit einem Timer in Richtung eurer Siedlung marschiert, solltet ihr rasch Soldatenwürfel verwenden und die richtigen Seiten erwürfeln. Denn vernachlässigt ihr eure Verteidigung, werdet ihr ohne Unterlass angegriffen. Das führt dazu, dass eure Gebäude brennen, und auch hier läuft wieder ein Timer, während dessen Countdown ihr eine Chance zum Löschen habt. Greift ihr auch hier nicht ein, ist euch der Untergang in Dice Legacy schon so gut wie gewiss. Daher gilt: Immer auf der Hut sein, eure Würfel bei guter Gesundheit und Laune halten, und ein wenig Glück haben.

Dazu kommt Städtebaumechanik

Wenn ihr nun meint, dass es das war mit der Strategie in Dice Legacy, dann irrt ihr euch. Denn es gibt viele Gebäude, die euch anfangs nicht zur Verfügung stehen. Zunächst müsst ihr Ressourcen wie Holz, Stein, Eisen und Gold abbauen, um andere Gebäude errichten zu können. Dazu zählen etwa eine Kaserne, eine Taverne, eine Apotheke, ein Finanzamt und vieles mehr. Alle diese Gebäude haben natürlich ihre eigenen Fähigkeiten und nützlichen Boni, müssen aber – erraten – durch Würfel aktiviert werden. Quests im Tutorial geben euch Hinweise, was ihr als nächstes bauen solltet.

Das ist ein generell guter Hinweis, aber beileibe nicht die jederzeit zu 100 Prozent passende Vorgangsweise. Spätestens, wenn ihr mit verschiedenen Klassen (Bürgerwürfel! Händlerwürfel! Söldnerwürfel!) zu tun habt, gibt es jederzeit einen interessanten Mix aus dem, was ihr prinzipiell tun könntet, und dem, was eure derzeit gewürfelten Ergebnisse euch erlauben. Da gilt es, jederzeit auf wachsam zu bleiben, offen für auch mal experimentelle Wege zu sein und bloß nicht aufzugeben. Wer es schafft, Würfel mittels eines Obelisken „aufsteigen“ zu lassen, kann diese dann in einem anderen Spiel verwenden!

Die Einführung in Dice Legacy

Beginnt ihr das Spiel zum allerersten Mal, habt ihr natürlich nicht viel Auswahl. Doch später könnt ihr aus sechs Szenarien, sechs Herrscherfiguren, unterschiedlichen Startwürfeln (sofern ihr sie auswechselt) und fünf Schwierigkeitsstufen wählen. Absolute Strategie-Fans werden ihre helle Freude daran haben, Gelegenheitsspieler:innen könnten jedoch ob der Vielzahl an Mechaniken in Dice Legacy schnell einmal verzweifeln. Das Spielprinzip des Games ist relativ rasch verstanden, doch leider ist es schwierig, den Überblick zu behalten, wenn man sich nicht voll konzentriert.

Dazu kommt, dass das Tutorial in seiner jetzigen Form nicht gerade glücklich macht. Wenn ihr etwas Neues (etwa ein Gebäude, einen verletzten oder gefrorenen Würfel) seht, ist ein riesiger Tutorial-Hinweis über dem Spielscreen. Der verdeckt einiges, also rasch in die Enzyklopädie. Anstatt euch aber gleich zum neuen Inhalt zu bringen, müsst ihr sie selbst durchwälzen … das ist nicht ganz gescheit gelöst, lässt sich aber in einem Patch sicherlich richten. Habt ihr Dice Legacy aber schon mal gespielt, könnt ihr beim Spielstart nach Wahl von Szenario, Herrscher und Würfel das Tutorial abschalten.

Dice Legacy: Die Technik

Ein opulentes Grafikwunder ist Dice Legacy auf der Nintendo Switch (zur Website, auch für PC erhältlich) nicht geworden, das würde man aber auch gar nicht erwarten. Die interessant gestalteten Ringwelten sehen ansprechend aus, die Punkte, mit denen es zu interagieren gilt, sind gut ersichtlich, und mehr muss ein Aufbau-/Würfel-/Glücksspiel auch gar nicht hinbekommen. Beim Sound gibt sich der Titel ähnlich – die notwendigsten Dinge sind vorhanden, und sowohl Hintergrunduntermalung wie auch Soundeffekte bringen ihre Dienste, ohne nach längerer Spielzeit zu nerven.

Bei der Steuerung bin ich mir noch ein wenig uneins. Der Titel ist ohne Zweifel ein Menümonster, und das Team hinter Dice Legacy hat einen guten Job gemacht, alles halbwegs controllergerecht auf die Switch zu bringen. Das Ergebnis? Jeder einzelne Button ist belegt, und Anfänger:innen sind allein schon von der Tastenbelegung überfordert. Das ist aber kein Vorwurf, denn viel besser wäre es nicht gegangen – eher ein Testament an die Komplexität des Spiels. Da so viele Mechaniken zusammentreffen, ist das auch bitter notwendig, so viele Menüs gleichzeitig steuern zu können.

Begrenzte Zielgruppe, Vergnügen nur für Expert:innen

Habt ihr bis hierher gelesen, ist es euch schon klar: Das ist ein Spiel, das nicht für alle gedacht ist. Ihr müsst zu den ausgebufftesten Taktik-Füchsen gehören, die ihre Freude an Aufbaustrategie, Deckbuilding und Experimentieren haben. Fünf Schwierigkeitsstufen, von denen schon die zweite ziemlich fordert, stehen euch zur Verfügung. Da wird Dice Legacy schnell mal zum Dark Souls des Genres, vor allem, wenn ihr euch unbedacht daran wagt. Die Optik steht da im krassen Widerspruch, wer sich Screenshots des Spiels ansieht, könnte denken: „Das sieht nett aus!“

Nett ist der Titel beileibe nicht. Anfangs meint man schnell mal, das sei doch ein bloßes Glücksspiel. Doch wer sich von den Einstiegshürden nicht abwerfen lässt, lernt, dass ein guter Plan bei weitem nicht vom Würfelglück abhängt. Natürlich wird es immer wieder Phasen geben, wo ihr einen Lauf habt, in die eine oder auch die andere Richtung. Wenn euch ein Mix zwischen Die Siedler, Slay the Spire und eine Spur Age of Empires reizt, könnt ihr diesem Titel durchaus eine Chance geben. Dice Legacy wartet mit guten Ideen auf, die hartgesottenen Spieler:innen die 20 Euro wert sein sollten.

Wertung: 7.5 Pixel

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