Deponia im Test #ThrowBackThursday

von Marianne Kräuter 01.09.2016

Deponia ist ohne Frage eines der bekanntesten deutschen Adventures. Neun Jahre nach seinem Erscheinen ist es höchste Zeit meinen Pile of Shame ein wenig schrumpfen zu lassen und mich erstmals auf den Müllplaneten zu begeben. Wie gut mir das Leben auf dem Schrotthaufen gefallen hat, kläre ich in meiner Review.

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Bruchlandung auf dem Müllplanet

Die Geschichte in Deponia dreht sich um den arroganten, selbstverliebten Rufus, der davon träumt, dem Müllplaneten entfliehen zu können. All seine bisherigen Versuche, sich in den Himmel nach Elysium zu katapultieren, schlugen fehl. Doch dieses Mal soll es klappen! Als Rufus auch diesen Fluchtversuch vermasselt, lässt er außerdem eine Elysianerin, bei dem Versuch sie zu retten, auf Deponia stürzen. Diese wird durch den Sturz ohnmächtig. Da Rufus in ihr einen Weg sieht, doch noch nach Elysium zu gelangen, sucht er nach einem Weg, sie aufzuwecken…

Daedalic Entertainment macht kein Geheimnis um ihre Liebe zu alten Adventures

Das Team von Daedalic Entertainment macht kein Geheimnis um ihre Liebe zu alten Adventures von Lucas Arts. Characterdesign und Humor merkt man ihre Inspirationen von Monkey Island und Day of the Tentacle an. Geschichte, Witz und Charaktere sind jedoch so eigenständig, dass man Deponia an keiner Stelle vorwerfen kann, ein anderes Spiel zu kopieren. Es handelt sich bei diesen stilistischen Ähnlichkeiten schlicht um eine Hommage an die großen Adventure-Klassiker der 90er.

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Alle hassen Rufus

Deponia lebt nicht nur von einer witzigen Geschichte, sondern ebenso von einzigartigen wie eigenartigen Charakteren, die das Schrottdorf Kuvaq bewohnen. So stoßen wir auf einen Postroboter mit einer Schwäche für Luftpolsterfolie, eine männliche Empfangsdame im zu engen Ballettkleidchen im Foyer des Rathauses oder einen schrulligen Bürgermeister, der in der Schublade seines Schreibtisches schläft.

Mir persönlich ist selbst Kratos sympathischer als Rufus

Als zuviel des Guten hingegen empfand ich den „Helden“ Rufus. Bereits in der ersten Szene lernen wir ihn als arroganten, selbstgefälligen Schmarotzer kennen, der noch immer in der Bude seiner Ex haust und sich bei ihr durchschnorrt. Rufus denkt stets nur an sich und schadet auch Leuten, die er als seine Freunde bezeichnet, ohne zu zögern, wenn er dadurch einen persönlichen Vorteil wittert. Selbst seine einzige gute Tat, die Elysianerin Goal zu retten, vollbringt er nur, weil er sich erhofft, durch sie von Deponia verschwinden zu können. Ob man Rufus mag oder nicht ist sicherlich Geschmackssache und die Entwickler haben mit ihm ohne Frage eine markante, einprägsame Figur entworfen. Mir persönlich jedoch ist selbst Kratos sympathischer als der dampfplaudernde Taugenichts.

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Es darf gelacht werden

Deponia brilliert mit einer Mischung aus Slapstick, Stichelein und Wortwitzen

Der Tradition alter Adventures folgend, brilliert Deponia mit einer Mischung aus Slapstick, Stichelein und Wortwitzen, die einen von Schmunzeln bis lautem Auflachen sämtliche humoristische Reaktionen entlocken. Es gilt Zahnbürsten einzufangen, sich von Minenarbeitern „Schnutzipu“ nennen zu lassen und Espresso mithilfe einer umgebauten Orgel zu brauen. Dass die Witze so gut funktionieren, ist auch der guten Synchronisation zu verdanken, die den schrägen Charakteren Glaubwürdigkeit und Leben verleiht.

Auch der cartoonhafte, detaillierte Zeichenstil ist fantastisch. Wer hätte gedacht, dass ein Planet aus Schrott so gut aussehen kann: Die farbenfrohen Hintergründe zeigen die Bauten und Gerätschaften, die sich die Bewohner Kuvaqs einfallsreich aus Unrat zusammengezimmert haben und sorgen für ein glaubwürdiges, lebendiges Setting.
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Knobeleien von spaßig bis unschaffbar

Die Lösung zu manchen Kopfnüssen grenzt an Absurdität

Die Steuerung in Deponia ist selbst für ein Adventure simpel: Die linke Maustaste ist für Aktionen reserviert, mit Rechtsklick betrachtet man Gegenstände. Klickt man auf das Mausrad, werden alle Aktionspunkte auf dem Bildschirm angezeigt und dreht man das Mausrad nach unten, wird das Inventar aufgerufen.

Nicht so simpel sind die Rätsel dieses Spiels. Die Lösung zu manchen Kopfnüssen grenzt leider an Absurdität. Anstatt durch logische Überlegungen auf die Antwort zu kommen, probiert man also durch wildes Herumklicken alle möglichen und unmöglichen Kombinationsmöglichkeiten aus und spricht fünf mal mit sämtlichen NPCs, ehe man doch entnervt einen Onlineguide zur Rate zieht. Wie kommt man zum Beispiel auf die Idee, das Blut eines mechanischen Bullen zunächst mit dem Bild einer Bierreklame-Kuh und einem roten Vorhang in Wallung zu bringen, damit man während eines anschließend wilden Rodeoritts sein „Blut“ abzapfen kann? Nicht alle Rätsel waren weit hergeholt, jedoch genügend viele, dass es mir negativ auffiel.

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Fazit

Daedalic Entertainment hat 2007 mit Deponia ein lustiges Adventure mit charmantem Artstyle und einer interessanten Geschichte geliefert, das man auch heute noch getrost zocken kann. Wie sehr man sich an Rufus‘ Charakter und den Rätseln stört, die teilweise nur durch stupides Probieren zu bewältigen sind, muss jeder für sich entscheiden.

Wer mehr über Rufus‘ Abenteuer erfahren will, findet auf unserer Website übrigens auch die Tests von Deponia-Fanboy David zu Goodbye Deponia und Deponia Doomsday.

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Wertung: 7.6 Pixel

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