Destiny 2 kaufen oder nicht kaufen? Das ist wohl die Frage, die momentan noch einigen ZockerInnen unter den Nägeln brennt. Zurecht, denn mit dem dem Debüttitel haben die Halo-ErfinderInnen ordentlich an Vertrauen eingebüßt. Hier nun also mein Ersteindruck, der euch die Entscheidung unter Umständen etwas leichter macht.

Loot! Loot everywhere!

In Destiny 2 geht es wie vom ersten Teil und so vielen anderen Games, die auf die klassische Diablo-Suchtspirale setzen, gewohnt ums Looten und Leveln. Das war aber bei Launch von Teil 1 genau das Problem. Brauchbare Beute war kaum zu finden, und so endete es schlussendlich damit, dass zig Hüter vor der berüchtigten Loot-Cave abhingen. Alle ballerten sie wie wild in die Dunkelheit, hoffend, dass doch irgendwann einmal ein blaues oder gar lilafarbenes Engramm abfallen möge – ein nahezu erbärmliches Schauspiel.

Doch bereits bei dieser Grund-Gameplay-Mechanik hat Destiny 2 dazugelernt. So dropt schon kurz nach Spielstart immer einmal wieder gute Beute und die Item-Progression geht zügig voran. Auch nach den Story-Missionen wartet das ein oder andere exotische Item darauf, in eure Taschen zu wandern. Ein großes Plus für den Nachfolger des MMO-Shooters.

Wie? Destiny hat eine Story?

Nachdem diese im Erstling bei Launch nicht wirklich vorhanden war, darf man nun glücklich sagen: Ja! Destiny 2 hat sowas von Beginn an. Zwar eine generische „Kabale böse, Hüter gut“-Schwarz-Weiß-Malerei, aber immerhin. Die Storymissionen sind schön erzählt und münden immer in einer hübschen Render-Zwischensequenz. Durch die „Backstory“, die sich im ersten Teil nur kryptisch anhand irgendwelcher Sammelkarten auf der Destiny-Homepage zusammenklamüsen ließ, verkam das an sich interessante Universum um das Licht, den Speaker, die Guardians, den Traveller und deren Feinde, Vex, Schar, Gefallene und wie sie nicht alle heißen, zur Farce.

Seit der Erweiterung The Taken King für Destiny 1 hat sich zwar auch dieser Umstand gebessert, aber in Teil zwei löst Bungie diesen Makel komplett von Anfang an und liefert wie gesagt eine stringent erzählte Geschichte. Bereichert wird diese mit memorablen Charakteren wie dem vorlauten Hunter Cayde 6 oder lustigen NebendarstellerInnen, wie der auf Nessus anzutreffenden KI Failsafe, die dank ihrer gespaltenen Persönlichkeit durchaus als eine Art GlaDOS junior durchgehen könnte. Auch euer quirliger Ghost, der erneut von Nolan North gesprochen wird, trägt zum guten Gesamteindruck bei.

Jetzt kommen wir aber zu einem Problem für NeueinsteigerInnen. Bei Begriffen wie Kabale, Guardians, Traveller, Ghost und so weiter verstehen Leute, die den Erstling nicht gespielt haben, vermutlich erst einmal nur Bahnhof. Und das bleibt großteils auch so, denn auch in Destiny 2 glänzt eine Enzyklopädie zu den unterschiedlichen Rassen, Klassen und evtl. weiterführender Lore erneut durch Abwesenheit. Auch die Dramatik zu Beginn von Destiny 2, wenn unsere bisherige Heimat, der Turm und die letzte Stadt in Schutt und Asche liegen, wird Neulingen nicht so bewusst, bzw. geht ihnen nicht so nahe, wie den Fans des Vorgängers. Andererseits muss man erneut sagen: Durch die relativ seichte Epik, die die Geschichte von Destiny 2 an den Tag legt, kann man auch ohne Vorkenntnisse schnell ins Universum eintauchen.

Ein bisschen Grind muss sein

Die Hauptkampagne ist nach ungefähr 10 Stunden durchgezockt und mit relativer Sicherheit damit auch das Maximallevel 20 erreicht – und dann? Nun, dann geht der Daily-Grind los und der bietet dieses Mal sehr viel Abwechslung.

Alle, die Destiny 2 kaufen werden feststellen: die Open World ist prall gefüllt: An allen Ecken und Enden gibt es Dinge zu bestaunen und zu entdecken. Diverse Abenteuer – so nennen sich die instanzierten Side-Quests, an deren Ende ein stärkerer Boss wartet – Public Events, die mittlerweile auf der Karte mitsamt Timer angezeigt werden, verlorene Sektoren, die es zu befreien gilt, Truhen mit Glimmer und Marken, die euch bei den diversen Fraktionen im Level steigen lassen und euch so cooles Loot zugänglich machen, Strike-Playlists, bald startende Raids PVP im Schmelztiegel und und und … Destiny 2 füllt die schön und unterschiedlich gestalteten Public-Areas der unterschiedlichen Planeten mit Leben

Fazit: Soll man Destiny 2 kaufen?

Meine größten Kritikpunkte an Destiny 1 hat Bungie definitiv aus dem Weg geräumt. Die Story, so wenig Tiefgang sie auch haben mag, bringt den SpielerInnen die Welt sicherlich näher. Das Loot-System ist nun auch befriedigender und die Open-World bietet viele Aktivitäten, wenngleich alle irgendwann in einen Daily-Grind münden. Aber seien wir ehrlich: wer ein Loot-Driven-Game kauft, und glaubt dass das nie passieren würde, hat keine Ahnung von diesem Genre.

Die Tugenden, die Bungie schon immer beherrscht hat, nämlich schönes Shooter-Gameplay und toller Soundtrack, sowie atemberaubendes Level-Design sind ebenfalls wieder mit an Bord.

Alle, die also generell auf „grindige“ (nicht das Österreichische Wort ;-)) Games stehen, dürfen Destiny 2 kaufen, denn die Verbesserungen sind wirklich spürbar und die Suchtspirale greift. Wer allerdings dem Daily-Grind nichts abgewinnen kann darf Destiny 2 auf keinen Fall kaufen, denn der nette Storyhappen zum Aufwärmen ist eben nur ein Appetizer, aber kein Ersatz für ein vollwertiges Singleplayer-Spiel mit tiefer Story.