Diablo III: Eternal Collection (Switch) im Test

von Bernhard Emig 08.11.2018

Ein Diablo-Titel, der während der BlizzCon beinahe ins Hintertreffen geraten war, ist Diablo III: Eternal Collection für die Nintendo Switch. Die Handheld-Portierung wurde zeitgleich zur BlizzCon veröffentlicht, und entsendet Nintendo-SpielerInnen auf eine actionreiche Monsterhatz in die Hölle. Ob es sich bei Diablo III für die Switch um eine gelungene und sinnvolle Zielgruppenerweiterung, oder um einen lauen Aufguss handelt, lest ihr in meinem Review.

© Nintendo/Blizzard Entertainment

Diablo III wurde 2012 zuerst für den PC, und 2013 für PS3 und Xbox 360 veröffentlicht. Mit der Erweiterung Reaper of Souls (2014) wurde das Spiel dann auch für die Playstation 4 und Xbox One portiert. Zuletzt wurde mit dem DLC Rise of the Necromancer 2017 eine zusätzliche spielbare Klasse veröffentlicht. In der nun erschienenen Eternal Collection für die Nintendo Switch sind alle Erweiterungen, DLCs und Patches bereits enthalten.

  • Publisher: Blizzard
  • Entwickler: Iron Galaxy (Skyrim Switch)
  • Genre: Action RPG

Handlung

In Diablo taucht Ihr als SpielerIn in die düstere Welt von Sanctuario ab, und sorgt als übermächtiger Nephalem-Krieger für sprichwörtliches Kopfzerbrechen unter Diablos Dämonenschergen. Mit Stahl und Magie schlichtet ihr den ewigen Konflikt zwischen den Mächten des Himmels und der Hölle. Diablo III spielt 20 Jahre nach den Vorkommnissen des zweiten Teils, der Dämonenfürst und seine Geschwister wurden in einen dunklen Seelenstein gebannt. Das kleine Dorf Tristram hat gerade wieder zur Normalität zurückgefunden, als ein Meteorit vom Himmel fällt und erneut Untote über die Menschen hereinbrechen. Es ist also an euch, zusammen mit neuen Gesichtern wie dem Mädchen Leah, und alten Bekannten wie dem Erzengel Tyrael für Frieden zu sorgen, und die Dämonen zurück in die Hölle zu treiben.

Gameplay

© Blizzard Entertainment

Diablo III ist ein Action RPG, in dem ihr eine HeldIn aus der Vogelperspektive durch zufällig generierte Dungeons und Areale steuert, und dabei Horden von anrückenden Monstern pulverisiert. Zu Beginn des Spiels habt ihr die Wahl aus insgesamt 7 unterschiedlichen Charakterklassen, die jeweils in einer männlichen und weiblichen Variante zur Verfügung stehen. Mit zunehmendem Spielfortschritt erlangt ihr neue Fähigkeiten uns Ausrüstung, und steigert euer Level bis Maximalstufe 70. Durch eine Vielzahl an Spielmodi und Schwierigkeitsgraden motiviert das Spiel zum Weiterspielen, auch wenn ihr die insgesamt 5 Akte umfassende Kampagne bereits abgeschlossen habt.

Perfekt auf Konsolen portiert

Während das Gameplay für Konsolen vollständig überarbeitet, und auf Controllersteuerung ausgelegt wurde, ist Diablo III inhaltlich weitestgehend unverändert portiert worden. Manche Dinge wurden zugunsten einer einheitlichen Menüführung angepasst. So lasst ihr Ringe in der Konsolenfassung beispielsweise nicht mehr beim Juwelier, sondern beim Schmied anfertigen. Dasselbe gilt auch für die Switch-Version. Am besten spielt sich die Eternal Collection freilich mit dem Pro-Controller, oder im Handheld-Modus mit beiden angedockten JoyCon. Für den schnellen lokalen Multiplayer-Spaß lassen sich die JoyCons auch einzeln bedienen, aber auf Kosten wesentlicher Fähigkeiten wie der Einnahme von Heiltränken.

Die insgesamt sechs gleichzeitig ausrüstbaren Skills lassen sich auf die vier Buttons und zwei Schultertasten frei belegen. Während ihr mit dem Linken Thumbstick durch die Isometrische Welt navigiert, könnt ihr mit dem Rechten eine spielerisch wertfreie Hechtrolle vollziehen, die es in der PC-Version nicht gab. Oberflächen für das Anlegen von Ausrüstung, die Fähigkeitenvergabe sowie das Herstellen neuer Gegenstände sind in praktischen Ringmenüs gegliedert, über die sich schnell und bequem komplexe Aufgaben bewältigen lassen. Den EntwicklerInnen ist das beeindruckende Kunststück gelungen, ein intuitives Äquivalent für die Maus und Tastatursteuerung zu schaffen, das nach wenigen Levelaufstiegen in Fleisch und Blut übergeht.

Technik

Technisch ist die Diablo III: Eternal Collection professionell auf die Hardware von Nintendos portabler Konsole angepasst. Das Spiel läuft durchwegs in butterweichen 60 FPS, und stopft allfällige Performance-Löcher durch dynamische Auflösungsskalierung. Im TV-Modus läuft Diablo III in 900p, und fällt gelegentlich auf geringere Auflösungen zurück. Im Handheld-Modus wird weitestgehend die native 720p-Auflösung der Switch erreicht. Im intensiven Blitzgewitter eines Endgame-Gefechts kann sich das schon mal beinahe halbieren, wobei die Framerate bemerkenswert stabil bleibt. Erst im Koop-Spiel kann es zu gelegentlichen Einbrüchen der Framerate kommen.

Performance vor Opulenz

Vom Detailgrad, der Texturschärfe und der Partikeldichte ist die Switch-Version irgendwo zwischen den last- und current-Gen-Varianten angesiedelt. Der Fokus der EntwicklerInnen lag hier klar auf Performance. Das bedeutet aber keinesfalls, dass die Switch-Version alt aussieht. Das actionreiche Gameplay und die zahlreichen Effekte kaschieren hervorragend, dass es sich bei Diablo III eigentlich schon um ein 6 Jahre altes Spiel handelt. Besonders im Handheld-Modus weiß diese Portierung grafisch zu beeindrucken.

Kein Rumble in the Dungeon

Ein technisches Feature, dass ich gerne besser genutzt gewusst hätte, ist die HD-Rumble-Funktion der Switch. Spiele wie Forza Horizon (Xbox) schaffen es, das Gefühl von quietschenden Reifen, Kollisionen und Drifts gefühlsecht über die Rumble-Motoren im Controller zu vermitteln. Die brachialen wuchtigen Kämpfe in Diablo würden hervorragenden Stoff für die vielleicht besten Rumble-Controllern der aktuellen Konsolengeneration bieten. Doch statt Explosionen, berstendem Holz und wuchtigen Hieben bleiben die JoyCon in Diablo III: Eternal Collection meistens ruhig. Lediglich das Abklingen eines Buffs, und seltsamerweise der Bosskampf gegen Diablo lassen sie ein wenig rütteln. Schade um die vergebene Chance.

Multiplayer

Was gab es 2012 einen Aufschrei in der Diablo-Community, als der Always-Online-Zwang für das Spiel angekündigt wurde. In Zeiten von Fortnite kräht kein Hahn mehr nach einer permanenten Internet-Verbindung. Und doch ist es eine Wohltat, wenn das das heimische WLAN auch mal verlassen kann, ohne sich sorgen um Savegames, Funklöcher und fehlgeschlagene Logins machen zu müssen. Diablo III: Eternal Collection biete diese Form des Retro-Luxus, und verzichtet auf den Online-Zwang. Damit kann man ganz einfach auch unterwegs, in der U-Bahn, und sogar hoch über den Wolken eine Partie Diablo III zocken. Für Online-Multiplayer setzt das Spiel freilich eine Verbindung zum Netz, sowie eine Nintendo-Online Subscription voraus.

Blizzards eigenes Battle.NET bleibt leider außen vor, wodurch bestehende Charaktere, Freundeslisten und Achievments von Neuem erspielt werden wollen. Auch Crossplay mit dem PC oder anderen Konsolen ist nicht möglich, wohl auch um das Ergaunern wertvoller Gegenstände zu unterbinden.

Als Trostpflaster bietet Nintendo neben lokalen Coop-Partien über mehrere Switch-Konsolen auch Multiplayer auf einer Konsole am gemeinsamen Bildschirm an. Allerdings müssen dazu mehrere Accounts mit unterschiedlichen Charakteren auf der Konsole angelegt werden. Im Koop macht Diablo III gleich nochmal so viel Spaß!

 

Fazit zu Diablo III: Eternal Collection

Das Studio Iron Galaxy, welches sich auch für den Port von Skyrim auf die Nintendo Switch verantwortlich zeichnet, hat ganze Arbeit geleistet. Neun Monate soll es gedauert haben, dieses Höllenbaby auszubrüten, und die Arbeit hat sich gelohnt. Diablo III: Eternal Collection ist eine gelungene und sinnvolle Portfolio-Erweiterung Nintendos tragbaren Spielkonsole geworden. Ports wie Skyrim, Doom und Diablo III zeigen selbstbewusst, dass die Switch auch erwachsene Zielgruppen ansprechen kann, und einen beachtlichen Third-Party-Support genießt. Neben der exzellenten technischen Portierung bewundere ich Diablo auf der Switch auch ob seiner handheld- und offline-Fähigkeit. Dreingaben wie ein Ganondorf-Transmog-Set und ein Triforce Portraitrahmen runden das Gesamtpaket ab. Wer mit einer anderen Version oder einem früheren Teil der Monsterhatz bereits Spaß hatte, kann hier bedenkenlos zugreifen.

Wertung: 8.8 Pixel

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