Apple AirPods Pro (2. Generation, 2022) Test: Kompromisslos, aber teuer

von Mandi 22.01.2023

Was können Ohrhörer, die sich selbst als Pro bezeichnen? Lest mehr im Review zu den Apple AirPods Pro, was euch da erwartet!

Apple selbst findet auf der offiziellen Website des Produkts natürlich nur lobende Worte für die 2. Generation der AirPods Pro. In aller Kürze werden bessere Audioqualität, stärkere Geräuschunterdrückung, 3D Audio, Touch-Steuerung und ein Sprung bei der Akkulaufzeit versprochen. Dies sind alles Punkte, die das Erlebnis mit kabellosen Ohrhörern direkt betreffen und somit auch ordentlich Relevanz haben. In meinem Testbericht werde ich mich mit all diesen Punkten und mehr befassen – sind die Apple AirPods Pro tatsächlich ihr Geld wert?

Über die Apple AirPods Pro

Die Geräte kommen in Apple-typischem Weiß und haben die selbe Form wie eh und je. Doch im Inneren hat sich einiges getan, und den Start macht der neue H2-Chip aus dem Hause Apple. Er soll rechenbasierte Algorithmen in Echtzeit laufen lassen, was für intelligente Geräuschunterdrückung, den 3D Sound-Effekt und erhöhte Batterieeffizienz sorgt. Damit auch eure Stimme bei Anrufen natürlich klingt, gibt es ein überarbeitetes nach innen gerichtetes Mikrofon. Apple wirbt mit einer „bis zu zwei Mal besseren Geräuschunterdrückung“ als beim Vorgänger, und dazu gibt es auch eine optimierte Belüftung auf der Rückseite der Earbuds. 

Für eine optimale Passform liefert Apple hier vier Paar Silikonaufsätze (XS, S, M und L) mit. Diese sind für das akustische Siegel in eurem Hörkanal verantwortlich und sorgen nebenbei für einen sicheren Sitz, der auch bei Workouts nicht locker lässt. Zudem bieten die AirPods Pro (2022) eine Touch-Steuerung, wo ihr durch Wischen die Lautstärke ändern könnt und durch Kneifen andere Dinge steuern dürft. Zu guter Letzt hat das Ladecase ein starkes Update bekommen, so kann es nun mit MagSafe, einem Apple Watch-Ladegerät, einem Qi-zertifizierten Ladepad oder dem Lightning-Anschluss aufgeladen werden. Und es besitzt einen U1-Chip zum Wiederfinden sowie einen starken Lautsprecher, der im Bedarfsfall Feedback-Töne und einen lauten Such-Ton von sich geben kann.

Der erste Eindruck

Wie man es schon fast von Apple-Geräten gewöhnt ist, präsentiert sich die Verpackung als äußerst minimalistisch. Nach dem Anheben der Schachtel habt ihr schon das Ladecase mitsamt den AirPods Pro in der Hand, und mit dem nächsten Griff könnt ihr schon die Silikon-Aufsätze durchprobieren. In Verbindung mit einem iPhone SE/iPhone 6s oder aktueller führt euch iOS ganz leicht durch den Konfigurationsprozess, und Minuten später habt ihr bereits alles eingerichtet. In euren Einstellungen gibt es nach der Kopplung einen eigenen Menüpunkt, in dem ihr die Geräuschunterdrückungs-Modi, die Steuerungsoptionen, den Passtest für die Aufsätze, 3D-Audio und mehr nutzen und einstellen könnt. Viel einfacher geht es nicht, hier gibt es die volle Punktzahl!

Wie bei allen In-Ear-Produkten gilt auch hier: Nutzt unbedingt den Passtest, um zu erfahren, ob die von euch gewählten Silikonaufsätze den Test bestehen. Nur, weil sie sich angenehm anfühlen, sagt das nichts über die Endqualität beim Hören aus, und umgekehrt – in meinem Fall passt die S-Größe perfekt. Ein Update auf die im Jänner 2023 aktuellste Firmware-Version 5B58 (51.11.1) war ebenfalls rasch erledigt, und danach waren die Apple AirPods Pro schon bereit für ihren Einsatz. Diese Earbuds sind übrigens nicht nur für das iPhone nutzbar, sondern auch für sämtliche Macs seit 2012 und sonstige Apple-Produkte seit 2015 (Apple Watch, iPads und Apple TV-Geräte). Also legen wir endlich los mit dem Testbericht – wie schlagen sich diese Ohrhörer in der Praxis?

Der Sound der Apple AirPods Pro

Also, ein Gefühl von „So klingt also Luxus“ hat sich nicht auf Anhieb eingestellt, so fair muss man sein. Ja, der Bass untermalt das Geschehen ordentlich, ohne die Aufmerksamkeit an sich zu reißen, und alle Hoch- und Mitteltöne sind im gewünschten Ausmaß vorhanden. Egal, ob ihr nun Chiptunes hört, ein YouTube-Video oder einen Podcast genießt, basslastige Games spielt oder einfach nur die Geräuschunterdrückung ausprobiert, die Apple AirPods Pro tun das mit einer gewissen Dezentheit. Das Gebotene funktioniert samt und sonders extrem gut, und die Steuerung (sei es Lautstärke oder das Wechseln zwischen den Geräuschkontrolle-Modi) lässt absolut nichts zu wünschen übrig.

Dann war da noch 3D-Audio: Ein Gimmick, nicht wahr? Sehr skeptisch hörte ich mich zunächst ohne diese Option durch meine Mediathek. Dann schaltete ich die Funktion ein, und irgendwie änderte sich nicht viel? Drei, vier Titel hörte ich ein paar Sekunden lang, schaltete sie weiter, und hörte in einen fünften, sechsten Song rein. Nichts. Ich schüttelte den Kopf, frustriert – und das war genau der Moment, wo mir der sprichwörtliche Knopf aufging. Während die Instrumente genau links und rechts von mir positioniert waren, hörte es sich an, als würde die Sängerin vor mir stehen. Als ich begriff, worauf ich zu hören hatte, konnte ich es kaum glauben. Seitdem ist die Option 3D Audio bei mir durchgehend aktiviert und man hört es direkt, wenn ein Titel „nur“ in Stereo wiedergegeben wird. 

Die Apple AirPods Pro in der Praxis

Das klingt übertrieben, meint ihr? Nun, das ist das Irre bei den Apple AirPods Pro. Zunächst liest man die Beschreibung einer Funktion, nimmt es kopfschüttelnd zur Kenntnis, und plötzlich wird ebendiese zur Gewohnheit. Denn auch die Geräuschunterdrückung kannte ich bislang nur als bestenfalls durchschnittlichen Versuch, die Umwelt etwas leiser zu machen. Mit diesen Geräten hörte ich im Büro zum ersten Mal nichts – keine Gespräche, die vier Meter von mir stattfanden, keine Telefonate des Vertriebsmitarbeiters, der wie üblich laut seine Floskeln von sich gab. Ungläubig aktivierte ich daraufhin den Adaptiven Transparenz-Modus, und das offenbarte gleich die nächste interessante Begebenheit. Der Ton wird damit verändert, sodass ihr Höhen noch besser hört als ohne die Earbuds.

Dazu kommt, dass extrem laute Geräusche wie Baustellenlärm, Hupen oder dergleichen in diesem Transparenzmodus heruntergeregelt werden. Sie sind noch immer sehr gut hörbar, weil laut, aber eben nicht bedrohlich – sehr fein, wenn man seine Hörfähigkeit schützen möchte! Die gute Audioqualität der Apple AirPods Pro ist einfach jederzeit bemerkbar, vor allem dann, wenn ihr zusätzlich Transparenz oder Geräuschunterdrückung aktiviert. Da versinkt ihr förmlich in Musikstücken, die in den passenden Formaten wie Dolby Atmos daherkommt – unglaublich. Das Beste daran? Es gibt auch keine Latenz: Bei anderen Produkten müsst ihr euch zwischen Hi-Res Audio und Latenzfreiheit entscheiden, und diese Earbuds bieten einfach beides zugleich. Als ob es das Einfachste auf der Welt wäre.

Perfekt für den Alltag

Hat man sich also erst einmal zum Kauf durchgerungen (299,- Euro sind ja wahrlich kein Pappenstiel), so neigt man dann dazu, die Apple AirPods Pro ständig zu tragen. Das muss sich ja auszahlen, nicht wahr? Mich persönlich beeindruckt, wie lebensecht die Adaptive Transparenz bei diesen Ohrhörern klingt. Nicht nur das, ich habe auch teils das Gefühl, dass ich mit diesem Modus besser höre als ganz ohne Earbuds, und das hätte ich vor diesem Review echt nicht erwartet. Gleichzeitig nimmt mir der Modus meine größte Sorge, und zwar, dass ich mit den Earbuds in den Ohren irgendetwas rund um mich verpassen würde. Nein, mit der Adaptiven Transparenz hört ihr tatsächlich alles, was rundherum passiert, und ihr seid gleichzeitig vor lauten Geräuschen geschützt.

Das bietet sich auch während einer Autofahrt an, und das hat sich im Test bestens bewährt. Laute Hupen und dergleichen gehören der Vergangenheit an, und wer auf der Autobahn gegen die eintönige Dauerbeschallung ankämpfen möchte, kann ja Musik dazuschalten. Schaltet ihr vom Transparenz-Modus zur reinen Geräuschunterdrückung, leisten die Apple AirPods Pro hervorragende Arbeit, das Geräusch der Straße und von Autos auszublenden. Allerdings ist das nicht gerade etwas, was ich Autofahrer:innen empfehlen würde – denn da könntet ihr definitiv etwas überhören, so gut funktioniert das Feature. Die Akkulaufzeit der Buds beträgt in jedem Nutzungsfall zwischen fünf und sechs Stunden, und das Ladecase kann die Ohrhörer bis zu fünf Mal komplett neu laden. Das ist schwer in Ordnung, finde ich!

Was es noch zu sagen gibt

Ihr seht schon: Es ist ordentlich was los im Falle der Apple AirPods Pro. Sie bieten einfach Komfort auf jedem Level, und egal, was sie auch leisten, sie tun es mit höchster Qualität. Neben dem 3D Audio-Feature, das man hören muss, um die Genialität zu verstehen, ist auch die Adaptive Transparenz etwas, das man erst nach dem Ausprobieren so richtig wertschätzen kann. Die Steuerung der Earbuds ist ideal gelungen, der Mix zwischen Streichen und Kneifen geht schnell in Fleisch und Blut über und funktioniert auch während Workouts optimal. Apropos Training: Sowohl die Ohrhörer als auch das MagSafe Ladecase sind nach IPX4 vor Wasser und Schweiß spritzwassergeschützt – ihr müsst euch also keine Sorgen machen, hier irgendetwas kaputtzumachen.

Doch Apple wäre nicht Apple, wenn sie nicht noch einen Schritt weitergehen würden. So bietet euch das Produkt die Audiofreigabe an, das euch Songs oder Shows leicht mit einem zweiten Paar AirPods verbinden lässt. Nahtloses Wechseln zwischen den Geräten ist ebenso dabei wie ein ständig aktiviertes „Hey Siri“-Feature, und Mitteilungen können von Siri vorgelesen werden, wenn ihr sie bekommt. Barrierefreiheit-Funktionen wie Konversationsverstärkung helfen dabei, Stimmen einfacher zu verstehen und können so manches Hörgerät so gut wie ersetzen. Nicht nur das, auch entfernte Klangquellen können in einem vollen Hörsaal mit „Live Mithören“ und eurem iPhone ganz leicht zu euch gebracht werden. Die Vielfalt an Optionen ist nahezu erschlagend, so gut sind diese Ohrhörer!

Apple AirPods Pro: Die Technik

Das Datenblatt der Apple AirPods Pro ist so dicht befüllt, dass es an dieser Stelle nur einen groben Überblick gibt. Die Kopfhörer bieten einen speziellen Tieftöner sowie einen Verstärker mit großem Dynamikbereich, Belüftung für Druckausgleich, zwei Beamforming-Mikrofone, ein nach innen gerichtetes Mikrofon und diverse Sensoren. Für den Klang verantwortlich zeichnet der Apple H2 Kopfhörer-Chip, und im Ladecase ist ein Apple U1-Chip zur besseren Findbarkeit via „Wo ist?“-App verbaut. Um diese bestmöglich zu nutzen, braucht ihr dazu ein iPhone 11 oder neuer (ausgenommen die iPhone SE-Reihe). 

Die Akkulaufzeit der Ohrhörer wird mit bis zu sechs Stunden Wiedergabe angegeben, und insgesamt sollen durch Ladungen mittels MagSafe-Ladecase bis zu 30 Stunden Wiedergabe möglich sein. Sowohl die Kopfhörer als auch das Ladecase sind nach IPX4-Standard vor Spritzwasser und Schweiß geschützt. Als Verbindungsprotokoll kommt Bluetooth 5.3 zum Einsatz, das der aktuellste Standard dieser Technologie ist. Die Abmessungen eines einzelnen Ohrhörers betragen 30,9 x 21,8 x 24 mm bei einem Gewicht von 5,3 Gramm, und das Ladecase kommt auf 60,6 x 45,2 x 21,7 mm bei einem Gewicht von 50,8 Gramm. Kommen wir nun zum Abschluss dieses Reviews!

Sehr hoher Preis für sehr hohe Leistung

Dieser Testbericht der Apple AirPods Pro heißt nicht umsonst „Kompromisslos, aber teuer“. Denn genau unter diesem Motto steht dieses Produkt, und hier gibt es einen Kurzüberblick über das Gebotene. Ihr müsst euch mit diesen Ohrhörern nicht zwischen Latenzfreiheit, guter Soundqualität bis hin zum 3D Audio und starker Laufzeit entscheiden. Diese Earbuds bieten euch einfach alles zur gleichen Zeit, und das stellt die Konkurrenzprodukte recht eindrucksvoll in den Schatten. Wo andere immer Kompromisse schließen müssen und euch zwischen verschiedenen Modi wie Niedriglatenz oder Hi-Res Audio hin und her jagen, kriegt Apple es irgendwie hin, alles zugleich zu servieren. Dazu kommt eine Vielzahl von Bedienungshilfen für Leute mit Einschränkungen, es wurde an alles gedacht.

Das ist echt wild und hört auch beim High-Tech-Ladecase nicht auf. Dieses hat wohl mehr Technik integriert als so manch andere Konkurrenz-Earbuds, und den einzigen Makel, den ich finde, ist, dass das Hochglanz-Case im Alltag sehr schnell kleinere Kratzer und Schäden davonträgt. Das ist aber auch wirklich der einzige Kritikpunkt, den ich irgendwie bei den Apple AirPods Pro bekritteln könnte. Der ganzen Lobhudelei gegenübergestellt ist aber nun mal der leider schwer gesalzene Preis von 299,- Euro. Wie so oft im Apple-Universum heißt es auch hier: Wenn ihr das beste Gesamtprodukt haben wollt, könnt ihr hier bedenkenlos zugreifen. Aber im Falle des nicht minder wichtigen Preis-Leistungs-Verhältnisses ist es nicht ganz so eindeutig, weswegen meine Wertung wie folgt ausfällt:

Wertung: 9.0 Pixel

für Apple AirPods Pro (2. Generation, 2022) Test: Kompromisslos, aber teuer von Mandi
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