Arizona Sunshine (PSVR) im Test: Nachladen, bitte!

von Mandi 27.06.2017

Im heißen Arizona seid ihr auf euch alleine gestellt. Arizona Sunshine wirft euch in die gnadenlose Welt der Zombies – es gilt, zu überleben! Ob sich der Ausflug ins Zombieland lohnt, lest ihr im Review. Hier geht es zur offiziellen Website des Spiels!

Generischer Einstieg in die Apokalypse

Im Hauptmenü, das äußerst kreativ aufgebaut ist, geht die Geschichte zunächst mal los. Ihr habt einen alten Kassettenrecorder vor euch liegen, und ihr könnt die Kassetten “Hordenmodus”, “Kampagne” und “Einstellungen” einlegen. Danach gilt es, mit der dort liegenden Pistole auf den Projektor und dessen Menüpunkte zu feuern.

Dieses Hauptmenü fungiert auch gleichzeitig als Tutorial für die Steuerung in Arizona Sunshine. Es ist nicht geführt, das heißt, ihr werdet zunächst kommentarlos in den Raum gestellt. Dass ihr euren Charakter mittels der Quadrat- und Dreieck-Taste drehen könnt, müsst ihr allerdings selbst herausfinden. Die Bewegung mittels X-Taste zeigt euch das Game – irgendwie dürfte da noch etwas nicht ausgegoren sein.

Das Rätselraten geht aber munter weiter, sobald ihr die Kampagne startet. Wie heißt der Held, was ist in Arizona Sunshine passiert, was ist die nächste Aufgabe? Stattdessen spricht der Hauptcharakter von Freds, womit er wohl die Zombies meint. (Als Manfred kann ich persönlich nicht darüber lachen.) Ihr kämpft euch also durch die Straßen von Arizona, ohne genau zu wissen, warum.

Eure Steuerungsoptionen: Nur im Hauptmenü

Arizona Sunshine schafft es also am wichtigsten Punkt eines Games weder, die Storyline einzufädeln noch eine Bindung zu euch als SpielerIn aufzubauen. Nachdem ihr den ersten Zombies die Köpfe weggeblasen habt, scheint langsam Schwung in die Sache zu kommen. Das heißt, so viel Schwung, wie das Game euch erlaubt.

Standardmäßig teleportiert ihr euch nämlich mit der X-Taste an den Ort, an den ihr mit dem Move-Controller hinzeigt. Das sorgt für ein sehr statisches Spielerlebnis, vor allem in Verbindung mit der Grundeinstellung beim Drehen. Ihr dreht euch mittels Quadrat- oder Dreieck-Taste am Move-Controller um 45 Grad, was ebenfalls wie ein Teleport aussieht. Der Vorteil daran? Euch wird auf keinen Fall schlecht beim Spielen.

Die Alternative wäre anstatt des Teleports eine kontinuerliche Bewegung, wenn ihr die X-Taste gedrückt haltet. Das funktioniert wunderbar, bei der kontinuierlichen Drehung hingegen kann sich auch geübteren SpielerInnen der Magen bemerkbar machen. Das Fiese hingegen ist: Ihr könnt diese Einstellung nur im Hauptmenü außerhalb des Gameplays vornehmen. Es wäre also empfehlenswert, erst nach einem Checkpoint Änderungen in Erwägung zu ziehen.

Da tut sich was in Arizona

Sobald ihr euch mit dem Feintuning beschäftigt habt, macht ihr euch auf den Weg von eurem hellen Versteck auf eine Reise. Warum das alte Versteck plötzlich nicht mehr reicht, wisst ihr nicht. Ihr wisst nur, dass ihr gehen müsst, und so erlebt ihr den wohl täglichen Ablauf im Leben des Helden. Rausgehen, Zombies erschießen, am Leben bleiben. Oh, und eure erste Aufgabe ist, jemanden zu finden, der versucht, über das Radio zu kommunizieren. Das ist doch mal was?

Im Prinzip ist Arizona Sunshine wie ein Zombie-Horden-Simulator zu betrachten. Ihr geht ein paar Schritte und müsst eine festgelegte Anzahl an Zombies niedermähen. Der Held schleudert euch ein paar mehr oder weniger markige Sprüche entgegen, und das Rad dreht sich von vorne. Weitergehen, ballern, Spruch erdulden. Zwischendrin gibt es auch Sehenswürdigkeiten, die der Held beim Ansehen kommentiert.

Die Rätsel in Arizona Sunshine beschränken sich großteils auf das Finden von Schlüsseln und anderen ähnlichen Mechanismen. Das ist aber klar, da das Spiel von Anfang an wenig intellektuellen Tiefgang bietet. In diesem VR-Game geht es darum, eine möglichst ruhige Zielhand zu bewahren und in der Schlacht gegen die Zombies immer als siegreich hervorzugehen. Habt ihr gute Reflexe und ein geübtes Auge, sollte dies kein großes Problem darstellen.

Kreative Ideen und gute Ansätze

Der Beginn des Spiels läuft in sehr hellen Wüstengebieten ab. Das heißt, die Überraschungsmomente in Arizona Sunshine sind anfangs sehr rar gesät. Seid ihr also eher schreckhaft, aber dennoch ein Zombie-Fan, wäre dies ein idealer Einstiegstitel für euch! Nur manchmal versteckt sich einer der Widersacher hinter einer Säule oder einem Auto, um dann galant darüberzuspringen. Kleiner Hinweis am Rande: Selbst, wenn die Feinde euch zu nahe kommen und angreifen, wird das Spiel nicht grausig.

Sie schlagen einfach aus einer sicheren Distanz auf euch ein, bis der Bildschirm eine andere Farbe annimmt. Manche der Zombies sind schneller darin, auf euch zuzustolpern als andere. Ein bisschen Strategie ist also von Vorteil, wenn sich plötzlich acht oder mehr lebende Tote auf euch zubewegen. Da es im Game ums Überleben geht, liegt es auf der Hand, dass ihr euch stets um Munition umsehen müsst. Das Gute daran ist, dass es eigentlich überall Kugeln für eure Pistolen gibt. Vorausgesetzt, ihr nehmt euch die Zeit zum Suchen.

Ein Mini-Menü befindet sich auf der Uhr an eurem linken Handgelenk. Leider wird es nur dazu genutzt, euch das Spiel beenden zu lassen. Da wäre viel mehr drin gewesen! Auch, dass ihr durch das simple Betrachten gewisser Denkmale einen Kommentar vom Helden erzeugen könnt, ist eine klasse Sache. Schade nur, dass es meist so uninteressant ist und wenig zur Story beiträgt, was er sagt. Das bringt uns zum nächsten Thema…

Viele kleine Eigenheiten

Gleich vorweg: Die englische Stimme in Arizona Sunshine ist viel, viel besser als die deutsche. Ich weiß nicht, wie es euch ergehen mag, aber die deutsche Synchro des Helden hat in mir ein durchgehendes Augenrollen ausgelöst. Die hakelige Steuerung lernt ihr im Hauptmenü kennen, und sie verändert sich im Laufe des Spiels kaum. Viel zu oft müsst ihr euch mit der Interaktion mit Türen und sammelbaren Objekten ärgern, da das Spiel euren Befehl gern missinterpretiert.

Dementsprechend gestaltet sich das Standard-Prozedere “öffne Autotür, stecke Munition in den Gürtel, schließe Autotür” sehr mühselig. Habt ihr euch an die Steuerung gewöhnt, ist da noch immer die Grafik. Während alles grundsätzlich ordentlich aussieht, wird es schon sehr fragwürdig, wenn ihr euch das Innenleben eines Autos anseht oder näher an Objekte herangeht. Die Texturen sind teils matschig und man hofft, dass diese in einem Update nachgebessert werden.

Oft stehen die Zombies in euch drinnen (auch Türen neigen dazu). Das führt zu komischen Clippingfehlern und eure Schüsse gehen ins Nichts. Dass dann bei manchen Passagen eine nicht enden wollende Anzahl an Zombies auf euch zukommt, lässt das Game gern schon mal repetitiv wirken. Checkpoints sind teils rar gesät, sterbt ihr also, müsst ihr die gleiche Passage erneut in Angriff nehmen. Darüber hinaus darf dann im weiteren Verlauf des Spiels (nachdem der Beginn so schön sonnig ist) ein Level nicht fehlen, in dem ihr kaum etwas seht. Gemeinsam mit den bereits beschriebenen Schwächen des Titels wird es hier dann auch schon mal richtiggehend frustig.

Move-Controller versus Dualshock-Controller

Arizona Sunshine bietet euch drei Modi, namentlich den Kampagnenmodus, den Zweihändigen Modus und den Hordenmodus. Der Kampagnenmodus als auch der Zweihändige Modus unterscheiden sich im Grunde nicht. Der reguläre Modus ist für die SpielerInnen gedacht, die mit zwei Move-Controllern ausgestattet sind und somit auch mit zwei Waffen gleichzeitig hantieren können. Da aber nicht alle PS4-BesitzerInnen auch Move-Controller ihr Eigen nennen, gibt es eine Zwischenlösung.

Der Zweihändige Modus bietet euch nämlich ein Schießgewehr, das ihr mit beiden Händen steuert. Somit zielt ihr mit dem Dualshock-Controller und feuert mit der R2-Taste, während ihr mit der R1-Taste Munition und andere Dinge aufsammelt. Nach ein bisschen Eingewöhnungszeit funktioniert das auch ganz ordentlich, allerdings ist die Steuerung und vor allem das Gameplay in stressigeren Phasen schon auf die beiden Move-Controller ausgelegt. Das Zielen funktioniert mit Move einfach besser.

Der Hordenmodus hingegen hat nichts mit der herkömmlichen Story zu tun, sondern bietet euch mehr vom feinen Stoff. Will heißen, ihr werdet einfach in ein räumlich sehr begrenztes Areal gesteckt und es gilt, so lange wie möglich zu überleben. Habt ihr allerdings ein paar Treffer eingesteckt, ist der Spaß rasch vorbei. Die überlebten Wellen und eure Treffergenauigkeit könnt ihr dann auf einem weltweiten Leaderboard miteinander vergleichen. Werdet ihr hier zur absoluten Legende mutieren?

Arizona Sunshine: Uninspirierter Shooter

Ein Zombiespiel hat in meinen Augen ein paar Punkte abzuhaken, bevor es als gutes Game bewertet werden kann. Eine Geschichte (siehe The Last of Us oder The Walking Dead) helfen ungemein, uns SpielerInnen zu motivieren. Wertvolle Begegnungen mit anderen können sich ebenfalls tief ins Gedächtnis graben. Und selbst, wenn all diese Punkte nicht erfüllt werden, könnte man noch mit gutem Design und tollen Zombies punkten, um den Gruselfaktor zu erfüllen.

Arizona Sunshine schafft es irgendwie, in jedem dieser Punkte nicht wirklich aufzufallen. Die Geschichte ist am Beginn kaum existent und vermag es so nicht, SpielerInnen längerfristig zu motivieren. Die Begegnungen mit Zombies glänzen durch Quantität denn durch Qualität und sind somit auch ebenso schnell aus dem Hirn verschwunden, wie sie gekommen waren. Und die Zombies sehen zwar abwechslungsreich aus (Anzüge! Bikinis! Fast komplett zerstörte Kleidung!), verhalten sich aber immer gleich.

Für EinsteigerInnen ins Genre ist Arizona Sunshine am ehesten geeignet. Allerdings wird diesen die Steuerung mit den Move-Controllern zum Verhängnis werden. In den ersten Spielstunden gibt es kaum Überraschungsmomente, und selbst diese spielen sich im hellen Sonnenlicht ab. Mit den richtigen Einstellungen könnt ihr Arizona Sunshine auch lange spielen, da euch dank Teleports nicht übel wird. Unter dem Strich jedoch sei Probespielen empfohlen, da der Titel bestenfalls nur im Durchschnitt landet.

Wertung: 6 Pixel

für Arizona Sunshine (PSVR) im Test: Nachladen, bitte!