Bayonetta 3 Test: Mit Bedacht verbessert

von David Kolb-Zgaga 04.11.2022

Acht Jahre mussten wir auf Platinums Bayonetta 3 warten und trotz matschiger Switch-Grafik hat es sich gelohnt.

Story?!?

Wer die Vorgänger kennt und mochte darf auch in Teil Drei mit dem gewohnt guten Action-Spektakel rechnen. Das zeigt sich schon bei der Story, die im Prinzip egal, aber so überdreht ist und immer wieder ein verrücktes Setpiece nach dem anderen hervor zaubert. Warum die Story egal ist fragt ihr? Himmel und Hölle wurden in den Vorgängern abgehakt, jetzt ist es Singularity, eine neue böse Macht, die das Multiversum mit einer Armee aus Homunkuli zerstören möchte. Konkreter soll jedes Multiversum (jede Parallelwelt) mit Bayonetta zerstört werden. Deshalb benötigt unsere Bayonetta fünf Chaosgetriebe aus fünf Parallelwelten (ich musste echt nochmal recherchieren, wie das Ding heißt, weil ich es unter MacGuffin abgespeichert hatte), mit denen sie dann die Welt retten kann. Auch wenn ihr die Vorgänger nicht gespielt habt, könnt ihr mit diesem Teil bedenkenlos einsteigen. Das einzige was ihr verpasst sind das Wiedersehen einiger lieb gewonnene Charaktere wie Rodin oder Jeanne.

Die Story dient dazu euch in verschiedene Gebiete zu schicken, wie z.B. das antike China oder das moderne Tokyo. Nicht nur die Orte sind besonders, auch die dortigen Szenerien wie die erste Szene im Spiel gut darstellt. Bayonetta fliegt als brennender Komet auf die Erde, New York wird von einer riesigen Monsterwelle überflutet und während die gesamte Stadt im Meer versinkt, liefern wir uns die ersten Kämpfe auf einem Kreuzfahrschiff, das auf der Welle entlang surft. Und das ist nur die erste Szene einer langen Actionachterbahn, hier heißt es Kopf aus, Adrenalin an und für mich funktioniert das ganz wunderbar.

Alle Regler auf 12

Einfach jeder Regler ist hier auf Maximum aufgedreht, besonders in den Zwischensequenzen. So slided Bayonetta zu Gitarrenriffs auf zwei toten Humunkuli in die nächste Gegnergruppe, schlägt dort Räder und Kugeln schießen dabei aus ihren High Heels, wo zwei ihrer vier Pistolen befestigt sind. Nicht mal eine halbe Minute später teilt sich die Welt durch einen Zauber mosaikartig auf und ein riesiger Dämonendrache kämpft gegen einen überdimensionierten Engel. Dabei werden auch immer wieder Close-Ups von Bayonettas Hinterteil gezeigt und ihr Kostüm wird gerne mal auf ein Minimum reduziert. Ich kann alle Menschen da draußen verstehen, denen das viel zu viel und zu over the top ist. Für mich ist die gesamte Inszenierung so überhaupt nicht ernst zu nehmen (und Platinum Games kokettiert sogar hin und wieder damit), sodass ich hier ganz oft darüber lachen muss und mich auf die nächste schräge Aktion freue. Wer also mit den ersten beiden Teilen schon nichts anfangen konnte, für den ist auch wenig überraschend Bayonetta 3 keine Empfehlung wert. Umgekehrt aber eben schon und neben der Inszenierung ist für mich das Kerngameplay das absolut stärkste Argument diesem Spiel eine Chance zu geben.

Das Kapmfsystem ist der Wahnsinn

Das Kampfsystem ist mit eines der Besten und gefällt mir persönlich besser als z.B. ein Devil May Cry. Mit 60 FPS reagiert die Steuerung schnell und präzise und lassen Bayonetta genau das tun, was ich möchte. Die Grundlagen sind ganz simpel, denn mit A- und X-Knopf geht die Hexe in den Nahkampf, mit Y wird geschossen. Damit lassen sich schon herrliche Komboketten generieren, aber das beste Feature ist und bleibt für mich die Hexenzeit, die aktiviert wird, wenn ihr perfekt mit ZR ausweicht. Weicht ihr aus, kurz bevor der gegnerische Angriff einschlägt, wird die Zeit verlangsamt und ich kann zum Gegenangriff ansetzen. Das ist zwar keine Neuerung, aber fühlt sich so gut und befriedigend wie eh und je an. Für Veteranen und Action-Fans bietet das Kampfsystem zudem sehr viel Tiefe und die elf Waffen spielen sich sehr unterschiedlich und wollen allesamt gemeistert werden. Nach jedem Kampf gibt es wie gewohnt ein Rating und die Jagd nach der Platintrophäe (viele Kombos, kein Schaden, kurze Kampfzeit) spornt zusätzlich an.

Riesige Beschwörungen

Apropos Waffen, hier gibt es natürlich Schwerter und Pistolen, aber auch einen riesigen Prügel der langsame, wuchtige Angriffe austeilt oder brennende Hexen Jojos die flink sind und viel Reichweite bieten. Ein ganz neues Feature sind die Dämonenbeschwörungen. So kann Bayonetta unter anderem den Drachen Gomorrah in den Kampf schicken und damit Feuer speien oder zubeißen. Das verbraucht Magie, die sich bald leert, nur langsam auflädt und während der Beschwörung ist Bayonetta komplett schutz- und wehrlos. Wird die Hexe getroffen, wird die Dämonenbeschwörungen sofort abgebrochen. Cool dabei ist auch hier wieder die Auswahl, denn von der Feuerspinne bis hin zum fahrenden Dämonenzug gibt es hier einiges auszuprobieren. Besonders cool ist, dass ihr am Ende einer Kombo, richtig getimed euren Dämonen für einen Finisher beschwören könnt.

Noch mehr Abwechslung

Damit aber nicht nur ausschließlich gekämpft wird, schickt euch das Spiel in Open-Schlauch Areale, wo es einiges zu entdecken gibt. Auf dem Weg gibt es Schatzkisten oder kleine Jump&Run Herausforderungen, die euch bestenfalls mit Gegenständen belohnen, die den Lebensbalken oder die Magieleiste vergrößern. Es gibt sogar wie in Doom spezielle Herausforderungen versteckt, wo Gegner z.B. nur während der Hexenzeit Schaden nehmen. Das ist ganz nett, aber es wird noch ein wenig kreativer.

Um richtig Abwechslung reinzubringen, gibt es 2D-Levels, wo ihr die Hexe Jeanne spielt und eure Stealth-Fähigkeiten unter Beweis stellen müsst. Es gibt aber auch Geschicklichkeitspassagen, wo ihr per Spinne oder Drache Fluchtsequenzen spielt. Die größte Neuerung dabei ist, dass ihr in manchen Kapitel die Hexe Viola übernehmt, die mit ihrem Dämonenkater Ceshire kämpft. Dieser Kater wird ebenso beschworen, kämpft aber automatisch mit und Viola teilt dann mit ihren Fäusten aus. Ansonsten verwendet sie ihr Katana, das ebenfalls ein eingenes Moveset hat und sogar blocken kann. Mit einem perfekten Block wird bei Viola die Hexenzeit aktiviert.

Meine alte Xbox 360 lässt grüßen

An sich ist daher viel geboten und mit einer Spielzeit von ca. 15 Stunden und hohem Wiederspielwert steigt der Umfang noch zusätzlich. Aber eins muss ich noch vehement kritisieren und das ist die Grafik. Bei den matschigen Texturen und dem Kantenflimmern fühle ich mich, als wäre ich wieder auf meiner alten Xbox 360 (darauf hab ich den ersten Teil gespielt). Klar, der dritte Teil sieht besser aus als seine Vorgänger, aber nicht wesentlich und man merkt einfach, dass die Switch nicht mehr leisten kann. Die Zwischensequenzen sind leider nur in 30 FPS und zum Glück, ist das Gameplay an sich in 60 FPS, mit ganz seltenen Einbrüchen in der Framerate.

Bayonetta 3 Fazit

Wer mit der überzogenen Art von Bayonetta klar kommt, Bock hat auf ein Actionfeuerwerk und über die grafischen Schwächen hinwegsehen kann, den erwartet mit Bayonetta 3 ein absoluter Genrehit. Das Kampfsystem ist so packend wie immer, die Dämonenbeschwörungen bringen dazu neue Würze ins Kampfgeschehen. Dazu gibt es einiges an Abwechslung und sogar die Mini-Erkundungen der Welten machen Spaß, weil alles gut dosiert und das Pacing zumeist wohl getimed ist. Außerdem ist kein Level wie der vorheriger, es gibt immer etwas Neues zu sehen. Technisch hätte ich mir mehr gewunschen, aber das Kampfsystem bzw. das Coregameplay sind für mich auch weiterhin der Grund, warum ich dranbleibe und warum Bayonetta 3 ein wirklich sehr gelungenes Spiel geworden ist.

Wertung: 8.6 Pixel

für Bayonetta 3 Test: Mit Bedacht verbessert von David Kolb-Zgaga

Hinweis

Wenn ihr Lust bekommen habt Bayonetta 3 selbst zu spielen, findet ihr hier unser Gewinnspiel dazu.

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