Blood & Truth Test (PSVR): Der VR-Shooter-Primus

von Mandi 28.05.2019

PSVR-BesitzerInnen haben mit Blood & Truth einen Pflichttermin vor sich. Warum dieses Game zur neuen Referenz bei VR-Shootern wird, lest ihr hier im Review! Hier geht’s zur offiziellen Website des Titels.

Worum geht‘s in Blood&Truth?

Wenn ihr in PSVR Worlds das Spiel The London Heist gespielt habt, wisst ihr in etwa schon, was auf euch zukommt. Doch damit ist Blood & Truth nicht abgetan, dieser Titel kann so viel mehr. Ihr landet als Ex-Soldat Ryan Marks (Felix Scott) nach dem Tod seines Vaters mitten in einer Geschäftsfehde zwischen eurer Familie und einem Konkurrenten. Mit dabei ist euer aufgedrehter Bruder Nick (Jay Taylor), eure Schwester Michelle (Klariza Clayton) und die Mutter Anne Marks (Natasha Little). In Blood & Truth jagt eine Wendung die nächste, man merkt einfach, dass das Hauptaugenmerk auf der Story liegt. Auf der offiziellen Website zum Spiel ist das Game wie folgt beschrieben:

Setz dir dein PlayStation VR-Headset auf und werde zum Elitesoldaten Ryan Marks in Blood & Truth, das mit der explosiven Action und dem Drama eines Hollywood-Blockbusters aufwartet – inspiriert vom Megahit „The London Heist“ aus PlayStation VR Worlds. Dieses nervenaufreibende Abenteuer voller epischer Schießereien und explosiver Situationen katapultiert dich geradewegs in eine verzweifelte Mission hinein: Du musst Marks geliebte Familie aus den Fängen eines kaltblütigen kriminellen Oberschurken retten. Setze das Erlernte aus deiner Spezialausbildung ein, um Gebäude zu erklimmen, Geheimanlagen zu infiltrieren und mit einer Vielzahl schlagkräftiger Schusswaffen zahllose bewaffnete Schläger niederzumähen.“

Was gleich auffällt

Der wichtigste Punkt zuerst: In Blood&Truth gibt es so gut wie keine Ladezeiten. Sobald ihr das Spiel gestartet habt und ihr in der Haut von Ryan Marks steckt, geht es in einem Zug durch. Clevere Story-Sequenzen zur Ladezeitenüberbrückung (ich vermute das einfach mal) beschäftigen euch so lange, bis ihr wieder selbst in Aktion treten dürft. Das ist derart immersiv, dass es eine Freude macht, Blood&Truth zu spielen. Ich konnte es kaum glauben, als ich beim ersten Anspielen über zwei Stunden durchgehend gespielt hatte – mir kam es gerade mal wie eine Stunde lang vor.

Der Fokus auf die Story ist wirklich gut gelungen, die Charaktere sind nicht überzeichnet und die Dialoge bringen alles auf den Punkt. Es ist also nicht übertrieben, wenn Blood&Truth damit wirbt, mit Hollywoodautoren kooperiert zu haben. Wie bei einem sehr guten Actionfilm ist hier von Anfang an Spannung drin, die Flashbacks und Wendepunkte der Story sind klasse gesetzt: Kein Wunder, dass man so schwer aufhören kann! Bevor ihr jedoch in den Genuss des gesamten Plots kommt, müsst ihr Blood&Truth zunächst einmal spielen. Das sieht dann wie folgt aus:

Das Gameplay in Blood & Truth

Wie für einen PSVR-Titel üblich spielt ihr diesen Titel aus der Egoperspektive. Der Protagonist Ryan beginnt mit einer Mission als Soldat, in der ihr die ersten Funktionalitäten kennenlernt. Ihr stellt rasch fest, dass sich Blood&Truth anders spielt als andere PSVR-Shooter. Die Bewegungen fühlen sich flüssiger an, alles läuft ein wenig runder ab. Sogar die Kalibration im Spiel verlangt von euch, vor die Brust und an die Hüfte zu greifen – das macht für die Action, die euch erwartet, durchaus Sinn. Es geht nicht nur darum, euch durchzuballern, sondern auch andere Einlagen sind mit von der Partie.

Ob es nun gilt, Schlösser zu knacken, Sprengstoff zu verteilen, eine Leiter hochzuklettern oder eine Verfolgungsjagd aufzunehmen: Blood & Truth bleibt dem Actionfilm-Genre nichts schuldig. Mit der Move-Taste lauft ihr zu festgelegten Punkten in Blickrichtung, und wenn ihr euch duckt, duckt sich natürlich auch Ryan. So könnt ihr Schaden, wenn es mal ernst wird, aus dem Weg gehen und euch so auch wieder heilen. Sind die Gegner ausgeschaltet, könnt ihr weiter nach vorne dringen. Eine sehr mutige Entscheidung, für die ich London Studio gratulieren möchte, betrifft die Benutzeroberfläche.

Keine Spur von User Interface

Es gibt keine Lebensleiste, keine Munitionsanzeige und keinen Indikator, wo die Feinde herkommen. Blood&Truth fühlt sich in gewisser Weise so „echt“ an, dass es kein Wunder ist, warum es so immersiv ist. Natürlich könnte man meckern, es fehle an Übersicht und das machen alle anderen auch so – wenn man Blood & Truth aber spielt, wird rasch klar, warum diese Entscheidung so getroffen wurde. Ihr habt die Herrschaft über eure Waffe, und die Möglichkeiten dieses Titels sind so gewählt, dass es trotz aufwändigster Produktion trotzdem für alle SpielerInnen zugänglich bleibt.

Beispiel gefällig? Ryan hat an beiden Hüften Holster hängen, über die ihr frei verfügen könnt. Genauso könnt ihr selbst entscheiden, an welcher Seite einer Tür ihr in Deckung geht. So haben weder Links- noch RechtshänderInnen irgendwelche Nachteile! Genauso bietet Blood&Truth die Option eines Komfortmodus. Falls es zu Übelkeit beim Spielen des Titels kommen sollte, kann man hier optisch entgegenwirken lassen. Doch selbst nach über zwei Stunden Spielzeit am Stück verspürte ich im Normalmodus nicht einmal einen Hauch von Übelkeit. Ihr wisst schon, was ihr zu tun habt, wenn ihr in einem Luftschaft steckt oder vor einer Leiter steht…

So muss ein Tutorial aussehen

Steckt ihr dennoch irgendwo fest, kommen in einem coolen Stil mit weißer Schrift kurze Hinweise auf den Screen. Das erinnert leicht an die Interaktion in Life is Strange und ist extrem hilfreich. Ihr werdet auch nicht einmalig mit Infos bombardiert, dieses Spiel nimmt sich einfach die Zeit und bringt euch genau dann etwas Neues bei, wenn ihr es braucht. Natürlich hilft es auch, dass ihr stets in Interaktion mit anderen Charakteren seid und sich die Aufgaben dann realistisch anfühlen. Sony zeigt hier eindrucksvoll, wie ein PSVR-Titel wirken kann, und Blood & Truth glänzt auf ganzer Linie.

Das heißt aber nicht, dass dies ein bierernstes Spiel ist. Gerade euer Bruder Nick bringt so richtig Schwung ins PSVR-Leben! Beispielsweise drückt er euch einmal eine E-Zigarette in die Hand und fordert euch auf, einen Zug zu nehmen. Gesagt, getan – ich führte den Move-Controller zum Mund und schlug damit gegen mein VR-Headset. Aus Schreck ließ ich die E-Zigarette fallen, was Nick lachend mit „Wurstfinger“ kommentierte. Solche Kleinigkeiten, oder dass ihr etwa im Versteck auch ein virtuelles PSVR-Headset vorfindet, zeigen, mit wie viel Liebe zum Detail Blood&Truth erschaffen wurde.

Kleinigkeiten zum Nörgeln

Ist bei all dem Lobgesang auf dieses Game auch Kritik angebracht? Definitiv ist nicht alles Gold, was so glänzt. Wenn ihr im Shooter-Genre nicht so bewandert seid, werdet ihr anfänglich ein paar Tode hinnehmen müssen. Bis ihr euch an das realistische Zielen gewohnt habt, ist Übung erforderlich. Gerade heranstürmende Gegner machen die meisten Probleme, das ändert sich aber mit größerem Kaliber. Auch das Pacing in Blood & Truth fühlt sich vereinzelt etwas schleppend an. Klar, wenn ihr in Begleitung seid, müssen zuerst die Dialoge fertig gesprochen werden und sich alle Charaktere dort befinden, wo sie hin müssen.

Mir kam auch in den Kämpfen teilweise vor, dass die zuvor fast freie Bewegung zwischen den Punkten eingeschränkt wird. Wenn ihr euch also darauf verlasst, so wie ich das tat, kann das manchmal böse ausgehen. Um das allerdings wiedergutzumachen, sind die Checkpoints äußerst fair gesetzt. Ihr könnt jederzeit wieder da einsteigen, wo ihr euer Leben gelassen habt, ohne Zeit zu verlieren. Abgesehen davon? Blood & Truth ist für viele Details ein Vorzeigetitel, und allem voran die Abwechslung im Spiel. Es wird einfach nicht langweilig, ein Kapitel nach dem anderen zu spielen – der Spielfluss ist einfach großartig.

Die Technik des Spiels

Das Tracking von Blood&Truth ist wirklich gut gelungen. Habt ihr euch an das Zielen gewöhnt beziehungsweise die euch passende Waffe gefunden, geht die Post so richtig ab! Die Waffenhand lässt sich ohne Probleme wechseln, ihr könnt auch zweihändig schießen, wenn ihr das wollt. Euer Täschchen für alle Fälle kommt auch in so gut wie jedem Kapitel zum Einsatz, diese Details haben mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Die Grafik ist auf der PS4 Pro grandios, die Charaktere wirken glaubhaft und die Animationen sind einfach gut.

Damit nicht genug, auch die Soundkulisse ist überzeugend. Die deutschen Stimmen sind außerordentlich gut – ich hätte kein einziges Mal Lust gehabt, auf die englische Synchronisation zu wechseln. Immer wieder kommen kleine Überraschungen und Easter Eggs in Blood & Truth vor, von denen ich gar keine nennen möchte. Nur so viel: Wenn ihr Vergnügen dabei habt, mit irgendwelchen Dingen zu interagieren (so wie etwa im Vacation Simulator), werdet ihr viel Freude mit diesem PSVR-Spiel haben. Sie werden so gut ins Spiel eingebaut, dass ihr gar nicht drum herum könnt!

Noch mehr? Ja, noch mehr!

Wem Verfolgungsjagden, die tolle Story und die coolen Umgebungen in London nicht genügen, kann sich aber auch an anderen Modi versuchen. Beispielsweise könnt ihr unter dem Punkt „Freigeschaltete Inhalte“ im Hauptmenü Zeitangriffs-Herausforderungen in Angriff nehmen. Natürlich dürfen dann die Ranglisten für Vergleichszwecke nicht fehlen. Zusätzliche Herausforderungsmodi kommen im Verlauf des Spiels noch dazu – ihr habt noch nicht alles gesehen, wenn ihr rein die Kampagne von Blood&Truth gespielt habt. Habt ihr das Ende schon mal gesehen? Kein Problem.

Der Titel bietet euch weiters die Option eines „Neuen Spiel+“, wodurch ihr das Spiel erneut spielen könnt und von Anfang an über alle freigeschalteten Inhalte verfügt. In einem Game, das euch Sterne sammeln lässt, um Waffenupdates zu erspielen, ist das auch gar keine so üble Idee! Richtig gelesen: Eure Waffen lassen sich zwischen jeder Mission verändern. Schalldämpfer, Laservisier oder andere Boni gefällig? Gar kein Problem – wenn ihr zuvor die erforderliche Anzahl von Sternen gefunden und erspielt habt. Blood&Truth strotzt nur so vor Ideen und lädt SpielerInnen geradezu zum Erforschen ein. Gut gemacht!

Fazit zum Spiel: Pflichttermin für PSVR-Shooter-Fans

Sony und London Studio haben mit Blood & Truth so richtig geliefert. Das Tutorial ist einfach nur genial, daran darf sich der Mitbewerb gerne messen. Das Missionsdesign fühlt sich gleichzeitig abwechslungsreich, realistisch und modern an, und die zahlreichen Easter Eggs sind bloß noch eine Draufgabe. Ihr bekommt optisch und akustisch einiges vorgesetzt, und die Steuerung funktioniert genauso gut, wie ihr zielen und schießen könnt. Es gibt so gut wie keine Ladezeiten im Spiel beziehungsweise werden sie clever überbrückt – wie ein guter Actionfilm lässt euch Blood & Truth nicht mehr los.

Die Charaktere sind glaubhaft, die Storywendungen funktionieren und es macht richtig Spaß, die Geschichte rund um die Familie Marks zu erfahren. Die Kritikpunkte wie etwa kleine Hoppalas bei der Bewegung im Kampf oder lebensmüde auf euch zustürmende Gegner sind bei näherer Betrachtung kaum erwähnenswert. Die Atmosphäre in diesem PSVR-Spiel ist so stimmig, dass es nicht ins Gewicht fällt. Wenn ihr auf der Suche nach einem packenden, storylastigen Shooter für PSVR seid, gibt es an Blood & Truth absolut kein Vorbeikommen. Das ist das PSVR-Spiel des Jahres!

Wertung: 9.0 Pixel

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