Astro C40 TR Review – Wer braucht den Luxus-Controller?

von Max Hohenwarter 14.01.2020

Mit dem Astro C40 TR steigt der gleichnamige Peripheriehersteller nun auch in das mittlerweile hart umkämpfte Feld der Elite-Controller ein. Doch warum solltet ihr 200 Euro für ein Gamepad bezahlen, bzw. solltet ihr das vielleicht gar nicht?!

Astro C40 TR – Was es wiegt, das hats?!

Jetzt stellt euch mal vor ihr habt gerade 200 Euro für einen Controller beim Händler eures Vertrauens liegen gelassen und dafür ein gut 1kg schweres edles Kartonschächtelchen bekommen, dann misst man diesem Gerät schon einiges an Wertigkeit bei – getreu dem Werbespruch der Edelmetallindustrie „Was es wiegt, das hats“.

Astro C40 TR - Bild vom Hersteller

Quelle: Astro Gaming

Bereits die Kartonverpackung des Astro C40 TR ist sehr hochwertig ausgefallen und bietet ein befriedigendes Gefühl beim Entpacken des neuen Luxusgamepads. Öffnet man die Schachtel verstärkt sich der Eindruck, man habe da etwas besonders Wertvolles erworben noch, da der Controller in einem robusten Carry Case daherkommt.

 

Astro C40 TR - Bild vom Hersteller

Quelle: Astro Gaming

In diesem Etui findet ihr neben dem USB-Dongle für den Wireless Betrieb ein langes Mikro-USB Ladekabel, ein Schraubendreher, der für den Pad-Umbau benötigt wird sowie insgesamt vier zusätzlicheThumbstick-Kappen. Letztere gibt es in zwei unterschiedlichen Oberflächenbeschaffenheiten. Eine nach oben gewölbte Form, die an den DualShock 3 Controller erinnert und eine mit Vertiefungen wie beim DualShock 4, sowie in zwei unterschiedlichen Höhen. Wieso aber die Höhere Variante des Thumbsticks nur in jeweils einer der Oberflächen-Arten beiliegt erschloss sich mir nicht so ganz.

Astro C40 TR – Verarbeitung und Features:

Der Controller greift sich definitiv sehr wertig an. Er ist in matt-schwarz gehalten und greift sich fast schon irgendwie samtig an. Sehr angenehm. An den Griffen ist das Pad gummiert, was ein Rutschen aus verschwitzten Händen schwieriger macht. Apropos ’verschwitzt’: Man möchte fast meinen, der Astro C40 TR soll während des Zockens eure Arme trainieren, denn das Teil bringt knapp 320g auf die Waage, also fast 33 Prozent mehr als der Standard-PS4-Controller. Ich persönlich finde das höhere Gewicht sehr angenehm, aber andere mag das auch stören.

Die Steuereinheiten, also Thumbsticks, Digitalsteuerkreuz, sowie die vier Buttons weisen eine robuste Verarbeitung auf und greifen sich gut an. Die Schultertasten, wie auch die zwei Backpaddles haben einen sehr angenehmen Druckpunkt und besonders letztere sind gut gelegen und gut erreichbar. Die Trigger bieten einen der angenehmsten und präzisesten Widerstände, die ich jemals an einem Gamepad ertasten durfte, sogar noch besser als die des XBox One Pads, das dahingehend für mich bis dato die Referenz bildete.

Astro C40 TR - Bild vom Hersteller

Quelle: Astro Gaming

Die roten Kippschalter, mit denen ihr beispielsweise die R2 und L2 Taste auf halbem Wege stoppt oder zwischen kabelgebundenem und Drahtlos-Modus, sowie die Profile wechselt sind aus Metall und tragen somit weiter zum hochwertigen Look-and-Feel des Astro C40 TR bei. Weitere Elemente wie das Touchpad oder der Options- und Share-Button sind für meinen Geschmack etwas zu tief in das Chassis versenkt. Versenkt ist ebenfalls der Micro.USB Port, an den ihr das Ladekabel anschließt, was einem Ausleiern des Ports vorbeugt. Da wurde mitgedacht – sehr löblich.

Astro C40 TR - Bild vom Hersteller

Quelle: Astro Gaming

Ein tolles Feature des Controllers, das ihn von den meisten Pro-Gamepad Mitbewerber abhebt ist die Variabilität. Mit dem mitgelieferten Werkzeug könnt ihr nämlich durch das lösen von insgesamt vier Schrauben eine Abdeckung entfernen. Habt ihr das erledigt, könnt ihr sowohl die Analogsticks, als auch das Digitalkreuz nach belieben tauschen. Ob ihr also ein klassisches PlayStation Layout mit parallelen Thumbsticks, eines, das an das Xbox Pad angelehnt ist oder eine ganz perverse Version in der der rechte Stick an die Stelle des Digipads und vice versa rückt sind theoretisch möglich. Am Anfang erwähnte ich ja auch, dass dem Astro C40 TR höhere Thumbsticks beiliegen. Mit einem sehr beherzten Ruck, der meines Erachtens etwas zu stark ausfallen muss, könnt ihr diese sehr simpel tauschen.

Astro C40 TR - Bild vom Hersteller

Quelle: Astro Gaming

Ein weiteres cooles Feature am Astro C40 TR ist die Hardware Remapping Taste. So könnt ihr auch ohne Software on-the-go die Paddles auf der Rückseite remappen. Einfach das gewünschte Rückenpedal mitsamt der Remapping Taste drücken und dann per Druck auf den entsprechenden anderen Button, diesen dem Paddle zuweisen.

Das Remapping könnt ihr aber wie bei den meisten anderen Pro-Pads in einer Software für Windows und Mac vornehmen. Die bietet außerdem auch Überblick über die Empfindlichkeit der Stick- und Triggerbewegungen mitsamt der Möglichkeit, diese dem eigenen Geschmack anzupassen, was dem Astro C40 TR nicht unbedingt zum Vorteil gereicht, aber dazu später mehr unter den Kritikpunkten. Ein letztes Schmankerl bietet der Pro-Controller aus dem Hause Astro übrigens noch, das ihn Vom Mitbewerb abhebt – er hat einen eingebauten Equalizer. So können Audiophile in der Software nach Belieben ihren eigenen EQ einstellen.

Astro C40 TR -Bild vom Hersteller

Quelle: Astro Gaming

Etwas over the top finde ich die vier Schrauben, die die Abdeckung der Sticks halten. Eine oder zwei hätten es da auch getan, denn so wird das wechseln des Stick-Layouts unnötig verkompliziert. Ansonsten verdienen die Features und die Verarbeitung des Astro C40 TR die Bestnote.

Astro C40 TR – Die Kritikpunkte:

Bisher liest sich mein Test ja so, als sei der Astro C40 TR DER perfekte Controller, aber es gibt natürlich auch einige Schattenseiten. Fangen wir einmal mit der Tatsache an, dass es sich bei diesem Luxus-Eingabegerät um ein von Sony lizensiertes Produkt für die PlayStation 4 handelt. Das bedeutet für mich, wenn ich dieses Ding im Laden stehen sehe, davon ausgehe, dass dieses Pad im Mindesten die haargenau selben Steuerungsmöglichkeiten hat, wie es ein Otto-Normal-DualShock 4 hat. Doch da komme ich gleich zu ersten Krux, die mich bei Inbetriebnahme schon an der Funktionstüchtigkeit des Astro C40 TR zweifeln ließ.

Ich packte den Controller aus und nach der ersten Verzückung, die mir die absolut hochwertige Verarbeitung und Ausstattung ins Gesicht zauberte folgte so dann die Ernüchterung. Ich steckte den USB Dongle in die PS4, und obwohl drückte auf den PlayStation Button auf dem Astro C40 TR. Nichts passierte, die PS4 schaltete sich nicht wie gewohnt ein. Ich vermutete, dass der Controller unter Umständen noch nicht mit dem Dongle gepairt sein könnte, drückte daraufhin den weißen Knopf am Empfänger und zeitgleich die Share- und die Options-Taste am Pad selbst. Ein Blinken verriet mir, dass das Pairing erfolgreich war.

Erneut PS-Button gedrückt, nichts! Ich überprüfte ob der Kippschalter auf Kabelmodus gestellt war – negativ. Der Wireless Modus war eingestellt. Angst stieg in mir auf und ich befürchtete das Schlimmste, den Tod meiner heiß geliebten PS4 Pro. Während ich mich schon seelisch auf die Beerdigung vorbereitete drückte ich den PS-Knopf auf dem Standard-PS4-Pad – Piiiep und die Konsole startete. Erleichterung machte sich in meinem Körper breit und dann kam ich dem Astro C40 auf die Schliche: trotz offizieller Sony-Lizenz lässt sich die Konsole mit dem Astro C40 TR nicht starten.

Die nächste Enttäuschung trotz Lizensierung kam sofort als nächstes: Registriert ihr einen DualShock4 mit eurem Spielerprofil erscheint normalerweise im oberen linken Eck ein Controller-Symbol mit Anzeige des Ladestands. Auch darauf müsst ihr bei Benutzung des Astro C40 TR verzichten. Nicht einmal der Controller selbst verrät euch den aktuellen Ladestand in Form einer RGB-LED oder ähnlichem.

Astro C40 TR - Bild vom Hersteller

Quelle: Astro Gaming

Verzeihung, aber das geht in dieser Preisklasse von 200 Euro einfach gar nicht. Stellt euch vor, ihr kauft euch einen Ferrari und der Schlüssel verfügt nicht über eine Funkverriegelung oder eine Tankuhr, die euch darüber informiert, wie weit ihr mit eurer Luxuskarre noch fahrt. Ihr würdet zum Händler gehen und ihn fragen, was das soll und mit vollem Recht Kompensation verlangen.

Woher wisst ihr denn aber nun, wie lange der Astro C40 TR Saft hat oder wie lange der Akku durchhält? Nunja: Der Controller piepst, wenn er gerne Strom hätte. „Geil!“, sagt ihr vielleicht jetzt und fragt euch: „Warum regt sich der Max eigentlich so auf? Reicht doch als Indikator.“ Das bejahe ich, aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht neugierig wäre und prüfen würde , wie lange der Controller noch einsatzbereit ist, sobald er Laut gibt. Antwort: gut eine Stunde im vollen Spielbetrieb. Das entspricht in ungefähr 15% der geschätzt vollen Akkulaufzeit. Was wissen wir im Generellen über Akkus? Laden wir sie zu früh, beeinträchtigt das in vielen Fällen die maximale Batterielaufzeit. Was versucht Astro also hier zu drehen? Ist das eine Art geplante Obsoleszenz, dass man also durch das zu frühzeitiges Aufladen auf kurz oder lang die ohnehin schon begrenzte Akkulaufzeit von knapp zehn Stunden noch weiter verringert?

Das Thema Zeit ist auch noch ein Kritikpunkt: Warum Astro den C40 TR jetzt noch releast, da die Next-Gen schon in den Startlöchern scharrt und in knapp einem Jahr schon auf den Markt kommt und die Konkurrenz den Bedarf an Pro-Controllern schon seit längerer Zeit bedient, erschließt sich mir nicht ganz. Das ist allerdings eine Berechnung, die die Analysten des Herstellers anstellen müssen, ob sich dieser späte Markteinstieg noch lohnt.

 

Astro C40 TR - Bild vom Hersteller

Quelle: Astro Gaming

Jetzt allerdings zu einem Kritikpunkt, der bei einem Luxus-Controller dieser Preisklasse sehr schwer wiegt. Wie erwähnt sieht man in der Software ja, wie empfindlich die Thumbsticks eingestellt sind und kann hier entsprechend feinjustieren. Auch, dass die Caps der Sticks mit etwas stärkerem Ziehen austauschbar sind, erwähnte ich. Dass bereits das einmalige Wechseln der Analogstickkappen dazu führt, dass der Astro C40 TR einen leichten Stickdrift hinlegt, ist bei einem Preis von 200 Euro alles andere als egal. Nachforschungen bei anderen Reviewern ergaben, dass auch diese oftmals das selbe Problem mit ihren Analogsticks hatten. Hier muss Astro dringend nachbessern, wenn sie weiterhin als Hersteller hochwertigster Gaming Accessoires gelten wollen.

Astro C40 TR Review-Fazit:

Der Astro C40 TR überzeugt, wie ausführlich dargelegt, mit sehr guter Verarbeitung und vielen Features, wie dem anpassbaren Layout, den feinjustierbaren Sticks und Triggern, den dank Hardware-Remapper on-the-go-programmierbaren Tasten auf der Rückseite und dem eingebauten anpassbaren EQ. Für Turnierspieler sind das allesamt wichtige Features, die in einem E-Sport-Match oder generell für ProfizockerInnen über Sieg und Niederlage entscheiden können. Dass die Sticks bereits nach einmaligem Umbau einen merklichen Drift aufweisen ist für die E-AthletInnen aber ein Manko, das besonders bei einem Preis von 200 Euro absolut schwer in der Magengrube liegt. Profis könnte zudem stören, dass der C40 TR nur über zwei programmierbare Buttons auf der Rückseite verfügt und nicht wie die meisten Controller des Mitbewerbs vier

Das bringt mich zu der Frage, ob der Astro C40 TR etwas für Otto-Normal-GamerIn ist?! Spoiler Alert: Das TR steht für Tournament Ready. Für mich war der Test des Astro C40 TR der erste hautnahe Kontakt mit einem Pro-Controller und daher war ich mit den Backpaddles sogar überfordert und schaltete sie in meinen Zock-Sessions bald aus, da ungewollte Aktionen oftmals zu einem Bildschirmtod führten. Außer der Tatsache, dass ich ein sehr hochwertiges Eingabegerät ab sofort mein Eigen nennen kann, werde ich als Non-Profi also keine Vorteile vom Astro C40 TR haben, eher sogar Nachteile, denn ich kann damit ja noch nicht einmal meine PS4 einschalten 🙁

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