Metroid Prime 4: Beyond im Test – Samus Aran in einer Open World? Scanning…
Das letzte Metroid Prime (das Remaster aus dem Jahr 2023 zählen wir mal nicht) ist zwar nur neun Jahre alt – in Game Development Zeitrechnung keine Ewigkeit – aber immerhin zwei Konsolengenerationen her und war zudem ein reiner Handheld-Titel auf dem Nintendo 3DS. Das Metroid Franchise ist schon länger das wohl meistvernachlässigte Franchise von Nintendo und besonders der Prime-Ableger ging wohl an vielen jungen Gamer*innen bisher vorbei.
Nach dem 2017 gezeigten eher minimalistischen Teaser zu Metroid Prime 4 war es lange still, bevor der Release im September 2025 für Dezember angekündigt wurde. Auch nach dem Announcement, das unter anderem Samus‘ Motorrad erstmals gezeigt hat, gab es auffällig wenig Stimmen zum Spiel von Seiten Nintendo. Alles in allem gab es reichlich Sorgen um den neuen Eintrag in die sehr beliebte Metroid Prime Reihe.
Metroid Prime Remastered hat bewiesen, dass das Spielprinzip der 3D First-Person-Metroidvania Formel nach wie vor funktioniert und gut ankommt. Metroid Prime 4: Beyond zeigt sich in den Trailern optisch eindrucksvoll und lässt Samus sogenannte Psi-Kräfte einsetzen und eine größere, offene Welt erkunden. Wie kann sich das Sequel aber tatsächlich von den Vorgängern abheben und sind Neuerungen immer besser? Wir haben Samus‘ neuestes Abenteuer für euch gescannt. Hier unser Logbuch-Eintrag.
Metroid Prime 4: Beyond ist für Nintendo Switch und Switch 2 erhältlich.
Samus Returns
Wo knüpft Metroid Prime 4 nun in der Story an? Nach den Ereignissen von Super Metroid, wird Samus Aran damit beauftragt, einen Angriff auf die Föderations Forschungseinrichtung auf dem Planeten Tanamaar zu verhindern. Der abtrünnige Kopfgeldjäger Sylux – ein alter Bekannter Samus‘ – will das dort kürzlich entdeckte uralte Alien-Artefakt stehlen. Zu welchem Zweck und worum es sich bei dem Artefakt handelt, ist uns nicht bekannt. Fest steht auf jeden Fall, dass wir den Piraten, die mit der Hilfe von Metroids diverse Soldaten und Monster kontrollieren lassen, das nicht durchgehen lassen können.
(c) Nintendo
Natürlich ist niemand so knallhart wie Samus Aran (ein Fakt, den uns auch die Reaktionen der Föderations-Soldat*innen sehr deutlich machen) und so gelingt es uns, den Angriff der Space Piraten zu stoppen. Im Showdown gegen ein Metroid-besessenes Ungetüm bricht allerdings Chaos aus. Samus erwacht im Tempel einer fremdartigen Alien-Rasse (später finden wir heraus, dass das Alien-Volk sich Lamorn nennt), die schon seit lange auf die Ankunft eines in einer Vorhersage prophezeiten Erlösers harrt, der sie vor dem Aussterben retten soll. Wie es das Schicksal so will, passt die Beschreibung dieses Erlösers perfekt auf… drei Mal dürft ihr raten… Samus Aran!
Erstmals ist die Kopfgeldjägerin dabei nicht ganz auf sich gestellt, sondern findet eine kleine, schrullige Gruppe an ebenfalls hier gestrandeten Soldaten*innen der Föderation, die uns durch die Level begleiten und uns auch verbal durch die Story führen. In einem Metroid Game Gesellschaft zu haben ist zwar ungewohnt, aber durchaus gelungen und die Charaktere sind unterhaltsam und beteiligen sich an vielen Stellen im Ablauf des Spiels. Umso eigenartiger wirkt dadurch allerdings das eiserne Schweigen von Samus, die sich im gesamten Spiel lediglich durch Gesten und Blicken an Unterhaltungen beteiligt. Ist die legendäre Protagonistin tatsächlich stumm oder möchte sie nicht mit ihren Mitstreiter*innen sprechen?
(c) Nintendo
Soweit zur Ausgangssituation im Kontext der Metroid-Welt. An dieser Stelle verliert der Story-Kanon aber auch seine Relevanz, denn der Rest des Spiels findet eigenständig statt. Frei von Auswirkungen auf die nachfolgenden Spiele, kann Metroid Prime 4 kann daher auch unabhängig vom Rest der Franchise stattfinden. Auch für Spieler*innen brauchen nur eine sehr wichtige Info vorab: Scan, baby scan!
Das große Schlüssel-Fetch-Quest
Viele der epischsten Videospiele sind im Grunde Fetch-Quests. The Witcher 3 ist quasi ein Ciri-Fetch-Quest. The Last of Us ist ein Ellie-Fetch-Quest. Elden Ring ist ein Runensplitter Fetch-Quest und viele Legend of Zelda Teile sind entweder Mastersword oder Triforce-Fetch-Quests. Wir belieben natürlich zu scherzen. Dennoch ist unsere Hauptaufgabe im neuen Metroid Prime, insgesamt fünf Master Keys aus verschiedenen Biomen zu finden und mit Hilfe des Master Teleporters vom abgelegenen Planeten Viewros zu entkommen.
Von überwucherten Dschungelruinen, über eisbedeckte Forschungslabore und in Lava schwimmenden Anlagen und Kraftwerken im Auge eines Sturms erleben wir dabei eine breite Variation an Umgebungen. Und Metroid Prime 4 hält hier auf beeindruckende Weise, was die Trailer versprochen haben. Die texanischen Entwickler von Retro Studios (Metroid Prime 2 & 3, Donkey Kong Country Returns & Tropical Freeze, Mario Kart 7, etc.) schaffen das wohl bisher am schönsten anzusehende Nintendo Spiel. Die Texturen sind weit detaillierter als man es von Nintendo gemeinhin kennt. Die Vegetation und Belebtheit der einzelnen Biome und Anlagen ist dichter und fühlt sich greifbar authentisch an. Die Licht- und Partikeleffekte schaffen wunderbare Atmosphäre. Das Sahnehäubchen sind Details wie subtile Spiegelungen in Glasoberflächen oder der sich langsam mit Frost überziehende Blaster-Arm, wenn Samus den Eis-Schuss zu viel benutzt.
(c) Nintendo
Wie ist Viewros aber nun als Spielerlebnis angelegt? Wie passt die klassische 3D Metroidvania-Formel der Prime-Reihe zu einer offenen Welt? Und sieht das Science-Fiction Motorrad nur cool aus oder macht es auch Spaß?
Durchkämmt die Wüste!
Das große Fragezeichen nach den letzten Trailern von Metroid Prime 4 waren natürlich Samus‘ Motorrad und die riesige (im Trailer sehr leer wirkende) Wüste, durch die Spieler*innen damit rasen sollen. Nun haben Wüsten es so an sich, im Allgemeinen ziemlich leer zu sein. Daher haben die meisten Videospiele mit Wüsten-Setting wohl auch sehr spezielle beispielsweise Indie-kreative oder Survival Zugänge (looking at you Journey and Dune Awakening).
Fangen wir mit der guten Nachricht an: In einer Wüste gibt es meist nichts als leere Weiten zwischen den wenigen interessanten Hotspots, weshalb sich gut anfühlendes Movement in einem Spiel umso wichtiger ist. Glücklicherweise macht es durchaus Spaß mit Samus‘ Bike namens Vi-O-La über Dünen und durch Schluchten zu rasen. Die recht repetitiven Kämpfe gegen die gelegentlich auftretenden Alien-Vögel oder Roboter allerdings sind bereits eher enttäuschend, da beide am besten durch Anhalten und Auto-Targeting Schüsse bezwungen werden. Nicht gerade adrenalingeladen.
(c) Nintendo
Von der Fata Morgana in den Sandsturm: Leider fungiert die wirklich große Wüstenregion von Metroid Prime 4: Beyond als nicht viel mehr als ein spielbarer, sehr eintöniger Ladebildschirm. Sozusagen ein Verbindungsglied zwischen den einzelnen Biomen. Dabei gibt es nicht viel zu tun. Neben einer Hand voll verteilter Schreine, finden wir lediglich Berge an grünen Powercrystals zum Aufsammeln. Zu allem Übel wurde außerdem die verblüffende Entscheidung getroffen, Spieler*innen nicht nur ein paar, sondern 100 Prozent aller in der Wüste verteilten Kristalle sammeln zu lassen, um die Story des Spiels abschließen zu können. Nicht nur ist die Region also überflüssig, wir sind auch noch gezwungen, sie stundenlang auf der Suche nach den letzten Kristallen zu durchkämmen (was auch mit dem später freigeschaltenen Kristall-Suchgerät eine zähe Angelegenheit ist). Zusammengefasst leider eine völlig danebengegangene Design-Entscheidung, die uns viel Frust abverlangt hat. Reibt die Wut in die Wüste!
Warum weiterentwickeln, was nicht kaputt ist?
Nach The Legend of Zelda: Breath of the Wild sowie Tears of the Kingdom und Super Mario Odyssey möchte Nindento das Erfolgsrezept Open World wohl in alle Spiele integrieren. Wie aber bereits die enttäuschende Welt von Mario Kart World gezeigt hat, schadet eine unausgereifte Open World einem Spiel eher, als es zu verbessern. Das zeigt sich auch in Metroid Prime 4: Beyond, in dem die offene Welt die einzige große Schwäche in einem sonst hervorragenden Spiel darstellt.
(c) Nintendo
Die verschiedenen Biome sind wunderbar abwechslungsreich, großartig anzusehen und funktionieren nach dem klassischen 3D Metroidvania-Prinzip. Das Gameplay mag hier nicht besonders innovativ sein, doch manchmal werden Dinge nicht ohne Grund als Klassiker bezeichnet. So doppelspringen, grapplinghooken und Morph-Sphere-rollen wir in anfangs unzugängliche Areale, erkunden die Geheimnisse des Planeten Viewros und genießen den Dopamin-Kick bei jedem neuen Upgrade, das wir erhalten. Die relativ eindimensionale Story und den eher gezwungen wirkenden Hauptantagonisten kann man Beyond dabei durchaus verzeihen.
Kopfschütteln verlangt uns allerdings die Entscheidung ab, das Sammeln aller grünen Powercrystals in der großen Wüste als Bedingung für den Abschluss der Story zu integrieren. Das langwierige Sammeln fühlt sich eher wie Strafe als Spaß an und man fragt sich, ob die Entwickler*innen wussten, dass ansonsten niemand lang in der überflüssigen Wüste herumgekurvt wäre. Daran ändert auch das coole Akira-Bike nichts.
(c) Nintendo
Metroid und Metroid Prime Fans empfehlen wir, die Wüste soweit wie möglich zu ignorieren und die altbewährten Metroidvania-Genüsse der tollen Biome zu genießen. Danach heißt es Kopfhörer auf, Podcast starten und die Powercrystals mit dem später freigeschaltenen Suchgerät abzuarbeiten. Als Belohnung wartet kurz danach ein richtig cooler Final Boss auf euch!
Metroid Prime 4: Beyond ist exklusiv für Nintendo Switch und Switch 2 erhältlich.