AnkerMake M5C Test: Der ideale 3D-Drucker zum Einstieg

von Mandi 30.11.2023

Nichts birgt so viel Potenzial für Bastler:innen wie ein 3D-Drucker. Daher haben wir den AnkerMake M5C getestet – lest hier mehr!

Über den AnkerMake M5C

AnkerMake selbst positioniert seinen M5C 3D-Drucker auf der offiziellen Website als ein Gerät für Einsteiger:innen. Doch das bedeutet nicht, dass dieses Gerät deswegen den anderen irgendwie unterlegen sein soll, absolut nicht. Denn mit einer Geschwindigkeit von bis zu 500 mm/s, einem Extrusionsfluss von bis zu 35 Kubikmillimetern und einer Präzision auf 50 μm könnt ihr hier je nach Modus eine Vielzahl von Ideen umsetzen. Damit auch das Material mitspielt, unterstützt dieses Produkt Drucke bei einer Verwendungstemperatur von bis zu 300℃ – das öffnet euch schon so einige Türen. An der Ausstattung mangelt es dann jedenfalls nicht, so viel ist klar! Der 3D-Druck ist zwar eine coole Sache, aber gleichzeitig eine immense Hürde für all jene, die mit dem Thema noch nie zu tun hatten.

AnkerMake setzt genau hier an und hat dem Gerät genau eine große Taste (passend „One Click“ getauft) spendiert. Sie ist wie so vieles Andere auch über die AnkerMake-App für iOS und Android anpassbar, und diese ist auch Pflicht bei der Einrichtung des M5C-3D-Druckers. Das macht schon gehörig Sinn, denn so stellt der Hersteller sicher, dass ihr vor der ersten Verwendung auch eine automatische Erstkonfiguration macht. Damit nicht genug, es gibt für jeden Schritt eine Anleitung respektive ein Anleitungsvideo, und es gibt eigentlich kein besseres Onboarding, das euch so naht- und mühelos an das doch komplexe Thema des 3D-Drucks heranführt. Dementsprechend gestaltet sich da auch das Auspackerlebnis sowie der Aufbau des Gerätes. Hier ein Video vom Hersteller selbst:

Rasch aufgebaut und einsatzbereit

Der AnkerMake M5C wird in zwei Teilen zu euch geliefert, das eine Teil ist die gesamte Unterkonstruktion und das andere Teil ist die bewegliche Extruder-Einheit. Sie wird einfach auf die Unterkonstruktion gesteckt und danach mit den mitgelieferten Schrauben befestigt. Danach gilt es nur noch, die Schläuche zu verbinden und das Material – in unserem Fall PLA+ Filament von AnkerMake – oben anzubringen. Gleich vorweg: Dieser 3D-Drucker kann mit einer Vielzahl von Materialien umgehen, darunter eben besagtes PLA und PLA+, aber auch PET/PETG, ABS, TPU, PA, PLA-CF, PETG-CF und PA-CF. Habt ihr dann alles aufgebaut und miteinander verbunden – eine Sache von maximal 15 Minuten -, so seid ihr dann schon fast bereit. Ihr benötigt dann nur noch die AnkerMake-App (für iOS und Android erhältlich), damit ihr die Konfiguration fertigstellen könnt.

Nach der Verbindung mit eurem 3D-Drucker dürft ihr dann ganz reibungslos die Firmware auf den neuesten Stand bringen, in einer Galerie der vorgeschlagenen Modelle herumstöbern und die Funktionsweise des einzigen Knopfs am Gerät selbst bestimmen. Diese Konfiguration gilt nämlich für “vor dem Druck” und “während des Drucks”, und es gibt drei verschiedene Funktionen: Klick, Doppelklick und langer Druck. So dürft ihr beispielsweise einstellen, dass ein Klick vor dem Druck einfach die zuletzt gedruckte Datei erneut ausdruckt – perfekt, wenn ihr eine Vielzahl von den gleichen Minis für die nächste D&D-Runde braucht. Aber auch eine Ausrichtung oder die Druckbett-Nivellierung können auf Wunsch auf die Taste gelegt werden – das dürft ihr so einstellen, wie ihr es für richtig erachtet. Das alles und mehr macht ihr mit der Smartphone-App, deswegen widmen wir uns ihr sogleich.

Über die AnkerMake-App

Die AnkerMake-App ermöglicht es euch, auch mehrere Geräte gleichzeitig zu verwalten. Das entspricht zwar nicht der Regel – aber hey, wer das nötige Kleingeld hat, warum nicht? Dort könnt ihr jederzeit den Status eures eingeschalteten Geräts überwachen, natürlich auch außerhalb des eigenen WLANs. Dinge wie die Temperaturen der Düse oder des Heizbetts, ein manuelles Einziehen oder Extrudieren des Filaments, die Veränderung des Z-Offsets (also der Höhe) und manuelle Bewegungen sind hier jederzeit möglich. Euch wird auch der Status des Geräts angezeigt, ist es offline, oder eingeschaltet, befindet es sich im Leerlauf oder ist es gerade am Drucken? Zudem lässt sich hier auch ein Auto-Leveling des AnkerMake M5C starten, das vor der ersten Verwendung notwendig ist. Ebenso sind Wartungsfunktionen zu finden, wie die Düsenreinigung oder der Düsenersatz.

Geht es an den 3D-Druck, so dürft ihr dank „Schnelle Temperaturregelung“ vorheizen. Bis zu 300°C bei der Düse und bis zu 100°C beim Heizbett (das verlangt etwa das PA-Material) sind möglich, und es gibt Voreinstellungen für die unterstützten PLA/PLA+, ABS, PETG, TPU und PA-Materialien. Zudem könnt ihr im Reiter „Entdecken“ beliebte Modelle durchstöbern, aber auch den Shop von AnkerMake besuchen, etwa um Filament nachzukaufen. Natürlich könnt ihr auch Grundeinstellungen des AnkerMake M5C ändern, darunter etwa die WLAN-Verbindung, die Tasteneinstellungen, den Piepton des Geräts oder sein RGB-Licht, aber auch die Firmware lässt sich ganz einfach auf den neuesten Stand bringen (im November 2023 war dies die V3.1.24). Das war’s, und eure ersten Drucke könnt ihr mit dieser App ganz einfach starten, aber dann wird es ernst. Und damit meine ich: Es wird individuell.

Die notwendige Software

Denn natürlich ist es für den ersten Eindruck wichtig, mal vorgefertigte Skulpturen und Benchies wie ein Standard-Boot drucken zu können. Doch sobald ihr das Potential eines 3D-Druckers wie dem AnkerMake M5C nur im Ansatz erahnt habt, wollt ihr natürlich mehr. Darum gibt es das AnkerMake Studio-Programm für Windows- und Mac-Computer, das euch ganz wie ein 3D-Modell-Programm die Möglichkeit gibt, eure Ideen Realität werden zu lassen. Der Drucker ist mit allen Dateien kompatibel, die vom AnkerMake Studio-Slicer kommen, aber auch die Resultate der Programme Prusa und Cura werden einwandfrei unterstützt. Was den Einstieg in das Studio-Programm angeht, so lässt es euch nach dem Akzeptieren der Vertragsbedingungen gleich loslegen. Es empfiehlt sich, ein zuvor heruntergeladenes Projekt per Drag & Drop in die App zu ziehen, damit ihr etwas zum Herumspielen habt.

Profis oder 3D-Modellierer:innen können aber auch von Null weg eine Form erschaffen – einen Vorteil habt ihr, wenn ihr mit PrusaSlicer Erfahrung besitzt. Denn AnkerMake Studio ist darauf basierend und dementsprechend gestaltet sich auch die Bedienung. Würfel, Zylinder und Kugeln lassen sich auf der virtuellen Arbeitsfläche platzieren und nach Belieben verändern, darunter fallen auch Negative für Einbuchtungen, zusammenhängende Teile, Support-Streben und mehr. Anfänger:innen werden sich eingangs damit nicht allzuviel beschäftigen und auch die Limits des Programms (vor allem im UI ersichtlich) kaum ausreizen. Aber auch, wenn sich die App offiziell noch in der Betaphase (nur in Englisch verfügbar) befindet, könnt ihr damit schon viel anstellen. Besonders cool sind die Funktionen „Place on face“ für Stabilität und „Arrange“, wenn ihr mehrere Stücke zugleich drucken wollt.

AnkerMake M5C: Die ersten Produkte

Natürlich ließen wir uns es nicht nehmen, direkt von der App und diversen Websites wie etwa Printables erste Werke direkt ohne großes Federlesen an den AnkerMake M5C zu senden. Und was kann man sagen? Das Plug & Play-Prinzip hat hier perfekt funktioniert! Namhafte Einsender:innen wissen, was sie tun, und haben die Supportpfeiler und andere Dinge gut platziert. So wurden innerhalb der ersten Woche problemlos ein beweglicher Drachen, aber auch ein Ork-Mini und andere Test-Teile produziert, ohne dass wir uns zuvor jemals mit dem Thema 3D-Druck tiefergehend beschäftigt hätten. Das sorgt für erste Erfolge und damit auch für Motivation, die man sich anschließend für die Vertiefung des eigenen Wissens mitnimmt. Also beginnt man, an Dateien herumzufeilen, Kleinigkeiten zu verändern und mittels Versuch und Irrtum Stück für Stück dazuzulernen.

Auffällig ist, dass die Geschwindigkeit des Druckers sehr hoch ist. Ihr könnt nämlich zwischen dem Schnellmodus, einem balancierten Modus und einem Präzisionsmodus hin und her wechseln. Der Schnellmodus unterbietet so gut wie immer die geschätzte Zeit, die ihr mit einer Modell-Datei bekommt – die AnkerMake-App macht dabei einen guten Job, euch die tatsächliche Zeit anzuzeigen. Doch der AnkerMake M5C ist nicht nur schnell, denn im Präzisionsmodus kann er auch sehr schöne Figuren und Modelle mit kaum sichtbaren Rillen produzieren. Dabei muss man festhalten, dass sich erfreulicherweise die Geräuschentwicklung sehr in Grenzen hält. Eine geschlossene Tür später bekommt man kaum mit, dass der Drucker sein Werk verrichtet – ideal, wenn so manche Modelle etwa über Nacht fertiggestellt werden. Da hilft der Play/Pause-Knopf, wenn ihr ihn braucht, natürlich mit!

Anmerkungen aus der Praxis

Auch, wenn dieser 3D-Drucker so leicht verständlich aufgebaut ist, wie es nur sein kann, und äußerst präzise zu Werke geht, so wird euch so manches Modell trotzdem nicht gelingen. Das liegt dann aber immer an den Modellen selbst, und in Wahrheit ist es allzumeist eine logische Sache. Der AnkerMake M5C druckt immer von unten nach oben, klar – man muss Bausteinchen für Bausteinchen aufeinander setzen. Das macht vieles möglich, auch Kugelgelenke und dergleichen sind problemlos machbar. Ihr müsst euch nur mit dem Thema ein wenig beschäftigen, denn wenn ihr etwa eine schwebende Kugel drucken wollt, kann diese nicht einfach frei schweben. Daher müsst ihr darunter einen Support, also eine unterstützende Säule drucken lassen, die ihr dann beim fertigen Modell einfach  wegschneidet. Feile nicht vergessen, damit bei sichtbaren Flächen keine Rückstände übrig bleiben!

Man kann einen 3D-Drucker wie folgt beschreiben: „Seitdem ich einen 3D-Drucker habe, löse ich damit Probleme, von denen ich zuvor gar nicht wusste, dass ich sie habe.“ Ob es nun Minis oder Ersatzteile für ein Brettspiel sind, ob es Halterungen für Arbeitsgeräte werden oder ein Sortierfach für Schmuck, ob es Abdeckungen, Dichtungen oder Dekorationselemente sind: Ihr findet euch, sofern Zeit und Lust gegeben sind, jede Menge Anwendungsfälle. Auch ich habe eher zur Sorte „wofür brauch ich das denn?“ gehört, und wurde mittlerweile eines Besseren belehrt. Denn: Wenn ihr ein Konstruktionsprogramm erlernen wollt, um dann eigene Ideen umsetzen zu können, ist es ein nahezu unersetzliches Werkzeug, welches euer Verständnis für Elektronik, Mechanik, Computer sowohl auch Kreativität, Vorstellungsvermögen sowie Problemlösung fördern kann. Und das ist schon eine Hausnummer für ein Gerät!

AnkerMake M5C: Die Technik

Die maximale Druckgröße des AnkerMake M5C wird mit 22 x 22 x 25 cm angegeben. Während die Druckbeschleunigung bis zu 5000 mm/s hinlegen kann, liegt die tatsächliche maximale Druckgeschwindigkeit bei 500 mm/s laut dem Hersteller. Tatsächlich erreicht wird diese wohl auch nicht, aber es ist schon eine Hausnummer, dass man das überhaupt angeben kann! Die Platte kann maximal bis zu 100°C warm werden, und die maximale Temperatur des Heizelements beträgt 300°C. Standardmäßig sind zwei Düsen beim AnkerMake M5C mit von der Partie, eine mit 0,4 mm und eine mit 0,2 mm beim Auslass. Das Hotend aus Vollmetall erlaubt euch dabei direkte Extrusion mit einem Extrusionsfluss von bis zu 35 mm³/s. Eine Auto-Nivellierung ist ebenfalls mit dabei, sie dauert in etwa zwölf Minuten und misst alles mit einem Raster von 7×7 Punkten aus.

Die unterstützten Materialen sind PLA, PETG/PET, ABS, TPU, PA, PLA-CF und PETG-CF – das klingt alles andere als nach einem Einstiegsmodell. Der maximale Energieverbrauch liegt bei 350 Watt, tatsächlich gemessen haben wir in der Spitze unter 300 – und das war beim Aufheizen. Klar ist, dass das Halten einer bereits bestehenden Wärme wesentlich weniger Aufwand bedeutet als von 30 Grad hochzuheizen! Als Schnittstellen werden WLAN, Bluetooth und USB-C angegeben – es gibt eine Buchse, an der ihr einen USB-C-Stick anstecken könnt. Mittels Play/Pause-Knopf könnt ihr dann (vorausgesetzt, ihr habt es so konfiguriert) die aktuellste Datei im Home-Verzeichnis drucken. Was die Größe des Geräts angeht, so beträgt sie 46,6 x 37,4 x 48 cm ohne Filamenthalterung, sie fügt der Höhe noch ein paar Zentimeter hinzu. Das Eigengewicht des AnkerMake M5C beträgt übrigens 9,6 Kilogramm.

Hochqualitativ, für Einsteiger:innen ideal

Wenn AnkerMake ein neues Produkt auf den Markt bringt, ist das allzumeist eine sehr durchdachte Sache. Und während man 3D-Drucker auch wesentlich günstiger erstehen kann, so ist der M5C von AnkerMake auf jeden Fall eine der besten und gangbarsten Lösungen. Denn während man im Vergleich zum hauseigenen M5-Gerät ein paar Abstriche macht – es gibt etwa kein Display und keine KI-Kameras, die den Druck live überprüfen -, so fallen diese Kompromisse eigentlich gar nicht auf. Es ist clever, ohnehin die Smartphone-App zur Steuerung und Konfiguration zu verwenden, und die One-Button-Lösung ist dann so eingestellt, wie ihr das möchtet. Zudem werden dadurch die Kosten des Produkts ordentlich gesenkt, und eine UVP von 449,- Euro positioniert den 3D-Drucker schon in einem leistbaren Bereich. Dazu kommen die Modi, die euch wahlweise Geschwindigkeit oder Präzision priorisieren lassen.

Damit erwartet euch ein wahrer Tausendsassa, der euch das Allerwichtigste rund um das Thema 3D-Druck sehr leicht und niederschwellig näher bringt. Rein vom Preis-Leistungs-Verhältnis geht nichts über dieses Produkt, denn es ist so vielseitig und gleichzeitig super verarbeitet, dass es eine Freude ist. Vor allem ist dieses Gerät äußerst zuverlässig, und es ist schön, wenn so ein zuvor eher nischiges Interesse dank einem derart zugänglichen Produkt zu einem echten Hobby werden kann. Dass das Thema des 3D-Drucks an sich ein kompliziertes ist und man selbst binnen eines Wochenendes ganz wie Alice im Kaninchenbau versumpfen kann, ist nicht die Schuld dieses 3D-Druckers. Insgesamt kann man nur sagen, dass der AnkerMake M5C einen idealen Einstieg in die Welt des 3D-Drucks darstellt. Hier scheint alles gelungen, von der Verarbeitungsqualität bis hin zu den fertigen Produkten!

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